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GEORG PHILIPP RUGENDAS I1666 Augsburg 1742
1704 – 2004Zum 300. Jahrestag der Schlachtvon Höchstedt / BlindheimDie beiden monumentalen Rugendas-Reiter-Portraits Teuscher 55 + 58 Prinz Eugen von Savoyen + der Herzog von Marlborough als den Siegern des 13. August , die „dem spanischen Erbfolgekrieg eine entscheidende Wendung gab(en)“. Und zusammen nicht nur als denn immerhin gleich zweien der superb seltenen, von Ridinger als Anregung für seine eigenen „Fürstliche(n) Personen zu Pferde“ genutzten sechs Blatt der complett literaturmäßig hier nicht mehr belegbaren großen Rugendas’schen Folge der Fürsten zu Pferde auf galoppierenden Schimmeln mit dem Marschallstab in der Rechten von , ganz brandfrisch , (1713/1714) als nichtsdestotrotz ungemein reizvolle, ganz persönliche Versuchung + Verlockung, die peu à peu-Complettierung eines Tages dennoch als vielleicht dann einmalig und einzigartig überdies zu erreichen, sondern auch in bildlicher Hinsicht, indem rahmensmäßig Und, mehr noch, diese beiden Erlauchten zu Lebzeiten in engstem persönlichen Konnex zueinander standen : „ … fanden die beiden ruhmgekrönten Feldherren … sich wieder . “ Nämlich seit 1704 im Krieg Österreichs und seiner Verbündeten gegen Frankreich mit Bayern.
(von Arneth in der ADB, VI, SS. 409 + 411). Und so fort. Bis zu den Friedensschlüssen von Utrecht + Rastatt (1713/14). Und in ihrer historischen Wirksamkeit noch weit über diese hinausgehend. Noch 300 Jahre später gedenkt man des Zusammenspiels ihrer Maßstäbe setzenden persönlichen Tapferkeit. So, wenn Eberhard Straub gelegentlich der Rheinsberger Prinz Heinrich-Ausstellung von Friedrichs des Großen „ militärischen Verwegenheiten in der Tradition des Prinzen Eugen und des Herzogs von Marlborough “ spricht (FAZ 12. 8. 2002). Ihrer beider so adäquate Portraits von der Hand des großen Rugendas als Zeitgenosse hier denn qualifiziert durch Vorbesitz der auf Anfang des 19. Jahrhunderts zurückgehenden Portrait-Sammlung von Vater + Sohn von Roemer, die 1871 auf das heutige Museum der Bildenden Künste Leipzig überging und von diesem 1924 offenbar als Ganzes (nicht nur in Doubletten, wie Lugt vermerkt; siehe Versteigerung Boerner 142) veräußert wurde. Recto unten rechts dessen Bestandsstempel „Staedtisches Museum zu Leipzig“ (Lugt 1669e), verso der Ausscheidungsstempel „Abgegeben v. Museum d. b. K. Leipzig“ (L. 1669f). – Sehr schöne, nuancenreiche Drucke von leuchtendem Hell-Dunkel und adäquater Erhaltung. Andrea Teuscher gibt für die Folge per Nr. 56 „ca. 8 Bll.“ an, kann aber gleichwohl nur sechs beschreiben (53-58). Denn das von ihr unter 59 als „zusätzliches Blatt“ geführte ist weder stilistisch, noch format- und unterschriftmäßig zugehörig, wäre zudem auch eine Wiederholung des Eugen-Portraits 55. Insofern folgt sie Stillfried’s Irrtum, der es in Unkenntnis des auch Nagler unbekannt gebliebenen tatsächlichen per 281 in die Folge einbezog. Auch ihr Literatur-Beizug Boerner ist unzutreffend, da gleichfalls 55 betreffend und St. 281 (T. 59) als Nachstich ansehend. Siehe zu all dem hiesige Nr. 14.364. Tatsächlich auch dürfte die Folge sechsblättrig mit T. 53-58 complett sein, wie sie denn auch – offensichtlich als einziges Exemplar! – auf besagter Boerner-Versteigerung „Kupferstichsammlung von alten Meistern des XV.-XVIII. Jahrhunderts“ unter Pos. 1670 wie folgt figurierte : „ Die schönen , großen Reiterporträts in prachtvollen , gleichmäßigen , frischen Abdrucken … Sämtlich auf blauem Karton altmontiet . “ Ergo das zwischenzeitlich nunmehr vereinzelte von Roemer’sche Exemplar des Leipziger Museums, dem die hiesigen Positionen 14.363 + 14.364, T. 55 + 58, angehörten. Womit hier derzeit kein vollständiges Exemplar literaturbekannt ist . Denn dessen Nachweis bei Teuscher ist an Hand hiesigen obigen Nachtrags nunmehr gestückelt. Und den dort des weiteren beigezogenen Exemplaren in Coburg + Dresden fehlt jeweils das hier anstehende des Herzogs von Marlborough (T. 58), zeitweisen Fürsten von Mindelheim. Jeweils fünf auch nur beschrieb als Einzelblätter Nagler und besaß Graf Stillfried. Beide nennen statt des richtigen Eugen nur dessen Nachstich (N. 8). So dürfte es sich um ein und dasselbe Exemplar handeln, das Nagler als Antiquar seinem gräflichen Kunden überließ. In Augsburg übrigens mit T. 54 nur ein einziges Blatt der Folge! Daß diese um Nagler 7 „Carl XII. zu Pferde mit dem Degen in der Hand, wie er die Feinde vor sich hintreibt, eines der Hauptblätter des Meisters“ als Teuscher unbekannt geblieben zu ergänzen wäre, erscheint stilistisch unwahrscheinlich, obgleich, analog zu T. 53-58 (nicht aber zu T. 59!), von Nagler gleichfalls als „gr. fol.“ bezeichnet. Denn keines der sechs gesicherten Folgen-Blätter zeigt die Feldherren in Feindberührung, wie für Carl XII. als deren Zeitgenossen erwähnt. Letzteres denn übrigens auch als einziges dieser großen Fürsten-Blätter innerhalb der etwa 27.600 Positionen der Abt. I-XXVIII des Weigel’schen Kunstlager-Catalogs (1838/57). Nicht eines betreffend T. 53-58! Deren, und damit auch des hier anstehenden, Seltenheit somit einfach superb ! Und das nicht allein besonderer Umstände halber am Markt, sondern generell. Bezifferte doch schon 1675 der Praktiker von Sandrart „saubere Abdrucke“ der samtenen Schabkunst auf nur etwa „50 oder 60“ (!). „(H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet“. Entsprechend denn am Beispiel Ridinger’s 1856 Thienemann : „ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr … Nicht einmal dort denn aber des älteren Georg Philipp’s große Folge der „Fürsten zu Pferde“ als Ganzes, der später sein gleichnamiger Sohn eine mit 34 x 22 cm sichtbar kleinformatigere eigene folgen ließ, von der Teuscher fünf Blatt bekannt sind (429-433), mit denen T. 59 aber gleichfalls nicht harmoniert. Für die Entstehungszeit der väterlichen großen sieht T. 53 als terminus post quem 1713, als erst in jenem Jahre dessen Friedrich Wilhelm (I.) als König in Preußen nachfolgte. Da andererseits anstehender Marlborough noch als Princeps Mindelheimensis figuriert, wie 1714 hinfällig geworden, darf die Entstehung zeitlich entsprechend eng begrenzt gesehen werden. Während Nagler (1845) in Rugendas keinen „grosse(n) Meister in Mezzotinto“ sieht, dessen „Compositionen aber voll Leben und immer mit Geist entworfen“ seien – deren Erstzustände sein „inv. et fec.“, wie anstehend (spätere Adressen diesbezüglich hier nicht bekannt) oder die Adresse Jeremias Wolff’s trügen – , betont Gode Krämer (1998) seine „ von ihm meisterhaft beherrschte Technik der Schabkunst “ und qualifiziert ihn als „ein(en) so vorzügliche(n) Radierer und Schabkünstler“, der „sich für Augsburg früh die Schabkunsttechnik zu eigen machte und mit der Verbindung der Schabkunst- und der Radiertechnik durch die Umrißradierung eine neue Variante einführte“ (in Björn R. Kommer, Hrsg., Rugendas / Eine Künstlerfamilie in Wandel und Tradition / Katalog zur Ausstellung 1998, SS. 8 f.).
Siehe die Einzelbeschreibungen zu Prinz Eugen von Savoyen + John Churchill Herzog von Marlborough
(Herr A. G., 8. Dezember 2003) |