RIDINGER
in der Frühzeit der PHOTOGRAPHIE
bei Wiedergabe
eines Nahezu-Unikats
als Ergänzung zu den „Wundersamsten“
Ridinger – Laifle, J(ohann). Ridinger-Album. Eine Sammlung der schönsten und seltensten Hirsch- und Rehbock-Abnormitäten nach den Originalstichen photographirt. Mit Vorwort von F(ranz) von KOBELL. Lief. I (von 5). Regensburg, Alfred Coppenrath, 1865. Gr.-4°. 4-Blatt-Folder Titel, Vorwort + Inhalt des Gesamtwerks. Mit
9 (statt 10) auf Karton gewalzten Albumin-Abzügen
in ihrem Facettenreichtum herrlichen Hell-Dunkels
(16,4-17,2 x 12,9-13,3 cm), jeweils mit Nummer, Verlag + „Photographirt von J. Laifle“ auf dem Untersatz-Karton. OHlwd.-Mappe mit einseits verkürzter Schlaufe.
Von superber Seltenheit ,
fehlte das Album in jeglicher Form bereits 1889/90 auf Coppenraths eigener Versteigerung mit ihren reichen Ridinger-Beständen! Und unbeschadet der Inhaltsauflistung über das auf fünf Lieferungen zu je 10 Tafeln konzipierte – und so auch tatsächlich erschienene – Gesamtwerk und entsprechender Aussage zur zukünftigen Tafel 50 findet sich in den Vorgängern der Deutschen Nationalbibliographie bis hin zum „Gesamtverzeichnis des dtsprach. Schrifttums 1700-1910“, Bd. 117, nur die hier anstehende 1. Lieferung. Doch selbst schon für diese Fehlanzeige in allen hier archivierten großen Ridinger-Sammlungen + -Offerten! Dort ebenso fehlend zwei an gleicher Stelle geführte Konkurrenz-Publikationen. Nämlich „Abbildung einiger jagdbarer und reissender Thiere“ in 84 (Gesamtverz., wohl recte: 24) Photos in hoch-4°, Augsburg 1867 (Bln., Sandrog & Co.) + „Jagd-Album. Hirsch-Abnormitäten, interessante Hatzen und seltene Jagdthiere photographiert von B. Kliemeck (Serie 1, 64 Bll.) + C. Schauer Nachf.“ (Serie 2) in 18 Lieferungen zu à 4 (1-17 = 68) bzw. 2 (18) (Gesamtverz.: 16 Liefer., davon erschienen 1-12 à 4 Bll.) Photos in 4°, Bln., Lichtwerck, 1873/75.
Hiesige Photographien nach Blättern der „Wundersamsten Hirsche“, nämlich
Th. 248 (Brandenburg-Ansbach) – 244 (Württemberg) – 243 (Tübingen) – 250 (Tübingen) – 277 (Steiermark) – 260 (Augsburg/Allgäu) – 256 (Tübingen) – 249 (Wttbg./Serbien/Tübingen/Kirchheim).
Dazu auftrumpfend
mit kostbarer Ergänzung zu den Wundersamsten
indem es
Th. 1299 dokumentiert
(nachtragsweise Seite 289), von Thienemann kommentiert mit den Worten
„ … nach diesen trefflichen Zeichnungen ist ein Kupferstich von unserem Meister gefertigt worden, welcher sich nur in wenigen Exemplaren erhalten zu haben scheint … (Das Blatt) scheint von Ridinger zu der Folge der hundert Blätter bestimmt gewesen zu sein“.
Was hier ganz einfach erscheint, ist tatsächlich ziemlich komplex. So erweist sich
dieser „46“-Ender von Coburg-Saalfeld
nach bestwollender hiesiger Zählung zunächst einmal allenfalls als ein ungrader 40er mit 20 : 10 Enden, wie von Thienemann, Coppenrath, Schwarz, Sälzle und Schwerdt, dessen Exemplar der „Wundersamsten“ das Blatt zwischengebunden war, übersehen.
Einleitend zu 1299 rückverweist Thienemann dann auf seine Pos. 166, den Hirsch von Blatt 4 der „Abbildung der Jagtbaren Thiere“ mit den großen Spuren, und zwei Vorzeichnungen zu diesem, nämlich „einmal der Umriss in Rothstein, das andere Mal in Tusche schön ausgeführt“. Letztere Zeichnung könnte Tafel VII bei Sälzle (Zeichnungscorpus zu den Jagtbaren Thieren) sein. Diese entspricht jedoch dem Kupfer 1299 und hat geweihmäßig wie landschaftlich nichts mit Blatt 4 der „Jagtbaren“ zu tun (spiegelbildlich und mit abgeändertem Gatter Tafel X bei Sälzle), ist aber nicht für die Plattenübertragung gedacht gewesen, da im Stichsinn und auch frei von Übertragungsmerkmalen. Daß die Erläuterungen zu beiden Tafeln bei Sälzle untereinander vertauscht sind, erschwert die Entwirrung zusätzlich.
Das nur in Umriß gegebene Trittsiegel von Th. 1299 mit der Inschrift „Die Ferte von dem Hirsch“ läßt darauf schließen, daß Ridinger das Blatt ursprünglich für die Folge der „Jagtbaren“ gedacht hatte, es dann aber mittels Untertext à la „Wundersamsten“, ergänzt gar um je 8 Zeilen Ausmessungen des Hirschen, für diese umwidmete, in die es schlußendlich aber gleichfalls keine Aufnahme fand.
Lt. Coppenrath befinden sich die Druck-Platte zu 1299, Decke + Geweih des Hirschen sowie ein Öl, diesen, von einem Hunde verfolgt, in voller Flucht darstellend, in Coburg; ein Probedruck vor der Schrift, die von Ridinger dann hs. eingesetzt ist, seinerzeit in der freiherrlich von Dalberg’schen Slg. auf Datschitz in Mähren.

Laifle’s Photographie von Th. 1299 (Tafel 2)
solchermaßen von hohem Belegwert .
Es fehlt Tafel 5, Th. 247, der 66-Ender in Moritzburg.
Vorprogrammierte Väter oben belegter Seltenheit namentlich für das Ganze, aber eben auch schon für anstehende 1. Lieferung sind die Aufwendigkeit des Verfahrens + damit Kostspieligkeit der Edition. Ein Impressumvergleich des schon hiesiger 1. Lieferung beigegebenen Textvorspanns mit dem des früher hier durchgelaufenen Kompletten läßt annehmen, daß dem Verleger Coppenrath schon nach der 1. Lieferung offensichtlich der Atem zu kurz geworden war, sodaß er sich der Hilfe eines Partners in Gestalt des Hauses Manz versichern mußte. Lautet die Verlagsangabe auf hiesigem Titel nur „Regensburg. / Alfred Coppenrath. / 1865“, so auf dem zum früher hier gleichfalls durchgelaufenen Komplett-Exemplar „Regensburg, 1865. / Alfred Coppenrath. / München. / Hermann Manz.“. Übereinstimmend hingegen das Impressum am Schluß mit „Druck von G. J. Manz in Regensburg.“. Unabhängig hiervon variiert auch der Satzspiegel beider Titel. Im Falle hiesiger 1. Lfg. mißt dieser in der Höhe 25,5 cm, beim Komplett-Explr. aber 26,2 cm. Beim Tafelformat hingegen stehen Werte von, hier, 33,5 x 25,8 cm gegenüber nur 31,3 x 24,4 cm.
Aber trotz dieser wirtschaftlichen Verstärkung zeigt das Fehlen der Lieferungen 2-5 in den Bibliographien, daß das Unternehmen nur auf kleinster Flamme weiterbetrieben werden konnte.
Aber selbst noch in den 90er Jahren des Jahrhunderts als der Spätzeit dieser reproduktionstechnisch revolutionären und nun schon noch weiter vorangetriebenen Neuerung bedingten qualitätvolle photographische Galeriewerke, wie etwa die Braun’schen, einen Preis, der die Kunsthistoriker beklagen ließ, sie drohten „zu einem Privileg auszuarten“, indem sie Gelehrte und weniger bemittelte Kunstfreunde regelrecht mit „einer Art von Zwangssteuer“ belegten im Gegensatz zu „Privatkreisen, die in der angenehmen Lage sind, ihren ästhetischen Bedürfnissen nicht ganz unerhebliche Opfer zu bringen“ (zitiert nach FAZ vom 22. 8. 2001). Doch kein Geringerer als der große Bode in Berlin hatte sich „nach einer langen Versuchsphase, während derer er die Höchstleistungen beider Techniken (der von ihm zunächst favorisierten Nachstiche durch Künstler und eben der Photographie) prüfte, deutlich für die Photographie entschieden“.
Im Gegensatz zu mit Stärke überzogenen und damit eine stumpfe Bildwirkung bedingenden Photopapieren benutzte Coppenrath bereits mit Albumin (Eiweiß) überzogene Papiere „von hohem Glanz“,
„ weil es die feinsten Details wiedergibt “
(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., Bd. XIII, Seite 17 als „wie jetzt – 1889, also zwanzig Jahre später! – bevorzugt“).
Aussagemäßig hochkarätig
die Auflistung aller gedachter 50 Blätter durch Verweise auf deren, vereinzelt, körperliche Vorlagen, Öle (sic!) + Platten, sowie, vielfach, Vorzeichnungen + Probedrucke, etwaige Irrtümer. Exorbitant die Nachricht, daß zu Thienemann 245 von Ende der 30er Jahre als „ein äusserst interessanter Versuch Ridingers“ ein Ein-Platten-Farbendruck sowie ein solch weiterer technischer Versuch existieren. Diesbezüglich bekannt war bislang allein die auf ca. 1725 angesetzte unikate Hirschhatz Schwerdt III, 132 (Abb.), die von der Literatur, soweit dieser denn bekannt, als der vermutlich erste deutsche Farbendruck überhaupt angesehen wird.
Marginal reizvoll schließlich die Beteiligung Kobells an diesem
frühen Ridinger’schen Photographicum
(das erste mit auch nur lediglich 14 Photographien neben zudem herkömmlichen zahlreichen Holzstichen illustrierte Rheinbuch beispielsweise erschien erst 1868 bei Murray in London).
Hatte er sich doch schon 1842 mit seiner „Galvanographie, eine(r) Methode, gemalte Tuschbilder durch galvanische Kupferplatten im Drucke zu vervielfältigen“ einen technischen Namen gemacht. Auch mineralogisch publizierend, machten ihn im übrigen seine Jagdveröffentlichungen, allen voran sein „Wildanger“, bekannt. – Rückenbezug leicht altersspurig.
Angebots-Nr. 28.813 / EUR 998. / export price EUR 948. (c. US$ 1327.) + Versand
„ Danke für den wunderbaren (Ridinger-)Scan … der meine Argumentation zur Verwechslung in der Staffierung der Porzellane dokumentarisch bestens belegt. Darf ich um Ihre Zustimmung bitten, ihn in meiner Arbeit zeigen zu dürfen? “
(Herr J. R., 7. Juni 2004)

