Literaturunbekannte Folge
und wohl complett erstmals hier nachweisbar
Wintter, Raphael. Thierzeichnungen zur Landschaft=Staffirung. Karlsruhe, Joh. Velten, nicht vor 1824. Qu.-2° (27,5 x 35 cm). Folge von
12 Kreidelithographien
(9-20,6 x 21,5-26,5 cm). Ungeheftet in Orig.-Umschlag mit lith. Titel/Autor/Verlag auf dem Vorderumschlag.

Vorläufig Niemeyer Ra 152-155h (bislang Niem. [2001] 152-155 + 182-186). – Nicht bei Winkler (1975) + Nagler (1851). – Der in der Faltung weitgehend aufgerissene und in seinen Oberrändern etwas rissige Umschlag beidseits verstärkt bzw. hinterlegt, sonst unbeschadet gelegentlichen schwachen Anflugs von meist nur stippenhafter Stockigkeit gesamthaft praktisch tadellos. – Auf großem festen, zweiseits unbeschnittenem Velin von sich aus obiger Blatt/Bild-Relation ergebender Breitrandigkeit.

Zwei Blatt wie folgt bezeichnet: C. du Jardin inv: / R. Wintter f. 1824. bzw. N. Berghem pinx / R. Wintter f: 1824.

DIE HIER ERSTMALS BESCHREIBBARE FOLGE
nachdem im hiesigen Werkverzeichnis an Hand zweier Einzelpartien im Handel nur vage „4 Blatt mit Darstellungen von Kühen aus 1824“ bzw. „5 Blatt mit Darstellungen von Ziegen und Schafen“ verzeichnet werden konnten. Hier denn beide Gruppen zu je sechs Blatt und solchermaßen vermutlich complett. – Nicht zuletzt dank des weichen Kreideduktus
MALERISCH SCHÖNE ARBEITEN

der in immer wieder neuer Stellung und Gruppierung in unterschiedlich reichem Umfeld gezeigten Tiere in ihrer lebendigen Natürlichkeit, dabei nur einmal in Gemeinschaft mit dem Menschen, wo auf Bergplateau sich ein Hirt mit einem Lamm im Arm mit der hingelagerten Hirtin unterhält und ein Schafbock sichtbar intelligent seine Meinung beisteuert. Sehr reizvoll auch das zweite der beiden größten Blätter, auf dem sich einer der beiden Ziegenböcke zwecks Äsung an einem Baum hochstreckt, beobachtet von lagerndem Schaf.

In all dem folgt Raphael (1784 München 1852), Sohn des seltenen Hof- und Jagdkupferstechers („immer besser als Riedinger“, so der Zeitgenosse von Moser) Joseph Georg W., seiner ureigensten Begabung:

„ widmete sich mit Vorliebe der Thiermalerei … sich auch … mit der Lithographie beschäftigte … seine Zeichnungen (sind) ziemlich zahlreich. Sie stehen bei den Kunstfreunden in eben solcher Achtung, wie seine Radierungen. Auch geistreiche lithographische Blätter finden sich von ihm “
(Nagler).

1809 wurde er 1. Lithograph an der von seinem Stiefvater und erstem Lehrer Mettenleiter eingerichteten Lithographischen Anstalt des kgl. Staatsrats und später deren Inspektor. Interessanterweise stammen seine durchweg seltenen und sehr seltenen Folgen sämtlichs aus den frühen Jahrzehnten mit 1831/32 als letzten Daten für solche zweier radierter „Thierstudien“ als Ausbeute seines 1830er Aufenthalts in Italien. Dieser gleichwohl nur schmalen Reihe nunmehr hier + heute eine der Literatur wie überschaubarem Handel bislang unbekannt gebliebene aus der auslaufenden „Inkunabelzeit“ der Lithographie hinzufügen und damit obige vagabundierende neun Einzelblätter hieraus zuordnen zu können, ist Freude + Genugtuung in einem. Und mag als Einladung begriffen werden,

sammlungsbereichernd zu erhaschen , was purer Zufall bescherte .
Angebots-Nr. 15.178 / EUR 1730. / export price EUR 1644. (c. US$ 2239.) + Versand
“ I am curious as to the history of this (original Ridinger printing-)plate (just I bought) and the others you have offered. Did you purchase them from the Ridinger estate (indirectly, indeed) or a private collector? These are truly rare one of a kind pieces ”
(Mr. L. A. F., October 28, 2003)


