English

sommer , sommerlicher — Watteau

» We will wander on together—
Through the sunny summer weather—
To our cosy little château
Like a pastoral by Watteau «

Noël Coward, Shadow Play, 1935

Antoine Watteau
Nicolas-Henri Tardieu, Antoine Watteau + Jean de Julienne
zum 300. Todestag

» Erst Baudelaire

(1821-1867) ,

dessen Kunstgefühl auf das Seltene ging ,

wagte es , den Maler (Watteau)

unter die ›Leuchttürme‹ der Kunst zu versetzen ! «

Wilhelm Weigand

Der Hof Ludwigs XIV.

3. Auflage, Insel-Verlag 1925, Seite 192

Antoine Watteau + Jean de Jullienne

Ihr zauberhaftes Doppel-Porträt als Dokument einer Freundschaft

Nicolas-Henri Tardieu (1674 Paris 1749). Assis, au près de toy … Neben dir sitze ich, unter diesen lieblichen schattigen Bäumen. In schöner Parklandschaft mit einer den Freunden ihren Rücken zuwendenden weiblichen Statue im Hintergrund Watteau, stehend mit Palette in der erhobenen Linken und mit der Rechten auf den Malerstock gestützt, neben dem rechts von ihm sitzenden musizierenden (5sait. Bodeninstrument; Gamba/Kontrabaß/Violoncello?) Tuchfabrikanten, Färber + Sammler Jullienne. Auf der Leinwand hinter ihnen eben diese sie umgebende Szenerie. Kupferstich nach Antoine Watteau (Valencienne 1684 – Nogent-sur-Marne 1721). (1731.) Bezeichnet: A. Watteau pinxit / Tardieu Sculp., ansonsten mit dem schönen Untertext

» Assis, au près de toy, sous ces charmans Ombrages, / Du temps, mon cher Watteau, je crains peu les outrages; / Trop heureux! si les Traits, d’un fidelle Burin, / En multipliant tes Ouvrages, / Instruisoient l’Univers des sinceres hommages / Que je rends à ton Art divin! «

und a Paris Avec Privillege du Roy. 42,9 × 31,3 cm (16⅞ × 12⅜ in).

Dacier-Vuaflart 3, III; Ausstellungs-Katalog Watteau 1684-1721 Washington/Paris/Berlin 1984/85, SS. 28, 39 f. + 362 ff. nebst Abbildungen sowie S. 398/I; Thieme-Becker XXXII (Tardieu; 1938; »Neben Benoit Audran der bedeutendste Watteaustecher«), 444 (Watteau et Jean de Julienne, Hauptblatt); Nagler, Tardieu 63 (irrend als W. mit Tardieu; 1848); Niemeyer, Die fruchtbare Durchdringung – Watteau im Werke Ridinger’s, mit Abbildungen.

Auf schwerem Bütten mit Wz. Adler (D.-V. II, S. 85, Fig. 16). – Das Exemplar der Sammlung HW (Lugt 1388, nicht identifiziert, evt. dt. Porträt-Slg.) mit deren rückseitigem Monogramm-Stempel. – Mit rundum 1-4-1,8 cm breitem Rand, in diesem oben alte Reg.-Nr. (?) in Bister und zwei solchen weiteren in Farbstift verso unten rechts. – Zwei stecknadelspitzenfeine Löchlein rechts im Bild oberhalb der Staffelei.

Der »berühmte Stich« Tardieu’s

(W.-Kat.; »stach in einer … höchst malerisch wirkenden Manier, die dem silbrigen Farbencharakter Watteaus in vollendeter Weise gerecht wird« [Th.-B.])

in größter Nähe zu Watteau’s Mezzetin in New York (W.-Kat. 49 nebst Farb- + Vergleichsabbildungen), doch unbeschadet des »pinxit« mangels überlieferter direkter Vorlage vom W.-Kat. mit Urheber-Fragezeichen versehen (Großabb. S. 28), um in der späteren Diskussion über die Person des Mezzetin für die Hypothese in den Zeugenstand gerufen zu werden, daß jener der bewährte Freund Jean de Jullienne (1686 Paris 1766) sein sollte:

» Nun gibt es einen berühmten Stich ,
auf dem Watteau und Jullienne zu zweit zu sehen sind

Neben dir sitze ich …

Eine vergleichbare Statue, die aber unter einem anderen Winkel gesehen wird, bekleidet und nicht nackt ist, befindet sich (auch) im Hintergrund des New Yorker Gemäldes. Offensichtlich ist sie diejenige, die der Gitarrist mit seiner Musik und seinem Gesang rühren möchte, wodurch das Thema des Gemäldes klarer wird. Aber die Tatsache, daß sie auf dem Mezzetin und dem Stich ›Neben dir sitze ich … ‹ dargestellt wird, der Punkt, daß Jullienne das Gemälde in New York (im Gegensatz zu allen anderen Ölen) sein Leben lang behalten hat, bringen uns zu der Hypothese, daß Watteau dieses Gemälde als allegorisches Porträt seines Freundes konzipierte und es ihm als Pfand seiner Freundschaft vielleicht in einem Augenblick anbot, in dem Jullienne … seiner zukünftigen Frau den Hof machte (Heirat 1720). «

Nichts würde mehr sein, wie es war. Aus dieser plausiblen neuen Sicht erwächst dem Tardieu-Blatt ein thematischer Zugewinn von Graden, potenzierend dessen Rang als zweifelsohne

eines der schönsten graphischen Freundschaftsblätter ,

gesucht und engagiert bezahlt bei seinen nur seltenen Marktauftritten.

Und, alles in allem, spricht eigentlich nichts für das übervorsichtige Urheber-Fragezeichen des Katalogs, sodaß das pinxit des zeitgenössischen Blattes Priorität genießen sollte. Es zeigt einen ganzen Watteau, atmet den unvergleichlichen Schmelz dieses »größte(n) Malers Frankreichs im 18. Jahrhundert und zugleich de(n) französischste(n)« (Jahn, 1957). Und zeigt diesen gemeinsam mit dem nachhaltig wichtigsten der Freunde. Denn

» Dank der Sammlung, die von ihm angelegt wurde (Recueil Jullienne, in dessen Bd. III hiesiges Blatt als Frontispiz figuriert), bleibt der Name des berühmten Kunstliebhabers für immer mit dem des Malers verbunden «

(W.-Kat. S. 39). Wie das Blatt selbst, wie hier erstmals dokumentiert wurde, als von gleichem Geiste

Ridinger zu seinem Selbstbildnis im Walde vor der Staffelei inspirierte

(Th. XIX, 1). Denn aufs Kupfer übertragen wurde es erst postum von Martin Elias, seinem Ältesten.

» Erneuernd das Angedenken . «

Womit sich der Kreis schlösse.

Rein bildhaft finden sich beider Personengruppierung in der rechten Bildhälfte angesiedelt, die Sitzenden mit dem Rücken nach rechts und den Betrachter aus dem Bild heraus anschauend, wie auch der stehende Watteau. Und analog zum vom Wind aufgefächerten Notenheft auf der Erde bei Watteau/Tardieu der offene Malkasten mit der Innendeckel-Signatur bei Ridinger auf dem Boden. Ein klassisches Beispiel des alten Gebens und Nehmens auch in der Kunst. Und auf Watteau/Ridinger bezogen zugleich mehr. Denn wie ersterer zu seinem Vergnügen und zur Inspiration »copied those he liked« (Pierre Rosenberg, Watteau’s Copies After the Old Masters, im W.-Katalog), so konnten hier neben den schon bekannten etliche weitere Beispiele aufgedeckt werden, die Ridinger’s Liebe zu Watteau bezeugen und eben auch seine Vertrautheit mit dem Recueil Jullienne.

Und bedurfte es erst des 300ten Ridinger-Geburtstages, um das Werk einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen, angeführt von der den ganzen Ridinger umspannenden großen 1½jährigen polnischen Wanderausstellung, so auch erst desselben Anlasses, um gedachte Ausstellung Watteau 1684-1721 in Scene zu setzen. Als der »erste(n), die dem Werk des vor dreihundert Jahren geborenen großen Künstlers gewidmet ist«. Und deren Katalog Wünsche und Hoffnungen mit auf den Weg gegeben wurden wie nicht anders Ridinger. Nämlich Ausgangspunkt zu werden für neue Nachforschungen und dazu beizutragen, den Meister

» besser zu verstehen und somit zu lieben

(so) wird er das Ziel erreicht haben, das wir ihm gesetzt haben« (W.-Katalog SS. 5 + 13).

Als über Ridinger zu Watteau gefunden zu haben, ist es mir ob solcher Vorgaben eine ganz besondere Freude, nach den in der Vergangenheit weitergegebenen verschiedenen Exemplaren des Ridinger’schen Wald-Selbstbildnisses nunmehr auch dessen köstlich frische Quelle verfügbar halten zu können. Zunächst

zu selten schöner Vertiefung Ihrer Ridinger-Sammlung ,

sodann beispielhaft für die Freunde zweier Meister mit großem Anklang über die Zeiten in gleichwohl eher geschlossener Gesellschaft.

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Eine Sonne im Werke Watteau’s

Cythera (Cerigo) — die Liebesinsel
der griechischen Mythologie

aufgegriffen , wie hier erstmals belegt , von Ridinger

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die Cythera-Dame (»Frech und doch galant«). Kokette grande dame in Dreiviertelfigur nach rechts, ebenso reich wie raffiniert drapiert bis hin zu Birnen-Geschmeide und dreidimensional muschelförmig fallendem Gewand, tanzend mit ausgebreiteten Armen in tief gestaffelter Landschaft, wobei die geöffnete Rechte geradezu nach den reifen Trauben als einem Psalm 128,3 folgenden kunsthistorischen Fruchtbarkeitssymbol zur Linken greift. Im Hintergrund liegt am Ufer einer bergigen Landschaft ein Zweimaster unter Segeln. Schabkunstblatt. Bezeichnet: I. El. Ridinger excud. A. V. 48,8 × 35,4 cm (19¼ × 14 in).

Schwarz 1471 + Tafel II, XXX. – Nicht bei Thienemann (1856) + Stillfried (1876) und hier neben den Exemplaren von Gutmann (Schwarz, 1910) + Gräflich Faber-Castell (1958) anderwärts nicht nachweisbar. – Alt per Eckmontage auf besonders breitrandiges schweres Bütten aufgelegt, welches an zwei Außenrändern angebräunt ist. – Rechts mit feinem Papierrändchen, sonst überwiegend auf Plattenkante geschnitten. – Dt.-latein. Untertext, dessen Motto in Unkenntnis des Blattinhaltes bislang als Titel diente:

Johann Elias Ridinger, Cythera-Dame

Frech und doch galant .

Die Frechheit tanzt hier selbst , und heißet doch galant .
Verkehrter Name macht die laster erst bekant .

Das, wie von der Literatur bislang übersehen,

von Watteau inspirierte herrliche Sujet

im brillanten Druck bester Erhaltung

einer gepflegten Sammlung von in allen Partien nuanciert leuchtendem Hell-Dunkel. Und solchermaßen von ganz außerordentlicher Seltenheit nicht allein am Markt, wie oben belegt, sondern auch generell. Bezifferte doch schon 1675 der Praktiker von Sandrart »saubere Abdrucke« der samtenen Schabkunst auf nur etwa »50 oder 60« (!). »(H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet«. Entsprechend denn 1856 Thienemann:

» Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr …
zu bekommen … und (deren) bei Weitem größten Theil …
(habe ich) allein (im Kupferstichcabinet Dresden) gefunden. «

Nicht einmal dort denn aber das hier vorliegende ,

das anschließend auch Graf Stillfried noch unbekannt blieb!

Thematisch indes von höchstem Reiz

ist es Ridinger’s autonom behandelter Rückgriff auf jenen Werkkomplex des Zeitgenossen seiner frühen Jahre, der in seiner Zeit und von da ab bis heute zu den bewundertsten Malereien der Kunstgeschichte zählt, zu

Antoine Watteau’s

(Valenciennes 1684 – Nogent-sur-Marne 1721)

CYTHERA-KOMPLEX

mit dem Pilgerzug zur Insel Cythera des Louvre als dem primus inter pares, mit dem Watteau am Samstag, dem 28. August 1717 seine Aufnahme »als Maler der ›fête galante‹« in die Académie erlangte, wie der ursprüngliche Titel Le pélerinage à l’isle de Cithère im Sitzungsprotokoll korrigierend umgetitelt worden war. Es ist

» (d)as Werk , das alle Eigenschaften der Kunst W’s vereinigt «

(Jahn 1957). Gleichrangig gefolgt von »Die Einschiffung nach Cythera« – so auch der Titel des Kupferstichs mit Radierung von Nicolas Henri Tardieu (1674-1749) – in Berlin als der vermutlich letzten Watteau-Erwerbung Friedrichs des Großen (zwischen 1752 und 1765), deren Kauf von den Hohenzollern in den zurückliegenden frühen 80ern für 15 Millionen Mark damals ebenso spektakulär wie aus heutiger Sicht günstig war. In der Literatur lange nur als Replik geführt, sind »Die Unterschiede zwischen den beiden Fassungen … zahlreich«. Früher Vorgänger beider ist Die Insel Cythera aus 1709, gleichfalls Anfang der 80er fürs Frankfurter Städel erworben, »ein Auftakt … die erste Idee zu den gefeierten Werken im Louvre und in Berlin«.

» Fast ein Jahrhundert lang versuchte man, die literarischen oder graphischen Quellen zu identifizieren, die Watteau angeregt haben könnten, und festzustellen, bis zu welchem Grad er sie übertrug und interpretierte. Man versteht gut, warum das Frankfurter Gemälde so stark die Aufmerksamkeit der Experten reizt, stellt es doch die unerlässliche Vorstufe zum Verständnis und zur Interpretation der beiden Einschiffungen dar. Louis de Fourcaud (1904) identifizierte die literarische Quelle, die auch heute noch allgemein akzeptiert wird: ›Les trois Cousines‹ (1700; siehe hierzu weiter unten wie auch Ridinger’s Die Dame mit der schwarzen Maske, eine Komödie in drei Akten von (Florent Carton de) Dancourt (1661-1725). Diese ›Dorfgeschichte, durch Zwischenspiele aufgelockert‹, wurde 1709 von der Comédie Française neu inszeniert … Die Bildquellen des Werks sind weniger offensichtlich … Dennoch gibt es für ein Detail eine genaue (und berühmte) Quelle: Watteau hat die Idee der Pilgerin … dem Liebesgarten von Rubens entlehnt … «

Im Gegensatz zur von Pierre Rosenberg wiederholten überkommenen literarischen Quelle, eröffnet François Moureau’s Beitrag (Watteau in seiner Zeit) an gleicher Stelle, siehe Schluß (SS. 469 ff. und hier insbesondere S. 500) eine abweichende Sichtweise :

» Lange Zeit versteifte man sich darauf, in Richtung der Comédie-Française und der Trois Cousines … zu suchen … Tatsächlich entwickelt sich die Insel Cythera im Werk Watteaus aus ganz anderen Quellen, entstanden auf dem Jahrmarkt und der Opéra in den ersten Jahren des zweiten Jahrzehnts des Jahrhunderts, ungefähr zwischen 1710 und 1715. Vor und nach diesem Zeitpunkt sind Schiffahrten nach Cythera auf den Pariser Bühnen ausgesprochen selten. Es scheint unnötig, herauszustellen, wie sehr diese einfache Tatsache die von Watteau gemalten (3) Werke … im vollen Taumel der cytherischen Spiele erhellt. Diese Mode wurde durch den Jahrmarkt in einer Zeit aufgebracht, in der er mit der Opéra comique so unbeschwert die große Opernbühne nachahmte. Der Ursprung des Themas liegt tatsächlich im Schauspiel am Hofe und in der Stadt, das früher in der Opéra kreiert wurde … «

Im übrigen besteht, worauf für Ridinger’s Cythera-Dame zurückzukommen sein wird, auch keine einheitliche Meinung darüber, ob das Louvre-Öl – und analog zu diesem auch das Berliner – eine Abreise zur Insel oder eine Rückkehr von derselben darstellt. Letztlich sind beide »ebenso sehr ein ›Pilgerzug‹ als eine Allegorie. Die Insel selbst ist ein ›non lieu‹, ein gedachter Ort (Schefer, 1962). Das Gemälde ist gleichzeitig Stillstand und Handlung, ein Augenblick in der Zeit und zeitlos«.

» Und so hat es Watteau gewollt (was den großen Erfolg seines Gemäldes erklärt). Der ›Pilgerzug zur Insel Cythera‹, der schnell gemalt, aber langsam gereift ist, stellt ein zweideutiges Werk dar, das zu Deutungen Anlaß gab und noch gibt, die widersprüchlich erscheinen können, sich jedoch tatsächlich ergänzen.

Seine außerordentliche Faszination

auf die Maler

(Turner, Monet) und die Dichter (Verlaine), die Musiker (Debussy) und die Schriftsteller (Proust) und im weitesten Sinn auf das Publikum, läßt sich nicht anders erklären …

Kann man aufgrund dieser Veränderungen behaupten, daß die Gemälde im Louvre und in Berlin nicht die gleiche Szene darstellen, daß diese Szene entsprechend den unterschiedlichen derzeitigen Interpretationen eine Abreise zu der Insel Cythera, eine Abreise von Cythera oder eine Allegorie der erotischen Dichtung und galante Spiele sein soll? Ein einziger Autor, Claude Ferraton (1975) … macht sich diese Hypothese zu eigen. Für ihn ist das Gemälde im Louvre eine ›Abreise nach Cythera‹, das von Berlin spielt sich auf der Insel ab … Er sagt (auch hieraus ergibt sich ein Bezug zu Ridinger), daß die fehlenden Berge im Hintergrund des Gemäldes sich nur so erklären lassen, daß die Szene auf der Insel stattfindet. Aber für ihn stellt vor allem das Gemälde in Paris die zukünftige, die ideale, die geträumte Liebe dar, das in Berlin die vollzogene Liebe, wonach einem nichts anderes mehr übrig bleibt, als nach Hause zu gehen. «

Das Frankfurter wie das Berliner Öl wurden 1730 bzw. 1733 für den Recueil Jullienne als der vom Freund und Sammler Jean de Jullienne besorgten Werkausgabe Watteau’s gestochen. Und dieses Galeriewerk diente Ridinger zweifellos für seine Arbeiten nach Watteau, so denn auch für Thienemann-Stillfried 1396/97 nebst Schwarz 1464/65, Schwarz 1458 (wohl richtiger nur indirekt mit, siehe derzeit hier per 28.407) + 1460 (28.403), die er keineswegs sklavisch kopierte (wie zumindest 1397 nur dem unaufmerksamen Blick vermitteln könnte), aus denen er ggf. auch nur ein Detail entlehnte (1460 und, nur ganz bedingt noch, 1458) oder, nach derzeitiger hiesiger Kenntnis zumindest, sich von ihnen lediglich inspirieren ließ, wie im Falle anstehender Cythera-Dame, bei der nur ordnungshalber auch an Thienemann’s Hinweis zur in großen Halbfiguren dargestellten Jahreszeiten-Folge 1181/84 (aufliegend deren Zweitversion Th. 1193/96 , deren erste drei Stationen von Damen aufsteigenden Alters repräsentiert werden, erinnert sei, wonach Ridinger hierbei »aus den Werken (Hyacinthe) Rigaud’s (1659-1743) und anderer französischer Bildnismaler« zitiert habe. Denn die Cythera-Dame ist mitnichten deren Schwester. Sie steht für Feuer und Versuchung.

Seine Cythera-Dame ist aber auch weder Watteau’s drei Cythera-Ölen entnommen noch dessen gleichfalls als Stich im Recueil Jullienne veröffentlichten der Koketten in Petersburg, deren eine, die mit der Maske, auch ins Cythera-Thema hineinspielt und die Ridinger für seine Dame mit der schwarzen Maske thematisch autonom entlehnt hat. Und via dieser sich die Kokette von Frech und doch galant (»galant« ganz im Wortlaut der Quellen + Literatur: »kommt und seid Zeuge unserer galanten Feste«; »die galanten Schiffe Watteaus«; »ist Cythera eine Idealisierung des neuen ›galanten‹ Stils des aristokratischen Lebens«) überhaupt erst, doch zwangsläufig, erschließt. Denn aus der solchermaßen belegten und über Stillfried/Schwarz’ vierblätterige obige Suite hinausgehenden, hier neuerdings auch für Schwarz 1460 nachgewiesenen intensiven Beschäftigung mit Watteau ergibt sich die Frage nach dem Sinn des Schiffes im Hintergrund von selbst. Die das Watteau-Œuvre denn auch bereitwilligst beantwortet.

Zugleich aber auch hier die Frage offen lassend, auf welcher Station der Reise die Dame zu sehen ist. Angesichts der sich hinter dem Schiff erhebenden Berge sollte à la obiger Interpretation die Insel erst aufgesucht werden. Gleichwohl: die Dame kehrt dem Schiff den Rücken und die landschaftliche Üppigkeit des Vordergrunds mit dem pralle Frucht tragenden dominierenden Weinstock als Synonym für den in den Quellen so gewichtigen Bacchus vermittelt den Eindruck von Glückseligkeit auf der Insel, wofür sie auch selbst steht. Und sowohl beim Aufbruch des Louvre-Bildes wie bei der unterstellten bevorstehenden Rückkehr des Berliners sind die Gruppen überwiegend am Wasser angesiedelt, blicken sie mehr oder weniger auf dieses und im Falle des Berliners auch auf das Schiff. Nur das Frankfurter Bild vermittelt den Eindruck jenseits von Aufbruch und Rückkehr. Nämlich das Ziel selbst, das freudige Genießen. Entsprechend ist die dominierende Mittelgruppe dem Betrachter zugewandt. Ganz so wie Ridinger’s nunmehrige Cythera-Dame. Mit dem sichtbar zurückliegenden Schiff im Rücken, dessen Segel seinerseits gleichwohl unverändert »von der Liebe gebläht« sind. Der Bergzug mag denn auch nur ein sich ergebendes Repoussoir sein, zumal dessen heute betontes Dasein auf dem Louvre-Bild Ridinger als im 18. Jahrhundert ungestochen geblieben unbekannt war.

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Daß Watteau schlußendlich sich keineswegs an rein mythologischem Aphrodite-Kult erwärmte, belegen die Segelschiffe von Saint-Cloud seiner Tage. Diese »Boote der Freuden fuhren die von einem kurzen galanten Abenteuer angelockten Städter von Paris zum Park Saint-Cloud, der Residenz des Hauses Orléans. Die mythische Überlagerung des Themas der Reise nach Cythera und der Eskapade nach Saint-Cloud ist den Menschen jener Zeit durchaus gegenwärtig«. Und entsprechend ist denn auch das Marmorgeländer des Frankfurter Bildes, »das an die Borromäischen Inseln erinnert, sehr prosaisch durch das Geländer an dem kleinen Wasserfall in Saint-Cloud angeregt«. Entsprechend

» ›Glücklich, abgewichen vom normalen Pfad, unter diesen neuen Gruppen ließ er uns die Liebe sehen, und zeigte uns

die Nymphen unserer Tage

ebenso liebreizend wie in Cythera‹ ,

schrieb in seinem Epitaph de Watteau Abbé Fraguier, der das moderne Cythera eindeutig einer Wirklichkeit zuweist und nicht einem Mythos … «

(Moureau).

Bleibt ein unendliches Erörtern eines unendlichen Themas. Und ein Verweis auf dessen entsprechend reich illustrierte und dokumentierte Behandlung im Watteau-Katalog von Morgan Grasselli und Rosenberg zur 1984/85er Wanderausstellung Washington – Paris – Berlin, dem, mit Ausnahme des Jahn’schen, auch alle Zitate entnommen wurden (siehe dort u. a. zu G 9, G 61 + G 62).

Und es bleibt ein abermals überraschender »verharmloster Ridinger« (Niemeyer) mit einem

thematisch ganz außerordentlich reizvollen + optisch ganz herrlichen Blatte

von zugleich exceptioneller Seltenheit ,

mit dem er geistig zu Watteau aufschließt, von dem Moureau feststellt:

» … die Inseln der Liebe haben (damals) eine ideologische Bedeutung, die bei weitem ihre Rolle als einfacher Ort der galanten Allegorie übertrifft. Dieser Anflug von ›Libertinage‹, der einen im Werk Watteaus verblüfft, dieser Anflug, der ›Cythera zugewandt‹ ist … sollte einmal aufmerksam untersucht werden. Die Wege nach Cythera verlaufen auf philosophischen Wegen … Der Maler, dessen ›geistige Libertinage‹ Caylus (Malerfreund + Biograph W.s) besonders herausstellte … von dem Gersaint (Galeristenfreund + Biograph W.s) sagte, daß er im ›Geiste der Libertinage‹ anhing, ›aber in der Lebensweise sittsam‹ war … dieser Watteau bringt noch einige Überraschungen «

(Moureau). – Ganz so wie Ridinger.

Für den sich nach den obigen, sämtlichs nur mit dem »excudit« gezeichneten Belegen verschiedenfältiger intensiver Beschäftigung mit Watteau last, but not least bestätigt, daß sein »excudit«, von Thienemann an landläufig nur als Verlegeradresse gewertet, obgleich es, im Langenscheidt-Sinne, als »hat es gestochen oder verfertigt« sehr wohl den Inventor/Sculptor als zusätzlich mit einzubeziehen vermag, zumindest teilweise in der Tat auf ihn selbst als den künstlerischen spiritus rector verweist und nicht nur auf den Verleger. Das »ipse inv.« auf dem berühmten »Selbstbildnis im Walde«, Thienemann XIX, 1, von Martin Elias gelegentlich seiner Kupfer-Übertragung vielleicht nur irrigerweise angebracht, ist diesbezüglich gleichwohl eindeutig. Ebenso eindeutig aber ist, wie hiesigerseits jüngst nachgewiesen, daß dieses »Selbstbildnis« sein großes Vorbild hat: das Doppelbildnis Watteau-Jullienne »Neben dir sitze ich, unter diesen lieblichen schattigen Bäumen« des Recueil Jullienne.

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Dietricy, Die Nymphen

Christian Wilhelm Ernst Dietrich, gen. Dietricy (Weimar 1712 – Dresden 1774). The Nymphs. – Die Nymphen. Zahlreiche, mehr oder weniger unbekleidete Gruppe an einem kleinen Teich unterhalb überhängender Felsen, begleitet von Putten sowie Ziegen und Schafen. Links ein kleiner Wasserfall. Stahlstich von Alboth. 3. V. d. 19. Jhdts. Bezeichnet: W. E. C. Dietrich pinxt. / Alboth sc., ansonsten wie vor. 15,5 × 17,6 cm (6⅛ × 6⅞ in).

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Mit Watteau’s Koketten
+ der Italienische(n) Komödie als Ursprung?
Johann Elias Ridinger, Dame mit der schwarzen Maske
Gar die große Desmares?

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die Dame mit der schwarzen Maske. Dreiviertelfigur in Ballkleidung sitzend nach rechts an einer Säule, den Kopf nach links geneigt, in der Rechten, »ein klassisches Symbol«, eine schwarze Maske haltend. Schabkunstblatt. Bezeichnet: I. El. Ridinger excud. A. V., ansonsten wie nachfolgend. 48,6 × 34,9 cm (19⅛ × 13¾ in).

Schwarz 1458 + Tafel II, XVII. – Nicht bei Thienemann (1856) + Stillfried (1876) und hier neben den Exemplaren von Gutmann (Schwarz, 1910) + Gräflich Faber-Castell (1958) anderwärts nicht nachweisbar. – Alt per Eckmontage auf besonders breitrandiges schweres Bütten aufgelegt, welches an drei Außenrändern angebräunt ist. – Dreiseits mit nahezu durchgehend feinem Rändchen, nur links überwiegend auf Plattenkante geschnitten. – Dt.-latein. Untertext:

Anderst von ausen als von in(n)en .
Schwarz ausen und masquirt , von innen weis und schön .
Ach! manchen sieht man schwarz in weiser Masque gehn .

Nach Schwarz »Gegenseitige Kopie nach Coypel ›Mad. de ** (Mouchy) en habit de Bal‹, gestochen von L. Surugue« (ggf. dann wohl recte gegenseitig nach Surugue und damit wieder bildrichtig zu Coypel, denn die Maske ruht in der Rechten). – Identisch mit Thieme-Beckers (Charles-Antoine Coypel, 1694 Paris 1752, Bd. VIII, S. 28/I) »›Mme de Mombay‹ (Pastell, gest. v. Surugue)«? Nagler, Pierre Louis Surugue, Paris 1717 – 1771, Nr. 4 mit dem Klammerzusatz »Mouchy«, wie von Schwarz übernommen, gleichwohl ergänzend

» Einige halten die Dame für die Mme. de Pompadour « .

Immerhin, so Thieme-Becker, »arbeitete (Coypel) mit an den Dekorationen des Schlosses in Versailles, der Gemächer Maria Lesczynskas u. d. Mad. de Pompadour«.

Gleichwohl mag der tatsächliche Ursprung nach hiesiger Ansicht, wie er denn auch bereits von Ridinger erkannt sein dürfte, komplexer sein und auf Watteau zurückgehen. Und hier auf dessen kurz vor 1731 im Recueil Jullienne veröffentlichte Koketten von ca. 1714/15 in Petersburg unter Beizug der 1734 für den Recueil vervielfältigten Die italienische Komödie von etwa 1718 in Berlin (siehe G 29 + G 65 nebst (Vergleichs)abbildungen des 1984/85er Watteau-Katalogs).

Bei den Coquettes ist es die Dame links außen der Vierergruppe nebst Negerknaben am Geländer, die als einzige in der Rechten eine schwarze Maske hält. Ihre gleichfalls offen ausgeschnittene Garderobe ist gleichwohl nicht identisch mit der der Dame mit der schwarzen Maske, die auch keine Kopfbedeckung trägt, wohl aber Haarschmuck. Daß sie »zuerst keine Kopfbedeckung … (trug, auch) anders gekleidet (war) und ihre Maske auf das Geländer gelegt« hatte, mag Coypel vielleicht bekannt gewesen sein, der Recueil-Stich indes zeigt sie bereits verändert.

Wie schon beim Cythera-Komplex die Meinungen darüber auseinandergehen, ob es sich um Aufbruch, Rückkehr oder Aufenthalt handelt, so waren auch bezüglich der Coquettes

» Seit dem 18. Jahrhundert die Meinungen über das Thema des Gemäldes geteilt. Wenn man dem anonymen Autor des Achtzeilers (des Stiches) folgt … so erscheinen in der Szene zwei junge Frauen, die sich maskiert auf einen Ball begeben, um sich dort mit ihren ›Galanen‹ zu treffen (wobei aber, wie schon betont, nur für die eine eine Maske zu sehen ist) … Mariette sieht in dem Gemälde ›für den Ball verkleidete Leute‹ … Lépicié spricht von einer ›Rückkehr vom Ball‹. (Andere zeitgenössische Autoren) erwähnen ›maskierte Personen, die sich auf einen Ball vorbereiten‹ … Fourcaud (1904) kommt ohne Zweifel der Wahrheit näher, wenn er von ›einer Familiengruppe während einer galanten Maskerade‹ spricht: ›alle Figuren stammen offensichtlich aus dem Skizzenbuch‹. Dennoch wollen in letzter Zeit nicht wenige Autoren die Personen identifizieren, vor allem Nemilova (1964) … und die Namen der Modelle. Die russische Autorin will nichts von der Anspielung auf den Ball wissen … sondern sieht in dem Gemälde eher

Schauspieler der Comédie Française aus den ›Drei Cousinen‹

von Dancourt, als italienische Schauspieler (was der traditionellen Hypothese entspricht), und erkennt links

(die berühmte Charlotte) Desmares (1682-1753) …

Uns erscheint die vernünftige Analyse von Fourcaud sinnvoller; wir sehen in dem Gemälde eine Gruppe von Watteaus Freunden, die vom Künstler phantasievoll verkleidet und von ihm willkürlich zusammengestellt wurden «

(Pierre Rosenberg zu G 29 des Katalogs, den Coquettes).

Immerhin könnte die Desmares eben zu solcher Gruppe von Freunden des Künstlers gehören. Denn

» Für Charlotte Desmares gab es zahlreiche Gründe, mit Watteau zusammenzutreffen: als gefeierte Tragödin war sie sich doch auch nicht zu schade für Soubretten-Rollen in den ›Dancourades‹ – Colette in Les Trois Cousines … Die Nichte des großen Champmeslé, die die schönsten Rollen Racines geschaffen hatte … Drei Werke von Watteau … gelten als Porträts von Mlle Desmares; Fourcaud (1904) vermutet sogar, daß sie auf der ›Insel Cythera‹ in Frankfurt (G 9) dargestellt ist … Ein Stich von Desplaces nach Watteau zeigt sie in der Rolle der Pilgerin (in den Trois Cousines) «

(François Moureau im Watteau-Katalog, SS. 478 f.).

Und Nemilova sieht die Desmares auch in der Träumerin in Chicago. Dazu Rosenberg ad G 26:

» Kein Autor des 18. Jahrhunderts, kein Katalog spricht im Zusammenhang mit der ›Träumerin‹ von der berühmten Schauspielerin … Wir kennen ihr Porträt von Charles-Antoin Coypel, das kurz vor ihrem frühzeitigen Abschied vom Theater 1721 gemalt wurde, durch den Stich von Bernard Lépicié … Man muß wohl anerkennen, daß es keinerlei Ähnlichkeit mit dem Modell des Gemäldes in Chicago aufweist. Aber 1712-1714 war Watteau noch kein erfahrener Porträtist. In jedem Fall teilen wir die Meinung von Nemilova und Roland-Michel,

die das Modell der ›Träumerin‹ in den ›Koketten‹ … wiederfinden . «

Dort doch aber von Kopfputz und Stellung her dann nur in der Linksaußen, der – einzigen – mit der Maske! Diesbezüglich dann auch nicht zu übersehen ist, daß die im Mittelgrund links angesiedelte – gesicherte – Schauspielerin der Italienische(n) Komödie ihrerseits die einzige der Gruppe mit einer Maske ist, gehalten hier in der Linken. Denn

» Watteau malt – außer bei dem Harlekin – immer die vom Gesicht abgenommene, in der Hand gehaltene Maske, in einer Haltung, die er auf einem Gemälde der Sammlung von Crozat gesehen haben könnte: ›Le Comédien qui tient un masque‹ von Domenico Fetti, heute in der Eremitage … Die von Watteau dargestellten Masken wurden von den Leuten geschätzt, die mit der Mode gingen und die Kostümbälle in der Oper besuchten … Bei einer ›Dame en habit de théatre‹ (Abb. 89) läßt sich eine gewisse Übereinstimmung mit dem Werk Watteaus feststellen « (auch sie mit der in der Hand gehaltenen Maske)

(Moureau, a. a. O., S. 530).

Anmerkenswert schließlich, daß die Träumerin, die Unruhige Geliebte (Abb. 1 bei G 26) wie auch die Spielerin mit der Maske der Italienische(n) Komödie jeweils nach rechts sitzen/stehen, doch nach links blicken. Ganz so, wie Ridinger’s Dame mit der schwarzen Maske nach, so Schwarz, Coypel, der sich hier denn watteauverbunden zeigt und das Porträt der Desmares gemalt hat. In Unkenntnis dessen Stichs von Lépicié gleichwohl der Einwurf:

ist » Die Dame mit der schwarzen Maske « die Desmares ?

Siehe den Ausschnitt des Santerre zugeschriebenen Porträts im Watteau-Katalog, S. 525, mit dem Hinweis, der Maler habe seine Modelle »oft idealisiert, indem er ihnen ein feines und ovales Gesicht gab«. Ein solches zeichnet auch die hiesige Dame aus, deren nachdenklich-träumerischer Blick dem der Unruhige(n) Geliebte(n) eher nahekommt als dem doch nur Selbstbewußtsein ausstrahlenden der Träumerin. Verblüffend schließlich die Übereinstimmung der Sitz- und Kopfhaltung bei Coypel/Ridinger + Santerre, bei diesem lediglich nach links mit Blick nach rechts.

Nur rein ballbezogen hingegen erscheint das Bild als ein Rückblick nach Rückkehr vom Ball. Mit der Maske als nicht allein äußerem Attribut, sondern »als ein Symbol in Liebesangelegenheiten« (Rosenberg). Eben solchen Madame denn hier nachsänne.

Eingedenk Ridinger’s intensiver Beschäftigung mit Watteau wird sein »excudit« auch für dieses

optisch so ausnehmend schöne Blatt

als Eigenarbeit gelesen wie vor. Wie denn auch druck- + erhaltensmäßig dito.

Angebots-Nr. 28.407 | Preis auf Anfrage

Nicolas Lancret (1690 Paris 1743). La Fête Champêtre. Die Gesellschaft im Freien mit dem tanzenden Paar. Unter Bäumen vor Getreideschlag und zurückgesetztem Anwesen in den Hügeln. Vorn rechts Kavalier, einem Hund Pfötchengeben beibringend. Stahlstich von Albert Henry Payne (London 1812 – Leipzig 1902). Ca. 1845. Bezeichnet: N. Lancret pinxt. / A. H. Payne sc., ansonsten wie vor. 15,2 × 17,1 cm (6 × 6¾ in).

Nicolas Lancret, Fête Champêtre

Das sehr reizvolle Sujet Lancret’s – »einer der berühmtesten neben Watteau« (Nagler) – , wohl nach einem der Berliner Kriegsverluste Tanzendes Paar im Freien oder Die Gesellschaft im Freien (Bernhard, Verlorene Werke der Malerei, SS. 69 f.).

Seit gemeinsamen Ausbildungstagen im Atelier Gillot’s mit Watteau befreundet, ging die Beziehung zu Bruch, als Lancret zwei Bilder im Stile des Freundes ausstellte, von denen man glaubte, dieser selbst habe sie gemalt und ihn entsprechend beglückwünschte.

Angebots-Nr. 14.524 | EUR 76. (c. US$ 92.) + Versand

Der falsche »Cellist« der Literatur
Johann Elias Ridinger, Gambaspieler
— ein echter Watteau!

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Der Gambaspieler (Viola da gamba). Der Sammler Bougi (oder der dickliche Freund Nicolas Vleughels?) mit Federhut unter hochgezogener reicher Draperie, eine 7saitige Gambe mit sieben Bünden spielend. Dreiviertelfigur, sitzend frontal nach links, die streichende Rechte auf einen Mauersims aufgelegt, indes sich zur Rechten ein Terrassengitter anschließt und den Blick auf signifikant ihrerseits sieben Zypressen freigibt, aus deren Mitte eine Fontaine emporschießt. Schabkunstblatt nach einem Detail Watteau’s. Nach 1734. Bezeichnet: I. El. Ridinger excud. A. V. 48,5 × 35,1 cm (19⅛ × 13⅞ in).

Schwarz 1460 + Tafel II, XIX (irrig als »Der Cellist«). – Nicht bei Thienemann (1856) + Stillfried (1876) und mit Ausnahme von Baron Gutmann (Schwarz, 1910) hier auch anderwärts nicht nachweisbar.

Bereits als »Sehr selten« (1894 Boerner LV, 317) allenfalls vorkommend (so bei Rosenthal 1940, korrekt als Viola, Gräflich Faber-Castell 1958 + K&F 1979) die ausschließlich auf den in einen Rahmen gefaßten Spieler nebst Untertext zurückgenommene Version Schwarz 1459, Tafel II, XVIII, dessen Gesichtszüge bis hin zum Ohr doch etwas sichtbar weniger ausdrucksvoll und fein gearbeitet sind und dies sehr wohl analog zu Hut samt Feder, doch auch zur Knopfleiste des Wamses.

Allen unbekannt geblieben

indes der Bezug zu Watteau, dem die hier anstehende reichere Fassung zwangsläufig nähersteht. Ridinger entnahm das Sujet Watteau’s nur in einer Kopie (Saint-Omer) erhaltenem Ländliches Konzert, so der Titel des 1734 von Benoit II Audran für den Recueil Jullienne im Gegensinn geschaffenen Nachstiches, der Ridinger, gleich anderen Blättern des Recueil, als Vorlage gedient haben dürfte, nicht ohne für sein Vorhaben die Seitenrichtigkeit wiederhergestellt zu haben: M. Bougi streicht mit der Rechten!

Watteau’s für 1716/17 angenommenes Öl – siehe dessen Audran-Wiedergaben im Watteau-Katalog, SS. 33, 156, 351 und, als Ausschnitt Bougi’s, 551 – versammelt vor Parkstaffage samt Zypressen eine musizierende und singende Gesellschaft, deren Mittelpunkt der in ganzer Figur dargestellte Gamba-Spieler bildet. Daß es sich bei diesem um den Sammler Bougi aus dem Freundeskreis Watteau’s handelt, überlieferte der Kunsthändler Mariette, von dem im übrigen strittig ist, ob er selbst gleichfalls mit Watteau bekannt war. Doch auch bezüglich Bougi’s besteht insofern Ungewißheit, als deren drei in Frage kommen. Welcher von ihnen mag nun ggf. ein Instrument gespielt haben? Ansonsten

» Gehören die Personen, die (Bougi) umgeben, zu seiner Familie, wie in dem Porträt von Sirois im ›Familienkonzert‹ … in London … Der Ort, einer der Parks, die der Maler so liebte … «

(siehe hierzu a. a. O. SS. 33 f. + 43).

Ridinger nun focussiert zwar den Spieler, gibt ihm aber zugleich, und dies im Gegensatz zu Schwarz 1459, mittels reicher Draperie und Parkausblick sein zu unterstellendes und auch Watteau wichtiges Ambiente zurück. Für seine Jägerin Th. 1110 bediente sich Ridinger übrigens eines gleichfalls von signifikant hochschießenden Zypressen bestimmten Park-Hintergrunds.

Mit deutsch-lateinischem Untertext:

Mit leerem Schalle vertriebne leere Gedancke(n) .
Der leere Geigenschall vertreibet leere Grillen ,
O könte dieser doch den leeren Kopf offt füllen .

Als Eigenarbeit zu unterstellen wie vor, druck- + erhaltensmäßig dito. Im linken Knie eine ganz schwache Kratzspur. – EXCEPTIONELL SELTENES NAHEZU–UNIKAT von zauberhaftem Charme .

Angebots-Nr. 28.403 | Preis auf Anfrage

Antoine Watteau (Valenciennes 1684 – Nogent-sur-Marne 1721). Fête Champêtre. (Das Liebesfest.) Amourös und galant sich vergnügende Gesellschaft in Parklandschaft oberhalb eines Sees mit Statue der Venus zur Rechten, deren Köcher mit Pfeilen ihr ein Putto streitig macht. Stahlstich von Albert Henry Payne (London 1812 – Leipzig 1902). Ca. 1840. Bezeichnet: Watteau pinxt. / A. H. Payne sc., ansonsten wie vor. 15,7 × 16,7 cm (6⅛ × 6⅝ in).

Antoine Watteau, Fête Champêtre

Seitenrichtige Wiedergabe des »bewundernswerten Liebesfest(es) in Dresden« – Watteau-Katalog, S. 407, Abb. 3 – , thematisch zugehörig dem Pilgerzug zur Insel Cythera bzw. der Einschiffung nach Cythera in Paris bzw. Berlin (Nrn. 61 f. des Katalogs nebst Abb.), wobei die Statue letzterem folgt, doch ohne den zweiten Putto im Rücken der Göttin sowie den Faunskopf und den Mars-Attributen am Sockel.

Angebots-Nr. 14.509 | EUR 50. (c. US$ 60.) + Versand

Daniel Chodowiecki (Danzig 1726 – Berlin 1801). Blindekuhspiel. – Blind-Man’s Buff. Ein Herr und eine Dame zugleich inmitten der zahlreichen Gesellschaft im herrschaftlichen Garten unterhalb antiker Statue. Rechts Pappelallee, links das Haus. Stahlstich von Albert Henry Payne (London 1812 – Leipzig 1902). Ca. 1845. Bezeichnet: D. Chodowiecki pinxt. / A. H. Payne sc., ansonsten wie vor. 17,7 × 20,2 cm (7 × 8 in).

Chodowiecki, Blindekuhspiel

Das großformatigere sehr reizvolle 1768er Sujet in der Nachfolge Watteau’s

nach dem untergegangenen Öl in Berlin (Bernhard, Verlorene Werke der Malerei, S. 15).

Angebots-Nr. 14.525 | EUR 86. (c. US$ 104.) + Versand

Antoine Watteau (Valenciennes 1684 – Nogent-sur-Marne 1721). The Terrace – Die Terrasse. Zwei separate Gesellschaften in Parklandschaft, die vordere mit dem seine Schöne zu gewinnen trachtenden Gitarrespieler. Zur Linken erweist ein Galan dem Rückenteil einer steinernen Wasserjungfrau seine Reverenz, indes zur Rechten zwei junge Mädchen einen Rosenstrauch berauben. Stahlstich von (wohl Edward John, um 1797 – 1865) Roberts. Ca. 1840. Bezeichnet: Watteau pinxt. / Roberts sc., ansonsten wie vor. 15,6 × 16,7 cm (6⅛ × 6⅝ in).

Antoine Watteau, Terrasse

Nach dem Bild in Dresden, nahestehend der Berliner Gesellschaft im Freien mit seiner zentralen Bankgruppe, im Bildaufbau auch der Insel Cythera im Frankfurter Städel mit erwartungsgemäß konkreter Terrasse im seitlichen Rückfeld, Positionen G 63 bzw. G 9 nebst (Farb-)Abbildungen des Watteau-Katalogs.

Angebots-Nr. 11.877 | EUR 50. (c. US$ 60.) + Versand

Thomas Stothard (1755 London 1834). The Bathers. Sieben Grazien in reicher Landschaft beim Bade in einem Gebirgsbach. Kolor. Stahlstich von Charles Cousen (Yorkshire ca. 1819 – 1889). Bezeichnet: T. Stothard, R. A. Painter. / C. Cousen, Engraver., ansonsten wie vor. 21 × 24,3 cm (8¼ × 9⅝ in).

Thomas Stothard, The Bathers

Brillant in Romantik und Farbe. – Stothard »gehört zu den Geistern, die sich aus der Tiefe zum Ruhme emporschwangen … Seine Zeichnungen … (gehören) in Hinblick auf die Strenge des Styls zu den vorzüglichsten Leistungen der englischen Schule« (Nagler). – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 12.542 | EUR 189. (c. US$ 228.) + Versand


„ ich danke für die unbeschreiblich gut verpackte Sendung, die mich heute wohlbehalten erreichte, Sollten Sie mal wieder etwas von … haben, wäre ich für eine Benachrichtigung dankbar. Ebenso interessieren mich die Maler … Herzliche Grüße aus Hamburg “

(Herr A. W., 24. Oktober 2007)