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lüder h. niemeyer

- seit 1959 -

 

Gezeichnet  –  Zerschnitten  –  Eingeklebt  –  Gerettet

Dem  Künstler  hinter  die  Kulissen  geschaut

Wintter, Joseph Georg (1751 München 1789).

Beißende  Pferde , vom Knecht auseinandergetrieben. Hengst in lebhafter Bewegung nach links, einen zweiten, halb verdeckten in die Mähne beißend, derweil sich dieser mit einem Biß in die Vorderhand revanchiert. Von rechts der Knecht mit Rute hinzueilend. Kreide- und Bleistiftzeichnung, der reich schraffierte angreifende Hengst zusätzlich in schwarzer Feder ausgeführt. (Vor) 1781. 268 x 387 mm.

Joseph Georg Wintter, Beißende Pferde

Achtender , stehend, nach links. Bleistiftzeichnung. Bezeichnet: JW (ligiert) inv. 17(81, überklebt von Seitenstreifen) + (per Unterstreifen überklebt) JGW (ligiert) inv 1781. 230 x 184 mm.

Joseph Georg Wintter, Hirschstudien

Zehnender , stehend von vorne links. Bleistiftzeichnung. Bezeichnet: JGW (ligiert) inv 1781  /  JGW. (ligiert) inv 1781 + (von Oberstreifen überklebt) „Nach Natur gezeichnet von JGWintter den 28 august ao. 1783“. 213 x 201 mm.

Drei  Zeichnungen auf  einem  Blatt , recto + verso. – Unten links rote Sammlermarke „G“ in Quadrat (nicht bei Lugt). – Pferdeseitig sieben Punkte früherer Eckmontage der Hirschstudien, von denen vier noch Reste des blau-grauen Montagepapiers zeigen. Nur einer dieser Punkte indes mit dem Fuß des Knechtes noch unwesentlich die Zeichnung tangierend. Unten Mitte unterhalb der Schattenschraffur dünne Papierstelle von fast unbemerkbar entfernter achter Montagestelle.

Von  Wintter  für die zwei Hirschstudien etwa in der Mitte auseinandergeschnitten. Diese Hälften zudem – offenbar proportionshalber – oben bzw. unten verkürzt worden und in einen Sammelband eingefügt. Aus diesem nach 1783 (s. u.) wohl durch Wintter selbst wieder herausgelöst und mittels Büttenstreifen zusammengesetzt, wobei die fehlenden, indes nicht die Pferdezeichnung betreffenden Partien durch Streifen weiterer Studien – Geweihspitzen bzw. Torso eines neben einem Baumstumpf liegenden Hirschen – ergänzt wurden. Der Büttenstreifen des rechten Zehnenders zudem mit der verdeckten Inschrift

„ Nach  Natur  gezeichnet  von  JGWintter  den  28  august  ao.  1783“ .

Die unterschiedliche Anordnung der Ergänzungsstreifen – links oben, rechts unten – die zeitliche Priorität der Pferdezeichnung belegend. Für Wintter als Retter seiner eigenen Zeichnung spricht die Verwendung weiterer Studienblätter bis hin zu besagtem Streifen mit der 1783er Signatur, ein Vorgehen, das kaum auf einen Sammler schließen lassen dürfte. Solchermaßen aber nicht allein

bezüglich  des  Pferdegeschehens  von  Bewegungsreichtum + unmittelbarer  Kraft

sondern  zugleich  einzigartig  reizvoller  Beleg

des  Auf  und  Abs  künstlerischen  Schaffens .

Und wie wir thematisch dem Knecht in dem gleichfalls von rechts agierenden Jäger der hier früher mit Provenienz von Kühlmann und Schäfer durchgelaufenen 1785er Wisenthatz wiederbegegnen, so hat die technische Beschaffenheit des Blattes einen Vorläufer in „Mr. Blaeu makes maps with glue and scissors“ (IMAGO MUNDI XVII, 1963, SS. 96 f. + Falttafeln). Als dieser 1635 nämlich mit Rhein- + Donaukarte dem Konkurrenten Janssonius hinterherhinkte, druckte er flugs von der auf ihn übergegangenen 1590er Deutschland-Wandkarte Rumold Mercator’s die entsprechenden Grobpassagen, um diese dann mit Schere und Kleister zurechtzuwerkeln. Nur in der Deutschland-Ausgabe des Atlasses jenes Jahres so verwendet, ist ein Paar dieser Zimelien hier in den 60ern verhandelt worden.
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„ … Die (vom Schwiegervater geerbten Par force-Jagd) Ridinger … habe ich in meinem Arbeitszimmer bestens neben einem Gobelin plaziert und möchte sie nicht mehr verkaufen. Besten Dank und ein Kompliment an Ihr Haus, dass sie nach so vielen Jahren noch an mich gedacht haben “

(Herr K.-A. H., 2. Februar 2004)