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Grand Peintre du Grand Siècle

Charles Le Brun 1619 Paris 1690 Erster Maler König Ludwigs XIV.
zum
400. Geburtstag

24. Februar 2019

Als gerade erst 19jähriger 1638 per öffentlicher Proklamation zum Maler Seiner Majestät König Ludwig XIII. erhoben, äußerte der von dem Jüngling als Vorbild bewunderte große Poussin gelegentlich dreier dessen ihm anonym gezeigter Arbeiten vorausahnend »So sie ein junger Mann gemacht hat, wird er eines Tages seinen Platz unter den großen Malern einnehmen«.

Nicolas Poussin, dessen Stil und Technik er dann gelegentlich dreijährigen gemeinsamen Italien-Aufenthaltes studierte, war für ihn die einzige als künstlerisch übergeordnet akzeptierte Instanz. Beides schließlich Größen auf eigenem Feld. Jener überzeugter Italiener, heroischer Landschafter, dieser auf breitest gefächertem Felde der Kunst Pariser Nabel und künstlerische Institution schlechthin, der Papst des großen Jahrhunderts seines Landes und dessen in eine »weltgeschichtliche Machtrolle« (Weigand) hineingewachsenen Sonnenkönigs, der ihm bis zum Schluß in auch persönlicher Anteilnahme verbunden blieb. Bei enormem Fleiß und großer Sorgfalt in der Recherche. Bereit und kompetent, in seiner Person Ansprüche zu erfüllen, denen zu genügen es sonst mehrerer bedurft hätte. Will heißen: groß in Denken + Tun. Versehen mit der Anziehungskraft eines Magneten.

So drängte es den kölnstämmigen Banquier Everhard Jabach II, seit 1638 in Paris ansässig und noch 1691 einer der dortigen »fort banquiers«, vor allem aber väterlicherseits vor- und seinerseits auf Generationen weiterbelastender unersättlicher Sammler-Nimrod, der 1650 in London auf der Versteigerung des vom hingerichteten Karl I. hinterlassenen Kunstbesitzes ganze Königshäuser aus dem Felde schlug, sich ein für alle Mal aller Werke Le Brun’s zu versichern. Die da waren, und die da noch kommen sollten. Und bot diesem für das pure Erwerbsrecht allein 20 Pistolen (Goldmünze im Werte von lt. Meyer 1889 15.50 Mk.) pro Tag bei absoluter Schaffensfreiheit. Doch Le Brun lehnte ab. »Das Schicksal hielt noch ganz Anderes in petto für den großen Meister«. Immerhin malte er, neben van Dyck, das Familienbild des Dränglers in gleich zwei Versionen, freilich nicht ohne in einem Spiegel sein eigenes Portrait prominent hinzuzufügen. »Ein Kunstwerk ersten Ranges aber ist das viel bewunderte große Familiengemälde von Ch. Lebrun’s Hand« (ADB XIII, 522), dessen die großen Reisenden bis hin zu Goethe gedachten und auf 1836er Versteigerung ans Kgl. Museum Berlin ging und 1945 zerstört wurde. Die zweite Version war schon 1791/94 nach England gelangt und wurde schließlich 2014 vom New Yorker Metropolitan Museum of Art erworben.

Mehr Glück hatte dagegen – fürs erste – der nicht weniger extravagante Finanzminister Nicolas Fouquet (1615-1680). Er träumte von einer neuen Residenz in Vaux bei Melun. Und er träumte groß. Zu groß auch für nur einen Ersten Maler. Gefragt war Kompetenz schlechthin für ein Gesamtkunstwerk. Eine Oberaufsicht von den Kunstwerken über die Gärten bis hin zu den Festivitäten. Und da gabs nur einen. Le Brun war »der perfekte Künstler, all diese gloriosen und triumphalen Werke zu creieren«. Bei aufgewogener Leistung in Gold. Neben luxuriöser Behausung für ihn und Mme. Le Brun, 12,000 Pfd. Pension zusätzlich zu regulärer Bezahlung jedes einzelnen geschaffenen Kunstwerkes. »Fouquet erteilte ihm die Aufgabe der Dekoration von Château Vaux-Le-Vicomte.« Die Eröffnungsgala zu Ehren Ludwigs XIV. am 17. August 1661 war königlich. Orchestriert von Le Brun. Abschließend mit einem »verwirrend schönen Feuerwerk mit in den nächtlichen Himmel verwobenen L’s für Ludwig«. Das war zu viel für diesen. Zu königlich, ja, derzeit selbst noch zu kostspielig für diesen, der erst mit Mazarin’s Tod am 9. März des Jahres selbst zu herrschen begonnen hatte. Nur Königinmutter Anna, Infantin von Österreich, verhinderte die Verhaftung Fouquet’s noch gleichen Abends. Denn »es sei unkorrekt für einen Gast, den Gastgeber in seinem eigenen Hause zu arrestieren«. Ludwig holte es einige Wochen später unter dem Vorwurf seitens Colbert’s behaupteter Veruntreuungen und verräterischer Absichten nach. Der übermütige Bauherr starb 19 Jahre später in seiner Zelle in Pignerol. – Im Gegensatz zu Gareau wie auch Weigand (dieser übrigens mit 1686 als Fouquet’s Todesjahr) sieht Meyer VI (1889), 469 den Anlaß weniger prosaisch, vielmehr habe der Besuch den Verdächtigten in Sicherheit wiegen sollen. Auf jeden Fall verteidigte sich jener »mit außerordentlicher Geschicklichkeit und verstand es, sich als ‚Beute des Herrn Colbert‘ hinzustellen« (Weigand 56).

» Ironischerweise war es in Vaux, daß Ludwig XIV. erstmals Le Brun’s unglaubliches Genie gewahr wurde. Unmittelbar nach (Posner: vielleicht auch schon vorher?) Fouquet’s Verhaftung nahm der König Le Brun exclusiv in seine eigenen Dienste. Le Brun hatte bereits die Grundlage für den Stil gelegt, der zur Inspiration für den künftigen Palast des Sonnenkönigs in Versailles werden würde, den Stil, den wir heute als den Ludwigs XIV. kennen … Es war das große Jahrhundert der Kunst «

(Michel Gareau, Charles Le Brun. First Painter to King Louis XIV [1992], S. 30).

Repräsentiert von Molière, der für Vaux’s Gala ein Stück beigesteuert hatte, Racine, Lafontaine, der Le Brun’s Vaux-Orchestrierung verewigte, Corneille und – eben Le Brun. Letzterer seit 1661 in der Funktion des Ersten Malers, seit 1664 auch offiziell und im Dezember 1662 von Ludwig XIV. nobilitiert:

» Wir wünschen Sieur Le Brun, unserem Ersten Maler, ein Zeichen der Wertschätzung zu gewähren, die wir für ihn und für die Exzellenz seiner Werke empfinden, letztere, es ist weltumfassend bekannt, jene der berühmten Maler der letzten Jahrhunderte überstrahlen. «

In diese Jahre fällt denn auch Le Bruns Aufstieg zum Zenit seines Ruhms, der seinen adäquaten Ausdruck findet in den

Triumphen Alexander des Großen:

» Zwischen 1662 und 1668 stieg Le Brun zum Gipfel seines Ruhms auf … Es war während dieser Periode, daß er (auf kgl. Anregung 1661 in Fontainebleau) eine Werkfolge der Geschichte Alexanders des Großen widmete, und er versäumte nicht die Gelegenheit, eine nachdrücklichere Beziehung zwischen der Großartigkeit Alexanders und der des großen Königs herzustellen … ‚In keinem Werke Le Brun’s ist mehr Weite und mehr Ausdruckskraft‘. In den Kämpfen sehen wir den reinsten Ausdruck von Le Brun’s eigenem Stil «

(so 1992 noch einmal Michel Gareau).

Gemalt auf fünf gigantischen, jeweils 4,50-4,70 × 7,07-12,65 Meter (4) bzw. 2,98 × 4,53 Meter (177⅛-185 × 278⅜-498 in bzw. 117⅜ × 178⅜ in) messenden Leinwänden, sind die von Girard Audran (Lyon 1640 – Paris 1703; 4) and Gerard Edelinck (Antwerpen 1640 – Paris 1707) für das vornehmlich als königliche Dedications-Exemplare vergebene Cabinet du Roi verfertigten Radierungen von 1672/78 (Audran) + ca. 1671 mit ihren 69,5-72 × 90,2-159,2 cm (27⅜-28⅜ × 35½-62⅝ in) nicht weniger grandiose

» Meisterstücke des Grabstichels «

(Christian Ludwig Hagedorn, Betrachtungen über die Mahlerey, 1762) und »in jeglichen Abdrücken äußerst selten« (S. 597).

Gedruckt in der Königlichen Bibliothek von Jean Goyton (1629 – Paris 1714), trugen die Cabinet-Bände das Wappen-Supralibros Ludwigs XIV. auf beiden Deckeln.

Hier vorliegend indes in bordeauxrotem Rindleder-Design-Einband über Holzdeckeln mit Bourbonen-Lilie in den Ecken beider Deckel, Titelprägung auf dem Vorderdeckel und großem ligierten RS-Monogramm der hiesigen Red Series auf dem Rückdeckel:

Wappen-Supralibros Ludwigs XIV.
Das Wappen-Supralibros Ludwigs XIV. auf hier verhandeltem Cabinet-Band
lüder h. niemeyer – Die Rote Serie
Das Signet der Roten Serie von lüder h. niemeyer

Die Triumphe
(oder Die Schlachten oder Die Historien)
Alexanders des Großen

Folge der von 15 (nicht 16!) Platten gedruckten, zusammengesetzten und auf Falze gehefteten 5 (3 gefalt.) Blatt (69,6-72 × 90,4-159,3 cm [27⅜-28⅜ × 35⅝-62¾ in]) in Radierung mit Kupferstich von Girard Audran (4) + Gerard Edelinck. Paris 1672/78 (Audran) + ca. 1671. Imperial-Folio (78 × 54,5 cm [30¾ × 21½ in]). Exemplarspezifische 2 Bll. Text + Inhalt in Schwarz-Prägung, 1 w. Bl.

Bordeauxroter Rindleder Designer-Einband über Holzdeckel

Charles Le Brun, Die Triumphe Alexanders, RückdeckelCharles Le Brun, Die Triumphe Alexanders, Vorderdeckel

mit 4 von Fileten eingefaßten Zierbünden, überlaufenden Deckel-Fileten und

jeweils 4 großen Bourbonen-Lilien in den Zwickeln ,

2teil. Künstler- + Titelprägung auf dem Vorder- und

großem ligierten R(oi)S(oleil)-Monogramm

als zugleich auch Markenzeichen der hiesigen Red Series als Mittelstück auf dem Rückdeckel, schwarzen Rückenschildchen, braunen Innen-Spiegeln + Vorsatz, davon die Spiegel + vorderer Vorsatz

mit von Bourbonen-Lilie

Charles Le Brun, Die Triumphe Alexanders: Spiegel + Vorsatz vorne
Spiegel und Vorsatz vorne
Charles Le Brun, Die Triumphe Alexanders: Vorsatz + Spiegel hinten
Vorsatz und Spiegel hinten

begleiteten Text-Passagen bzw. Titel ,

red series bzw. niemeyer fine arts auf Innendeckel-Unterkante sowie JayAitchDesign auf Rückdeckel-Unterkante, alles 23,5karätig goldgeprägt in Englisch.

Erste Abdrücke

mit dem Namen des königlichen Druckers Goyton

auf allen fünf Blättern und die Audran’s mit Ausnahme des 1678er Schlußblattes

mit noch »Pintre« statt »Peintre« .

Und das alles in entsprechend

einheitlich wundervoller , noch immer schwärzender Druckqualität

leuchtenden Hell-Dunkels

bei gleichzeitig praktisch größter Frische ,

gänzlicher Unversehrtheit

und umlaufendem Rand von 2,2-4 cm für oben + unten bzw. 3-11 cm für die Seiten ,

wie exakt im einzelnen jeweils unten vermerkt. Die Seitenränder der drei Großformate also am großzügigsten, nämlich mit 6 bzw. 9-11 cm geradezu spektakulär.

Auf schwerem Papier mit Wasserzeichen J. Cusson (Auvergne, Thiers?), nachweisbar ab Mitte des 17. Jhdts. (»Nicolson, Cusson, Vimal, etc. … made sheets in very large sizes«, Carlo James, 1997), in Verbindung mit seiner kleinen Blüte nächst Heawood 3295 (Paris, 17. Jh.?, wobei sich das Fragezeichen bereits aus den beigezogenen Beaulieu-Blättern erledigt, deren Herkunft ab 1643 datiert. Siehe auch den heranziehbaren Cusson-Anhänger mit Herz statt Blüte auf van de Velde-Zeichnungen in London + Rotterdam (jeweils Wz. 61 bei Robinson) für teils gesicherte 1673er Ereignisse (so London Nrn. 412/13). Ansonsten mit Lilien-Verbindung Heawood 3291/94 mit Datierungen aus 18. Jhdt.

Über zwei, die Bildwirkung gleichwohl in keiner Weise beeinträchtigende Flecken hinaus nur ganz vereinzelte kleine Unsauberkeiten 340jährigen Alters, die pingelig dingfest zu machen geradezu ungehörig erscheint angesichts eines wirklich traumhaft schönen Gesamtzustandes.

Die Falz-Bindung für plano-komfortables Ausbreiten folgt der historischen Abfolge. In Klammer jeweils der Le Brun’sche Entstehungszeitraum der Gemälde nach Posner, nicht Gareau, und deren Formate sowie Verweis auf deren von splendiden Farbabbildungen begleiteten Apartbeschreibungen bei letzterem.

Girard Audran

Lyon 1640 – Paris 1703

»Siegen wird der Angreifer«

Die Überquerung des Granikos

Mai 334 v. Chr.

Die erste Großschlacht des Alexanderzuges

1672 – 4 Blatt auf 3 Platten im Bildsinn  –  71,5-71,7 x 138,9 cm
Auflagenkennung: 700 Abzüge
Ränder: Oben + unten 2,5-3,5 cm, Seiten 6 cm

(1662/65 – 4,70 x 12,09 m – G. SS. 208-213)

Über dem Kopfe Alexanders der Siegesadler

Die Entscheidungs-Schlacht von Arbela

1. Oktober 331 v. Chr.

1674 – Druck von 4 Platten im Bildsinn – 71,3-72 x 159,2 cm
Auflagenkennung: 700 Abzüge
Ränder: Oben + unten 2,3-2,5 cm, links 9 cm, rechts 11 cm

(Ca. 1666/68 – 4,70 x 12,65 m – G. SS. 214-219)

Der Welt-Eroberer
empfängt die Huldigung der alten Stadt

Alexanders Einzug in Babylon

Herbst 331 v. Chr.

1675 – Druck von 2 Platten im Gegensinn – 71,2 x 92,7 cm
Auflagenkennung: 800 Abzüge
Ränder: Oben + unten 2,3-3,5 cm, links 5 cm, rechts 3 cm

(1662/65 – 4,50 x 7,07 m – G. SS. 202-207)

»Wie wünschest Du behandelt zu werden?«

Am Hydaspes — Alexander und Poros

Mai 326 v. Chr.

1678 – Druck von 4 Platten im Bildsinn – 71-71,3 x 159,3 cm
Auflagenkennung: 800 Abzüge
Ränder: Oben + unten 2,2-4 cm, Seiten 10-11 cm

(Ca. 1666/68 – 4,70 x 12,64 m – G. SS. 220-225)

+

Gerard Edelinck

Antwerpen 1640 – Paris 1707

»Dieser Mann ist auch Alexander«

Die Familie des Dareios vor Alexander

November 333 v. Chr.

Ca. 1671 – Druck von 2 Platten im Gegensinn – 69,6 x 90,4 cm
Auflagenkennung: 900 Abzüge
Ränder: Oben + unten 3,7-4 cm, links 7 cm, rechts 3,5 cm

(1661/62 – 2,98 x 4,53 m – G. SS. 196-201)

Dies denn die autorisierte grandiose Kupfer-Ausgabe

im Auftrage Ludwigs XIV. von

Le Brun’s gigantischem Gemälde-Zyklus

auf Leinwänden zwischen 2,98-4,7 x 4,53-12,65 m

aus den Jahren 1661-1668 als einer jener Verewigungen Ludwigs XIV., für die dessen 1. Minister Colbert »keine Ausgabe zu groß war, wenn der Ruhm, la gloire, des Königs in Frage kam«. Hier denn der Sonnenkönig in gedachter Gestalt »Alexanders des Großen als Schlachtenmeister«. So war denn auch anstehenden Falles

» schlußendlicher Konsens

daß niemand anders als Le Brun

Die Schlachten hätte kreieren können «.

Wie es seinerseits die Vorstellung Le Brun’s war, daß niemand anders als Audran (und Edelinck) die absolute Wiedergabe in Kupfer würden meistern können.

» L.s Bedeutung erschöpft sich nicht in seiner Leistung als genialer Dekorateur und ‚grand peintre du grand siècle‘, sondern beruht auf der sämtl. Gebiete des Kunstgewerbes beherrschenden und maßgebend bestimmenden universellen Persönlichkeit, der die Kunst jener Epoche ihre großartige Einheitlichkeit verleiht u. L. geradezu zum Schöpfer des Stiles Louis XIV stempelt «

(Thieme-Becker).

Und Prior Jean-Jacques Olier de Verneuil (1608-1657; Begründer der Kongregation der Sulpizianer nebst heute noch bestehendem Priesterseminar, legte 1649 den Grundstein der Église Saint-Sulpice), den Fortgang seines Auftrags bewundernd:

» Sire ,
Sie sind wahrhaft glücklich ,
imstande zu sein , Ihren Pinsel zu führen ,
um solch einen schönen Ausdruck himmlischer Herrlichkeit zu schaffen. «

Geprägt wiedergegeben hier im Vorspann.

Angebots-Nr. 15.272 / Preis auf Anfrage


„ … Es  hat  mir  immer  Freude  bereitet , Ihre  sehr  anspruchsvollen  Ideen (JayAitchDesign) umzusetzen . Heute  kann  ich  Ihnen  sagen , daß  dieses  oftmals  unter  heftigem  Herzklopfen  geschehen  ist ! … Ihre … “

(Buchbindermeisterin I. M. H., im Juli 2013)