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Wilhelm von Kobell, Hufbeschlag

Reichskunstwart und Wouwerman lassen grüßen

Kobell, Wilhelm von (Mannheim 1766 – München 1853). Der Hufbeschlag. Skizze des mit linkem Hinterfuß beschäftigten Meisters, indes sich die Halter von Roß und Bein unterhalten und der seitwärts liegende Hund etwas wahrzunehmen scheint. Bister-Federzeichnung. 180 × 257 mm (7⅛ × 10⅛ in).

Über die eigentliche Skizze (80 × 135 mm [3⅛ × 5¼ in]) hinaus blattfüllend mit schwachem Bleistift vielfältig, gleichwohl, da themennah, nicht chaotisch durchskizziert, wie nicht ganz ungeläufig, doch längst nicht die Regel. Siehe etwa die zeichnerische Studie für die 1835er Aquatinta Die Herberge nach Nic. Berchem, in der der Pferdegruppe nicht nur Wirt, Liebespaar und Hühner beigesellt sind, sondern auch sieben aquatintafremde Schießübungen. Hier denn links der Beschlag-Scene ein Zweiergespann, rechts eine wäscheaufhängende Frau, vielleicht mit einem Wäschekarren, dem zwei kleine Räder zugeordnet werden könnten, indes darunter ein großes Rad skizziert ist. Mittig innert weiterer Strichelungen trägt ein Mann eine Last durch einen Bogengang, doch könnte apropos Räder auch an eine hochgeschlossene Kutsche Wouwermans gedacht werden, der Beschäftigung mit letzterem zweifellos die Schmiede-Scene geschuldet ist, siehe unten. Weitere Strichelungen als Füllsel des Oberfeldes.

Unten rechts in Bleistift 166 / Kobell seitens Edwin Redlobs, s. u., womit dieser den Vater Ferdinand Kobell (Mannheim 1740 – München 1799) anspricht. So denn an gleicher Stelle des Untersatzkartons in Bleistift selbiger Hand Ferd. Kobell. Neben dieser Zeichnung trug der Karton noch die hiesigen Kobell-Zeichnungen Der bei seinem Pferd am Baum abgesessene Reiter und Stehendes Pferd mit Kummet nach rechts.

Ausgehend von anstehender Arbeit kann den Zuweisungen an den Vater hiesigerseits nicht gefolgt werden und ist vielmehr an die Hand Wilhelms als – so Helmut Tenner – des bedeutendsten der aus Mannheim hervorgegangenen Maler und Kupferstecher zu denken. Und hier in Zusammenhang mit dessen Arbeiten in Öl, Zeichnung und Graphik nach Philips Wouwerman (1619 Haarlem 1668), belegt schon für 1787 als gerade 21jährigem und Favorit geblieben bis in die 1790er, folgend früher väterlicher Wegweisung.

„ Die eigene Erziehung in holländ. Routine übertrug (Vater Ferdinand) auf den Sohn, obwohl er selber in den maßgebenden Jahren (um 1788) schon darüber hinausgewachsen war. Infolgedessen macht das Frühwerk von Wilhelm K. gegenüber dem des Vaters fast einen rückschrittlichen Eindruck, und seine Entwicklung vollzog sich sehr langsam; volle Selbständigkeit erreichte er eigentlich erst mit 40 Jahren. Allerdings war die Art

seiner Aufnahme der großen Holländer des 17. Jahrh. ungewöhnlich kraftvoll .

Seine Werke sind bis in die 90er Jahre malerisch geschickte Anempfindungen an (vornehmlich) Wouwerman, Berchem u. Roos … “ (P. F. Schmidt in Thieme-Becker XXI [1927], 54 ff.). Und

„ Wilhelm Kobell ist für unsere Betrachtung der interessanteste (aus der Familie von Vater, Onkel Franz + Bruder Egid) … Wir beobachteten bereits … wie am Ende des Rokoko (etwa 1770/80) Wouwerman aus der Mode kam … Wilhelm Kobell stand gerade in dieser Übergangszeit. “

Seine hiesige Hufbeschlag-Skizze in Harmonie zu den diesbezüglichen Ölen bei Wouwerman.

Mit prächtigem, ganz komplettem, breit von ornamentaler Kette mit Wappenschilden eingefaßtem

Basler Stab mit Schifferstachel

Wz. Basler Stab mit Schifferstachel

(13,5 × 10 cm [5¼ × 4 in]) mittig am Oberrand, vergleichbar den etwa gleichgroßen Tschudin 324 (Heusler 1764), 329 (ebda. 1799), 338 (Düring 1787) + 362 (Strampfer & Heusler 1771), doch als Marke einer offenbar außerhalb Basels betriebenen Mühle nicht bei Tschudin („… with the exception of watermarks showing the Crozier of Basle but did not originate from Basle paper mills“). Fehlend ansonsten auch bei Heawood.

Aus Vorbesitz Edwin Redslobs (Weimar 1884 – Berlin 1973) als des

durchaus legendär zu nennenden ersten und einzigen deutschen Reichskunstwarts

(1920-1933) während der Weimarer Republik und damit

„ für die künstlerische Formgebung des Reichs, d. h. für alle staatlichen Kunst- und Kulturfragen des Deutschen Reiches, zuständig … Dazu gehörten Entscheidungen über staatliche Symbole wie Staatswappen, Münzen, Geldscheine, Briefmarken, Fahnen und Auszeichnungen, etwa den Adlerschild des Deutschen Reiches. Zu seinem Amt gehörte auch die Organisation von Ausstellungen und Staatsfeiern, so z. B. die künstlerische Gestaltung der Verfassungstage und der Trauerfeier für den 1922 ermordeten Außenminister Rathenau im Reichstag … “ (dt. Wikipedia Juli 2018).

Ein auf Redslob geradezu zugeschnittener Karriereabschnitt, nachdem er, 24jährig, 1912 zum bis dahin jüngsten deutschen Museumsdirektor (Erfurt) avanciert war, dem 1919 die Leitung der Stuttgarter Staatsgalerie und am 1. September 1920 parallel zum Reichskunstwart die Ernennung zum Generaldirektor aller württembergischen Museen folgte. Im Sommer 1945 wurde Redslob Mitgründer, Lizenzträger und Herausgeber der Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel, 1948 Mitinitiator zur Gründung der Freien Universität Berlin, deren Rektor er 1949/50 war. (Alles nach Wikipedia wie vor.)

Von dessen Hand also 166 / Kobell auf hiesiger Zeichnung und ergänzend Ferd. Kobell auf besagtem Gemeinschafts-Untersatzkarton, letzteres in Wilhelm umzuverifizieren hier geboten erschien.

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  1. Gœdl-Roth, W. v. K., Druckgraphik, 1974, Nr. 140, Abb. S. 128.
  2. à la Wouwermanscher Karren wie etwa Schumacher, Ph. W. The Horse Painter of the Golden Age, 2006, Bd. II, Abb. 410, 431, 436 f., 440.
  3. Siehe solche bei Birgit Schumacher, a. a. O., II, Abb. 7, 174, 250, 364.
  4. Helmut Tenner, Mannheimer Kunstsammler und Kunsthändler bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, 1966, S. 87.
  5. Gœdl-Roth, a. a. O., S. 160: „Sept. 1787 / Reise nach Trier; Kobell kopiert … Berchem und Wouwerman für den Baron Fritz“ betreffend des letzteren 1649er Öl Schumacher A350 nebst Abb. II, 321, Landmann einen Reiter grüßend, mit Verweis aber nur auf K.s diesbezügliche Zeichnung (ebda. II, Abb. 322) und seine zwei Aquatinten (G.-R. 78 f. nebst deren Abbildungen S. 92).
  6. Johannes Jahn, Wörterbuch der Kunst, 5. Aufl., 1957, S. 584.
  7. Horst Gerson, Ausbreitung und Nachwirkung der holländ. Malerei des 17. Jhdts., 2. Aufl., 1983, SS. 331 + 338.
  8. Siehe Schumacher, a. a. O., A21-A42 nebst Farbtafeln + s/w-Abbildungen und für die ausgeschiedenen C3-C18.
  9. W. Fr. Tschudin, The Ancient Paper-Mills of Basle and their Marks, 1958.
  10. Edward Heawood, Watermarks mainly of the 17th and 18th Centuries, 1950.

„ Ich wollte mich sehr bedanken, das Dokument ist tadellos und sicher gestern angekommen. Ich wollte Ihnen auch fragen wie es möglich wäre andere ähnliche antiquarische … Dokumente zu finden. Ich freue mich auf Ihre Antwort “

(Mr. L. M., October 13, 2010)