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lüder h. niemeyer kunsthandel seit 1959

» Alexanders Leben war ein wundervoller Rausch , ein Traum ,
in dem das homerische Zeitalter noch einmal heraufbeschworen wurde «

Oswald Spengler

Alexanderzug
13 Stationen Alexander des Großen von 334–326 v. Chr.

Überarbeitete und erweiterte Neuauflage

Neben der Heerstraße. So der hier interessierende Titel eines 1923 erchienenen Bandes Erzählungen des Schweizers Jakob Bosshart (1862-1924), dessen Nachruhm auf den von Ernst Ludwig Kirchner beigesteuerten Holzschnitten beruht. Und nur ein Neben vermag wohl inmitten des Getümmels an Alexander-Literatur auch nur noch Neugierde auf das eine und andere zu wecken. Auf deren Blickwinkel, Beizüge und Illustrationen. Seien sie Bekanntes oder eher Neues. Gebündelt als Lese- und Bilderbuch. Sichtbar machend den sich in 17./18. Jahrhundert in Frankreich und Deutschland an Hand der Œuvre Charles Le Brun’s, François Verdier’s und J. E. Ridinger’s vollziehenden Wandel des Alexander-Bildes. Vom heldenmütigen zum Ein Bild vom wilden Sieger schaun. Bei durchaus ganz wesentlichen Zwischentönen, wie großen Geistern eigen. Œuvre, die sich bezüglich Le Brun’s und Ridinger’s einander generell ergänzen, nicht wiederholen. Letzteres hierselbst auch nicht seitens Verdier’s.

Als kunsthistorisch mutmaßlich erster Darstellung auf diesem Wege vom … zum jene Station, die der Weltgeschichte die Zäsur welche brachte. Die Umkehr-Entscheidung. Als der »einzigen je erlittenen Niederlage Alexander’s«. Und größtmöglicher dazu. Er- und durchlitten im Anschluß an seinen größten Sieg wenige Monate zuvor am Hydaspes gegen Poros. So Peter G. Tsouras 2004 in der Titelgeschichte von Military History XXI/2. Nun aber Sommer/Herbst 326 v. Chr. Das gegnerlose Aus am indischen Hyphasis. Zeichnerisch dokumentiert seitens des 25jährigen Ridinger’s als mit dem König praktisch gleichaltrig. Letzteren aber nicht länger bewundernd, ihn vielmehr reflektierend. Und damit das bisherige Historienbild von der Darstellung heldenhafter Taten zur Reflexion über dieselben zwei Generationen vor Jacques Louis David fortentwickelnd.

Umkehr also. Gleichwohl nach Art des Königs. Dessen »heroischster Augenblick« (Tsouras) seiner an der Mauer der Zitadelle der Mallier im Dezember 326 in Multan im indischen, heute pakistanischen Punjab auf ihn lauerte. Und ganz en passant Alexander’s Verhältnis zu Opferungen und Geweideschauen lüftete. Zeichnerisch hier dargeboten von Verdier (1651-1730). Auf blauem Papier. Als offenbar, da für ihn nicht die Regel, Reverenz gegenüber dem Thema.

Feinheiten der Nebenwege also gegenüber dem Marschtritt der Heerstraßen. Bis hin zum eingebetteten Rückgriff auf Albrecht Altdorfer’s Alexanderschlacht der Münchner Alten Pinakothek als eines »wahren Wunderwerks der Kunst« (Nagler 1835), gewidmet 3 3 3 , bei Issos Keilerei. Mit 400jähriger Vorwegnahme eines expressionistischen Himmels sondergleichen (Pia F. Cuneo 1998). Begründend analog zur neueren Literatur unter Ausschluß von selbst noch Wolfgang Schöne (1983) hiesigerseits dessen Sonne als unter-, nicht aufgehend. Der eine orientalische siegreiche Sonne des expressionistischen Urgesteins Franz Heckendorf gegenüberstellen zu können der Zufall händlerischen Lagers ermöglichte.

Herstellungsmäßig präsentiert das eine wie das andere schließlich mit der verstohlenen Einladung zu streichelnder Papierberührung.

Das Heldentum des Autors ist auf den Mut im Alltag beschränkt. Dem zwangsweisen Schulabbruch im nachkriegsdeutschen Ulbricht-Staat im Rahmen obrigkeitlicher Säuberungsaktion gegen junge Christen folgte kurz darauf die Jetzt-auf-Gleich-Flucht ins freiheitliche West-Berlin, nachdem – dankbar unvergessen geblieben – derselbe lokale Parteimatador der zwangsvereinigten Roten, der besagte Aktion befehlsgemäß mitbetrieben hatte, die Familie sibyllinisch hatte wissen lassen, daß reisen Jugend gut tun solle. Vier Wochen später entlud sich dann im 17. Juni all das, was eine abgehobene Mandatsträgerschicht glaubte, dem Volke folgenlos Stein für Stein auferlegen zu können. Für den Autor aber tat sich ein neues weites Feld auf, dem er ein Leben lang verhaftet blieb.

Der Herausgeber, väterlicherseits gegent vom Bedürfnis nach Meer und horizonttiefer Weite, fuhr einige Jahre zur See, bis auch er den Beruf des Antiquars von der Pike auf erlernte, bevor er sich seinerseits mit Ausguck Marine selbständig machte, ohne indes häuslichem Faible als dem Dunstkreis seines Heranwachsens geistig Lebewohl zu sagen. Was anstehendes Buch, wie schon zwei frühere, ebenfalls bezeugt.

Und so widmen Autor wie Herausgeber dieses Buch gemeinsam dem Gedenken ihres Groß- und Urgroßvaters Magnus Welchert. Oldenburggebürtig erst Zeitungsverleger, dann Kumpel unter Tage, verstorben zu Castrop-Rauxel 1923. Buch Daniel 11, 4 läßt grüßen. Wes Ebene immer es sei.

2022. 30 × 21,5 cm. 148 SS.
Mit 71 (39 farb., 16 dblgr. + 4 ganzseit.) Abbildungen sowie 9 Vignetten.
Kaschierter OPp.-Bd. in Fadenbindung. – Druck auf 200 g Fotobrillant-Papier.

ISBN 978-3-7557-5491-6 | € 78.—
oder als e-book – ISBN 978-3-7557-7176-0 – € 24.99