English

Wundervolle Hommage
auf die Schabkunst

Christoffel, Ulrich. Meisterwerke englischer Schabkunst von 1757 bis 1833. Hundert Gravüren. Mit einleitendem Text und ausführlichem Verzeichnis. München, Franz Hanfstaengl, 1922. Imp.-Fol. (52 × 38 × 5 cm [20½ × 15 × 2 in]). 2 w. Bll., XV SS., 1 w. Bl. Mit von künstler-/titelbedruckten beigefarbenen Deckblättern geschützten

100 Heliogravüren (frz. Photogravuren)

als eines inneren Vorbeimarschs großer , mittlerer und kleiner Namen ,
gewährend die Gesamtschau .

Grüner Maroquin-Bd. d. Zt. a. 6 Bünden mit goldgepr. Rückentitel und 2fachen Rückenfileten, 4- und 2fachen Deckelfileten für Randkanten und Mittelteil sowie 2 Innenkanten-Fileten. (K[arl] Ebert München.)

Christoffel, Meisterwerke englischer Schabkunst 1757-1833

Nr. 3/140 Exemplaren der Vorzugsausgabe (einmalige Gesamtauflage 300 Explre.) auf eigens gefertigtem unbeschnittenen Bütten für die Gravüren, im Oberrand mit Wz. Van Gelder Zonen, im Unterrand mit dem des Verlages. Und im Gegensatz zur egalitär für Vorzugs- + Ordinär-Exemplare geradezu popeligen nur Halbleder-Bindung des Verlags hier im

adäquat schweren Meister-Einband Karl Ebert’s

(gesamthaft gut 8 Kilo und damit drei mehr als per Verlagsbindung), wie allein einer Edition dieses Anspruchs gerecht werdend.

Die photographischen Aufnahmen nach den Originalen des Britischen Museums in London , die Gravüren in der Technischen Anstalt des Verlags gefertigt.

Schabkunst — ermöglichend nur etwa „50 oder 60 saubere Abdrucke. Hernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet.“ So der Praktiker von Sandrart 1675. Entsprechend ihre Seltenheit, wie schon 1856 seitens des Werkbearbeiters Thienemann für die Ridinger’schen konstatiert:

„ sämmtlich(s) … so selten , dass sie fast nur in einigen öffentlichen , grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind . Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … “ .

Erfunden wurde sie 1642 in Amsterdam von Ludwig von Siegen (Utrecht 1609 – Wolfenbüttel 1680), der 1654 den Prinzen Ruprecht von der Pfalz, den Sohn des Winterkönigs, einweihte, der wiederum

„ den niederl. Stecher Wallerant Vaillant (1623-77) zuzog. Vaillant und im besonderen Abraham Bloeteling (Amsterdam 1634-87; 1672-78 in London, ‚wo sein Einfluß von Bedeutung für die Verbreitung der Schabkunst in England wurde‘ [Christoffel]) haben die Technik vervollständigt und in Holland heimisch gemacht, während sie in Deutschland durch den Mainzer Domherrn Theodor Kaspar von Fürstenberg (1615-77) bekannt und allmählich durch Augsburger u. Nürnberger Werkstätten weiter verbreitet wurde.

„ Die Hauptpflegestätte der Sch. im 18. Jhdt. war England. Sie entwickelte sich hier in der Wiedergabe der Werke der großen engl. Maler Reynolds, Gainsborough, Romney, Hoppner und Morland zu einer Art nationaler Kunst. Übermittelt auch durch den Prinzen Ruprecht, hat sie in den Händen ausgezeichneter Stecher wie John Smith, James Mac Ardell, Valentine Green und John Raphael Smith (1732-1802), dem bedeutendsten Meister der Sch. ihre höchste Vollendung erreicht … Auch für den Farbstich hat die Sch. Bedeutung erlangt “

(Erich von Rath in Löffler-Kirchner, Lexikon des Gesamten Buchwesens, III [1937], 202). Und die

 Heliogravüre ist ein 1878 von dem Wiener Maler Karl Klič erfundenes Verfahren zur Herstellung von Ätzungen auf Kupferplatten für den Tiefdruck. Die H. ist ein Handpressenkupferdruck, der auf photograph. Grundlage entsteht … Kennzeichnend für die H. ist die Weichheit und Wärme der Farbtöne sowie der Eindruck des Plattenrandes, der die Verbindung zum Kupferstich schafft. Die H. spielte in der Buchill. der Jahre 1890-1910 eine sehr bedeutende Rolle, sie war geradezu kennzeichnend für die

einfarbige Illustrierung kostbarer , prunkvoller und hochwertiger Bücher ,

besonders von Werken die in kleiner Auflage gedruckt wurden. Da sie teuer war, wurde sie später vom maschinellen Tiefdruck oder Lichtdruck immer mehr verdrängt … “

(Wilhelm Olbrich in Löffler-Kirchner wie vor, Bd. I [1936], Seite 80).

Und  unübertroffen  trifft  diese  Weichheit  und  Wärme  des  Tons  den der Schabkunst, als ruhte das Auge auf einem deren Originale. Das Buch aufschlagen und gefangengenommen sein von der allen Stress von sich streifenden Schönheit der Bilder ist eins. Wobei die von der Schabkunst gern aufgegriffenen Porträts zwar dominieren, aber auch jenseits deren großen Namen das Auge nicht ablenken, verführt bald von aufmerkenlassendem Hintergrund oder, meist und mehr noch, von der ganzen Faszination der ihre Ruhe übertragenden sprichwörtlichen englischen Parklandschaft.

„ Der ganze Stolz und längst unbestrittene Ruhm der englischen Bildniskunst sind aber die großen, zeremoniellen Bildnisse der hochgeborenen Ladies. Die Hoheit und Würde der Haltung werden seltsam umspielt von einem Reiz der Anmut und Unschuld, den wiederzugeben alle Maler wetteifern. Selten erscheinen diese Damen anders als auf einem Spaziergange in ihren Parks, inmitten schlank gewachsener Bäume, die sich über die sanften Gestalten neigen, und hingegeben der träumerischen Stimmung der dunstigen Landschaft.

Alle die Stimmungsmomente der weiblichen Empfindung

und der malerischen Landschaft

kann die Schabkunst beinahe besser herausarbeiten als vielleicht die Malerei .

„ Ganz ungewöhnlich ist auch, daß die vornehmen Damen meist in ganzer Figur, sogar öfters stehend und schreitend als sitzend, dargestellt sind und daß hier die künstlerische Schwierigkeit, eine menschliche Figur richtig proportioniert und natürlich in den Raum zu stellen, nicht nur spielend überwunden,

sondern geradezu als Bereicherung der Aufgabe bedingt wird .

„ Reynolds erweist sich auch auf diesem Gebiet dank der Beweglichkeit seiner Phantasie und des unerschöpflichen Reichtums an Einfällen als

die erste Kraft des englischen Porträts “

(Christoffel innert Die Auffassung der Englischen Bildniskunst des 18. Jahrhunderts, Seite IX/I).

Eigens herausgepickt seien aber auch George Morland’s Pferdestall + Abend in Leicestershire, Copley’s Rt. Hon. Henry Addington, Gainsborough’s ruhmreicher Admiral George Lord Rodney, Zoffany’s Royal Academy + Der Träger mit dem Hasen, Reynold’s Kapitän Robert Haldane als Aufgalopp, schlachtensprengender Marschall John Lord Ligonier + die Seehelden Samuel Hood, Lord der Admiralität, + Captain John Lockhart, Wright’s Schmiede-Werkstatt + Ein Gelehrter erklärt das Planetarium, Northcote’s Falkenier, Hoppner’s Nelson, Hogarth’s Marriage à la Mode II.

100 mal von geistiger Regsamkeit begleitete Augenweide. Verteilt auf 24 Maler mit Reynolds (43) + John Hoppner (14) als Spitzenreitern und 32 Schabmeistern, darunter crème de la crème wie Richard Earlom (4), Valentine Green (11), John Raphael Smith (13), William Ward (2) + James Ward (4).

Und das alles auf diesem herrlich großen, unbeschnittenen und makellos frischen Van Gelder bei bildentsprechend unterschiedlicher, aber immer 1-A-Breitrandigkeit und praktisch perfekter Erhaltung. Zu nennen nur das Eselsohr in der rechten Unterecke des vorderen weißen Vorsatzes und der beiden folgenden weißen Blätter und ein kleiner Braunfleck rechtsaußen im weißen Unterrand von Tafel 29 als der zauberhaften Lady Compton von Green nach Reynolds. Der souveräne Einband mit ganz wenigen kleinen Schabstellen.

Und so denn also ein Stück welches. Bis hin zum Leder in seiner Weichheit und Wärme, analog zu den Gravüren, zur Schabkunst. Und damit in fühlbarem Abstand zum nur Halbleder der Verlagsbindung, die solches Bedürfnis nicht zu erfüllen vermag. In der Härte und Kälte ihrer Deckelbezüge. Und hier gar die

Nr. 3 (!) in dickster Nähe zur Leidenschaft des Dr. Stinnes

als des berühmten Fürsten der Nr. 1

… drum haben , woran’s den andern mangelt

Angebots-Nr. 16.242 / Preis auf Anfrage


“ Thank you Mr. Niemeyer, The prints (you have delivered two weeks ago) are being framed right now. My framer is very particular (works for the National Gallery … ) and I am having a perfect frame made for the large Ridinger (the imperial stag hunt Th. 67). Best regards ”

(Mr. J. R. L., November 19, 2003)