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Spazierritt
Johann Elias Ridinger, Spazierritt von der Schule I (Ausschnitt)
Johann Elias Ridinger, Spazierritt von der Schule I (Ausschnitt)

in den Herbst

» eine … Art Register der vorangegangenen Reitschulen «

Hier als deren festtäglicher Spazierritt

Doch unsagbar seltener als Festtage

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Spazierritt von der Schule mit ihren verschiedenen Lectionen. Prächtiger großer Zug nach links bzw. rechts. 2 Blatt. Radierungen mit Kupferstich von Martin Elias Ridinger (1731 Augsburg 1780). Vor 1767. Bezeichnet: Joh. El. Ridinger inv:(.) del(ineav). et exc(ud). Aug. Vind. / Martin Elias Ridinger filius aeri incidit., ansonsten wie unten. 35,7-35,9 × 56,1 cm (14-14⅛ × 22⅛ in).

Thienemann + Schwarz 714-715; Weigel, Kunstlager-Catalog, XXVIII/Ridinger (1857), 39 A; Slg. Graf Enzenberg (1879) 2612 ( »Ueber die Plattenränder beschnitten und ein Blatt restauriert« ); Schles. Rid.-Slg. Boerner XXXIX (1885), 1911 (neue Abdrücke) + 1912/13 (nur jeweils Blatt 2 in älterem bzw. spätem Abdruck); Slg. Coppenrath Abt. II (1889) 1563 ( »Ohne Plattenrand. / Sehr seltene alte Abdrücke.« ); Slg. Th. Reich auf Biehla Boerner LV (1894), 147 (Neuere Abdrücke); Slg. Gg. Hamminger Helbing XXXV (1895), 1702 (Neudrucke); Helbing Lg.-Kat. XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900) 1256 (Waren gefaltet); Schwerdt III (1928), 142 ( »Rare« ); Rosenthal Liste 126 (Joh. El. Ridinger, 1940), 318 f.; Ausstellungskatalog des Dt. Pferdemuseums Grafische Arbeiten der Pferdemaler 17.-19. Jh., 1996, Nr. 63 (nur das von hier bezogene Blatt 1).

Nicht in Bibliotheca Hippologica I. H. Anderhub (1963) und Slg. Henry A. Sarasin (1999), auch kein Exemplar auf den Ausstellungen zum 300ten Geburtstag der Jahre 1997-2003. Und hierselbst nach nur apart in den 1990ern complett zuletzt 2001 durchgelaufen.

Auf dem von den Ridingers bevorzugten schweren WANGEN-Bütten mit typograph. Wz. bei 3,5-5 cm unten, 3,8-6,5 an den Seiten + 4,4-5,7 cm oben breitem Rand wie geradezu excellent, siehe oben, ergebend Blattformate von 45 x 65,7-66,6 cm.

Die geglättete Mittelfalte auf Blatt 2 bildseits noch nur sehr bedingt auffallend. Und ein feiner Faltriß in der unteren Bildschraffur säurefrei hinterlegt, wie analog vorsorglich auch bei Blatt 1. Die breiten Ränder nicht ganz frei von Altersflecken/spuren bis hin zu Stockstippigkeit linksseits und hinterlegten Rand-Kleinsteinrissen. Das eine wie das andere gänzlich relativiert allein schon von der Breite an sich, geschweige denn von der Seltenheit alter Abdrucke.

Johann Elias Ridinger, Spazierritt von der Schule I

Die ihresgleichen suchende Parade aller Schul-Lektionen

in deren deutsch-französischem Paralleltext, wie von Schwarz nur für Blatt 2 beschrieben, indes sein Blatt 1 einen hier sonst nicht nachweisbaren Probedruck nur mit der Adresse betrifft. Hier denn einheitlich im jeweils endgültigen Zustand mit aller Schrift. Will heißen, der

Benennung aller 17 bzw. 14 verbildlichten Lektionen

bis hin zur action von Schießen, Trommeln und Blasen des zweiten Blattes, um »Die Pferde – darunter reich gezeichnete Schecken – zum Schuß … zum Fahnen, Trom(m)el und Trompete zu gewohnen«.

Die schon von Thienemann hervorgehobene landschaftliche Staffage – »Der passende Hintergrund wieder vortrefflich« – entsprechend Ernst Welisch’s (Beiträge zur Geschichte der Augsburger Maler im 18. Jhdt., 1901) Beanspruchung Ridinger’s als des unstreitig »bedeutendste(n) Augsburger Landschafter(s) dieser Zeit«. Dabei Blatt 2 zurückhaltender vor italienischem Landsitz mit linksseits zurückgesetztem Kirchdorf, voll durchkomponiert Blatt 1, dessen rechtsseitig zurückgesetzte Erhebung den Mittelgrund von Blatt 2 der erst 1777 und somit postum von Martin Elias veröffentlichten Pendants der Reiher-Beitze (Th. 763/64) bilden wird, der denn auch schon die rechts oben oberhalb eines 15köpfigen Zuges groß gezeichneten beiden Reiher entgegenziehen.

Die väterlichen Vorzeichnungen zu beiden Pendant-Sätzen entstammen bereits den 1740ern. So 1740 + 1746/48 für den Spazierritt, siehe Ridinger-Appendix des 1869er Weigel’schen Handzeichnungs-Katalogs, Nrn. 825-828 + Th. Seiten 277, u + w, sowie 282,1.

Wie denn auch die wiederum erst von Martin Elias 1774/76 veröffentlichte väterliche 6blätterige sogenannte Große Reitschule in groß Quer-Imperial (Th. 708-713) mit vier Blättern auf 1744 zurückgeht, um den Meister via datierter Arbeiten aus 1749, 1751, 1758 + 1760 (Weigel 817, 821, 820 + 823 f. unter entscheidender Berücksichtigung von Th. S. 277, v). dann noch langfristig zu beschäftigen. Wobei oben gedachte Zeichnungen zum Spazierritt dessen zeitlichen Vorrang belegen, wie denn auch noch von Johann Elias selbst herausgegeben, wofür zurückhaltend ein vor 1767 geboten erscheint.

Dank ihrer gemeinsamen zeitlichen Ausgangsbasis, kompositionellen Leichtig- und formatmäßigen Großzügigkeit bildet diese Dreiergruppe aus Spazierritt , quer-imperial-Schule + Reiher-Beitze einen außerordentlich reizvollen Eigen-Block, daraus hiesiger erster mit einer durch nichts abgelenkten

beglückenden Fülle komprimierten Könnens

Johann Elias Ridinger, Spazierritt von der Schule II

wundervoll gezeichneter Tiere

die Symbiose von Bildhaftigkeit + Didaktik bildet.

Wobei Thienemann als auch sonst keine chronologische Ordnung einhaltend nicht zu folgen ist, diese Pendants als bilanzierende fünfte und letzte der Schulen einzustufen. Denn mit 1740er erster Vorzeichnung, es sei wiederholt, stand sie Ridinger fertig vor Augen, bevor erst vier Jahre später die quer-imperiale als somit vierte, und nicht dritte, zu skizzieren begonnen wurde. Summa summarum bildet den Beschluß somit die 1760/61er Kleine Reitschule als eines der »letzten noch von (Ridinger) selbst allein angefertigten Werke« (Th.). Zu dessen zeichnerischem Zeitrahmen sich Weigel/Thienemann ausschweigen, der Meister selbst aber auf dessen Spätzeit mit dem Passus schließen läßt, es »mit Beyhülfe eines in der Reitkunst sehr geschickten und erfahrnen Freundes … nach der Natur gezeichnet« zu haben. Und, soweit ihm bekannt sei, auch »noch kein Werk von dieser Art herausgekommen (sei) … Man könnte also (dasselbe) … in Ansehung seiner Entwürfe eines der ausführlichsten nennen, da mir noch kein Schriftsteller bekannt worden, der so besonders davon gehandelt hat.«

Soll denn nun aber den Spazierritt-Pendants – und dies durchaus zu Recht – ihr Bilanz-Status partout erhalten bleiben, so besagt dies nichts anderes, aber auch nichts wenigeres, als daß selbst mit solcher letztlichen Marginalie der Meister der Entwicklung wieder einmal eine dicke Nase lang voraus war. Und bleibt im übrigen auch dies ein factum, daß diese Folge

seit altersher zu den Rarissima assoluta des Œuvre zählt.

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Johann Elias Ridinger, Spazierritt von der Schule II (Ausschnitt)
Johann Elias Ridinger, Spazierritt von der Schule II (Ausschnitt)


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