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lüder h. niemeyer

- seit 1959 -

 

Ein  spektakulärer  Fund

Nachdem  die  ridinger  handlung  sich  gegen

1 3  ( sic! )  lästige  Konkurrenten  durchgesetzt  hat .

Anschließend  der  Kustos
einer  bedeutenden  öffentlichen  Sammlung :
„ dann waren Sie es also , der uns das Blatt wegschnappte .
Gratuliere .
Ich  hätte  es  auch  gerne  gekauft . “

Äußerst  selten  für  Andreani  –

Literaturunbekannt  für  Ridinger

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die Allegorie des Todes. Kupferstich + Radierung nach Andrea Andreani (auch Andriani, Andreini, Andreasso, Andrea Mantuano; Mantua 1541 oder später – wahrscheinlich ebda. ca. 1623) auf Grund dessen Clair-obscur-Schnitts nach Giovanni Fortuna Fortunius (1535-1611, tätig in Siena). Bezeichnet: Joh. El. Ridinger excud. Aug. Vind. Blattgröße 57 x 40,6 cm.

Johann Elias Ridinger, Die Allegorie des Todes

Unbekannt  der  einschlägigen  Literatur

zu Ridinger bis hin zu Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik (1975), Niemeyer, Die Vanitas-Symbolik bei Joh. El. Ridinger (in L’Art Macabre, Bd. 2, 2001, erweiterte Fassung im Internet) und den maßgeblichen Sammlungs-, Verkaufs- und Ausstellungs-Katalogen von Weigel (1838) bis zur Gegenwart mit Ausnahme des signifikant bildbeschnittenen Torsos bei früher Graf Radulf zu Castell-Rüdenhausen. Thematisch aber

in  seinem  ikonographischen  Reichtum  unerreicht

vom Kern seiner teils extrem seltenen, aber eben doch bekannten Mementi, den Schabblättern Thienemann-Stillfried 1426-1431. Und kompositorisch weit entfernt von deren letzten beiden, den von Johann Jacob nach Dieffenbrunner gearbeiteten brutal realistischen (1430 f.). Hier denn

das  Memento  Mori  als  Virtuosenstück ,

als intellektuelle Herausforderung bei sprechend-reizvoller Bildhaftigkeit.

Formatmäßig  sichtbar  größer

als Andreani’s während seiner besten Periode in Siena geschaffener Farbholzschnitt von 1588 (51,1 x 33,9 cm Bildgröße), von dem hier in zahllosen Altmeister-Katalogen der letzten Jahrzehnte nur ein Exemplar des II. Zustandes nachweisbar ist, das seine Schätzung entsprechend nahezu verfünffachte (1994). Als Ganzes denn auch fehlend innerhalb der nicht miteinander identischen jeweils sieben Andreanis der Sammlungen Lanna (1895, + 3 Varianten) + Davidsohn (1920/21).

Diese  äußerste  Seltenheit  der  Andreani-Vorlage

( schon 1858 Nagler, Monogrammisten I, 86: sehr selten )

verleiht  Ridinger’s  Blatte  zusätzlichen  hohen  Belegwert .

Andreani’s generell nur schmales Œuvre wird heute auf ca. 70 Arbeiten beziffert (AKL, 1990, und

„ ist sein Wirken heute historisch und kunsthistorisch bedeutsam einzuschätzen“, wie Nagler, Monogrammisten I, 86, bereits 1858 festhielt: „… die ausserordentliche Thätigkkeit eines Mannes … über welchen seit Bartsch oft ein zu strenges Urtheil gefällt wurde … Andreani muss von einem anderen Standpunkte aus betrachtet werden …“ und ebda. per 1017: „der berühmte Formschneider “ ),

von denen ein Großteil aber auf die Zeit nach 1600 entfällt, da er sich in Mantua nur noch als Händler und Verleger betätigte, wobei er gleichwohl die erworbenen Fremdstöcke mit seinem Monogramm versah. Zwei Arbeiten aus 1608 bzw. 1610 gelten aber als nochmals originär. Bartsch’s Kernbestand von 25 und zweier ungewisser in Anzahl wie Zusammensetzung nicht mehr ganz aktuell. Unberührt hiervon aber

die  Allegorie  des  Todes ,

versinnbildlicht an Hand einer architektonischen Fassade. Mit einem in Verbindung mit einem Baldachin einem Wappenschild plastisch aufgesetztem Totenschädel, durch dessen Mund sich eine Schlange ringelt, als Kopfstück unterhalb eines Stundenglases, aus dem sich zwei einen schweren Felsstein zum Schleudern haltende Skelettarme nach oben strecken. Darunter in einer Rotunde die drei Parzen. Beidseits Kirchtürme mit Untertext und unterschiedlich agierendem Totenkopf unter dem Kreuz auf der Spitze und zwei gleichfalls variierenden Schädeln am Sockel. Auf den teils von zwei Skeletten getragenen Quadern darunter ITER AD VITAM .

Beidseits außerhalb dieser Skelette herabhängende Wappenschilde mit der Inschrift BONIS BONA bzw. MALIS MALA . Nach innen flankieren die Freunde ein Wagenrad mit acht beschrifteten Speichen (Nagler spricht gelegentlich des Fortunuus von acht sich auf der Achsenscheibe vereinigenden und mit deren Text kommunizierenden Strahlen), auf dessen Oberteil zur Linken Adam und zur Rechten Eva als schöne Sterbliche figurieren. Letztere reicht, sehnsüchtig schauend, den berüchtigten Apfel, wobei ihre Linke beziehungsvoll-lockend ihre rechte Brust liebkost. Adam, nicht zu ihr hinblickend, streckt seine Linke entgegen. Beider Hände treffen über einem Totenschädel zusammen.

Diese Gruppe der beiden fleischlichen und skelettierten Paare bilden in ihrer Kommunikation

das  Szeneereignis  welches .

Beide Tode stoßen ihre knöchernen Ellenbogen dem Menschenpaar in die Seite. Wovon Eva keine Notiz nimmt. Entsprechend Kopfhaltung + Mimik ihres Gevatters:

Oh , diese  Frauen !

Sein Pendant aber spricht zu Adam von Mann zu Mann. Entsprechend nachdenklich jener gesenkten Hauptes, zusätzlich die Rechte überlegend an die Stirn haltend.

Zwischen den Speichen des großen Rades der achtmalige Tod. Stehend oben für die Geistlich-, unten für die Weltlichkeit. Die umlaufende Außenbeschriftung STATVTVM EST OMNIBVS HOMINIBVS SEMEL MORI POST HOC AVTEM IVDICIVM. In der Mitte der Nabe SVM, vertas, omnibq idem. Zweizeilig herumlaufend CORNVA VENTRE GERO, NVMEROS IN VERTICE MILLE, / IN PEDE SERPENTEM, DIC MIHI, SVM QVIS EGO? Und zulaufend auf den Nabentext im Uhrzeigersinn

Vnde superbi / Vt deo placea / Et ideo studea / Terra est quasi fi / Cum nos Terra si / Mortem vitare nequi / De limo homo pri / Quid est nisi li .

Unterhalb des Rades und zugleich oberhalb eines offenen Sarges mit einer jungen Frau mit dem Kreuz in den Händen der kleine Kopf eines älteren bärtigen Mannes – ein noch kleinerer weiterer am Kopfende des Sarges – , beidseits flankiert von zwei großen Trauernden, über denen links ein Harfenkopf in Strahlenglanz, rechts eine Eule angesiedelt sind.

Vor und unterhalb des Sarges zunächst ein großes Schrifttuch TRIA SVNT VERE QUAE ME FACIVNT FLERE, flankiert vom symbolisierten geflügelten Tod, zwei kleinen Totenschädeln am Boden des Sarges, sowie geistlichen und weltlichen Attributen mit zwei verschlossenen Folianten als Verbindungsgliedern. Ganz außen auf den Sockeln der beiden Skelette zwei stehende Kleintode, jeweils eine ovale Schrifttafel haltend: MEMENTO MORI + MEMORARE NOVISSIMA . Den Abschluß bildet eine das Ganze verbindende Schrifttafel mit Primum quidem durum, quia scio me moriturum Secundu(m) verò plango, quia moriar, et nescio quando. Tertium autem flebo, quia nescio ubi manebo. Das Gemäuer im übrigen durchsetzt mit Zeichen seiner Vergänglichkeit.

Findet sich Andreani’s sogenannte „Melancholie“, die über einem Totenschädel meditierende Frau, als „künstlerisch ein Hauptblatt“ nebst Beisatz „thematisch ungewöhnlich“ qualifiziert, um wieviel mehr dies seine hier von Ridinger als ein

„ Pasticcio ikonographischer, ikonologischer und künstlerischer Zitate “

aufgegriffene „Allegorie des Todes“. Als

äußerst  selten  für  Andreani

(generell sprechen Thieme-Becker von „der großen Seltenheit der Blätter“ ) ,

als

Nahezu-Unikat  für  Ridinger .

Hier denn vorliegend in schönem, nicht mehr ganz zeitgenössischem Druck auf linienfreiem Papier mit Wortmarken-Wz. bei umlaufend feinem Rand um die Bildeinfassung. Nur hier und da knapp bis an diese beschnitten. Der gesamthaft gewissen Altersspurigkeit restaurativ professionell begegnet, wie auch die rückseitige (Wasser-)Fleckigkeit bildseits nur partiell ganz schwach durchscheint. Im schraffierten Randfeld unten rechts ein noch schwach sichtbarer Künstlerhinweis. Kurz ,

ein  seinesgleichen  suchendes  Rarissimum  von  schönem  Gesamteindruck .

Angebots-Nr. 28.482  /  Preis auf Anfrage

 


 

„ Habe heute Ihre Sendung dankend erhalten. Freue mich schon, das Buch meinem Mann … zu Weihnachten zu schenken. Liebe Grüße aus … am Dachstein “

(Frau K. G., 12. September 2007)