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William Hogarth, The Bruiser (Cook)

Der russische Bär
als Herakles , Sohn des Zeus

Hogarth’s mehrdeutige vorletzte Graphik

William Hogarth (1697 London 1764). (The Bruiser, C. Churchill … in the Character of a Russian Hercules.) Der Literat Charles Churchill, dessen Epistle to Hogarth den Meister ergrimmt hatte, in Gestalt eines kräftigen Bären, dessen einzige Nahrung würziger Porter zu sein scheint, vom frischen Schaume schleckend. Indes die Keule des Herakles/Hercules im linken Arm bleiben kann. Denn der Epistel besorgt es schon Lieblingshund Trump auf seine Weise. Zur Rechten weitere zeitpolitische Anspielungen. Kupferstich von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Designed by W. Hogarth. / Engraved by T. Cook. / London Published by G. G. & J. Robinson Paternoster Row June 1st. 1800. 37,8 × 28,9 cm (14⅞ × 11⅜ in).

Hogarth-Katalog der Tate Gallery, 1971/72, 220 (2. H.-Zustand vor Überlagerung der Palette mit Stich-Illustration, so auch hiesige Cook-Fassung) + Hogarth-Katalog Zürich, 1983, 91 (7. Zustand mit der Überlagerung), jeweils nebst Abbildung.

Selteneres Blatt, für das in der Eile (August 1763) das 1749er Selbstportrait herhalten mußte, aus dem Hogarth sich selbst flugs herausnahm, um an seine Stelle den Widersacher ins Oval zu setzen. Einiges fügte er noch hinzu, die beiden Folianten-Titel – der dritte Band auch hier titellos – wurden angepaßt: Great George Street A List of the Subscribers to the North Britons + A New way to Pay old Debts, a comedy by Massenger. Auch The Line of Beauty auf der Palette fiel angesichts eines solchen Rohlings dem Schliffe zum Opfer. Die die Palette nunmehr überlagernde Stich-Illustration von Cook ebensowenig übernommen wie der Untertext.

Churchill, ein heruntergekommener dichtender Geistlicher, war ein Parteigänger John Wilkes, an dessen North Briton-Gazette er mitarbeitete, die hier als lügenbestückte, s. u., die Karikatur erschlagende Keule versinnbildlicht wird. Indes, wie häufig, wuchs die Arbeit weit über ihren Anlaß hinaus.

Zunächst führte die Fortnahme der Beauty Line direkt zum Analysis Complex:

» Hogarth betrachtete die Ähnlichkeit mit einem Bären als beleidigender als es im allgemeinen scheinen mag; für ihn bestand ein ästhetischer Gegensatz zwischen der früheren und der späteren Bedeutung der Platte. In Analysis schrieb er, daß ›wir … die Häßlichkeit des … Bären erklären könnten … der gänzlich frei von dieser Wellenlinie (ist) …‹ «

Zum andern der zu später Zeit vorgenommene Bildaustausch zu geistiger Reflexion:

» Dennoch hatte die Verwendung der Platte seines eigenen Portraits, das als Frontispiz seiner gesammelten Werke diente, zu diesem Zweck eine der Selbstzerstörung verwandte Qualität. «

Und »Was daraus folgen mag, weiß Gott. Finis.« meditierte er in diesem Zusammenhang. Doch

» Das war nicht ganz das Ende der Geschichte. Hogarth arbeitete weiter an seinen Notizen … und sein abschließendes Kupfer The Bathos wurde im folgenden Jahr [April] gestochen .«

(Alles Cat. Tate Gallery S. 89.) The Bruiser – Rabauke, Schlägertyp, Kraftmeier, Lack(e)l – als somit vorletzter Arbeit. Womit das Thema als abgehakt gilt. Zu voreilig, nach hiesigem Dafürhalten.

Denn zeitüberdauernder als die seinerzeitige Querele ist das factum, daß Hogarth dem russischen Bären, und damit Rußland, den erklärtermaßen verkommenen Charakter seines Widersachers überstülpt, ersteren/ersteres zugleich aber mit Namen, Kraft und Ruf eines absolut positiven Halbgottes adelt. Kurz,

Zeus’ Sohn mit der Keule , den »Nationalheros der Griechen« ,

den Verrichter seiner unsterblichen Zwölf Arbeiten

rund um die Ausmistung des Augias-Stalles.

» … das Abbild seines Vaters Zeus auf Erden, stark vor allem, immer siegreich … eine sichere Hilfe in aller Gefahr … Vorbild eines gymnastisch gebildeten Jünglings und Mannes … erscheint er zunächst als Lichtgott, der alles Finstere und Böse vernichtet … Er ist [den Hellenen]

das Vorbild unverwüstlicher Körperkraft und unerschütterlichen Mutes …

Selten fehlen [ihm] die Löwenhaut und die Keule «

So Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VIII [1888], SS. 394-399. Und Agatha Christie läßt ihren Hercule Poirot 2bändig zu einem geistigen Herkules avanzieren. Und auf Charles Le Brun’s Monumentalöl Alexander der Große und Poros im Mai 326 v. Chr. in der Schlacht am Hydaspes in Versailles sehen wir

» Im Hintergrund ganz rechts eine

goldene Statue des [Herakles mit der Keule].

Le Brun hat uns mit Bedacht daran erinnert, daß das Treffen im indischen Camp stattfand, denn es ist bekannt, daß östliche Völker eine Gewohnheit hatten,

[Herakles]-Bilder als Zeichen des Sieges

auf das Schlachtfeld zu bringen. Ausgedehnt zurückgesetzt indische Zelte … «

(Michel Gareau, Charles Le Brun, First Painter to King Louis XIV, New York [1992], S. 220).

Und aus Alexander’s des Großen berühmter Ansprache vor seinen im Sommer/Herbst 326 am Hyphasis den Weitermarsch verweigernden Truppen sei zitiert

» Zernichtet doch nur nicht die Lorbeern in meinen Händen, die, wenn mir nicht der Neid meinen Ruhm mißgönnet, dem Hercules und Bacchus mich an die Seite setzen werden. «

Es ist keine Frage, daß Hogarth diese Bedeutung so selbstverständlich gegenwärtig war, als daß ihm dieser fauxpas in seinem Ingrimm gegen Mr. Churchill unterlaufen konnte. Auch der Siebenjährige Krieg mit u. a. England/Kurhannover gegen auch Rußland war, und zwar nicht zuletzt dank Zar Peter’s III. Separatfrieden, neutral beendet. War also die gleichzeitige Verhöhnung RußlandsLügen-Keule!, s. o. – als eines primitiven Hinterwäldlers nichts anderes als die die Jahrhunderte bis auf den heutigen Tag durchziehende Arroganz der Westler gegenüber dem Bären und deren dümmlichen Versuchen, dessen Revier zu dezimieren? Koste es was es wolle!

Cook »machte sich auch einen Namen als Hogarth-Stecher, dessen vollständiges Werk er … nachgestochen hat« (Thieme-Becker) und dessen Ursprungsformat er im Gegensatz zu allen späteren Hogarth-Ausgaben in anstehender ersten, früheren Ausgabe beibehielt. Für einige von Hogarth nicht selbst veröffentlichte Blätter wurde Cook zu deren Erststecher, wie er denn auch den Beifall eines zeitgenössischen Kenners wie Maximilian Speck von Sternburg fand.

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Atlas Russicus

Literatur

Bagrow-Castner II, SS. 177-253; Phillips 4060 (irrtümlich oder original nicht zugehörig mit zusätzlichen 4 Bll. Vorspann, im übrigen mit zusätzlichen Kriegskarten); Goldenberg + Postnikov, Development of Mapping Methods in Russia in the 18th century, in IMAGO MUNDI XXXVII, 63-80; Nitsche-Stender 141; Lex. d. Kart. 688; Teleki, Atlas zur Geschichte der Kartographie der japanischen Inseln Taf. 17, 1 (Karte 19 des Atlasses); Niemeyer, Rußlands Aufbruch in die Moderne – Peter der Große und die Entwicklung der russischen Kartographie, Bonn 1991, 5 + Abbildungen; Niemeyer, Ridinger Erlebnisse 1698-2020, 2021, S. 80 nebst Farbabb.

Ausstellung

Schätze aus dem Kreml – Peter der Große in Westeuropa. Bremen, Übersee-Museum, 1991 (18 Wochen einschließlich Verlängerung). – Katalog-Nr. 158 (unkoloriertes Exemplar).

Atlas Russicus, Bibliographie + Titel

ERSTER DRUCK DER ERSTEN AUSGABE

erarbeitet und verlegt in Petersburg seitens der 1725 von Peter gegründeten Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften.

Titel + Textteil – Beschreibung der Karten hinsichtlich Begrenzung, Entstehung, Genauigkeit und Durchführung der Vermessung; Transkription des russ. Alphabets; teils ausführliche russ. Worterläuterungen; gestochene Zeichenerklärung mit reicher Aufschlüsselung bis hin zu Salinen und Thermen – in latein.-franz. Paralleltext (russisch- + deutschsprachige Version noch gleichen Jahres mit geringerem Textvorspann = Phillips 4059 bzw. 3109 mit jeweils irrtümlichem Hinweis für Karte 19 „showing the extreme point of Alaska and the Aleutian islands“, recte vielmehr Kamtschatka + Kurilen).

Textteil mit den Honig-Wzz. HONIG / IV + bekrontes großes Lilienwappen mit ligiertem Anhänger WR. – 1 Karte innerhalb des unteren Kartenrandes geschnitten, doch ohne Verletzung des Kartenbildes selbst, 5 Karten auf bzw. unter Verlust der oberen bzw. unteren Einfassungslinie geschnitten, je eine Karte unter Anschnitt bzw. Verlust des Meilenzeigers und der Numerierung innerhalb des weißen Plattenrandes geschnitten. Ansonsten lediglich vereinzelte kleine, hinterlegte Randeinrisse und zwei nicht störende Ausrisse.

Atlas Russicus, Murmansk Atlas Russicus, Archangelsk/St. Petersburg Atlas Russicus, Estland/Livland Atlas Russicus, Moskau Atlas Russicus, Smolensk Atlas Russicus, Mesenskaja Atlas Russicus, Kleine Tartarei Atlas Russicus, Iaranski Atlas Russicus, Kazan Atlas Russicus, Wolga Atlas Russicus, Kuban/Astrachan Atlas Russicus, Sibirien Atlas Russicus, Ufa/Ural Atlas Russicus, Petschora/Ob/Jenessej Atlas Russicus, Tobolsk/Irtisch Atlas Russicus, Lena/Jakutien Atlas Russicus, Irkutsk/Baikalsee Atlas Russicus, Kamtschatka Atlas Russicus, Kurilen

Das satte Kolorit von der ganzen Qualität seines Alters ,

wobei die Kartuschen, wie vielfach bei altkolorierten Atlanten bis hin zum legendären Atlas des Großen Kurfürsten, in Schwarz-Weiß belassen wurden. Vorkommende Exemplare meist nur schwarz-weiß, allenfalls grenzkoloriert. Unkoloriert gewesen denn auch nur das Exemplar der spektakulären 1991er Ausstellung, siehe oben.

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„ ich danke für die unbeschreiblich gut verpackte Sendung, die mich heute wohlbehalten erreichte, Sollten Sie mal wieder etwas von … haben, wäre ich für eine Benachrichtigung dankbar. Ebenso interessieren mich die Maler … Herzliche Grüße aus Hamburg “

(Herr A. W., 24. Oktober 2007)