niemeyer’s AHA! Erlebnisse - aus Tradition aktuell

— Mai 2023 —

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MAI niemeyer’s monatliche Oh là là! erlebnisse 2023

» ›Alles optisch Wahrnehmbare zu vergeistigen
und in die Sphäre des visionär Geschauten zu übersetzen‹
das bedeutete die
Erfüllung des Programms des modernen Expressionismus ,
zu dessen überzeugendsten Verkündern

J. F. W. Herbst, Skorpion

Kolor. Kupfertafel aus J. F. W. Herbst. Naturgeschichte der Skorpionen. Bln. 1800. – Nissen ZBI, 1895.

[ Der Skorpionmeister ]

zählt. «

So Hans Vollmer

— als Enkel/Bruder
der Maler Johannes + Erwin Vollmer in der Wolle gefärbter Kenner —

1923 in Thieme-Becker XVI, 211 f.

Notnamen

erhielten bildende Künstler — also Maler, Buchmaler, Bildhauer, Bildschnitzer etc. — aus schon antiker Tradition heraus in/aus Mittelalter, vereinzelt auch noch Renaissance und Barock, die namentlich nicht oder nicht sicher bekannt sind. Gebildet an Hand eines ihrer Werke oder typischer Stilmerkmale.

» Ihre Notnamen mögen teilweise etwas seltsam anmuten, wenn es beispielsweise einen Meister der unartigen Kinder gibt, sie sind aber in der Kunstwissenschaft verbindlich. Fakultativ ist allerdings in der Regel die Stellung des Begriffs Meister. So sind Meister des Hausbuches sowie Hausbuchmeister synonyme Bezeichnungen und werden in der Kunstgeschichte gleichberechtigt benutzt « (Deutsche Wikipedia lt. 28. December 2022).

Nach einem ihrer Werke oder typischer Stilmerkmale. Jenseits übersehbaren Durchschnitts. Und längst allgemeinverbindlicher Namensgewißheit ohnehin.

Doch der Spieß ist umkehrbar.

So der Name nur zählt, nicht Qualität und Stilmerkmale. Und solchermaßen Jacob Burckhardt mit Vortrag vom 21. Februar 1881 resümieren ließ

» Das Jagen nach berühmten Namen hat überhaupt seine großen Schattenseiten; es wäre eigentlich richtiger, die Bilder um ihrer Schönheit willen zu lieben. «

Und naturellgemäß sarkastischer Beethoven:

» ›Sehen Sie, lieber Ries! Das sind die großen Kenner, welche jede Musik so richtig und so scharf beurteilen wollen.

Man gebe ihnen nur den Namen ihres Lieblings; mehr brauchen sie nicht‹ «

(Wegeler-Ries, Biographische Notizen über L. v. B., 1838, S. 90, hier nach Kerst I, 101 f.):

» Beethoven verschaffte mir [seinem Schüler Ferdinand Ries] ein Engagement als Klavierspieler beim Grafen Browne … wo ich häufig abends Beethovensche Sachen, teils von den Noten, teils auswendig vor einer Versammlung gewaltiger Beethovenianern spielen mußte. Hier konnte ich mich überzeugen, wie bei den meisten schon der Name allein hinreicht, alles in einem Werke schön und vortrefflich, oder mittelmäßig und schlecht zu finden. Eines Tages, des Auswendigspielens müde, spielte ich einen Marsch, wie er mir gerade in den Kopf kam, ohne irgendeine weitere Absicht … Eine alte Gräfin geriet darüber in so hohes Entzücken, da sie glaubte, es sei etwas Neues von demselben, was ich, um mich über sie sowohl als über die anderen Enthusiasten lustig zu machen, nur zu schnell bejahte. Unglücklicherweise kam Beethoven selbst den nächsten Tag … Als er nun des Abends … kaum ins Zimmer trat, fing die Alte gleich an, von dem äußerst genialen, herrlichen Marsche zu sprechen … ›Man gebe ihnen nur den Namen ihres Lieblings …‹

» Dieser Marsch veranlaßte übrigens das Gute, daß Graf Browne gleich die Komposition dreier Märsche zu vier Händen, welche der Fürstin Esterhazy gewidmet wurden (op. 45), von Beethoven begehrte. «

Nicht anders und zeitüberbrückend in der Malerei. Zu häufig, zu vielfältig. Auf allen Etagen. Wiederkauend, was andere à jourer vorgekaut haben. Bis ein Vermeer van Delft (1632-1675; sein Bei der Kupplerin »das völlig reife Meisterwerk eines 24jährigen [Skorpions) doch noch, oder anstehendenfalls auch wieder, in den Ring (zurück-)katapultiert wird.

Bei welcher Gemengelage 70jährige Berufserfahrung in Wiederbelebung einstiger obiger Namensschöpfung dem Meister einen Notnamen verleiht. Charakterisierend das Werk nicht via Person, vielmehr letztere durch ihr Werk. Mit dem Ergebnis eines alten neuen, lediglich hinterfragten

Franz Heckendorf

* 5. November 1888
in Schöneberg nächst Berlin
als skorpiongeborener Sohn
Franz Heckendorf, Haus im Park (Ausschnitt)
eines Architekten
† 17. August 1962 in München

» Heckendorfs künstlerischer Aufstieg stand unter einem glücklichen Stern.

Niemandes Schüler,
der eigenen Kultivierung aller [hier 1921] in ihm ruhenden Fähigkeiten überlassen,

Franz Heckendorf, Gesichtsloses Paar (Ausschnitt)

stellte er bereits als 18/20jähriger in der Berliner Sezession 2 Straßenbilder aus, die noch unter dem Eindruck der impressionist. Malweise standen. «

So Joachim Kirchner 1919 in Franz Heckendorf bzw. Hans Vollmer 1923 in Thieme-Becker.

Und Generationen später wird Peter Bürger bezüglich Kirchner’scher Straßengestalten von »maskenhaft vereinfachten Gesichtszügen« als Ausdruck »allgemeiner Beziehungslosigkeit« sprechen (Flaneure überdehnen die Stadt … Kirchner und der Manierismus, FAZ 23. Juli 2001). Aber auch schon Hogarth bediente sich beispielsweise in »Times I« (1762) in persona Lord Temple’s dieses Stilmittels letztlich biblischen Herkommens, nämlich sich kein Bildnis zu machen, wie denn auch die Kinder strenggläubiger Mennoniten mit gesichtslosen Puppen spielen.

» Schüler der Unterrichtsanstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums und der Akad., im wesentlichen aber Autodidakt [gleich den Altersgenossen Heckel + E. L. Kirchner und wie diese ausgehend vom Impressionismus]. Einer der begabtesten Vertreter der jungen deutschen Künstlergeneration, dessen persönliche Note in seinen von ungeheurer Dynamik des malerischen Vortrages erfüllten und starker Innerlichkeit der Empfindung getragenen Landschaften bisher ihren reifsten Ausdruck gefunden hat … In allen Techniken gerecht und ein ungemein leicht produzierendes Talent … pflegt H. neben der Ölmalerei das Pastell, Aquarell und die Lithographie … « (Vollmer 1923 wie vor).

» … nie gehemmte Arbeitslust und ein immenser Fleiß … «

So als ein ganz wesentliches Charakteristikum dieses Meisters

1924 Joachim Kirchner
in Neue Bilder von Franz Heckendorf innert Biermann’s Jahrbuch der jungen Kunst 1924, SS. 190 ff.

» Kein anderer [als der Skorpion]

hat diesen rücksichtslosen, geradezu erbitterten Willen zur Arbeit «

1959 V. M. von Winter
in Die Menschentypen — Die Psychologie der Tierkreiszeichen, Ffm., Ullstein, 1959, SS. 133 ff.

Widergespiegelt denn auch vom Werk des Skorpionmeisters Heckendorf, gepaart nach hiesigem Befinden mit der handwerklichen Akkuratesse eines gar-nicht-anders-könnens wie solchem Typus gern eigen. Skorpion-Bruder und ziemlicher Jahrgangs-Gefährte Picasso läßt grüßen. In diesbezüglich hiesiger Erinnerung namentlich die 100blätterige Suite Vollard mit ihrem hier frühzeitig durchgelaufenen »grandios vereinfachten« (Hans Bolliger) Vollard-Porträt III und dann … Dann natürlich des 87jährigen (! I) von März bis Oktober 1968 geradezu rausgerotzten 347 (! II) Radierungen zum Themenkreis Der Maler und sein Modell als sein »wohl skandalösestes Werk«, so er selbst. Die Werbung für deren 1971er Buch-Wiedergabe PICASSO 347 lief hier als »Ein BEISPIEL UNGLAUBLICHEN FLEISSES in unserer Zeit«.

Abgebremst solchen gar-nicht-anders-könnens für Heckendorf seitens dunkler Zeit. Wie seinesgleichen gleich zu Anfang belegt mit Ausstellungsverbot, folgten 1937 Entfernung, Verkauf und Verbrennung der in der Nationalgalerie und in Berliner Staatsbesitz befindlichen Arbeiten, 1940 der Ausschluß aus der Reichskammer der Bildenden Künste und 1943 noch ganz andere, zutiefst persönliche Härte, gewachsen letztlich aus dem Sternzeichen des Skorpions und von von Winter, siehe oben, wie folgt verdeutlicht:

» Er kann dem Mann in Not beistehen –

es ist der Beistand eines großartigen Kämpfers von beispiellosem Mut … «

Auch hier das gar-nicht-anders-können, des Skorpion-Bruders Luther hier stehe ich …:

» Ein weiteres rettendes Netzwerk der Fluchthilfe [nach 1933] entstand um den Kunstmaler und Galeristen Franz Heckendorf … in Berlin. Er hatte viele jüdische Bekannte, denen er immer wieder nahe legte, Deutschland zu verlassen … Es wurden falsche Kennkarten hergestellt und Fluchtwege [in die Schweiz] ausgearbeitet … [und] als Spaziergänger getarnt [erprobt] … Die ersten Flüchtlinge waren Kurt und Hilda Schüler aus Berlin. Schätzungsweise folgten weitere 20 bis 80 Personen … Im Februar 1943 flog dieses Fluchthilfenetz auf, nachdem Heckendorf … [vermutlich] eine Falle gestellt [worden war]. Vom Sondergericht Freiburg (Brsg.) wurden vier der Fluchthelfer zu hohen Zuchthaus- und Geldstrafen verurteilt … « (Hauss, siehe Literatur).

Heckendorf erhielt mit 10 Jahren die Höchststrafe, mit denen ein offensichtlich wohlwollendes Gericht, die eigentlich Verantwortlichen in ausländischen jüdischen Drahtziehern sehend, die vom Staatsanwalt geforderte Todesstrafe durchkreuzte. Wie denn auch im Verlauf der Kerkerstationen gute Menschen, nicht selbsternannte »Gutmenschen«, beistanden, drohten die körperlichen Kräfte zuschanden zu gehen. Ganz zum Schluß schließlich noch KZ Mauthausen.

Den Weg zurück – gleichwohl nurmehr als einer der verschollenen Generation

(Rainer Zimmermann) – ebneten Professur an der Wiener Akademie und Lehrtätigkeit in Salzburg. Ab 1950 dann Münchener Seßhaftigkeit. Und hinterlassend ein Œuvre, in dem, wenn auch noch nicht wieder ex cathedra,

dem Kenner unverändert winkt, was schon einst Gewißheit war:

» Die führende Rolle, die [Heckendorf] schon beim Beginn seiner Laufbahn unter den gleichalterigen Kollegen einnahm, ist ihm verblieben, und es bedeutet wohl eine allgemeine Anerkennung seines Könnens, wenn er in diesem Jahre

zusammen mit den bedeutendsten Namen der deutschen Malerwelt

auf der internationalen Kunstausstellung in Rom mit mehreren Arbeiten vertreten sein durfte «

(Joachim Kirchner in Jahrbuch der jungen Kunst 1924, Seite 190).

Aus jenen frühen Tagen vor hundert Jahren denn des 33jährigen

Haus im Park mit Paar

Villa mit Mansarde im Satteldach, zu deren Eingang nebst vorgesetztem Wintergarten linksseits eine Treppe hinaufführt. Zulaufend auf den Betrachter ein Paar. Öl auf Leinwand. Rechts unten bezeichnet:

F. Heckendorf (19)21

F. Heckendorf (19)21. 60 × 70,5 cm (23⅝ × 27¾ in).

In 3teiligem handwerklichen Holzrahmen in Grau- + Schwarz-Anstrich in Wiederholung eines solchen wohl des Künstlers selbst, belegt hier für einen weiteren Heckendorf.

Heckendorfleuchtendes Hauptwerk

in dominierend sattem Grün vor ebensolch blauem Himmel

mit dem in Terra di Siena gehaltenen Dach des Hauses, dessen lichtockerfarbene Frontseite mit den mäandernden Wegen korrespondiert, aus der hier für die Jahre 1919-1928 belegbaren Haus-im-Park-Gruppe, benachbart etwa E. L. Kirchner’s zeitlich vorhergehenden Ölen Haus unter Bäumen / Fehmarn von 1912 (figurierte 1917 in Berlin auf der Ausstellung der Freien Sezession), Gut Staberhof / Fehmarn von 1913, Villen in Königstein/Ts., 1915/16, Villa Portius / Dresden (Aquarell über Bleistift, ca. 1906/07), Bergwald mit Hütten (Tuschfeder + Pinsel um 1918). Heranziehbar aber auch der Holzschnitt Wettertannen (1919) in seinem schweren Grün-Blau und den ockerfarbenen Wegen mit ihren kirchner- aber auch anderwärts expressionistisch-typisch kleinen Figürchen, wie denn auch das Paar hier bei Heckendorf, dessen hiesige intensive Farbtöne beispielsweise auch seine Heilige Familie auf der Flucht gleichen Jahres bestimmen.

Heckendorf’s eigener Villa-Park-Komplex für die Frühzeit hier belegbar

mit 1919 (Öl, 100 × 80 cm), deren den von vier Stufen unterbrochenen Weg zum Hause flankierenden Allee schlanker Bäume wir 1928 wiederbegegnen – 1921 (hiesiges Öl) – 1922 (Pastell, 66 × 47) – 1923 (wohl Öl; Abb. Jahrbuch der jungen Kunst 1924, Seite 191) – 1925 (Aquarell + Tempera, 29,5 × 28,5; wiederum mit dicht belaubten Bäumen als Vordergrund und der Fassade in lichtem Ocker) – dem undatierten Fachwerkhaus im Park (Öl, 37,5 × 49) – den undatierten Drei Frauen im Garten vor Villa (Öl, 35 × 45). Ergänzbar schließlich um das hauslose Aquarell Bäume von 1928 (41 × 31) mit dem ockerfarbenen Parkweg, den schon besagte Allee schlanker Bäume säumt und dessen Licht-Schatten-Spiel das des anstehenden 1921er Öls zitiert, in seiner Formalität gleichwohl als impressionistischer Nachklang an Manet’sche Darstellungen erinnert, etwa an dessen 1882er Landschaft in Rueil auf der 1997er Münchner Ausstellung Manet bis van Gogh — Hugo von Tschudi und der Kampf um die Moderne (Nr. 21 + SS. 84 f. des Katalogs). – Unbeschadet aller Eigenständigkeit erscheint es denkbar, daß Heckendorf jeweils dasselbe Objekt variierte.

Franz Heckendorf, Haus im Park

Solchermaßen hiesige Arbeit die vermutlich zweitfrüheste und wohl zusammen mit der 1923er

die schönste + vollkommenste

dieser so intim-stillen Werkgruppe,

vorbildlich über Heckendorf hinaus generell für die Landschaft in der Malerei des Expressionismus.

Jawlensky’s programmatisches

» die Natur entsprechend meiner glühenden Seele
in Farben zu übersetzen «

steht unausgesprochen auch über anstehendem Heckendorf.

Deren gegebenenfalls eingesetzte Figurationen, wie auch hier, mittels konturenloser (Nicht)Gesichter als vielfach sehr typisch für ihn bewußtsichtbar nachgeordnet werden. Denn » alles optisch Wahrnehmbare zu vergeistigen … «, siehe oben Hans Vollmer.

Und in neuerer Zeit spricht Horst Ludwig im 1985er Katalog Hagemeier – siehe Literatur – an Hand einer 1958er Südliche(n) Landschaft mit Segelbooten von der »Tendenz der überhöhten Natur« :

» Hier wird auch [unverändert] der Anspruch erkennbar, der schon 1906 im Programm der ›Brücke Künstler‹ ausgesprochen wurde, unverfälscht und unvermittelt das wiederzugeben, was den Künstler zu schaffen drängt, nämlich die eigene Vision, die sich zuvor mit der Landschaft selbst verbindet, ohne ihr freilich imitativ zu folgen.

» Mit [abermals unverändert] temperamentvollen Pinselstrichen, die als solche erkennbar bleiben und gestalterisch eingesetzt sind, mit pastosem Farbauftrag, so daß sich eine bewegte Oberflächenstruktur einstellt, ist das südliche Gemälde visualisiert … Die Farben selbst sind auch hart gegeneinandergesetzt, fast reintonig sind sie mit einem relativ dicken Pinsel aufgetragen und bleiben mit der Pinselspur verbunden, so daß sich die Komposition deutlich aus diesen Strichlagen zusammensetzt. «

Und, Joachim Kirchner (1919) über die Linie zitierend,

» ›Die Linie als Nerv der Komposition, als ureigenste Niederschrift eines von einer starken Innerlichkeit getragenen Willens darf wohl als das Eigenartigste des Heckendorfschen Expressionismus gelten. So gewaltsam und hart oft die Sprache seiner Linienführung zu sein scheint, so ist sie doch stets voller Seele, ihr heftiger Impuls läßt die innere Anspannung, die verhaltene Erregung erkennen, mit der der Künstler an der geistigen Durchdringung des Objektes arbeitet. Als Träger des gesamten Bildrhythmus fällt ihr schließlich eine wichtige Funktion in der Struktur des Bildganzen zu.‹ «

Doch schon 1924, s. o., sieht sich Kirchner zu einer Relativierung des Linien-Korsetts zu Gunsten wachsenden »Bedürfnis[ses] nach leuchtkräftigen, farbigen Wirkungen [genötigt und] trat das Merkwürdige ein:

Das koloristische Moment wurde zur Hauptsache,

breitete sich in unendlich mannigfachen, jubelnden Klängen

über die gesamte Bildfläche aus …

wie alles, was er malt, nur noch von dem einem Gefühl durchdrungen ist: in der Farbe allein ganz sich selbst zu geben. Man kann nicht sagen, daß der Künstler mit dieser Verlegung des Schwerpunktes von der Linie zur Farbe nunmehr als ein völlig neuer und anderer vor uns stünde … Die Ausdrucksintensität der Persönlichkeit hat mit dieser Wandlung nichts verloren, nur ihre Auswirkungsbasis hat sich verschoben.

Der Kraft des linearen Sehens ist die Kraft koloristischer Wirkungen gefolgt. «

» Überblickt man Heckendorfs Schaffen aus mehreren Jahrzehnten, so fällt die Heftigkeit auf, mit welcher er von der Kunst der Jahrhundertwende ausgehend, seine eigene Bildsprache schuf und … beibehielt … Für Heckendorf blieb der Gegenstand stets vorrangig, allerdings formal überhöht und koloristisch verfremdet « (Horst Ludwig 1985, s. Literatur).

Und in 1991er Ausstellungs-Katalog Symphonie der Farbe resümiert Rainer Zimmermann

» Seine Bilder sind meist ein genialer Wurf und nicht das Resultat langen Mühens. «

Und 2010 das Allgemeine Künstler-Lexikon kategorisch:

» Der Pinselduktus ist unruhig, die Farbigkeit sowohl erdig mit wenigen buntfarbigen Akzenten als [auch] kräftig, leuchtend und von durchschlagender Kraft: atmosphärische Leichtigkeit und farbige Duftigkeit im Sinne eines reinen Impressionismus fehlt diesen Arbeiten. Bereits um 1910 machen sich expressionistische Züge … bemerkbar, die um 1912, verbunden mit einer dynamisch-schwungvollen Führung der Umrisse, zu immer stärkerer Ausprägung gelangen. «

Franz Heckendorf, Haus im Park (mit Rahmen)

Literatur

Thieme-Becker XVI (1923), 211 f.; Vollmer II (1955), 400; AKL LXX (2011), 513 f.

Kestner-Museum Hannover, Kataloge der Sonderausstellungen XVII, 1918; Joachim Kirchner, Franz Heckendorf, 1919, + Neue Bilder von Franz Heckendorf in Biermann (Hrsg.), Jahrbuch der jungen Kunst 1924, 190 ff.; Cicerone, Jge. 1912-1928, hier insbesondere XVI (1924), 802 f.; Feuer II, 1 (1920/21), 195-202; Franz Heckendorf, Katalog der Sonderausstellung der Galerie Hagemeier, Ffm., 1985; Symphonie in Farbe, Ausstellungskatalog der Kunstfreunde Bergstraße, 1991; Rainer Zimmermann, Expressiver Realismus / Malerei der verschollenen Generation, 1994, 384.

Gisela Hauss (Hrsg.), Migration, Flucht und Exil im Spiegel der Sozialen Arbeit, 2010, 192 f.; Winfried Meyer, NS-Justiz gegen Judenhelfer: »Vernichtung durch Arbeit« statt Todesstrafe. Das Urteil des Sondergerichts Freiburg i. Br. gegen den Berliner Maler Franz Heckendorf und seine Vollstreckung. In: Wolfgang Benz (Hrsg.), Jahrbuch für Antisemitismusforschung XIX, 2010, 331-362.

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» Zu guter Letzt

habe ich trotz vieler Berater und Kenner

die Auswahl [ selbst ] treffen müssen … «

A. Paul Weber mit Brief vom 3. Juni 1956 an eine Kunstsammlerin

Eben , Eben . Denn

» Kunst ist subjektiv. Da nützt keine Beratung.

Die ist ja auch subjektiv «

Norbert A. Platt

als früherer Chairman des Luxusgüter-Konzerns

Richemont S.A., Genf, gelegentlich eines FAZ-Interviews

Die Kraft der Farben und der tiefgestaffelten Natur

Der Skorpionmeister erlebt 1925 Teneriffa pur

Franz Heckendorf, Teneriffa

als wenig bekannter Destination seiner frühen Studienreisen

Aquarell über Spuren schw. Kreide. Bezeichnet in dieser u. l.: F. Heckendorf (19)25. + verso in Bleistift/Kurrentschrift: Landsch. auf Tenerife. 40 × 49,8 cm (15¾ × 19⅝ in).

Unterwegs nur aquarellierend + skizzierend, erfolgten Öl-Ausführungen erst im Atelier nach dem sicheren Gedächtnis. Seine Aquarelle solchermaßen von letzter lokaler Originalität.

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» Der größte Cézanne

in der Ausstellung [im Metropolitan]

ist die wundervolle Gestalt des Jungen in Grau.

[Mein Berater, der Maler] Augustus John

kostete mich dieses Gemälde.

1909/1910 offerierte es mir Vollard für 50,000 Francs.

Heute ist’s 40,000 $ wert, so es denn 1 cent wert ist.

Ich war geneigt, es zu kaufen,

ging 2 oder 3 mal in Vollard’s Etablissement, um es zu sehen,

aber John zuckte mit den Schultern und sagte:

›Es ist ein sehr flaches Ding und ich denke nicht, daß Du es wünschst.‹

Das ist nicht der einzige Fall eines schlechten Rates

den John mir gab «

John Quinn

mit Brief vom 24. Mai 1921 an Cornelius Sullivan

per John Rewald in The Paintings of Paul Cézanne,

New York, Abrams, 1996, Bd. I, Nr. 555.

  1. Johannes Jahn. Wörterbuch der Kunst. 5. Auflage. 1957. Seite 714.