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Jagdlappen Johann Reinhards (III) Fürst von Hanau-Lichtenberg, Vorderseite
Jagdlappen von 1700 (Vorderseite)

Wo Christenvölker vor dem Türken zittern, möge auch das Wild ihn schreckend meiden

Jagdlappen Johann Reinhards (III) Fürst zu Hanau-Lichtenberg (Bischofsheim 1665 – Hanau 1736, Graf, seit 1696 Fürst von H.-L., verheiratet mit Dorothea Friderike von Brandenburg-Ansbach) mit dem furchteinflößenden Brustbild eines schwarzen Türkengesichts unter mächtigem rotbraunen Turban mit stilisierter doppelter Reiherfeder (Großwesir-Symbol) in Schwarz auf der Rück- und Wappenschild mit schwarzem Löwen unter 5zackiger Adelskrone und dem Monogramm JRCDHL (Johann Reinhard Comes/Comte de Hanau Lichtenberg) auf der Vorderseite. Hand-Zeugdruck in Rotbraun + Schwarz. Beidseits in Schwarz bzw. Rotbraun datiert mit 1700. 68 x 41 cm an offensichtlich originaler 99,5 cm langer dicker Kordel.

Zeithistorischer Superlativ ersten Ranges

unter Bezugnahme auf die seit 1591 (Eindringen des Paschas von Bosnien in Kroatien) währende Bedrohung des Abendlandes durch die Türken als Auslöser auch der namentlich in Österreich erhobenen Türkensteuern und bei insbesondere brandfrischer Erinnerung an deren jüngsten Ansturm von 1683 (7wöchige Belagerung Wiens als bleibendem Schockbeben) bis 1699, überliefert nicht zuletzt in mütterlichen Warnungen und eben auch

in  Jagdlappen

als  solchermaßen  psychologisch  importantem  Zeugnis

menschlichen  Denkens  im  Barock

fußend auf der simplen Übertragung eigener Ängste auf das Wild, was kulturhistorisch umso bemerkenswerter ist, als erst 1715 mit Malebranche jenes letzte cartesianische Relikt aus der Welt schied, das dem Tier nur ein „rein automatenhaftes Maschinendasein“ zuschrieb (Ernst von Aster). Hier denn also der tief nach Mitteleuropa hinein wirksame menschliche Türkenschreck als ebenso probat gesehene Wildscheuche des Jagdzeugs als

„ im engern Sinn die zur Herrichtung von eingestellten (umstellten) Jagen nötigen Tücher, Netze und Lappen. Man unterscheidet: 1) Blendzeuge, welche den Zweck haben, das Wild zurückzuscheuchen; dahin gehören … b) Tuchlappen, bestehend aus etwa ½ m im Quadrat großen Lappen von starker grauer Leinwand, welche in etwa 1 m Abstand an einer 150 Schritt langen, fingerstarken Leine oben festgenäht und auf denen

der  Namenszug  des  Jagdherrn ,

Jagdlappen Johann Reinhards (III) Fürst von Hanau-Lichtenberg, Rückseite
Jagdlappen von 1700 (Rückseite)

oft  auch  das  Jahr  der  Anfertigung

(wie beides denn hier) angebracht sind … Man richtet diese Lappen möglichst frei, damit sie schon von weitem vom Wild gewahrt werden, auf den Linien, über welche dasselbe nicht fortfliehen soll … Besonders bei windigem Wetter läßt sich das Wild durch die hin= und herwehenden Lappen scheuchen, wird dasselbe aber stark beunruhigt, so respektiert es diese nicht mehr … Das J(agdzeug) muß nach jedesmahligem Gebrauch gut getrocknet und ausgebessert werden. Man bewahrt dasselbe in besondern Jagdzeughäusern auf, welche so eingerichtet sind, daß stets genügender Luftzug hergestellt werden kann, damit das Zeug nicht stockt … “

(Meyers Konvers.-Lex., 4. Aufl., IX [1889], 127 f.).

Der Erhaltungszustand ist unter Würdigung

des Nutzungszwecks des Stückes ,

sprich , seines Wild-Pedigrees ,

unbeschadet etlicher dünner Stellen bei aber nur vereinzelten, kaum nennenswerten Löchlein und sich im Rahmen haltender Farbabreibungen überwiegend nur im Wappen-Löwen ein sehr guter und damit zugleich beispielhaft für ordnungsgemäße Verwahrung über die Zeitläufte im obigen Sinne. Die Kordelheftung hälftig erneuert. – Siehe auch die ausführliche Beschreibung.

Angebots-Nr. 16.097 / EUR  1700. / export price EUR  1615. (c. US$ 1952.) + Versand


“ Beautiful Rugendas colour print arrived! Thanks very much for keeping me informed. Best regards ”

(Mr. J. R. L., June 11, 2004)

 

Die  Auslese  des  Tages