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» Ohnmächtiger Grimm bereitet sich selbst den Untergang «

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Johann Elias Grimmel, Elephant

Johann Elias Grimmel (russisch Илья Гриммель, Memmingen 1703 – Petersburg 1759, wohin er 1741 wohl auf Anregung des russ. Gesandtschaftsrats in Den Haag Peter v. Stählin als Hofmaler berufen war). Elephant. Männliches Tier von vorn seitlich nach links. Kolor. Radierung mit Kupferstich von Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Bezeichnet: ELEPHAS. / Elephant. / Elephant. / Familia V. Fünffhufige. / J. El. Grimmel ad viv. del. St. Petersb. / Joh. El. Ridinger fecit et excud. Aug. Vind. 31 × 20,5 cm (12¼ × 8⅛ in).

Thienemann + Schwarz 1030 im endgültigen Zustand mit der innerhalb des Untertextes leicht nach oben verschobenen Familia-Zeile nach Entfernung des »2. (sic!, statt recte des sonst aus der 2 entwickelten Q) D. S. XIII.« als Referenz zu Jacob Theodor Kleins 1751er Quadrupedum Dispositio brevisque Historia Naturalis und gleich sechs weiteren Thienemann ebenso unbekannt geblieben wie umgekehrt verschiedene andere per hier vorliegendem Komplett-Exemplar dokumentierte Frühzustände noch mit besagter Referenz.

IM RIDINGERSCHEN ORIGINAL-KOLORIT

des seit 1754 entstandenen und nicht vor 1773 endgültig postum abgeschlossenen, unnumerierten Kolorierten Thier-Reichs (»Vollständige Exemplare sind fast unauffindbar«, so Weigel, Kunstkat., Abt. XXVIII, Ridinger-App. 63a als lediglich 120blätt. Torso, 1857 ! , doch auch nur schon Einzelblätter nur sehr selten am Markt, bei niemeyer’s derzeit gleichwohl das eine wie die andern). – Eine entgegen Ankündigung unkoloriert gebliebene Zweitausgabe von den nunmehr unter Fortfall selbst von Tieren verkürzten und ohne die Ridinger-Signatur anders betitelten, jedoch numerierten Platten erschien 1824/25 bei Engelbrecht/Herzberg in Augsburg.

Auf C & I Honig-Papier als jener festen holländischen Papier-Qualität, wie sie Ridinger entsprechend seiner Vorrede zu den Hauptfarben der Pferde

»wegen der feinen Illumination« für die kolorierten Werke

verwandte, »weil es hiezu das anständigste und beste ist«. – Dreiseits 2-3 cm, unten 5 cm breitrandig. – Ein Braunfleckchen im weißen Plattenfeld oben links.

DAS WANDTÜCHTIG HERRLICHE BLATT

nach dem Petersburger Hofmaler Grimmel, einstigem Schüler J. Fr. Sichelbeins in Memmingen und J. van Schuppens in Wien, »wo er 1731-37 als Teilnehmer an den akadem. Preiskonkurrenzen nachweisbar ist«. Die Berufung an den Zarenhof erfolgte seitens der kaiserl. russ. Akad. der Wissenschaften dortselbst (siehe hier auch deren Atlas Russicus), wo Grimmel »seitdem als vielgesuchter ›Lehrer für Zeichnen und Malen nach dem lebenden Modell‹« (Th.-B. XV [1922], 50) wirkte. Hier denn der erste seines von Vater (2) + Sohn Ridinger in deren berühmtem Kolorierten Thier-Reich in Kupfer verbreiteten, von Grimmel nach dem Leben gezeichneten Petersburger Dickhäuter Dreiersatzes.

Angebots-Nr. 15.933 | EUR 1300. | export price EUR 1235. (c. US$ 1493.) + Versand

Ohnmächtiger Grimm
bereitet sich selbst den Untergang

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die Rache eines niedrigen an einem mächtigen ist schädlich (oder, so in der Neuauflage von 1825, Ohnmächtiger Grimm bereitet sich selbst den Untergang). Der auf Bildungsreise durch Europa wandernde Elefant – den indischen Dichtern »Symbol der Weisheit und des Mitgefühls …

und acht Elefanten tragen das Weltall «

(Meyer’s Konvers.-Lex., 4. Aufl., V, 510/II) – versehrte versehentlich ein vorlautes Füchslein,

woraufhin dessen ganzes Geschlecht den Koloß zu strafen gedachte .

Johann Elias Ridinger / Die Rache eines niedrigen an einem mächtigen ist schädlich (Th. 771)

Doch nur zu bald war »die Armee pulverisirt«.

Radierung mit Kupferstich. (1744.) Bezeichnet: J. E. Ridinger inv. sculp. et excud., ansonsten dt.-lat.-franz. wie vor. 33,6 × 25,1 cm (13¼ × 9⅞ in).

Thienemann + Schwarz 771; Metzner-Raabe, Illustr. Fabelbuch, 1998, vol. II (Bodemann), 123.I. – Blatt 7 der geistig wie optisch überaus reizvollen Lehrreiche(n) Fabeln aus dem Reiche der Thiere zur Verbesserung der Sitten und zumal zum Unterrichte der Jugend, mit denen

» Ridinger ein typisches Ziel seiner Epoche (verfolgte). Eine ›Verbesserung der Sitten‹ durch die moralische Wirksamkeit der Kunst hatte – freilich auf ganz andere Weise – der mit Ridinger fast gleichalte William Hogarth in seinen Gemälden und graphischen Blättern versucht … Doch während Hogarth und Chodowiecki durch satirische Bildfolgen, wie ›Das Leben eines Lüstlings‹, 1735 … ihren (gleichen) Vorstellungen Geltung zu verschaffen suchte, knüpfte Ridinger an die – ihm besonders gemäße (nämlich, so er selbst, ›von den eisgrauen Zeiten des Alterthums an‹) – Tradition der Tierfabel an «

(Stefan Morét, Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, Seite 96).

Und speziell hierzu Ridinger selbst :

» Der Elephant tat eine Reise nach Europa, um sich die Sitten … bekannt zu machen … und hatte das Unglück einem jungen Fuchsen, der aus Vorwitz, ihn zu schauen, ihm zu nahe getretten war, den Schwanz abzutretten. Der Fuchs … fieng ein gräßliches Geschrey an, und rief den Seinigen, diese Schmach und Beleidigung zu rächen, welche dieser Ausländer ihm angethan hätte. Alle wurden darüber eins … Es mangelte zwar nicht an List und Wut, aber es lief dennoch übel ab … Einem alten Fuchs gieng dieses so sehr zu Herzen, daß er mit vollem Halse zu schreyen anfieng:

O tyrannisches Bezeugen !

Nein , sprach der Elephant , auf eine solche Rache folgt ein solcher Lohn. «

Bildlich im übrigen läßt Ridinger, einen neuen Bildtypus kreierend, einmal mehr Tradition und Feld hinter sich. Denn, so Ulrike Bodemann in Metzner-Raabe,

» Keine Ähnlichkeiten mit bisher bekannten Fabelillustrationen .

Riesige Bildformate werden fast völlig von der Darstellung eines zentralen Moments der Fabelerzählung gefüllt. Umgebung meist dichter, urwüchsiger Wald .«

Und Regine Timm, ebda., Bd. I, Seite 171 :

» Ridinger hat in seinen großen Tafeln … zwar pflanzliches Wachstum oder auch Felsbrocken manchmal bildbestimmend in seine Illustrationen einbezogen, aber ohne dekorative Absicht. Die Pflanzen und Felsen bedeuten das Dickicht, die menschenferne Waldeinsamkeit, in der sich die seltsamen Geschichten unter den Tieren zutragen. «

Solchermaßen denn ein höchst gewichtiger Meilenstein innerhalb des »rund 900 Ausgaben (ausmachenden) Grundcorpus illustrierter Fabelbücher« bis hin zu Chagall’s 200 Jahre späterem Lafontaine-Folio mit seinen 100 Radierungen als geradezu einem Schlaglicht für die Unsterblichkeit der Fabel-Illustration. – Weitere dieser hochinteressanten Ridinger-Fabeln hier aufliegend.

In diesem Zusammenhang zeitlich überdies interessant, daß 1726 jenseits des Kanals John Gay, berühmt-berüchtigt für seine »Beggars Opera« (Brecht, Dreigroschenoper!), mit seinen »Fables« »das Bedeutendste (vorgelegt hatte), was bisher von englischen Dichtern in dieser Gattung geleistet worden war« (Meyers Konvers.-Lex., 4. Aufl., VI, 960/II).

Die aus der Weigel-Auktion (nicht 1869er Katalog) stammende aquarellierte Ursprungs-Federzeichnung im Stichsinn figurierte als »Prächtiges, vollständig ausgeführtes Aquarell« auf der Ridinger-Versteigerung 1890 bei Wawra in Wien und befand sich zuletzt in bayer. Privatsammlung. Die für die Übertragung auf die Platte verwandte spiegelbildliche Zeichnung war in den jüngsten 70ern am Markt und eine Studie in den 90ern in Amerika.

Herrlicher früher Druck. – Oben meist auf Plattenkante geschnitten, sonst mit feinem Rändchen rundum. Braunstippen im linken Elefanten-Ohr.

Angebots-Nr. 12.505 | EUR 649. | export price EUR 617. (c. US$ 746.) + Versand

Johann Elias Grimmel, Abgerichter Elephant

Johann Elias Grimmel (russisch Илья Гриммель, Memmingen 1703 – Petersburg 1759). Abgerichter Elephant. Festlich behangen und bemalt (»wie ein Festochse herausgeputzt«) nach vorn schreitend, sein Führer auf ihm. Wie vor, wiederum von Johann Elias Ridinger selbst auf Kupfer übertragen. Bezeichnet: ELEPHAS. / Abgerichter Elephant. / Elephant dressé. / Familia V. Fünffhufige. / J. El. Grimmel ad viv. del. St. Petersb. / Joh. El. Ridinger fecit et excud. Aug. Vind. 31,2 × 20,6 cm (12¼ × 8⅛ in).

Thienemann + Schwarz 1032 im ersten Zustand vor Entfernung des »2. (sic!, statt recte des sonst aus der 2 entwickelten Q) D. S. XIII.« als Referenz zu Jacob Theodor Kleins 1751er Quadrupedum Dispositio brevisque Historia Naturalis wie Thienemann unbekannt geblieben.

Mit dem für seine Sammlungen berühmten Klein (»Plinius Gedanensium«, Königsberg 1685 – Danzig 1759; Danziger Stadtsekretär, später Direktor der von ihm mitbegründeten Danziger Naturforscher-Gesellschaft, Mitglied der Royal Society, London, und Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg; ADB XVI, 92 ff.) stand Ridinger in regem Kontakt und wurde von diesem auch für sein Thierreich-Unternehmen vielfältig unterstützt. Kleins von Linnés anatomischer Systematik überholter Klassifizierung nach Art und Zahl der Gliedmaßen folgend, tragen die Frühzustände einiger Blätter der Folge denn auch noch Referenzen zu dessen Quadrupedum Dispositio brevisque Historia Naturalis, wie Thienemann für einige Tafeln bekannt und für verschiedene weitere per hier vorliegendem Komplett-Exemplar dokumentiert. Ridinger selbst hebt per Vorwort in seinen Dankesworten »insonderheit die ungemein schöne Sammlung des Herr P(rofessor). Klein aus der Ludolphischen Verlassenschaft, welche lauter Original=Stücke enthält,« hervor.

Der dritte des von Grimmel nach dem Leben gezeichneten, von Vater (2) + Sohn Ridinger in Kupfer verbreiteten Petersburger Dickhäuter-Dreiersatzes

IM RIDINGERSCHEN ORIGINAL-KOLORIT

des seit 1754 entstandenen und nicht vor 1773 endgültig postum abgeschlossenen, unnumerierten Kolorierten Thier-Reichs (»Vollständige Exemplare sind fast unauffindbar«, so Weigel, Kunstkat., Abt. XXVIII, Ridinger-App. 63a als lediglich 120blätt. Torso, 1857 ! , doch auch nur schon Einzelblätter nur sehr selten am Markt, bei niemeyer’s derzeit gleichwohl das eine wie die andern). – Eine entgegen Ankündigung unkoloriert gebliebene Zweitausgabe von den nunmehr unter Fortfall selbst von Tieren verkürzten und ohne die Ridinger-Signatur anders betitelten, jedoch numerierten Platten erschien 1824/25 bei Engelbrecht/Herzberg in Augsburg.

Neben dem Kranich zu Oldenburg das Paradeblatt ,

dessen aufsitzender Führer

in der unkoloriert gebliebenen 1824/25er Neuausgabe

der Verkürzung der Platten zum Opfer fiel ,

» was sich schlecht ausnimmt « (Th.) .

Auf C & I Honig-Papier als jener festen holländischen Qualität, wie sie Ridinger entsprechend seiner Vorrede zu den Hauptfarben der Pferde

»wegen der feinen Illumination« für die kolorierten Werke

verwandte, »weil es hiezu das anständigste und beste ist«. – Dreiseits 1,7-3,5 cm, unten 4,6 cm breitrandig. – Zwei Braunstippen im oberen weißen Plattenfeld.

Angebots-Nr. 15.935 | EUR 1400. | export price EUR 1330. (c. US$ 1608.) + Versand

  1. »berühmtes Werk, welches der verdiente Naturforscher Jacob Theodor Klein in Danzig unter dem Titel: Quadrupedum Dispositio brevisque Historia Naturalis 1751 … herausgab. Er hatte es vermehrt und verbessert selbst ins Deutsche übersetzt, und sein Freund Gottfried Reyger gab es 1760 unter dem Titel heraus: J. Th. Klein’s Natürliche Ordnung und Vermehrte Historie der Vierfüssigen Thiere. Ridinger stand in genauer Verbindung mit Klein, wurde bei diesem (Thierreich-)Unternehmen vielfach von ihm unterstützt und richtete sich nach Klein’s System« (Th., S. 200)
  2. a. a. O.

„ ich danke Ihnen sehr, daß Sie sich mit meinem Anliegen so viel Mühe gemacht haben, was ja keinesfalls selbstverständlich ist. Ihre ausführlichen Erläuterungen sind mir als Laien des Kunstmarktes sehr nützlich, wofür ich nochmals danke “

(Herr R. L., 6. Februar 2019)