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Wilhelm von Kobell, Stehendes Pferd mit Kummet

Kobell, Wilhelm von (Mannheim 1766 – München 1853). Stehendes Pferd mit Kummet nach rechts. In schwächerer Ausführung rechts davon ein weiteres, prägnant nur mit dem Kopf in Sauf-/Freßhaltung als allein interessierend. Bleistift-Zeichnung. 120 × 160 mm (4¾ × 6¼ in).

Auf bräunlichem gröberen, gleichwohl leichtem Bütten mit typograph. Wz. – Kleiner alter Ausriß im weißen Randfeld oben rechts.

Entstanden mit Kobells Wiedergaben nach Philips Wouwerman (1619 Haarlem 1668) in Öl, Zeichnung und Graphik und bezüglich des Rechtsaußen-Kopfes hier an vielfältige Wouwermansche Vorgaben anknüpfend. Siehe etwa Schumacher, Philips Wouwerman. The Horse Painter of the Golden Age, 2006, Abbildungen 44, 48-52, 56/7, 64-69, 312/3, 327, 357 etc. Und für das Stehende Pferd … vgl. Kobells Radierung Gœdl-Roth, W. v. K., Druckgraphik, 1974, Nr. 53 nebst Abbildung.

Von Edwin Redslob, s. u., als von der Hand des Vaters, Ferdinand Kobell (Mannheim 1740 – München 1799), stammend gehalten – so dessen hs. Bezeichnung auf dem Gemeinschafts-Untersatzkarton dreier Kobell-Zeichnungen – , gehört die Arbeit nach hiesiger Einschätzung ins Œuvre des Sohnes Wilhelm als schon 1787 als gerade 21jähriger mit einer Wouwermanschen Öl-Kopie für Baron Fritz in Trier beschäftigt gewesen und dessen Werk als Favorit bis in die 1790er verpflichtet geblieben, dabei durchaus früher väterlicher Wegweisung folgend.

„ Die eigene Erziehung in holländ. Routine übertrug (Vater Ferdinand) auf den Sohn, obwohl er selber in den maßgebenden Jahren (um 1788) schon darüber hinausgewachsen war. Infolgedessen macht das Frühwerk von Wilhelm K. gegenüber dem des Vaters fast einen rückschrittlichen Eindruck, und seine Entwicklung vollzog sich sehr langsam; volle Selbständigkeit erreichte er eigentlich erst mit 40 Jahren. Allerdings war die Art

seiner Aufnahme der großen Holländer des 17. Jahrh. ungewöhnlich kraftvoll.

Seine Werke sind bis in die 90er Jahre malerisch geschickte Anempfindungen an (vornehmlich) Wouwerman, Berchem u. Roos … “ (P. F. Schmidt in Thieme-Becker XXI [1927], 54 ff.). Und

„ Wilhelm Kobell ist für unsere Betrachtung der interessanteste (aus der Familie von Vater, Onkel Franz + Bruder Egid) … Wir beobachteten bereits … wie am Ende des Rokoko (etwa 1770/80) Wouwerman aus der Mode kam … Wilhelm Kobell stand gerade in dieser Übergangszeit. “

Aus Vorbesitz Edwin Redslobs (Weimar 1884 – Berlin 1973) als des

durchaus legendär zu nennenden ersten und einzigen deutschen Reichskunstwarts

(1920-1933) während der Weimarer Republik und damit

„ für die künstlerische Formgebung des Reichs, d. h. für alle staatlichen Kunst- und Kulturfragen des Deutschen Reiches, zuständig … Dazu gehörten Entscheidungen über staatliche Symbole wie Staatswappen, Münzen, Geldscheine, Briefmarken, Fahnen und Auszeichnungen, etwa den Adlerschild des Deutschen Reiches. Zu seinem Amt gehörte auch die Organisation von Ausstellungen und Staatsfeiern, so z. B. die künstlerische Gestaltung der Verfassungstage und der Trauerfeier für den 1922 ermordeten Außenminister Rathenau im Reichstag … “ (dt. Wikipedia Juli 2018).

Ein auf Redslob geradezu zugeschnittener Karriereabschnitt, nachdem er, 24jährig, 1912 zum bis dahin jüngsten deutschen Museumsdirektor (Erfurt) avanciert war, dem 1919 die Leitung der Stuttgarter Staatsgalerie und am 1. September 1920 parallel zum Reichskunstwart die Ernennung zum Generaldirektor aller württembergischen Museen folgte. Im Sommer 1945 wurde Redslob Mitgründer, Lizenzträger und Herausgeber der Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel, 1948 Mitinitiator zur Gründung der Freien Universität Berlin, deren Rektor er 1949/50 war. (Alles nach Wikipedia wie vor.)

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  1. Johannes Jahn, Wörterbuch der Kunst, 5. Aufl., 1957, S. 584.
  2. Horst Gerson, Ausbreitung und Nachwirkung der holländ. Malerei des 17. Jhdts., 2. Aufl., 1983, SS. 331 + 338.

„ vielen Dank für die schnelle und unkomplizierte Lieferung “

(Herr H.-G. S., 27. August 2008)