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1953 65 jahre berufserfahrung 2018

Sammelnslust
aus niemeyer’s ridinger-archiv
Faber-Castell: »Thienemann unbekannte Schwarzkunstblätter«
»Thienemann unbekannte Schwarzkunstblätter« (Sammlungs-Inventar Bl. VI [Detail])

» Ridinger / Slg. Faber-Castell «
Lebenslust

Faber-Castell: Ridinger-Sammlungsverzeichnis

» Sammler
sind glückliche Menschen «

( nach ungesichertem Goethe )

» … denn ihre Taten folgen ihnen nach «

( Offenbarung des Johannes 14/13 )

Und damit zugleich die gute Chance erlangend, dem eigenen Namen ein Stück Unvergänglichkeit zu sichern. Sei es im Rahmen einer für sich selbst zu einem Kunstwerk gewachsenen Sammlung, als Stifter oder einfach als fortlebend in den stets höchster Aufmerksamkeit gewissen Provenienz-Auflistungen. Wie etwa der heutigen zu gedenkenden. Als zudem nach hiesigem derzeitigen Wissen

letzter auf Ridinger als Ganzem gerichteter Sammlung

nach den seit den 1850ern umfassendst gebildeten und in ihren Katalogen fortlebenden vorangegangenen. Denn auch die zwischenzeitlich ihrerseits wieder auf neue Wände, in neue Laden und Regale verstreute so dominante Dedi’sche sparte eher aus, als beherzt zuzugreifen, warn’s nicht ganz die favorisierten Themen, wie namentlich der so reiche und seitens Gräflich Faber-Castell

Faber-Castell: Schabkunstblätter

so herausgehobene Schatz der Schabblätter ,

wie auch per »Schabk!« auf Blatt 6

Sich dessen bewußt seiend dabei gern hinzufügend Jetzt macht er ja schon wieder einen Fehler. Umso bezugreicher hier erwähnt, als er wiederholt so manchen Stückes gedachte, das er 1958 sich hatte entgehen lassen, als jene Sammlung zum Markt-Ereignis zenierte.

Im obigen Sinne eines komplexen Ganzen für die jüngere Zeit dabei mit Bedauern beiseitelassen müssend jene in Alleinauftrag hiesigerseits aufgebaute rheinische Sammlung, der im Zuge wirtschaftlicher Strukturveränderungen nach Jahrzehnten der lange Atem der so geistesverwandten Schwerdt’schen ausging.

Gedenkend hier + heute denn also der

vor 60 Jahren + erst 30 Jahre nach Ableben vor diesjährig 90 Jahren

im November 1958 (K&F LXVI) dem Markt zurückgegebenen des

Alexander Graf von Faber-Castell

— » Ridinger / Slg. Faber-Castell «

( in Bleistift auf braunrotem Umschlag ) —

(Rüdenhausen 1866 – Oberstdorf 1928), originär und ab 1922 wieder Graf von Castell-Rüdenhausen, dessen sich 1898 Ottilie Freiin von Faber aus dem benachbarten fränkischen Stein ehelich unter beschwerender Auflage bemächtigte. Hatte doch der zwei Jahre zuvor verstorbene Bleistift-König Lothar von Faber aus seinem Faberschloß testamentarisch hinterlassen, daß sein Name für jetzt und alle Zeiten Firmenname zu bleiben habe. Wobei der Alte, verfremdend Fontane’s 1889er Ribbeck-Gedichtes gedenkend, genau wußte, was er tat, als um des Namens Fortbestand er bat. Hatte er doch noch mehr bestimmt. Sollte doch Enkelin Ottilie die Geschäfte auch in der Erwartung weiterführen, ihrerseits generationenbewußt zu sein. Und so hebammierte kgl. bayerischer Segen die Geburt des Namen von Faber-Castell. Honi soit qui mal y pense. Denn schon 1905 kreierte Alexander von Faber-Castell die Marke Castell für besonders hochwertige Bleistifte. Und solchermaßen segnet schreibend noch immer die Hand des von Faber zu Stein im Frankenland.

Womit Hinz und Kunz schon längst nicht mehr den gräflichen Nobelmann selbst verbinden werden. Unvergessen dieser seiner bayerischen Regimentsfarbe Grün verpflichtet gebliebene in kenntnisreicheren Kreisen vielmehr mit seiner

mit den
Augen des Kenners

Omnia Mihi Subdita (Kaufvermerk Graf Alexander von Faber-Castell)
Erwerbsnotiz betreffend Th. 1427, Omnia Mihi Subdita

und dem
heißen Herzen des Liebhabers

zusammengetragenen
Ridinger-Sammlung
als der letzten komplexen
estimierend Meister + Söhne in ihrer ganzen Spannbreite
zwischen Thienemann(-Stillfried) 1 + 1436 , dann Schwarz bis 1564 .

Letzterer es dann per Katalogisierung der Sammlung Rudolf von Gutmann’s als des Königs unter den Ridinger-Sammlern 1910 bis auf 1569 brachte. Wogegen der Castell’sche Bestand seinerseits bei Auflösung mit rund 40 zusätzlichen Blättern punktete, die weder Thienemann noch Schwarz bekannt geworden waren.

Baron Gutmann und Graf Faber-Castell unmittelbar vorausgegangen war im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts eine bemerkenswerte Dichte namentlich bürgerlicher Sammlungen, nur in etwa heranziehbar vergleichbar mit jenen seit der Mitte der 1950er Jahre bald mehr oder weniger adäquat gebildeten. Plus/minus bestand die Faber-Castell’sche Sammlung aus

106 Zeichnungen , davon 95 als Sammelband ,

und 1319 Graphiken , davon ca. 180 Schabkunstblätter

und 6 spiegelbildliche Kopien von J. S. Müller mit englischer Beschriftung .

Hierin eingeschlossen 32 per Auflösung fehlende + 203 zusätzliche Graphiken. Während letztere als so Höchstkarätiges wie Hauptfarben der Pferde (51) und Koloriertes Thier=Reich (129; Einzelblätter und ein traditionell als absolutes Ausnahme-Exemplar qualifiziertes complettes hier verfügbar) betreffend zweifellos Graf Alexander’s persönlichen Erwerbungen zuzurechnen sind, so sicher dürften die ersteren erbenseits vorab entnommen worden sein, da mit Th. 3, 5 + 7 eine Zimelie wie Grosser Herren Lust in allerhand Jagen zerreißend, deren restliche fünf Blatt K&F denn auch als »Von größter Seltenheit« katalogisierten.

Fehlendes wie Hinzugekommenes dokumentieren im übrigen, daß das lose aber als für sich vollständig anzusehende handschriftliche Inventar-Verzeichnis Graf Alexander’s zum einen unvollständig geblieben und zum andern vor 1922 als des im Zuge 1918 erfolgter Scheidung wieder aufgenommenen Geburtsnamens angelegt worden ist. Denn der Inventar-Umschlag trägt den Namen Faber-Castell. Weniger bemerkenswert als literaturbestätigend dabei, daß sich die Chance des Zugriffs auf die beiden kolorierten Werke als traditionellen Seltenheiten erst in der Schlußphase doch noch ergeben hat.

Das Verzeichnis umfaßt 21 einseitig in praktisch ausnahmslos blauer und ergänzend roter Tinte beschriebene Blätter dreierlei Papiersorten, davon 13 in A4-Format, die übrigen 32,5 x 20,3 (7/Journalpapier) bzw. 33 x 21 cm. Der Generalübersicht Laufende Nummern nach Thienemann mit einer Bestands-Summierung von nur 791 Blatt folgt das von 1-7 numerierte Titelverzeichnis, anfänglich mit 13 Einstandspreisen, dem sich von I-X numerierte Aufschlüsselungen nach Mappen/Büchern anschließen. Dazwischen drei unnumerierte Ergänzungsblätter, eines maschinenschriftlich nebst Bleistift. – Für den Gesamtbestand siehe obige Seite 5.

Solchermaßen denn steht das aus hiesigem Archivbestand hier erstmals publizierte autographe Sammlungs-Inventar für die Intensität eines Lebens mit und für die auf Vollständigkeit gerichtete Sammlung, für diesbezügliche Erfolge ebenso wie für hartnäckig sich verweigernde Desiderata, welch Verlebendigung nichts hinzuzufügen ist. Es sei denn verweisend auf hieraus hiesig Verfügbares/Durchgelaufenes oder dort eben fehlend Gebliebenem, was aufzuspüren erst niemeyer’s gelang.

Wie niemeyer’s es andererseits aber allein der Gunst der späten Geburt zu Gute halten muß, aus jenem anderen Schatze bereithalten zu können, dessen er sich vor zwanzig Jahren en gros hatte versichern können, als der nach der Wende wiederaufgetauchte 1933er sogenannte Thieme-Becker-Block

originaler Ridinger’scher Kupfer-Druck-Platten

zurück ans Licht fand und seitens der Nachfahren des letzten Ridinger-Verlegers in neue Hände weitergegeben wurde. Pechschwarz die eine wie die andere – nur eine verzinkte darunter – doch für die seinen von niemeyer’s zurückverholfen zum

rotgoldenen Glanze ihres jahrhundertealten Kupfers .

Darunter Einzigartigstes nochmals für sich, wie vorbehalten nur der Gnade allerersten Zugriffs.

Keinem Faber-Castell (1958), keinem Schwerdt (1928), keinem Baron von Gutmann (Schwarz; 1910), keinem Helbing (1900), keinem Hamminger (1895), keinem Reich auf Biehla (1894), keinem Coppenrath (1889/90), keinem Graf Stillfried (1876), keinem Thienemann (1856), keinem Weigel (1838/57) war dergleichen vergönnt gewesen, von bis in die Ridinger-Zeit zurückreichenden adligen Großsammlungen wie denen von Behr, D. C. auf Marjoribanks, Earl of Pembroke ganz zu schweigen. Kurz, wie denn auch im Urteil der Literatur,

Jahrhundertealte originale Kupfer-Druck-Platten — Kostbarstes vom Kostbaren.

Johann Elias Ridinger, Schießtabelle

Fehlend — Th. 161

Faber-Castell: Th. 161 fehlt

TABELLA Was an Roth= und schwartz Wiltprett wie auch Raubthier, Feder Wiltprett, und Raub Vögel meistens in Höchster Gegenwarth Ihro Hochfürstl: Durchlaucht der Regirenden Herrn Herrn Ludwig Georg Marggrafen von Baaden Baaden p.p. in Höchst-dero Landen geschossen und gefangen worden in Anno 17.. . Kupferstich mit Radierung. (1753.) Bezeichnet: Joh. El. Ridinger sculps. Aug. Vind. Blattgröße 26,3 × 37,2 cm (10⅜ × 14⅝ in). In bordeauxroter Rindleder-Kassette (JayAitchDesign; 48 × 61 × 3 cm [18⅞ × 24 × 1⅛ in]) auf Zierbünden mit Goldfilete auf Rücken + beiden Deckeln, Vorder- + Rückdeckel-Prägung, schwarzen Rücken-Schildchen Johann Elias Ridinger / Th. 161 sowie Innenspiegel-Prägung auf rotem Grund. Alles 23,5karätig in Gold.

Angebots-Nr. 16.115 / Preis auf Anfrage

Fehlen 43 bzw. 45 von 46 bzw. 48 Blatt

Faber-Castell: Th. 343-390 fehlt

der 1779 abgeschlossenen Besondern Ereignisse und Vorfallenheiten bey der Jagd (46, Th. 343-388) nebst thematischen Addenda Th. 389/90. Unkomplett gewesen denn auch der Bestand Helbing (1900, »Sehr seltene Blätter«) mit 43 apart gelisteten Blättern der Stammfolge und das Exemplar Halle (1928, »Seltenste aller Ridingerfolgen«) mit nur deren 28. Mit den Blättern I-XXXVI (Th. 344-379) hier früher in rheinische Sammlung durchgelaufen das von Behr-Exemplar, erworben nach hiesiger Erkenntnis zusammen mit Weiterem zwischen 1777 und 1779 bei den Ridingers selbst das auf Subskriptions-Basis bereits Vorliegende (also noch ohne das Titel-Blättlein Th. 343) und bis dato dann über zig Generationen in eben diesem Erstbesitz verwahrt geblieben.

Zu den derzeit hier apart aufliegenden Pendants + Einzelblättern …

Fehlen drei der zehn Affen

Faber-Castell: Affen

Komplett zu den seltensten Folgen des Meister’s gehörend, fehlte sie über Jahrzehnte auch der Dedi’schen Versammlung als einer der umfassendsten (siehe oben) der jüngeren Zeit, in die sie erst nach hiesigem Erwerb eines der legendären Gutmann’schen Marjoribanks Folios Eingang fand.

Thienemann’s Hinweis (ad 550), alle zehn Tafeln seien auch zum Kolorieren bestimmt gewesen, doch habe er nie ein solches Exemplar gesehen (statt diesbezgl. »ohne« Federeinfassung muß es richtig »mit« heißen), ist richtig, doch folgert er zu Unrecht, zwecks Einverleibens ins Kolorierte Thier=Reich (cpl. Ausnahme-Explr. als auch Einzeltafeln hier aufliegend) seien sie hierzu später verkleinert und etwas verändert worden. Tatsächlich sind es zwei eigenständige Folgen zu jeweils zehn Blatt, deren reine Plattenformate auch nur um ca. 1 cm in Höhe/Breite voneinander abweichen, aber von zwei verschiedenen Händen stammen. Nämlich großfiguriger originär vom Vater als obige Th. 541-550, später in meist enger Anlehnung von Sohn Martin Elias Th. 1084-1093 fürs von den Söhnen postum abgeschlossene Kolorierte Thier=Reich:

Daß schon die väterliche Folge Th. 541-550 tatsächlich auch koloriert ausgegeben worden ist, belegt Pos. 1674 (»Sehr schön colorirt«; 1972 hier in hessische Sammlung durchgelaufen) des 1895er Katalogs des Ridinger-Marktleerfegers Georg Hamminger, gleichzeitig folgerichtig demonstrierend, daß diese Folge den Auftakt hiesigen statements und farbig kulminierte das Œuvre bildet. Denn sieben der Blätter noch auf dem für alte Ridinger-Abzüge bekannten schweren Papier, drei dagegen schon auf etwas leichterem hin zu dem des Thier-Reichs, »weil … hiezu das anständigste und beste …« (Johann Elias bezgl. der kolor. Tafeln).

Hier aufliegend in einem completten Exemplar mit allen von Thienemann und Schwarz (Slg. Rudolf von Gutmann) beschriebenen Merkmalen der Erstausgabe, doch diesbezüglich nur teilweise korrespondierend mit Weigels Erstdruck-Kriterien (Kunstlager-Catalog, Abt. XXVIII (1857), 28 A/B), wie im einzelnen zu erörtern den hiesigen schriften der ridinger handlung vorbehalten bleiben muß.

Und mit Ein(em) Masquirte(n) Affe(n) aus Guinea (Th. 543) und Füchsel man(n)igen (Th. 549) sind darüberhinaus, neben weiteren, auch zwei der Graf Alexander fehlenden Blätter hier verfügbar.

Fehlende Fürsten zu Pferde

Faber-Castell: Fürstliche Personen zu Pferde

Adolph Friedrich von Norwegen, Holstein, Schleswig, Lübeck (Th. 832). Und »… es scheint, als habe unser Ridinger eine zweite Folge beabsichtigt« (Th.). Verwirklicht indes nur zwei als Œuvre-Seltenheiten: Carolus regierender Fürst zu Löwenstein-Wertheim (Th. 835; hier durchgelaufen) sowie Ludovjcus VIII. D. G. Landgravius Hassiæ-D(armstadiæ) (Th. 1378).

Faber-Castell: Schabkunstblätter

Manière noire — gewußt warum

Faber-Castell: Schabkunstblätter

! Mit der Feder des Kenners gesetzt !

Denn bezüglich der kostbaren Schabtechnik — siehe Graf Alexander’s Ausrufezeichen + Unterstrich — resümierte schon vor 160 Jahren Thienemann mit den Worten:

» Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr

… zu bekommen … sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … « (Seiten VIII + 270).

Und das technisch bedingt. Da die samtene Schabkunst nur kleinste befriedigende Auflagen gewährt, vom Praktiker Sandrart 1675 auf »50 oder 60 … saubere Abdrucke« veranschlagt.

» Schabkunst ( Schwarzkunst , Mezzotinto etc. )

arbeitet in Gegensatz zu Kupferstich und Radierung nicht mit Linien, sondern mit gegeneinander abgetönten Flächen vom höchsten Licht bis zum tiefsten Schatten. Um diese Flächenwirkung zu erzielen wird bei der Sch. die Kupferplatte mit dem Granierstahl (auch Wiege bezeichnet), dessen Schneidefläche mit feinen Zähnen versehen ist, vollkommen aufgerauht. Alsdann wird mit dem Schabeisen dort, wo weiße oder hellere Stellen im Abdruck erscheinen sollen, die aufgerauhte Fläche mehr oder weniger glattgeschabt. Alle Übergänge von schwarz zu weiß lassen sich mit dem Schabeisen ohne Mühe herstellen. Die Technik der Schabkunst ermöglicht so eine Wiedergabe von Gemälden in einer Vollkommenheit, wie sie bis dahin mit den Mitteln der Graphik nicht erreichbar war.

Doch sind geschabte Platten weit empfindlicher als gestochene …

» Der Erfinder dieser neuen Technik, Ludwig von Siegen (Utrecht 1609 – Wolfenbüttel 1680), aus rhein. Rittergeschlecht (Stammgut Sechten bei Köln), später in hess. Diensten, hat während eines vorübergehenden Aufenthaltes in den Niederlanden die ersten Sch’blätter verfertigt … (und) weihte den Prinzen Ruprecht von der Pfalz … 1654 in die zuerst geheimgehaltene Technik ein, der bei der Ausführung der Platten den niederl. Stecher Wallerant Vaillant (1623-77) zuzog. Vaillant und im besonderen Abraham Blooteling (1634-87) haben die Technik vervollkommnet und in Holland heimisch gemacht, während sie in Deutschland durch den Mainzer Domherrn Theodor Kaspar von Fürstenberg (1615-77) bekannt und allmählich durch Augsburger u. Nürnberger Werkstätten weiter verbreitet wurde.

» Die Hauptpflegestätte der Sch. im 18. Jhdt. war England. Sie entwickelte sich hier … zu einer Art nationaler Kunst. Übermittelt noch durch den Prinzen Ruprecht, hat sie in den Händen ausgezeichneter Stecher … ihre höchste Vollendung erreicht … Auch für den Farbstich hat die Sch. Bedeutung erlangt «

(Erich von Rath in Löffler-Kirchner, Lexikon des Gesamten Buchwesens, Bd. III [1937], Seite 202).

Für Augsburg seien für diese Zeit als führend die Maler/Stecher-Dynastien der Rugendas, Haid und Ridinger genannt, für letztere neben, marginaler, Johann Elias selbst Johann Jacob (1735 Augsburg 1784) als der jüngere der beiden Söhne und der Schabkünstler des Hauses welcher, während Bruder Martin Elias diesbezüglich paßte.

Faber-Castell: Schabk!
»Schabk!«

Fehlend — Th. 1105 , 1106 + 1108

der 1856 – komplett dann erst wieder 1991 und hierselbst in die Dedi’sche Versammlung durchgelaufen – von Thienemann beschriebenen Folge 1105-1108, wobei es sich beim 1991er hiesigen Exemplar möglicherweise aber nur dann um das Thienemann’sche gehandelt haben könnte, beruhte Th.’s Fortlassen des Versanfanges von 1108 auf einem Versehen, nicht aber auf Beschnitt. Sonst wäre hiesiges das bislang einzige bekannte unversehrte Exemplar gewesen.

Fehlend Th. 1109

hier als die Gegenstücke 1109/10 in Sammlung wie vor durchgelaufen.

Fehlend die Folge Th. 1115-1118

und hier complett neben hiesigem in anhaltinische Sammlung durchgelaufenen Exemplar nur noch für Thienemann (1856) und Schwerdt (1928) belegbar. Hier denn auch erstmals erkannt, warum Ridinger, im Sinne Oudry’s, sein »inv.« löschte. Diese nunmehr für Oudry gesicherte Herkunft zugleich eine treffliche Bereicherung für Ridinger’s von Watteau angeführten französischen Kanon.

Fehlend auch Th. 1127-1130

Jene wundervolle Schab-Folge
Johann Elias Ridinger, Saujagd
Johann Elias Ridinger, Es wird dem wilden Schwein … (Ausschnitt)

im Schwerdt-Exemplar

als letztem + einzigem (?) Markt-Exemplar seit 1939

Hier + jetzt
als unerhörtes Ereignis sondergleichen
bei zusätzlicher Verwurzelung beider Schwerdts
via der italienisch-stämmigen Brentanos in Frankfurt am Main
in der crème-de-la crème der deutschen Klassik und Romantik

Die 4blätterige Jagd-Folge von oder bei Johann Andreas Pfeffel I oder II (Bischoffingen/Altbreisach 1674 – Augsburg 1748 bzw. 1715 Augsburg 1768). Bezeichnet: Ioh(ann)(.) Elias(.) Ridinger pinx(it). / I. A. Pfeffel exc(ud[it])(.) Aug. Vind., ansonsten lat.-frz.-dt. Untertext. 49,9-50,5 × 73,1-73,8 cm (19⅝-19⅞ × 28¾-29 in).

» Very rare . Brilliant impressions . Not in Gutmann’s catalogue .«

( Schwerdt III [1928], 147c + Tafeln 215 f. )

The Schwerdt Collection
Second Portion

Sotheby & Co., 21. Juni 1939, lot 996

Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 16.234 / Preis auf Anfrage

Th.-St. 1427

mit Graf Alexander’s Bleistift-Notiz auf dem Untersatzkarton Rechng v. 14/3/1914siehe Abbildung – nun hier aufliegend als unerhörtes Finale schlechthin

Johann Elias Ridinger, OMNIA MIHI SUBDITA

Schnörkellos fulminantes Hauptblatt

OMNIA MIHI SUBDITA. Die Herrschaft des Todes. Schabkunstblatt + Umriß-Gravur von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iac. Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger delin. et exc. Aug. Vind., ansonsten wie vor und unten. 55,7 × 42,2 cm (21⅞ × 16⅝ in).

Erstversion in ihrem Zweit-Zustand (von II), wie beides von Stillfried + Schwarz wie auch anderwärts ebenso unerkannt geblieben wie die Umriß-Gravur. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 14.857 / Preis auf Anfrage

Fehlend Schwarz 1486

Johann Elias Ridinger, Anbetung der Hirten

Die Anbetung der Hirten (Lucas 2, 1-20). Schabkunstblatt von sicher Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784) nach wohl Joh. Gg. Bergmüller. Bezeichnet: Joh. Elias Ridinger excud. A.V. 63,2 × 44,5 cm (24⅞ × 17½ in). – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 15.260 / Preis auf Anfrage

Fehlend Weigel, Thienemann, Stillfried, Schwarz etc. und … Gräflich Faber-Castell:

Zwei unbeschriebene Ridinger

Johann Elias Ridinger, Jägerin in Gestalt Dianas
Dianens Ebenbild ist hier mit Lust zu schauen …
Johann Elias Ridinger, Jägerin in Gestalt Dianas
Die tapffre Heldin will auch auf das wild anstehen …

Junge Jägerinnen in der Gestalt Dianens. 2 Blatt. Schabkunstblätter bei Gabriel Spitzel (1697 Augsburg 1760, Freund R’s). Inscribed: Ioh. Elias Ridinger delin. / Gabriel Spizel excud. A.V. C. 49.5 × 36.5 cm (19½-19⅝ × 14¼-14⅜ in). – Auf dem Höhepunkt der Dianen-Verehrung, als diese, nicht Hubertus, der Nabel war. – Nach 1985er Durchlauf in fränkische Sammlung hier erneut verfügbar. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 28.406 / Preis auf Anfrage

Faber-Castell: Bücher 2
ad Bleistift: »91 Seltenheit, Abdruck vor der Schrift.«

Vor der Schrift ??

Wie pflegte doch ein hiesiger Postler zuweilen zu sagen? Nicht verzagen, niemeyer fragen! Und letzterer hält es mit Gottfried Benn: »Zurück zu den Quellen, zu den Müttern.« Denn

Es gab den Text ! Ja, es gibt ihn noch immer !!

Johann Elias Ridinger, Der mit dem Schlagbaum gefangene Dachs (Untertext)

Erst die originale Druck-Platte
anlüftete das Geheimnis der abgedeckten Schrift

für die rätselhaften Abweichungen der Fangarten-Kupfer Th. 74, 75, 89 + hiesigem 91

als deren wohl einzige erhaltene Platte ,

die schon frühzeitig die Adresse von Martin Engelbrecht (1684-1756, der gleichnamige Verlag 1719-1827) in Augsburg tragen und mit Ausnahme von Thienemann

— »Da dieses (74 wie denn auch 75, 89, 91) Blatt zuweilen ( !! ) keine Unterschrift hat und die Abdrücke neuern ( !! ) Ursprungs zu sein scheinen, worauf auch die Unterschrift rechts ‚verlegt in Augsburg bei Martin Engelbrecht.’ hinzudeuten scheint; so will ich jene(n Untertext) abschreiben … « —

und (bedingt, vgl. dortige 74a) Schwarz sowie für Th. 74 + 91 auch bei Hamminger innerhalb Pos. 1529 nur in Abdrucken ohne den erläuternden Untertext bekannt sind und daher bislang überwiegend als Probedrucke vor der Schrift fehlqualifiziert werden.

Aus hiesiger aktueller Sicht ließe sich das »Anlüften« dahingehend vertiefen, daß, vorab, Thienemanns »zuweilen« nur gegenteilig interpretierbar ist. Denn »zuweilen« gibt’s tatsächlich Drucke mit der Schrift. So innerhalb Weigel XXVIII (1857), Ridinger 7 A, worauf sich Thienemann gestützt haben wird. Sodann Schwarz (1910) für Th. 74, 89 + 91, doch bereits mit der Engelbrecht-Adresse, 74a, konform zu obigen, nur mit Künstlernamen und Engelbrecht-Adresse als »vor« (!) der Schrift und dazu 93a als interessante weitere Variante, nämlich vor jeglicher Schrift. Wenn Weigels 7 B nahelegt, erst in diesen »späteren Abdrucken« trügen die fraglichen vier Blätter die Engelbrecht-Adresse, also nicht schon innert 7A, so dürfte dies unzulänglicher Beschreibung geschuldet sein. Betreffs »späterer Abdrucke« übersehen Thienemann wie Weigel, daß den umfangreichen Neudrucken der frühen 1820er seitens Engelbrecht und Herzberg nach Übernahme des Ridinger-Verlages durch ersteren dessen Adresse fehlt. Und daß diese wohl durchweg auf linienfreien Thurneisen-Papieren abgezogen wurden, die fraglichen vier untertextfreien Blätter mit ihrer Engelbrecht-Adresse ihrer Druck- und Bütten-/Linien-Qualität halber indes selbst von Kennern für Frühdrucke angesehen wurden.

Woraus folgert, daß die Engelbrecht-Adresse originärer Natur ist. Und sich als denkbar anschließt, daß Ridinger die ausweislich der Signatur ja selbst gearbeiteten Platten dem freundschaftlich verbundenen Engelbrecht für eigene Zwecke als einer dessen gern zusammengestellter Viererfolgen – siehe Schott (1924), Martin Engelbrecht und seine Nachfolger … von 1719 bis 1896 – überlassen hat. Voreilig, doch reparierbar, in Hinsicht auf seine schließlich eigene Fangarten-Folge. So dürfte Engelbrecht sie schon bald zurückgegeben haben, andernfalls Abdrucke mit Untertext keine Ausnahme bildeten. Und es ist anzunehmen, daß letzterer in seiner dem Engelbrecht-Marketing folgenden Volkstümlichkeit eben erst von diesem den Platten hinzugefügt worden und anschließend von Ridinger als zu abweichend von den instruktiven eigenen Fangarten-Texten nicht übernehmbar war. Warum er den Text nicht abgeschliffen und neu gestochen hat, bleibt umsomehr offen, als die Untertexte gleich samt selbst Signatur der hier nach Augsburg durchgelaufenen Platten zu Th. 389/90 (fehlend ja bei F.-C., s. o.) sich als nun auch ihrerseits Rätsel aufgebendem Grunde ausgeschliffen erwiesen. Unter Zurücklassens deutlicher Spuren. Ohne aber – konträr zu obigen vieren – daß Abdrucke ohne Text hier bislang nachweisbar geworden wären. Und somit mit diesem keinerlei Auffälligkeiten boten. Bis dann auch für sie ihre Druck-Platten ebenso zu sprechen begannen, wie etwa die des Abendblattes der Hirsche. Ganz so, wie Kollege Rumbler 2006 seine Ostade-Druck-Platte kommentierte:

» Original-Kupferplatten galt seit jeher höchstes sammlerisches Interesse … Der reliktartige Charakter, der historische Wert und der hohe Informationsgehalt zur Arbeitsmethode des Künstlers prädestinieren den Besitz einer solchen Platte zum krönenden Schlußstein einer Sammlung .«

Und Stefan Morét 1999 im Ridinger-Katalog Darmstadt – siehe auch die hier erworbenen dortigen Kupferdruckplatten I.13, I.8 + I.11, Farbabbildung 6 + SW-Abb. SS. 62 ff. – :

Johann Elias Ridinger, Der mit dem Schlagbaum gefangene Dachs

Für die Ridinger-Forschung der Eckstein eines hochinteressanten Details:

Der mit dem Schlagbaum gefangene Dachs / 25,6 × 36,1 cm (10⅛ × 14¼ in)
untertextloser zeitgenössischer Papier-Abdruck

» Erhaltene originale Druckplatten
aus dem 18. Jahrhundert
sind eine große Seltenheit «

Und speziell zu denen Ridinger’s :

» Vom hohen technischen und qualitativen Niveau der Werke Ridingers und seiner Söhne, die im Verlag vor allem als Stecher mitarbeiteten, künden die (nur noch sehr partiell) erhaltenen Druckplatten noch heute. «

Für die untertextlosen Abdrucke der Fangarten-Viererbande also nichts da von wegen »Vor der Schrift + Äußerst selten«. Letzteres, ganz gegenteilig, die mit der Schrift. So ist das zuweilen mit Katalog-Betonungen. Was mich mit einem aufrichtigen peccavi an eigene Frühzeit gemahnt, als ich gelegentlich zweier Durchläufe der 1499er Koelhoff’schen Kölner Chronik unisono deren Erstzustand mit der Turnierniederlage des späteren Kaisers Maximilian und die abfällige Bemerkung über seinen Schatzmeister Peter Langhals hervorhob, wie der Zensur zum Opfer gefallen und durch Austausch fraglichen Blattes getilgt worden. Welcher Kastrat-Zweitzustand sich denn auch prompt zum rarissimum absolutum mauserte. Worauf gegebenenfalls aufmerksam zu machen nicht unbedingt jedermanns Sache ist. Nicht umsonst denn sagt man in Kölle geh’ zum Schmied und nicht zum Schmidtchen.

Das erste der beiden Cronica-Exemplare erstand ich übrigens in Paris kurz nach Jahreswende 1960/61, nur wenige Tage nachdem Edith Piaf im Olympia ihr Lebenscredo Non, je ne regrette rien kreiert und mich am Radio elektrisiert hatte. Nun hörte und erlebte ich sie live. Und das Olympia. Das drauf und dran war, auf die Polster zu steigen, mich natürlich eingeschlossen, der nur darauf wartete. Ihr credo aber wurde und blieb auch das meine. Oder doch nicht ganz? Eben, eben. Denn zuweilen halt ich’s mit Josef Haubrich’s

» Meine Erfahrung

aus 40 Jahren Leben mit der Kunst :

ich habe fast nie bereut ,

ein Kunstwerk erworben zu haben ,

aber ich habe manchmal jahrelang bereut ,

eins nicht erworben zu haben «

1959 in Peter Fuchs
Josef Haubrich, Sammler und Stifter in Köln


„ haben Sie vielen Dank für Ihre schnelle Antwort … Mit Ihrer Auskunft haben Sie uns bereits sehr geholfen und der Inhalt bezüglich einer eventuellen Neuauflage (ridinger schriften 25) klingt sehr gut … “

(L-Stiftung, 19. September 2018)