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„(D)as  politische, wirtschaftliche und  kulturelle  Leben

Europas und Nordamerikas

(beeinflußt  von  der  Reformation).

SIE  IST  SACHSENS  BEITRAG

ZUR  WELTGESCHICHTE.“

Hier  denn  die  Kirchenvisitation

als  Auslöser  für  Luther’s  Großen + Kleinen  Katechismus.

 

RIDINGER’S

„ Höchst  seltenes  fliegendes  Blatt 

zur  Feier  der  200. Visitations–Wiederkehr

und in Gedenken des 79. Jahrestags

des Westfälischen Friedens.

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Evangelische Kirchen Visitation. Blick durch eine von mit Palmenzweigen bestückten Rocaille-Titelkartusche zusammengehaltene Draperie auf eine „bühnenhaft im Sinne eines geschlossenen Schauplatzes“ (Schöne) komponierte Konsistoriumssitzung mit Luther und seinem Landesherrn als Mittelpunkt der unter der Losung Joh. V, 39 „Suchet in der Schrifft“ versammelten, diskutierenden und Schriften studierenden Welt- und Geistlichkeit. Der engere Kreis vorn am Tisch, der erweiterte in weitem Halbkreis um diesen herum placiert. Zwischen den Oberlichtern der ansonsten verhangenen Fenster Bilder zu I. Sam. VII, 16 / II. König 11, 1 , 4 + 5 / Matth. IX, 35 / Act. VIII, 14 + Act. XV, 36. Kupferstich von Johann Jacob Kleinschmidt (1687 Augsburg 1772). (1728.) Bezeichnet: Elias Riedinger (sic!) delin. / Ioh. Iacob Kleinschmidt Sculpsit, sonst wie oben. 23,6 x 31,7 cm.

Johann Elias Ridinger, Evangelische Kirchen Visitation

Provenienz

Sammlung  Alfred  Coppenrath,  Regensburg,

dessen  Versteigerung  Abt. II  (Leipzig 1889), Nr. 1606
und  dort  qualifiziert  als

„ Höchst  seltenes , fliegendes  Blatt , in  unbeschriebenem  Zustand “,

zu letzterem siehe indes unten

Marsch, Bilder zur Augsburger Konfession und ihren Jubiläen, Weißenhorn 1980. – Stillfried (1876) + Schwarz (1910) 1381; Reich auf Biehla 282 ( „Aufgezogen. / Interessantes Blatt … Höchst selten“, 1894 !); Boerner CXXII, 1385 (das Explr. Graf Constanza C.....a, Mailand, „Äußerst selten“, 1913) + Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I,1 (1975), Ridinger 43.

Das im Rahmen der „Augsburger Friedens-Gemälde“ (1650/1-1789) geschaffene Bild gilt der Jahresgabe für 1728. Wobei der typographische Begleittext „häufig nur angeklebt“ (Gode Krämer; so denn auch die Explre. Stillfried, Schwarz, Faber-Castell), also separat gedruckt ist. Bei dem Exemplar der Kunstsammlungen Augsburg findet er sich rückseits des Bildes als mutmaßlichem Merkmal der Herkunft aus einem der chronologisch, gleichwohl mehr oder weniger zwanglos zusammengestellten seltenen Augsburger Sammelbände der Reihe. So zunächst seitens Baumgartner’s, dann Joh. Michael Roth’s (1732, eine weitere mit 1749er Vorwort).

Nach 1789er Auslaufen der Friedens-Gemälde präsentierte Roth 1790 dann die Gesamtreihe, wobei bis einschließlich 1731 die Bilder – wie denn auch hier – auf die Rückseite der Texte des Vorjahres gedruckt wurden. Sowohl in seiner Abfolge als auch in seiner viel großzügigeren Typographie weicht hiesiger 1727er vom Augsburger früheren Exemplar ab. Größer auch die Initiale, die abweichende Textanordnung mit zudem zurückhaltenderer Bordüre. Dieser Ausgabe also dürfte hiesiges Exemplar entstammen: das Ridinger/Kleinschmidt’sche Kupfer zu 1728 findet sich auf der Rückseite des Textes zum „Friedens=Gemähld“ von 1727. Was immer wieder zur Fehleinschätzung als eines unbeschriebenen Zustandsdruckes führt.

Generell im übrigen nicht bei Thienemann (1856), im Weigel’schen Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838-1857), beim Marktleerfeger Hamminger (1895), in Helbing’s (Ridinger-)Katalog XXXIV (1900, 1554 Positionen!) !

Kronen-Wappen-Wz. – In der linken Oberecke des breiten weißen Randes hinterlegter dreieckiger Ausriß von ca. 1-1,5 cm, die Oberkante ganz schmal angeschmutzt, ansonsten quasi blütenrein + unberührt bei bildseits nicht wahrnehmbarer geglätteter Mittelfalte. – Verso 2spaltig zu 50 Zeilen typographisch 

Johann Elias Ridinger, Evangelische Kirchen Visitation

„ Friedens=Gemähld,

Der  Evangelischen  Schul=Jugend  in Augspurg, bey  wiederholtem
Danck=  und  Frieden=Fest,  den  8. Augusti  Anno  1727.  ausgetheilet.
Genommen  aus  der  Heil.  Schrifft  und  der  Reformations=Historia.

Auf, liebste Kinder! kommt, des Höchsten Güt’ zu preisen, Die er in vorigem so Sorgen=vollen Jahr Und noch biß diese Stund uns gnädig wolt’ erweisen, Da er von uns gewandt besorgte Kriegs=Gefahr, Und uns in dieses Jahr im Frieden eingeleitet, Denselben auch bißher erfreut geniessen läßt, Zumalen diese Freud ein’ andre noch begleitet, Da unsre Kirch begeht ihr Danck= und Freuden=Fest.

Nun  neun  und  sieb’nzig  mal  zum  frohen  Angedencken

Des  grossen  Friedens=Wercks

(Westfälische Frieden, 1648, Sperrungen + Einrückungen, Rot- + Fettsatz nicht im Original),

so  unsers  GOttes  Gnad … damals  befördert  hat.

Was  nun  vor  langer  Zeit,  und  schon  zwey  hundert  Jahren  A.  1527.

Die Anfangs kleine Heerd’ der wahren Kirch=Gemein / Das soll der Innhalt heut des Denck=Gemähldes seyn. Es waren dazumal kaum zehen Jahr verlauffen, Daß durch Lutheri Dienst … Das hell= und klare Liecht des Worts war wiederbracht; … Sein kräfftig Feuer war von niemand aufzuhalten, Es drunge auch so gar ins kalte Norden ein. In Schweden ward dadurch des Königs Hertz gerühret, … Zu gleicher Zeit ist auch in Dännemarck aufgangen … indem zu Odensee Der König an die Ständ’ ließ folgendes gelangen, … So hatten damals auch gleich günstiges Geschicke Zwey Städte, deren Ruhm noch diese Stunde blüht,

Hamburg  und Magdeburg,

O welch ein grosses Glücke! Daß man auch jetzo noch darinnen leuchten sieht … Es ließ in diesem Jahr der weise GOtt entstehen

Die  Pest  in  Wittenberg,

Lutherus war gerührt Nicht an dem Leibe nur mit harter Kranckheits=Plage, … Es hat auch damals nicht an manchen Sturm gefehlet, Den der Verfolgungs=Geist hat hier und dar erregt, Darunter wird mit Recht der schwere Haß gezehlet, Den einst

Hertzog  Georg  zu  Sachsen

hat gehegt Wider den Prediger bey Hofe, … Noch mehr und härtere Verfolgung muste leyden Ein Priester eines Dorffs, so Kayser war genannt, … Der …

Mit  Feur … zu Scharding  wurd  verbrandt. … “

Den eminent wichtigen historischen Hintergrund des Reformationsgedenkens dieses Flugblattes bildet die von Luther angeregte und ab Oktober 1528 auch selbst geleitete

„berühmte  sächsische  Kirchenvisitation,

durch  welche  die  neue  Kirche  erst  recht  in  die  Erscheinung  trat “

(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., IX, 781 + X, 1023, mit – analog zum hiesigen Flugblatt – 1527 als Startjahr; die neuere Literatur nennt hierfür bereits 1726, siehe unten).

„ Im Kurfürstentum – im ernestinischen – Sachsen war inzwischen unter den Nachfolgern Friedrichs des Weisen … nach den wilden Jahren des Anfangs mit dem Aufbau einer evangelischen Landeskirche begonnen worden. Als Vorbild diente der erste evangelische Staat, das … Herzogtum Preußen … So erfolgte beispielgebend für andere evangelische Territorien, von 1526 bis 1530 die kursächsische Kirchen- und Schulvisitation, für die Melanchthon 1528 den ‚Unterricht der Visitatoren‘ verfaßte … Das Ergebnis offenbarte eine erschreckende Unkenntnis in Glaubensdingen bei Pfarrern und Gemeindegliedern. Luther sah sich veranlaßt, 1529 für die Pfarrer den ‚Großen Katechismus‘ und für den Gebrauch der Hausväter den ‚Kleinen Katechismus‘ … zu verfassen … Für die kirchliche Gerichtsbarkeit … werden … Konsistorien  errichtet … Für die Visitatoren entwirft Justus Jonas die sogenannte ‚Heinrichsagende‘ … die zur offiziellen Kirchenordnung wird “

(Christian Zühlke, Die Reformation in Sachsen, in Von der Liberey zur Bibliothek – 440 Jahre Sächsische Landesbibliothek, 1996, Seiten 133 f.).

Deren mit 1527 angenommener 200. Wiederkehr zu gedenken, ist also das zentrale Anliegen des 1727er Textes anstehenden Probe- und Zustandsdruckes.

Eingebettet das Ganze in Zühlkes Statement (a. a. O., Seite 123):

„ Sachsen  ist  das  Mutterland  der  Reformation .

Sie  ist  Sachsens  Beitrag  zur  Weltgeschichte .

Die aus der Reformation hervorgehenden Konfessionskirchen der Lutheraner, Reformierten und Anglikaner sowie die spiritualistischen Bewegungen

beeinflußten  das  politische,  wirtschaftliche  und  kulturelle  Leben

Europas  und  Nordamerikas.“

Über all dies hinaus verrät das Bildkonzept Ridinger’s Verbundenheit mit der niederländischen Emblematik, wie schon in frühesten Arbeiten dokumentiert. So steht der Vorhang des Vordergrundes für den Vorhang des Lebens sowohl als seit dem Mittelalter als Symbol des Geheimen, des Mysteriums, als das wir, beispielsweise, die Zäsur des diesseitigen Todes zu begreifen haben. Und in der Tat haben wir mit Luther und seinem Kurfürsten nicht nur die themenbezogenen Zentralfiguren vor uns, sondern zugleich Verstorbene. Entsprechend sind die Fenster verhängt. Das Licht kommt übertragenen Sinnes von oben, von den Oberlichtern und aus der Titelkartusche heraus. In letzterer vereinen sich nicht nur die Schnüre des Vorhangs, sondern deren Palmenzweige sind Synonyme für das nachirdische, das ewige Leben.

Dies denn das Umfeld dieses in so vielerlei Hinsicht interessanten und seltenen Blattes, brandfrisch gestochen nach Ridinger’s zeichnerischer Vorlage.

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„ heute kam ich wieder nach Hause und fand die Bilder vor. Sie sind wohlbehalten angekommen und in einem guten Zustand … Vielen Dank für Ihre Mühe “

(Frau E. K., 24. Juni 2002)

 

Die  Auslese  des  Tages