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19. Januar 2019

John Boydell Dorrington, Shrops., 1719 – London 1804 zum
300. Geburtstag

John Boydell, Kupferstecher, Radierer und Verleger, war von 1741 bis 1750 Schüler des Radierers W. H. Thoms, parallel dazu die St. Martin’s Lane Academy besuchend. Ab 1752 als Radierer und Verleger selbständig tätig, wurde er als Kunsthändler »eine(r) der reichsten Kaufleute Europas« und auf Grund seiner großen Verdienste und hohen Ansehens 1782 zum Alderman gewählt, welches Amt er bis zu seinem Tode versah. 1785 folgte die Wahl zum Sheriff und 1790 zum Lord Mayor von London.

» Bereits 1744 hatte er sein erstes Buch mit Landschaften, das Bridgebook, herausgegeben. Sein ehrgeiziges Ziel,

die englische Radierkunst auf internationales Niveau zu heben,

erreichte er durch hohe Auflagen von Stichen nach Gemälden bek. Künstler wie R. Wilson, S. Rosa, N. Berchem u. a. Insgesamt veröffentlichte er

48 Großfolio-Bände mit 4432 Stichen.

» 1794-96 entstand die Veduten-Sammlung An history of the River Thames. B.s finanzielle Erfolge ermöglichten ihm die Verwirklichung seines größten Vorhabens, der Shakespeare-Gallery. Diese beschäftigte ihn von 1786 bis zu seinem Tode. Er beauftragte über dreißig bedeutende Maler, darunter Füßli, W. Hamilton, A. Kauffmann, J. Opie, J. Reynolds und G. Romney, Bilder nach Szenen von Shakespeare zu malen. Für die ausgeführten Gemälde baute er in Pall Mall mit eigenen Mitteln eine Galerie. Die nach den Gemälden von ihm ausgeführten Radierungen veröffentlichte B. in neun Foliobänden und verbreitete sie in ganz Europa … Als Künstler selbst zweitrangig, hat B. dennoch

eine außerordentliche Wirkung auf die engl. Kunst ausgeübt … «

So Christian Hornig 1996 in AKL XIII, 462. Nicht anders schon 1888 Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., III, 290:

» Sein größtes Unternehmen war die Shakespeare-Gallery … die ihn zu einem der reichsten Kaufleute Europas machte. Ein anderes ähnliches Werk war die Houghton-Gallery (»deren Gemälde nach Russland kamen … sein glücklichstes Unternehmen«, Nagler). Durch den (napoleonischen) Krieg von 1804, der ihm den Kontinent abwendete (Kontinentalsperre), sah er sich zur Vorbereitung einer Kunstlotterie genötigt, worin

die Originalzeichnungen zur Shakespeare-Galerie als großes Los

figurierten; dieselbe kam aber erst nach seinem Tod zu stande … Durch sein Liber veritatis (1777, 2 Bde.) machte er die Handzeichnungen von Claude Lorrain bekannt. Eine photographische Ausgabe seiner Shakespeare-Gallery erschien zu London 1873. «

Und zeitnächst Nagler 1835 im Künstler-Lexicon II, 98 f.:

» Sein Kupferstichhandel war unermesslich, und er bezahlte oft ungeheure Summen an einen einzigen Künstler, z. B. für eine Platte nach Dominichino 4000 Pf. St. Ueberhaupt verwendete er in fünfzig Jahren 350,000 Pf. St. auf Verlagskosten.

Sein Kunstpallast in Cheapside zu London
war eine der grössten Sehenswürdigkeiten dieser Stadt. «

Unter den von ihm beschäftigten Stechern sind neben zahlreichen weiteren ersten Namen William Woollett, dessen meisterliche Umsetzungen von Benjamin Wests The Death of General Wolfe und The Battle of La Hogue auch geschäftlich ein großer Erfolg waren, Francesco Bartolozzi, der Boydell vertraglich als offiziellen Herausgeber seiner Werke verpflichtete, William Blake, John Dixon, Simon François Ravenet, Victor Marie Picot, Jean Marie Delat(t)re und Richard Earlom zu nennen.

Erst Mitarbeiter, dann Teilhaber und schließlich Nachfolger war sein Neffe Josiah Boydell (1752-1817), dessen Wwe. Jane das Unternehmen 1818 an Hurst, Robinson & Son verkaufte. Siehe auch The Gentleman’s Magazine, 1804, II, 1177.

Aert van der Neer/Adrian van Drever, Winter

» J. Boydell sculp.t
& Sold by J. Boydell Engraver
at the Unicorn the Corner of Queen Street
in Cheapside London 1753 «

Aert van der Neer – Adrian van Drever (realiter? fingiert?, tätig ggf. Amsterdam um 1670/80). Winter. Von sich in der Ferne mit auch jeweils einer Windmühle verlierenden beidseitigen Häuserzeilen eingefaßter, sich vorn nach links und rechts teilender zugefrorener breiter Fluß mit Kolfspielern und verschiedenen Booten, davon eines mit Fischreuse nächst gesicherten Baumstämmen. Auf dem Uferstreifen vorn sitzender Mann in Gesellschaft eines stehenden Mädchens. Während linksaußen einer der Spieler heimwärts strebt, kommt im Gegenzug rechts ein Sackträger erst frisch in die Scene, begleitet von springendem Hund. Kupferstich mit Radierung von und bei John Boydell. Bezeichnet: spiegelbildlich facsimiliert im Bild u. r. AV (ligiert) D / 1675; typographisch im Unterrand Van Drever pinx.t / J. Boydell sculp.t / Winter / Engrav’d (im Gegensinn) from an original Picture of Van Drever, in the Possession of Mr. (John) Poyner (Apotheker) at Islington. – / Published according to Act of Parliament; & Sold by J. Boydell Engraver at the Unicorn the Corner of Queen Street in Cheapside London 1753. – 29 × 42,6 cm (11⅜ × 16¾ in).

Prächtiges großes Blatt mit mittigem adäquaten Wasserzeichen

(15,5 × 7,5 cm [6⅛ × 3 in], nicht bei Heawood) auf schwerem Bütten mit seitlich 6,2-7 + oben/unten 6 cm breitem Rand. Dieser dreiseits und oben unter Einbezug auch des weißen Plattenrandes schwach stockstippig/fleckig, linksseits im Außenbereich etwas stärker, wie denn auch rückseits generell etwas mehr bemerkbar. Gänzlich unberührt hiervon das Bild selbst und der Gesamteindruck kaum.

Schlußblatt einer informellen Jahreszeiten-Folge

nach Bildern verschiedener Meister der Sammlung Poyner , Islington ,

als deren Frühling und Sommer zwei Landschaften Jan van Goyens (Leiden 1586 – Den Haag 1656) dienten (Beck 600 + 560). Radiert von William Elliot (Hampton Court Palace, London, 1727 – London 1766), sind beide gegenüber den Ölen in ihrer heute bekannten Form an den Seiten etwas breiter und dadurch kompositorisch ausgewogener, was sowohl auf eine spätere Verkürzung der Öle wie eine Anpassung der Bildrelationen im Kupfer durch Elliot deuten kann. Ein Herbst-Blatt hier derzeit nicht nachweisbar und möglicherweise (aufgrund Ableben Poyners?) nicht realisiert. Ein dritter Goyen der Sammlung Poyner, eine Stadtbefestigung am Fluß darstellend, lediglich durch François Vivarès’ (Lodève 1709 – London 1780) 1756er Radierung The Dutch Fishermen für Boydell sowie etliche Kopien bekannt (Beck 790a). Von Boydell selbst radierte weitere Poyner-Provenienzen sind eine Landschaft von Nicolaes Berchem (Haarlem 1620 – Amsterdam 1683) und eine Mondscheinlandschaft von Anthonie van Borssom (get. 1631 Amsterdam 1677), in der Bezeichnung das pinxit fälschlicherweise dem späteren Miniaturmaler (!) (Barend) Van Bosman (1742-1807, sic!) zuordnend (1752 bzw. 1753). Poyner selbst hier ansonsten lediglich als Subskribent von John Oldmixons History of England (1730), als Zeuge vor dem Old Bailey (1754) sowie durch sein zu Saint Mary, Islington ausgefertigtes Testament vom 22. Oktober 1761 nachweisbar.

Die ausgemachte Seltenheit des Blattes

gestützt nicht zuletzt von dessen Fehlen im weit über 20000 Blatt umfassenden, noch zeitnahen Weigel’schen Kunstlager-Catalog der Abteilungen I-XXVIII (1838-1857).

Als nicht die schlechteste Beigabe eines schönen Bildes aber

geheimnisumwittert die Autorschaft dessen malerischer Vorlage:

Als Aert van der Neer emphatisch gepriesen von Hofstede de Groot, Wilhelm von Bode und weiteren Koryphäen des niederl. 17. Jahrhunderts bis hin zum Ankauf aus der fundierten Sammlung August de Ridder in Kronberg 1924 durchs legendäre Haager Mauritshuis mit Hilfe der Vereniging Rembrandt und weiterer Stifter (Katalog 1977, Nr. 787 mit Abbildung), stilistisch wie kompositorisch beispielhaft auch für Bachmann, wie denn auch das British Museum die Vorlage für Boydells anstehende Radierung eindeutig van der Neer zuweist und erst in neuerer Zeit von Schulz (2002) in Unkenntnis von van Drever und Radierung als Kopie oder Imitation zurückgewiesen, bleibt andererseits dieser Adrian van Drever auffallend unfaßbar und ist fast ausnahmslos nur durch die Bezeichnungen einiger weniger Nachstiche nachgewiesen. Denen umgehend ein »könnte auch nach Aert van der Neer sein« (Bibliothèque Nationale Paris) folgt.

Angebots-Nr. 16.241 / EUR  2300. / export price EUR  2185. (c. US$ 2641.) + Versand

» Ein Sammler,

der sich zum Kenner entwickelt,

wird schrittweise von der Rechthaberei abrücken und

den Grad an Glaubwürdigkeit stets am Wert der Begründung messen.

Er wird mit einem ›Memento mori‹ leben müssen,

das sich ihm … auf geistiger Ebene

in der Ablösung einer guten Begründung,

die als zuverlässig galt, durch eine bessere,

wenn die Zeit dafür reif ist (offenbart) «

Horst Beyer, Kunstsammeln – eine bittersüße Leidenschaft

Vorwort Katalog Auktion 31, Mai 1978, der Galerie Bassenge

William Hogarth, Pool of Bethesda

» John Boydell excudit …
Febry. 24th. 1772 … in Cheapside London «

William Hogarth (1697 London 1764). The Pool of Bethesda. Der heilkräftige Teich am Jerusalemer Schaftor, aufgesucht von Kranken und Gesunden mit Jesus als gutem Samariter im Mittelgrund. Kupferstich von Simon François Ravenet (Paris 1706/21 – London 1774) + Victor Marie Picot (Monthières 1744 – Amiens 1802). Bezeichnet: Willm. Hogarth pinxit. / John Boydell excudit. / Ravenet & Picot sculpserunt / Engraved from the Original Picture; Painted by William Hogarth Esqr. / on the Stair Case in St. Bartholomew’s Hospital. / Size of the Picture 13F»8I by 20F»3I in Length. / Published Febry. 24th. 1772 by John Boydell Engraver in Cheapside London. / Vol II No. 57. / St. John Chap: V., ansonsten wie vor. 48,5 × 56,4 cm (19⅛ × 22¼ in).

Nagler, Ravenet (»eine[r] der ausgezeichnetsten Künstler seiner Zeit«), 29 + Picot, 2. – Harmonischer Abdruck auf festem Papier von der vom kgl. Kupferstecher James Heath (1757 London 1834) um 1822 überarbeiteten Platte (»Selbst diese Abzüge sind heute aber relativ selten geworden«, Kunstgalerie Esslingen 1970; und Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII [1888], 625: »Eine schöne Ausgabe«, geschätzt auch schon von zeitgenössischen Sammlern vom Range etwa eines A. T. Stewart [Catalog of the Stewart Collection, New York 1887, 1221, »fine plates«]). – Oben auf Plattenkante geschnitten.

Angebots-Nr. 15.256 / EUR  490. / export price EUR  466. (c. US$ 563.) + Versand

William Hogarth, Good Samaritan

– – Derselbe. The Good Samaritan. Das von den Räubern liegengelassene Opfer ihres Überfalls versorgend. Hinter diesem das Vanitassymbol des abgebrochenen, nahezu toten, nur noch ein dürftiges Zweiglein treibenden Baumes, an den der Retter sein mit langer Decke und Leopardenfell gezäumtes Pferd gehängt hat. Links Priester nebst auf die Knie gefallenem Gläubigen sowie Levit mit Schriftrolle, die den Verletzten ignoriert hatten. Kupferstich von Simon François Ravenet (Paris 1706/21 – London 1774) + Jean Marie Delat(t)re (Abbeville ca. 1742/45 – Fulham, London, 1840). Bezeichnet: Willm. Hogarth pinxit. / John Boydell excudit. / Ravenet & Delatre sculpserunt / Engraved from the Original Picture; Painted by William Hogarth Esqr. / on the Stair Case in St. Bartholomew’s Hospital. / Size of the Picture 13F»8I by 16F»9I in Length. / Published Febr. 24th. 1772 by John Boydell Engraver in Cheapside London. / Vol II No. 56. / St. John Chap: V., ansonsten wie oben. 48,2 × 56,7 cm (19 × 22⅜ in).

Nagler, Ravenet (»eine[r] der ausgezeichnetsten Künstler seiner Zeit«), 28 + Thieme-Becker, Delattre, VIII, 596. – Abdruck auf starkem Papier von der vom kgl. Kupferstecher James Heath (1757 London 1834) um 1822 überarbeiteten Platte (»Selbst diese Abzüge sind heute aber relativ selten geworden«, Kunstgalerie Esslingen 1970; und Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII [1888], 625: »Eine schöne Ausgabe«, geschätzt auch schon von zeitgenössischen Sammlern vom Range etwa eines A. T. Stewart [Catalog of the Stewart Collection, New York 1887, 1221, »fine plates«]).

Angebots-Nr. 15.258 / EUR  430. / export price EUR  409. (c. US$ 494.) + Versand

Nathaniel Dance, Garrick in Richard III

» Publishd April 28 1772
by John Boydell Cheapside London «

Der große Garrick als Richard III.

Nathaniel Dance (London 1735 – Carnborough House/Winchester 1811). (Mr. Garrick in Richard the Third.) Im Hermelin nebst Hosenband-Orden und weiterem sowie Sporen nach dem Verlust seines Pferdes in der gegen den Grafen von Richmond, nachmaligem König Heinrich VII., verlorenen Schlacht von Bosworth (22. August 1485). Das Schwert in der erhobenen Rechten im Augenblicke seiner unsterblich gewordenen Worte

» Ein Pferd , ein Pferd , mein Königreich für ein Pferd «.

Seitlich links Richmond’s Kavalkade, Richard’s Fußtruppe vor sich hertreibend. Weiter zurückgesetzt Schloßanlage. Schabkunstblatt von John Dixon (Dublin um 1740 – London 1811). Bezeichnet: im Bild selbst unten rechts J. Dixon Fecit, und im weißen Signaturrand darunter N.Dance pinxt (linksaußen) / Dance pinxt (5 cm ab Plattenkante) / Publishd according to Act of Parliamont (sic!) April 28 1772 by John Boydell Engraver Cheapside London / J Dixon Fecit. 63,4 × 40 cm (25 × 15¾ in).

Chaloner Smith 15.I (von II, doch s. u.); Nagler III (1836, doch dito 1913 auch Thieme-Becker VIII, 340 f.), 258 f. (Dance’s »Hauptwerk ist Richard III., wie er nach der verlorenen Schlacht wüthend nach seinem Pferde ruft«) bzw. Seite 422 zu Dixon (»machte sich aber besonders durch seine Kupferstiche in schwarzer Manier bekannt, worin er Genie und Geschmack bewies … lauter schätzbare Werke, unter denen besonders zu erwähnen: … Das Portrait Garrick’s in der Rolle Richard’s III. … Es gibt Abdrücke vor der Schrift.«).

AKL XXIV (2000), 73: »1771 (Dance’s, nachmaliger Sir Dance-Holland)

dramat. Darst. von David Garrick als Richard III

in Stratford on Avon … er wendet sich jedoch zunehmend von den in Rom praktizierten Konversationsstücken hin zu (wie auch hier) lebensgroßen , repräsentativen Bildnissen .«

Dixon wiederum – AKL XXVIII, 2001, 56 – »gibt in seinen qualitätvollen Stichen die Vorlagen getreu und einfühlsam wieder. Oft akzentuiert er seine Mezzotinten auch mit anderen graph. Techniken, u.a. Kaltnadel-Rad.«. Mit Garrick befreundet, widmete er diesem zwar verschiedene Arbeiten, die letzte noch 1779 nach dem blassen Thomas Hudson, doch unüberbietbar Dance’s Vorlage

des wundervollen Garrick

in hiesiger unsterblicher Pose eben jenes Augenblickes

» wie er nach der verlorenen Schlacht wüthend nach seinem Pferde ruft «

(Nagler). Doch in Widerpart zur dramatischen Optik Richard’s als eines »titanischen Verbrecher-Porträts von überrealistischer Wucht« (Erwin Laaths, 1953) zielt Garrick’s Mundstellung eher auf ein leiseres Mein Königreich gäb ich, hätt’ ich jetzt nur ein Pferd.

Hier denn nun adäquat in Dixon’s allein technisch schon bedingtem – nur »50 oder 60 … saubere Abdrucke« gewähre die samtene Schabkunst, so 1675 der Praktiker von Sandrart –

seltenem Hauptblatt

in prachtvollem Frühdruck leuchtenden Hell-Dunkels

vor dem Titel .

Zweizeiliges typographisches Wasserzeichen nebst ovaler Nebenmarke. – Mit 2-2,5 cm breitem Rand seitlich und 0,7-1 cm unten + oben, wie für die alten Schabblätter hervorhebenswert, schon gar bei solch geradezu

imperialem Format .

Namentlich letzteres denn auch die nur unwesentlichen Altersspuren marginalisiert. Eigens erwähnt gleichwohl eine 6 x 2-3 cm messende Unsauberkeit im Gewitterhimmel am Rand oben links. – Kurz,

der Weltliteratur Pferderuf —

hier als die verbildlichte Trouvaille assoluta !

Angebots-Nr. 15.859 / EUR  4300. / export price EUR  4085. (c. US$ 4938.) + Versand

William Hogarh, The Indian Emperor

William Hogarth (1697 London 1764). The Indian Emperor. Or the Conquest of Mexico (John Dryden’s, 1637-1700); Akt 4, Scene 4. As performed in the year 1731 at Mr. Conduit’s, Master of the Mint, before the Duke of Cumberland &c. Kupferstich von Robert Dodd (1748-1818). Bezeichnet: Painted by Wm. Hogarth. / Engrav’d by Robt. Dodd. / From the original Picture, in the Collection of Lord Holland. / Publish’d Jany. 1. 1792, by J. & J. Boydell, Cheapside, & at the Shakspeare Gallery Pall Mall., ansonsten wie vor. 46,7 × 58,9 cm (18⅜ × 23¼ in).

Hogarth Catalogue Tate Gallery, 1971/72, 41 (das Öl von 1731/32) nebst Abb. – Das gewöhnlich im Hause des Regie führenden John Conduitt aufgeführte Stück hier als Kindertheater in St. James’s Palace vor den Kleinen der kgl. Familie und deren Begleitung, darunter der Herzog von Cumberland. – Etwas bläßlicher Abdruck auf starkem Papier von der vom kgl. Kupferstecher James Heath (1757 London 1834) um 1822 überarbeiteten Platte („Selbst diese Abzüge sind heute aber relativ selten geworden“, Kunstgalerie Esslingen 1970; und Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII [1888], 625: „Eine schöne Ausgabe“, geschätzt auch schon von zeitgenössischen Sammlern vom Range etwa eines A. T. Stewart [Catalog of the Stewart Collection, New York 1887, 1221, „fine plates“]).

Angebots-Nr. 7.875 / EUR  146. (c. US$ 176.) + Versand

William Hogarth, Sigismonda

» From the Original Picture ,
in the Collection of Alderman Boydell «

William Hogarth (1697 London 1764). Sigismonda (Mourning over the Heart of Guiscardo). Dreiviertelfigur der in reicher Kleidung mit Perlendiadem am Tisch sitzenden Prinzessin und mit der Linken die Schale mit dem Herz des Geliebten, den ihr Vater, König Tancred von Salerno, hatte ermorden lassen, an die Brust pressend. Am Gelenk der auf eine Schmuckschatulle gestützten Rechten Perlenarmband mit dem Portraitmedaillon des Königs. Punktierstich von Benjamin Smith (London ca. 1754 – Somers Town, London, 1833) für Boydell. Bezeichnet: From the Original Picture, in the Collection of Ald. Boydell. / Painted by Willm. Hogarth. / Engraved by Benjn. Smith. / Published June 4, 1795, by J & J. Boydell, at No. 90, Cheapside; & at the Shakespeare Gallery, Pall Mall. / Size of the Picture, 3 Ft. 3 ln. high, by 4 Ft. 2 ln. long., ansonsten wie vor und unten. 41 × 44,6 cm (16⅛ × 17½ in).

Nagler, Smith, 11. – Harmonischer, breitrandiger Abdruck von der vom kgl. Kupferstecher James Heath (1757 London 1834) um 1822 überarbeiteten Platte (»Selbst diese Abzüge sind heute aber relativ selten geworden«, Kunstgalerie Esslingen 1970; und Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII [1888], 625: »Eine schöne Ausgabe«, geschätzt auch schon von zeitgenössischen Sammlern vom Range etwa eines A. T. Stewart [Catalog of the Stewart Collection, New York 1887, 1221, »fine plates«]). – In den Rändern schwach stockstippig.

Resigniert von den Schwierigkeiten in Verbindung mit den Kupfern der Wahlfolge von 1757, hatte Hogarth sich fürderhin ganz auf Portraits beschränken wollen, ließ sich jedoch von Lord Charlemont überreden, noch eine comic history zu malen, Thema und Preis – »the payment was noble but the manner with which it was given by a note enclosed in a letter was far more pleasing to one of my turn of mind«, so Hogarth selbst – dem Künstler überlassend. Hinter dieser großzügigen Geste wollte Sir Richard Grosvenor nun nicht zurückstehen und bot den gleichen Preis für etwas The Lady’s Last Stake vergleichbares, wiederum Hogarth auch die Wahl des Themas überlassend.

Ebenso verärgert wie gereizt von den £ 400, die kurz zuvor eine von ihm als Fälschung angesehene Sigismunda von Correggio – in der Tat nicht von diesem, sondern von Francesco Furini – erzielt hatte, entschied sich Hogarth für eben dieses Thema, in der Absicht, den Connaisseuren seiner Zeit zu zeigen, was Qualität sei. Mag sein, daß sowohl James Thomsons an Londons Theatern populäre 1745er Adaption der ersten Erzählung des vierten Tages aus Boccaccios Decameron als auch Drydens Bearbeitung »Sigismunda and Guiscardo« in seinen Fables Ancient and Modern von bereits 1699 ihn ohnehin interessiert hatte. Wie denn auch kolportiert wird, seine Frau habe ihm Modell gesessen, es spiegele zudem seine eigene Ehegeschichte, als die Heirat heimlich und gegen den Willen ihres Vaters, des erst später mit seinem früheren Schüler und nunmehrigen Schwiegersohn versöhnten Sir James Thornhill erfolgt war.

Aller Mühe und Zeit zum Trotz, die Hogarth daran wandte, – oder vielleicht auch gerade deswegen und nicht allein, weil dieser »grand style of history« nicht seine Art war – , wurde Sigismunda kein Erfolg. Nicht allein verweigerte der Auftraggeber die Abnahme, da er sich derlei nicht tagtäglich ansehen könne und wolle. Ebenso stürzten sich die Widersacher vergangener Schlachten, Wilkes und Churchill, mit Eifer und Gehässigkeit darauf. Was wiederum letztendlich mit zu der geballten Charge John Wilkes und The Times seitens Hogarths führte.

Sigismunda indes verblieb in Hogarths Besitz, der es nunmehr stechen lassen wollte, doch blieb James Basires Radierung wohl in Folge von Hogarths Tod unvollendet. Als Subskriptionsschein diente – ein weiterer Mosaikstein in seinem jahrzehntelangem Kampf gegen die hohe Wertschätzung von »dubious Old Master paintings« (David Bindman, Hogarth and His Times, 1997, S. 113) – Time Smoking a Picture. Die von Hogarth geforderten 500 Pfund konnte auch seine Witwe nicht erzielen und für 56 Guineen ging es aus ihrem Nachlaß schließlich

in den Besitz der Boydells

über, die für die 1795er Gesamtausgabe – mithin gut 35 Jahre nach seiner Entstehung und 30 Jahre nach seinem Tod – von Benjamin Smith anstehendes Kupfer fertigen ließen, mit Hogarths Bemerken im Unterrand:

» Let the picture rust, / Perhaps Time’s price enhancing dust, / As statues moulder into earth, / When I’m no more may mark its worth, / And future connoisseurs may risc, / Honest as ours, and full as wise, / To puff the piece and painter too, / And make me then what Guido’s (Reni) now. / Hogarth’s epistle. «

Über den Nachlaß von J. H. Anderdon gelangte Sigismunda schließlich 1879 in die National Gallery,

» wo es, trotz theatralischer Behandlung und einem abweisenden Thema, immer noch Bewunderung erregt für sein Kolorit, Zeichnung und Ausdruck …

» Mit der Kunstkennerschaft seiner Zeit stand er uneingeschränkt auf Kriegsfuß, weil, wie er meinte, diese ausländische Mittelmäßigkeit auf Kosten einheimischen Talents favorisierte; und in der Hitze der Auseindersetzung würde er vielleicht, wie er zugibt, oft ‚lästernde Ausdrücke gegen die Unsterblichkeit von sogar Raphael Urbino, Correggio und Michelangelo tätigen‘. Aber diese Mißachtung war mehr gegen die drittklassigen Kopien drittklassiger Künstler – die ‚Schiffsladungen toter Christusse, Heiliger Familien und Madonnen‘ – gerichtet; und wenn man über seine Haltung zu den großen Meistern der Kunst spricht, sollte man auch seiner Worte an Mrs Piozzi gedenken: ‚Die Kunstkenner und ich stehen, wie Sie wissen, auf Kriegsfuß; und weil ich sie verachte, denken sie, ich verachte Titian – sollen sie!‘

» Aber zweifelsohne war es zum Teil dieser feindlichen Haltung gegenüber den allmächtigen Bilderhändlern zu verdanken, daß seine Zeitgenossen versäumten, seine Verdienste als Maler angemessen zu erkennen und ihn einzig als genialen Humoristen sehen wollten. Die Zeit hat dieses ungerechte Verdikt umgekehrt. Er wird nunmehr als großartiger Maler gesehen, rein und harmonisch in seinem Kolorit, herrlich geschickt und direkt in seiner Behandlung und in seiner Komposition wenig oder gar nichts zu wünschen lassend … Wenn wir ihn – wie er sich selbst gerne sah – mehr als ‚Autor‘ denn als ‚Künstler‘ betrachten, dann ist sein Platz bei den großen Meistern der Literatur – bei den Thackerays und Fieldings, den Cervantes und Molières «

(Austin Dobson, Encyclopedia Britannica, 1911).

Angebots-Nr. 14.745 / EUR  225. (c. US$ 272.) + Versand

William Hogarth, Selbstportrait

» From the Original Picture
in the Collection of John & Josiah Boydell «

William Hogarth (1697 London 1764). William Hogarth. Selbstportrait in halber Figur als Spiegelbild über – außerhalb des Ovals – Folianten mit seinem Lieblingshund Trump und Palette, eingefaßt von Draperie als spiegelbezogenem Sinnbild des Geheimnisvollen. Punktierstich des Bartolozzi-Schülers Benjamin Smith (London ca. 1754 – Somers Town, London, 1833). Bezeichnet: Painted by W. Hogarth. / Engraved by Benj. Smith. / William Hogarth. / From the Original Picture in the Collection of John & Josiah Boydell. / Published June 4, 1795 by J. & J. Boydell, No. 90, Cheapside, & at the Shakspeare Gallery Pall Mall. 39,5 × 30 cm (15½ × 11¾ in).

Nagler 33 und, Smith, 4. – Postume Stichfassung des malerischen Selbstbildnisses von 1745 für die von Boydell besorgte erste Gesamtausgabe (1790-1809), nachdem deren ursprüngliche von 1749 infolge anderweitiger Verwendung von deren Platte in 1763 untergegangen war (siehe »The Bruiser«). Im Gegensatz zum 1749er Stich seitenkonform zum Öl. Im übrigen mit der vollen Palettenbezeichnung »The Line of Beauty / And Grace / WH 1745« und lesbaren Titeln für zwei der drei Folianten: Shakespeare bzw. Swift Works; der dritte Milton. – Späterer Abdruck auf starkem Papier (»Selbst diese sind heute aber relativ selten geworden«, Kunstgalerie Esslingen 1970; und Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII [1888], 625: »Eine schöne Ausgabe«, geschätzt auch schon von zeitgenössischen Sammlern vom Range etwa eines A. T. Stewart [Catalog of the Stewart Collection, New York 1887, 1221, »fine plates«]). – Noch den rechten Bildrand tangierende diagonale Randquetschung sowie eine nur einige cm schwach sichtbare horizontale oberhalb der Folianten. Verstärktes Eselsohr oben rechts. Der breite weiße Rand stockstippig und mit schwachem Wasserrand unten links.

Angebots-Nr. 7.610 / EUR  220. (c. US$ 266.) + Versand

William Hogarth, Night Scene

» From an Original Sketch
communicated by Messrs. Boydell «

Die geradezu geniale Skizze hiermit wohl erstmals veröffentlicht

William Hogarth (1697 London 1764). From an Original Sketch communicated by Messrs. Boydell. (A Night Scene.) Die den berauschten Gatten heimbringende Wache, erwartet vor dem Kamin von der weinenden Gattin und ihrem Mädchen. Umriß-Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Hogarth pinx. / T. Cook sculp. / Published by Longman … et Orme, Oct. 1st. 1809., ansonsten wie vor. Bildgröße 13,2 × 19,8 cm (5¼ × 7¾ in).

Die wohl hiermit erstmals veröffentlichte geradezu geniale Skizze. – Innerhalb des leicht randstockigen breiten weißen Plattenrandes geschnitten.

Cook »machte sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher, dessen vollständiges Werk er … nachgestochen hat« (Thieme-Becker) und dessen Ursprungsformat er im Gegensatz zu allen späteren Hogarth-Ausgaben in seiner ersten, früheren Ausgabe beibehielt. Für einige von Hogarth nicht selbst veröffentlichte Blätter wurde Cook zu deren Erststecher, wie er denn auch den Beifall eines zeitgenössischen Kenners wie Maximilian Speck von Sternburg fand.

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“ … the (Leonardo) volumes just arrived. Perfect condition! Thank you for the excellent packing … I am looking forward to many hours of enjoyment. I will contact my friend and have him contact you regarding sale of the other set. Thank you again and I look forward to future business with you! Regards as always ”

(Mr. M. W., August 22, 2011)