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Ridinger’s extrem seltene 1723er Suitezitierend Savery’s Tiroler Hirschjagdmit Thienemann 9-11diesem + Schwarz unbekannt gebliebenem DruckzustandRidinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Hetzjagden. Folge von 4 Blatt. Radierungen, teils mit der kalten Nadel, von Johann Daniel Hertz I (1693 Augsburg 1754) für Jeremias Wolff dortselbst. 172(3). 36,5-37,2 x 49-50 cm bzw., 1 Bl., Blattgröße 34,5 x 48,7 cm. Th. 9-12 ( „… die ich selbst nicht besitze , aber gern besitzen möchte , 1856 ! ); Schwarz 9-12 (1. Zustand, ergänzt um 11a als 2. Zustand) + Bd. I, Tafel III; Schwerdt III (1928), 134 (Th. + Schwarz folgend unerkannt gebliebener 3. Zustand mit der Hertel-Adresse und solchermaßen irrig als Probedrucke vor der Schönborn-Dedikation bezeichnet); L’Art Ancien, Ridinger-Liste 14 (1939), 2 (Schwerdt’s vorgenanntes Explr. als „Anscheinend unbeschriebener Zustand“ und Schwerdt’s „vor“ der Dedikation zur Diskussion stellend, dabei für Hertel eine zu frühe Werthaltigkeit von „ca. 1723“ annehmend); K & F LXIV (1958), 167 in Drittzustand und solchermaßen möglicherweise wiederum das Schwerdt-Exemplar. – Der Verweis bei Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik / Deutschsprachiges Schrifttum, Lpz. 1975, I, 1, Seite 302, unter Bezugnahme auf L’Art Ancien, s. o. Unvollständig bei Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. XIII (1843), 12586 (nur Blatt 1 als Ätzdruck, identisch wohl mit dem bei Faber-Castell/Hamminger, s. u.); Coppenrath, Abt. II, 1449 f. (nur die auf Bildkante geschnittenen und mit „Rändchen ergänzt(en)“ Blätter 1 + 4 als „äusserst selten“, 1889, und vermutlich identisch mit Helbing‘s, s. u.); Reich auf Biehla 8 f., nämlich nur die später wohl bei Faber-Castell, s. u., figurierenden Bll. 3 + 4 als „sehr selten“, 1894, obgleich „Von allen (R.-Slgn.), welche seit langer Zeit [verhandelt wurden], kann sich keine in Bezug auf Vollständigkeit und Qualität auch nur annähernd mit der vorliegenden … messen … besonders die Seltenheiten und unbeschriebenen Blätter, welche in reicher Anzahl vertreten sind“ (1266 Blatt zuzgl. 470 Doubl. + 20 Zeichn.); Helbing XXXIV (1900), Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 8 f. als „bis an den Plattenrand beschnitten(e)“ Bll. 1 + 4 , offenbar die beiden obigen Coppenrath‘schen; Baillie-Grohmann (nur Bll. 2-4 in 1. bzw. [Bl. 3] 2. Zustand) als Pos. 3 in L’Art Ancien’s obiger Liste; Gräflich Faber-Castell (1958) 18 + 20 (nur Bll. 1, 3 + 4, davon Bl. 1 als Ätzdruck der Slg. Hamminger [1894], identisch wohl mit jenem bei Weigel, während es sich bei den beiden anderen um die Exemplare zuvor bei Reich auf Biehla handeln dürfte, siehe jeweils oben). Nicht bei Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885; „von grösster Reichhaltigkeit … [viele Seltenheiten]“) + Rosenthal, Ridinger, Liste 126 (444 Pos., 1940). Die im Erstzustand Lothar Franz von Schönborn (1655-1729), Kurfürst von Mainz und Fürstbischof von Bamberg, gewidmete drittfrüheste Jagdfolge des Meisters , deren Platten Thienemann 1856 als verloren konstatierte. Als noch nicht von Ridinger selbst herausgebracht, figurierte sie überdies nicht im Engelbrecht’schen Neuausgaben-Verzeichnis von 1824. Hier denn vorliegend in nur in einem Blatt (Th. 12) abweichenden Druck-, ansonsten unterschiedlichen Erhaltenszuständen, wie bei den ganz großen Seltenheiten der Grafik nicht ungebührlich, ja, gar durchaus von besonderem Reiz, da die Geschichte der Druckplatten dokumentierend.
Auszug zur Jagd (1) Mit reichem Trupp berittener Jäger – darunter eine Dame – sowie zahlreichen Hunden nebst Führern. Rechts im Mittelgrund sechsspänniger Jagdwagen. Die Mittelgruppe der Gesellschaft diente um 1750 Meißner Porzellanmalern als Vorbild für Teller. Bezeichnet: Ioh. Elias Ridinger, invenit et Pinxit. / Iohan(n) Daniel Hertz, Sculpsit., ansonsten wie nachfolgend. – 3. Zustand mit der Hertel-Adresse „Iohann, Georg, Hertel, excud:“ unten rechts sowie der „1.“ ganz unten rechts als Zustandsmerkmalen. – Mit latein. Sechs- („Virg. Æn. IV. 130“) + deutschem Vierzeiler als in dieser Form typisch für 2. + 3. Zustand. Selbst Fürsten wollen sich mit Jagen divertiren, Mittelfalte wie auch der gesamthaft gebrauchsspurige etwas knitterige Rand geglättet, in letzterem etliche Kleineinrisse säurefrei hinterlegt. – Unten auf Plattenkante geschnitten und der Optik halber harmonisch angerändert, sonst 2,3-3,5 cm breitrandig.
Eine Hirschjagd par force im Wasser (2) Zwischen zwei Waldstücken mit Durchblick auf parkartige Hügellandschaft erreicht die Jagd ihren Schlußpunkt. Ridinger zitiert hier generell Savery’s zeichnerische Tiroler „Boslandschap met Jagers“ aus spätestens 1609 (letzte Ziffer undeutlich; 193 x 269 mm, siehe Katalog der 1968/69er Wanderausstellung „Landschaptekeningen van Hollandse Meesters uit de XVIIe Eeuw … in het Institut Néerlandais te Parijs“ Nr. 138 + Taf. 1), die Aegidius Sadeler formatgleich noch gleichen Jahres in Kupfer umgesetzt hatte (Hollstein’s Dutch and Flemish Etchings, Engravings and Woodcuts, Bd. XXI, Amsterdam 1980, Nr. 225 als „Three Hunters and two Dogs near a Pool“ innerhalb der 6blätt. Suite 225-230 „Six Mountainous Landscapes in Tyrol“, bei Wurzbach 107 als nur 5blättrig), während für die jagdlichen Details Frans de Momper’s (1603-1660) malerische „Hirschjagd im Walde“ noch näher steht. Bei Savery bleibt das Wild unsichtbar, ist es eine ganz auf die linke Seite konzentrierte Pürschjagd dreier Jäger nebst zwei Hunden. Beiden Versionen gemein gleichwohl die Position des anlegenden Jägers hinter dem toten Baum (bei Savery eine Gruppe toter und lebender), die Ridinger indes zur prononcierten Vanitas-Doppel-Symbolik fortentwickelte: der Hirsch flieht geradewegs in sein Verderben. Unübersehbar strecken sich ihm die toten Äste entgegen, erwartet ihn der Schütze. Bereits bei Momper – siehe die Abbildung bei Beck, Künstler um Jan van Goyen, Nr. 823 – ist es denn die von rechts vorgetragene Parforcejagd, wobei der Hirsch indes am Rande des Wassers nach links flüchtet, von wo ihm zwei Hunde entgegenkommen. Hinter dem über das Wasser ragenden toten Baum kein Schütze, zumindest nicht im Anschlag, eher ein soeben einen weiteren Hund leinender Hundeführer. Ein solcher mit zwei Hunden findet sich ganz vorn links auch bei Ridinger. Denkbar, daß weitere letzteren inspiriert habende Wiederholungen existieren. Zu Savery’s Tirol-Blättern generell heißt es im Katalog: „Door deze Tiroolse tekeningen en ook door de prenten deed het grandioze Alpenlandschap … als dankbaar motief zijn intrede in de Nederlandse schilderkunst; op tijdgenoten en navolgers maakte het een diepe indruk.“ Es ist, mein Edler Hirsch! dißmal um dich geschehen, Sehr schöner Druck des 3. Zustands – bezeichnet nur mit der Hertel-Adresse, ansonsten wie vor. doch mit der „2.“ + „Virg. Æn. XIII. (Th. „XII“) 749.“ – in adäquat schönem Exemplar auf unbeschnittenem festen Bütten von 47 x 63,8 cm Blattgröße bei 5-7,5 cm breitem Rand! In diesem links die technischen vier Durchstiche und oben rechts ein 4 cm tiefer hinterlegter Einriß, endend 2 cm vor dem Plattenrand.
Saujagd (3) In einer Mulde wird dem Keiler, nachdem er noch zwei der Rüden erledigt hat, mit der Saufeder der Fang gegeben. Zu den Seiten die Jagdgesellschaft. Von Thienemann/Schwarz als Blatt 4 geführt und demnach von Hertel umnumeriert. – Sehr schöner Druck des 3. Zustands – bezeichnet wie das vorherige. doch hier mit „3.“ + „Virg. IV. Æneid. 156. III. Georg. 374.“ – in wiederum adäquat schönem Exemplar auf festem Bütten von gar 50,6 x 70 cm Blattgröße bei 6-10,3 (sic!) cm breitem Rand. Man pflegt das Wilde Schwein mit gusto zu verzehren, Im linken Rand die technischen vier Durchstiche sowie ein kleiner, säurefrei hinterlegter Einriß. Hier wie auch im Oberrand – im rechten Außenrand desselben hinterlegte kleine Fehlstelle – dünne Spur eines Wurmganges. Je ein stecknadelkopfkleines Wurmloch in der Staffage um den See und im linken weißen Rand, stecknadelspitzenwinzig im weißen Plattenrand an der Bildeinfassung oben rechts. Der rechte Plattenrand mit etwas Plattenschmutz. Vollständig geglättete, fast nur noch im weißen Rand erkennbare Mittelfalte.
Bärenhatz in Polen (4) Nahe dem Lagerplatz der Bären oberhalb der Felsen, aus dem ein zweiter das Geschehen mit Ingrimm verfolgt, erhält der eine inmitten der Hunde den Todesstoß vom Jagdherrn. Weiterhin zahlreiche Jagdgesellschaft, teils die übrigen Hunde mühsam zurückhaltend. Von Thienemann/Schwarz als Blatt 3 geführt und demnach von Hertel umnumeriert. Leuchtend herrlicher Druck des 1. Zustands entsprechend der Bezeichnung links + rechts „Iohann Elias Ridinger invenit et Pinxit. / Cum Prov. S. C. Maj.“ bzw. „Iohann Daniel Hertz sculpsit Augustae Vindelicorum. 172(3.) / Ieremias Wolf excudit“ sowie dem Virgil-Untertext als nur latein. Zweizeiler, der hier unterhalb der ersten Zeile beschnitten ist. Ansonsten oben und an den Seiten auf oder knapp innerhalb der Bildeinfassung geschnitten. Verschiedene kleinere, in den Oberecken größere Einrisse sowie Durchstiche in den Ecken säurefrei hinterlegt und bildseits ebensowenig ins Auge fallend wie verschiedene Falt- und Knitterspuren. Ein 1 cm breiter Ausriß im rechten Seitenrand dezent ergänzt. Die herrliche , ganz komplette Suite der frühen Jahre , da die Arbeiten noch von Dritten in Augsburg gestochen und verlegt wurden und die sämtlichs unsagbar selten sind. Dies sogar trotz wiederholter Auflagen, die somit gar nicht klein genug gedacht werden können. So fand die Ausgabe mit der Hertel-Adresse erst über Schwerdt / L’Art Ancien in die neuere Literatur (Wend), ist also Thienemann und Schwarz nicht untergekommen, obgleich ersterer die Hertel’sche Neuauflage der 1722er Hunde-Folge (Th. 551-557 und gleichfalls Hertz für Wolff) in seinem 1. Nachtrag, Seite 4, erwähnt und zugleich deren Druckqualität moniert, was hier für den Auszug, nur ganz bedingt für die Saujagd und schon gar nicht für die Hirschjagd gleichen Etats zutrifft. Hertel ist der Stammvater der Augsburger Kupferstecherfamilie, der später, nachdem er einen Teil des J. Wolffschen Verlages erworben hatte, selbst einen Verlag gründete. Er lebte noch um 1760 (Thieme-Becker XVI, 552). Hingegen besaß Baron Gutmann die Bärenhatze der Folge (Schwarz 11a) als „2. Abdruck“ mit der Adresse „Iohan Frid. Probst, Haeres Ier. Wolffij excud.“, was insofern irritiert, als Johann Balthasar Probst als Schwiegersohn Wolffs diesem nachfolgte und so auch schon die, neben Hertz, von ihm gestochenen Blätter von Ridinger’s 1722er Reitschule signierte und auch von Nagler so geführt wird. Die Hertel-Adresse stünde somit für den 3. Zustand. Analog zu jenem Probst-Zustand Schwarz 11a blieben nach Kenntnisstand an Hand hiesigen Exemplars im Hertel-Zustand bei Hirsch- + Saujagd die ursprünglichen Künstler-Signaturen fort, nunmehr aber auch der Privilegvermerk, und an Stelle der Probst-Adresse trat die Hertel‘sche. Blatt 1 hingegen, der Auszug, trägt neben letzterer rechts linksseits auch (wieder) die Ridinger/Hertz-Signaturen. Die Reihenfolge der Bll. 3 + 4 untereinander getauscht, siehe oben. Probst- und Hertel-Zuständen gemeinsam ist die lateinisch-deutsche Parallelität der Virgil-Verse, die im ersten Zustand nur in Latein stehen und von Thienemann für die Blätter 1 + 2 (Th. 9 + 10) mit 5, für 3-4 (11 + 12) mit 6 Versen angegeben werden. Schwarz nennt die „5 Verse“ pauschalierend unter Blatt 1, dessen gebrachte Abbildung – Bd. I, Tafel III – aber zählt 6 Zeilen, wie dann auch für Blatt 4 (Th. 12) genannt. Sechs lateinische denn auch bei hiesigen Hertel-Zuständen, zuzüglich ihrer vierzeiligen deutschen Parallele, die Schwarz auch im Probst-Zustand 11a meldet. Hinzu kommt die Existenz von Zwischenzuständen schon innerhalb des Wolff’schen Erstzustandes. So belegt an Hand des 3blätterigen Torsos (Bll. 2-4) der Sammlung Baillie-Grohman, nämlich für Blatt 2 (Th. 10): „trägt die Künstler- und Verlegernamen nicht, wie bei Schwarz, unten in der Mitte, sondern links und rechts in den Ecken“. Also so wie hiesige Bärenjagd, deren weitere Abweichung zu Schwarz schon oben angesprochen wurde. Ob die Dedication für den 1729 verstorbenen Schönborn auf Blatt 1 (Th. 9) schon im Probst-Zustand ersatzlos fortgefallen ist, muß vorerst offenbleiben. Es könnte zugleich Aufschluß geben über den Tod Wolffs, für Nagler und Thieme-Becker 1724 mit Hinweis auf 1730 seitens anderer. All diesen den Kennern wichtigen Details letztlich vorgehend indes aber die extreme Seltenheit selbst nur einzelner Blätter dieser Folge, geschweige denn dieser als Ganzes, wie eingangs über 170 Jahre hinweg dokumentiert. Und so mag resümierend wiederholt sein, was L’Art Ancien in Zürich 1939 seinem Schwerdt-Exemplar im Hertel-Zustand voranschickte: „ Große und dekorative Blätter aus der Frühzeit , von größter Seltenheit .“ Solchermaßen denn hier + heute nach weiteren 70 Jahren unbeschadet nicht gänzlich einheitlicher Druckqualitäten und teils abweichender Erhaltung eine ganz kapitale Trophäe , die Ihnen kaum jemals wieder angetragen werden dürfte . Angebots-Nr. 28.885 / Preis auf Anfrage
(Mevr. E. E., June 29, 2002) |