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Wintter, Joseph Georg (1751 München 1789). Das in voller Flucht über ein Gatter setzende Hirschrudel. Zwei Hirsche + drei Tiere in weiträumiger Parklandschaft mit zurückgesetzter kleiner Staffage eines Professionellen nebst Knaben. Dabei der beglückenden Leichtigkeit der Szenerie und der Fülle von Wachstum (un)übersehbar gleichwohl untergemischt zwei gesplitterte Baum-Vanitates. Radierung. Bezeichnet: JGWintter: inv fecc et exc: Monachij 1785 / I. 23,2 x 34,9 cm.

Niemeyer 66, I (von II); Nagler 14 und unbeschadet seines „qu. fol.“ hier und „gr. qu. fol.“ dort zweifellos bereits inbegriffen in seiner Pos. 4, Folge von vier Hirschjagden in Parken; Schwerdt 38. – Blatt 1 der 4blätt. Folge „Hirsche in Parken“ (so auch Weigel, Abt. XIII, 1843, Nr. 12596).

Joseph Georg Wintter, Hirschrudel in voller Flucht

DAS  REICHE  BLATT  des seltenen Joseph Georg Wintter, nach Thieme-Becker (1947) nächst Ridinger der „beste deutsche Jagdschilderer des 18. Jahrhunderts“, während der Zeitgenosse von Moser Wintter’s Zeichnung + Stich als

„ immer  besser  als  Riedinger’s “

wertete (Forst-Archiv IV, 1788, SS. 280 ff.), Lorenz von Westenrieder ihm in seinem 1783er „Jahrbuch der Menschengeschichte in Bayern“ höchstes Lob widerfahren ließ und im Jahr der Entstehung anstehenden Blattes an den Lessing-Freund Weisse in Leipzig schrieb:

„ Dieser  Mann  besitzt  außerordentliche  Fähigkeiten “.

Analog hierzu zeichnete ihn Kurfürst Carl Theodor von Pfalz-Bayern (nach Leporini einer der wenigen bedeutenden deutschen Sammler des Barock und Rokoko mit bereits 1781 8700 Zeichnungen als dem Grundstock der heutigen Staatlichen Graphischen Sammlung) mit dem Titel eines Hof- und Jagdkupferstechers aus, dessen Seltenheit „(u)nter den zahlreichen Hof= und Freykünstlern des Churfürstl. Pfalz=Bayerischen Hofs“ von Moser zur Würdigung im Forst-Archiv veranlaßte.

Hier  denn  im  besonders  seltenen  Erstzustand  auf  Bütten

(der postume Zweitzustand nicht vor 1821). – Bei 3-5 mm weißem Rändchen (in diesem oben links zwei minimale Einrisse) auf Plattenkante geschnitten. Rechts oben noch in die Bildschraffur reichende dünne Eckstelle von früherer Montage, im Wiesenfeld vorm Äser des linken Hirschen bildseits praktisch nicht wahrnehmbare, säurefrei hinterlegte Stoßläsur.
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(Herr D. B., 9. Oktober 2006)