English

Gerard Valk, Barcelona

» Bei (m)einem Tode (wird) man
den Namen Barcelona
in (m)einem Herzen eingegraben finden «

Kaiser Karl VI.
als Karl III. König von Spanien
»Der Katalonier«

Repräsentative kolorierte Wandkarte
Gerard Valk, Regna Hispaniarum atque Portugalliæ
zur Landung Erzherzog’s Karl von Österreich ,
des Kataloniers , in Spanien
im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges
als eines europäischen Ereignisses

Gerard Val(c)k (1651/52 Amsterdam 1726). Regna Hispaniarum atque Portugalliæ: Ex recenti, summâ curâ. Et variô punctorum charactere, Suas in Provincias, Territoria et Dioeceses; Geographicè, Politicè, Ecclesiasticè. Mit reich gestalteter Titel- (25,5 × 32,5 cm [10 × 12¾ in]) und Widmungskartusche (16,5 × 20,5 cm [6½ × 8⅛ in]), jeweils mit span.-dt. bzw. franz.-italien. Meilenzeiger, sowie

Gerard Valk, Minorca

Separatkärtchen von Minorca

(8,5 × 9 cm [3⅜ × 3½ in]) und Zeichenerläuterung. Von 4 Platten gedruckte flächenkolorierte, Mallorca, Minorca und die Straße von Gibraltar mit der Nordspitze Marokkos

Gerard Valk, Straße von Gibraltar

einbeziehende Wandkarte. Kupferstich. 1704. Bezeichnet: Amstelodm, ex Offic. G. Valk. Cum Privilegio, Potentiß. D. D. Ordinum, Hollandiæ et West-frisiæ. / by G. Valk, met Privilegie van haar Ed: Groot Mog. de Staaten van Holland en West-vriesland / Annô hôc intercalari MDCCIIII, ansonsten wie vor.

97,5 × ca. 115,5 cm ( 38⅜ × 45½ in )

Nicht be Koeman (1969) + Phillips (1909-63), unbekannt Tooley’s Dictionary (1979, dort nur die Wandkarten der Welt + Kontinente aus 1680; die Asiens in IMAGO MUNDI XXXV, S. 31 Abs. 5 als von »ca. 1700« erwähnt). – Ob etwa in dem als Lot 199 am 13. 4. 1989 von Sotheby’s in London versteigerten 6bändigen Valk-Atlas Nova totius geographica telluris projectio von ca. 1717 – »With 508 maps far larger than any recorded by Koeman« – enthalten, muß offenbleiben. Ebenso ob die Titelaufnahme der British Library-Signatur 18185 (12), wie angenommen werden sollte, die hiesige Karte betrifft, da nicht als 4-sheet map gekennzeichnet, wie bei vergleichbaren Karten. So etwa bei Mortier’s Spanien-Wandkarte – siehe Folgeabsatz – K. 71.21, der eine titelgleiche spätere zusatzlos unter 18315 (4) vorangeht. Auch Valk’s Wandkartensatz der Welt und Kontinente ausdrücklich mit ihren Maßen geführt. – Ansonsten auch

nicht in den von der British Library redigierten Nobellisten 1971-2000

der internationalen Notable Acquisitions and Unusual Items that have come up for Sale in Imago Mundi (als einzige Wandkarte der Pyrenäischen Halbinsel dort nur 1984 die Gastaldi’s von 1544; bekannt ansonsten noch das nach mehr als zwanzig Jahrem hierselbst 1993 wieder durchgelaufene und infolge Erwerbs seitens öffentlicher Sammlung aus dem Markt genommene Exemplar der Mortier’schen Wandkarte von ca. 1704-06, deren Kartuschenaussage praktisch an anstehende Valk-Karte anschließt). Solchermaßen aber sowohl eine

KARTOGRAPHISCHE RARITÄT ALLERERSTEN RANGES

als auch dank Fokussierung auf den Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714)

von hohem historischen Belang :

1704 als dem auch unter sonstigen Ereignissen bedeutsamen Kriegsjahr landete der zukünftige Kaiser Karl VI. – Sohn Kaiser Leopold’s I. (gest. 1705), Bruder dessen Nachfolgers Joseph I. (gest. 1711) – , »nachdem er 1703 in Wien

als K(arl) III. zum König von Spanien ausgerufen

worden war« (Meyers Konvers.-Lex., 4. Aufl., IX [1889], 518),

mit 12000 Mann verbündeter engl.-holländ. Truppen zunächst in Lissabon,

sodann im ihm gleichfalls ergebenen Katalonien,

Gerard Valk, Katalonien

dem er ein Leben lang zugetan blieb,

was ihm den Namen

»der Catalonier«

eintrug.

Gelegentlich des Friedensschlusses 1714 habe er gesagt,

» bei seinem Tode werde man den Namen Barcelona

Gerard Valk, Barcelona

in seinem Herzen eingegraben finden «

( Allgemeine Deutsche Biographie XV [1882], 212 ).

Diesem Geschehen folgt die Dedication der Karte.

Geschaffen als
Willkommensgruß

Gerard Valk: PRINCIPI CAROLO LEOPOLDI CÆSARIS

eines Unternehmers des verbündeten Lagers
zu einem entscheidenden Ereignis
wie nicht ohne Beispiel.

So widmete Johann Elias Ridinger vierzig Jahre später, 1744, dem Wittelsbacher Kurfürsten Karl Albert gelegentlich dessen Rückkehr nach München als Kaiser Karl VII. zwei bayerische Lokalarbeiten – deren eine hier aufliegend – was ihm mit bislang literaturunbekanntem erblichen Wappen-Brief gedankt wurde. Und dem 1763er Friedensschluß zu Hubertusburg (7jähriger Krieg) seinen Hubertusburger Dachsen.

Gerard Valk, Lissabon

Die Landung zunächst in Lissabon

nicht von ungefähr, hatte sich doch Dom Pedro II. von Portugal im Jahr zuvor der großen habsburgischen Allianz angeschlossen. Am 3. August 1704 denn eroberten die verbundenen Engländer unter George Byng, Lord Vicomte of Torrington (fragen Sie auch nach der politisch hochbrisanten anonymen Biographie des als Admiral von der Weißen Flagge hingerichteten Sohnes John Byng) Gibraltar, um es bis dato in ihrem Besitz zu halten. Weniger dauerhaft gestaltete sich das Kriegsglück für Karl. Zwar konnte er sich 1705 in Valencia, Katalonien und Aragonien behaupten, auch konnte 1706 Madrid von einem engl.-portug. Heer besetzt werden, um gleichwohl im Folgejahr samt den südlichen Provinzen wieder an Philipp V., den Enkel Ludwig’s XIV. von Frankreich, verloren zu gehen. Nach neuerlicher Kriegswende konnte Karl im September 1709 dann zwar erneut in Madrid einziehen – 1708 schon hatte er sich in Barcelona mit Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg vermählt – , dem aber im Dezember 1710 eine schwere Niederlage seines Heeres folgte. Vorausgehend der Änderung der politischen Großwetterlage 1711, bedingt nicht zuletzt durch den eigenen Machtzuwachs als Nachfolger Kaiser Joseph’s I., in welchem Zusammenhang er vor seiner Rückkehr nach Deutschland seine Gemahlin noch als Regentin Spaniens eingesetzt hatte.

Sicherlich nicht von ungfähr denn auch, daß die Karte mit Straßennetz ( »‘s Heeren ofte Groote Weegen« )versehen wurde, wofür sie zugleich ein frühes Beispiel ist. Im übrigen

von außerordentlicher Dekoration ,

wobei die Kartuschen, dem Zeitgeschmack bis hin zum Atlas des Großen Kurfürsten folgend, in Schwarz-Weiß belassen wurden.

Die im rechten unteren Kartenfeld angesiedelte, figürlich bestimmte Titelkartusche gestaltet als ein von den Wellen getragenes Postament mit dem von Wein- und Früchtegirlande eingefaßten und von blasendem Putto gekrönten Titelstein. Zur Linken zwei Nereiden, einen Dreimaster hochhaltend bzw. eine Wasserfontäne blasend. Mittelstück zur Rechten wohl die schuppengepanzerte Athene als Beschützerin des Staatswesens, in der Rechten Zepter und spanische Königskrone, in der Linken einen Lorbeerzweig haltend. Zu ihren Füßen Bacchus mit Trauben. Hinter ihr ein Engel im Begriff, sie mit einen Lorbeerkranz zu schmücken. Seitlich dahinter Mars mit Speer und namentlich blitzgeprägtem Schild.

Gerard Valk, Balearen
Balearen (Ausschnitt)

Gegenüber zur Linken die Dedications-Kartusche als ein zwischen den beiden Säulen eines Postamentes gespanntes Löwenfell. Dazwischen in der Mitte die Zeichenerläuterung. Beidseits hiervon Adresse und Privilegvermerk.

Valk hier also ebenso ohne »c« wie schon unter dem Titeltext und wie in der jüngeren Tooley-Literatur, so im Dictionary, im Gegensatz zur traditionellen Schreibweise bis hin zu Koeman befolgt. Valk selbst zeichnete zwar auch mit »c«, doch überwiegend ohne. Siehe Koeman’s Valk-Liste in Bd. III, SS. 137 ff. oder unter C & M 10 in Bd. II, z. B. SS. 18 ff. oder 48 ff.

Der Erhaltungszustand, gebrauchs- und verwahrungsbedingtes regelmäßiges Negativ-Kriterium dieser wundervollen großen Karten mit entsprechender Seltenheits-Folge, praktisch bestens. Mittel- und drei Längsfalten, davon eine mit säurefrei hinterlegter ganz kleiner Bruchstelle. Ebenso versorgt die wenigen, meist nur winzigen Einrisse im 3-3,5 cm breiten weißen Papierrand, deren zwei längste bis zu 1,5 cm messen. Der Druck selbst auf schwerem Papier von tadelloser Frische. Kurz,

ein kartographisches Rarissimum in bestverwahrtem Exemplar.

Gerard Valk, Chronogramm

VIVat HIspanorVM , Penes EVropæos ,
InDos et VtrosqVe , TertIVs ReX CaroLVs !
Annô hôc intercalari MDCCIIII

Das Datum

also zunächst – wie nur sehr selten bei Karten – als Chronogramm gegeben,

sodann wiederholt mit obigem schönem Hinweis

auf das Schaltjahr als geradezu i-Tüpfelchen-Delikatesse.

Angebots-Nr. 28.680 / Preis auf Anfrage

Gerard Valk, Regna Hispaniarum atque Portugalliæ: Legende
Legende


„ bereits heute ist der Stahlstich der Harfe spielende Dame wohlbehalten bei mir angekommen und übertrifft meine Erwartungen weit. Als Berufsharfenistin werde ich sicher viel Freude an dem Bild haben. Mit ganz herzlichem Dank und freundlichen Grüßen “

(Frau C. K., 6. August 2016)