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Johann Elias Ridinger, Das Rehe blatten!

Das Rehe blatten!

» Man nimt von Bircken rinden die äussere Schale
machet darauf einen zweÿ stimigen ruff
wie die Rücke wan Sie vor Ihre Junge besorget ist … «

Das Rehe blatten! oder Wie die Rehe aufs blatt geschossen Werden. Zur Rechten am Beginn einer abschüssigen Bahn macht der Bock den Todessprung, blickt die hinter ihm stehende Ricke erstaunt auf. Links im Gebüsch unter einem Baum der Jäger nebst blattendem Gehilfen, bei skizzierter Schußlinie ( sic! ) das Gewehr noch im Anschlag haltend. Waldstaffage, vorn rechts unterhalb der Rehe Wasserstelle mit hineingesunkenem toten Baumstamm. Lavierte Bister-Feder-Zeichnung von Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Auf dem rückseits montierten Untertext in brauner Feder bezeichnet Johan(n) Elias Ridinger inv. et del: 1758 —., ansonsten wie vor und unten. 214 × 361 mm (8⅜ × 14¼ in).

Ausstellung: Schöne Beute – Bilder von der Jagd (Dr.-Hanns-Simon-Stiftung Bitburg, 13. Januar – 3. März 2013) nebst Katalogbuch zur Ausstellung mit farbiger doppelblattgroßer Detail-Abbildung auf Innen-Deckeln + Vorsatz sowie nochmals farbig Seite 43 + textlich Seite 148/II.

Die  Jagd  mit  dem  Lockruf

als  thematisch  die  Fangarten  komplementierende

großformatige , nicht  im  Stich  ausgeführte  Zeichnung ,

denen sie auch in den reinen Bildmaßen entspricht und gleich jenen mit hier 6zeiliger jagdtechnischer Erläuterung zur Jagd mittels Rehblatt:

Johann Elias Ridinger, Das Rehe blatten!

„ Man nimt von Bircken rinden die äussere Schale machet darauf einen zweÿ stimigen ruff wie die Rücke wan Sie vor Ihre Junge / besorget ist, nur das der ruff recht ferne und rein seÿe, da man(n) sich nun an einem solchen orthe anstellet wo sich Rehe böcke aufhalten / so werden Sie sich bald einfinden, besonders wan(n) der Bock keine Rücke beÿ sich hatt, es mus aber der Jaeger sehr fertig zum Schuss / seÿn weil Sie sich schnell wenden und wan(n) Sie das geringste mercken oder wind bekom(m)en durchgehen es ist also nöthig das man(n) den / anstand unter dem wind nehme apffel buchen und birn blaetter können auch zu dem ruff genom(m)en werden doch ist die bürcken / Schale die beste. “

Unbeschadet der thematischen wie textlichen Nähe sowohl zu den Fangarten von 1750 wie auch der rund 30 Jahre früheren Fürstenlust befand sich die Zeichnung offensichtlich nicht im mit ca. 1849 Blättern außerordentlich umfangreichen zeichnerischen Nachlaß, den 1830 J. A. G. Weigel in Leipzig übernahm und erweiterte. Vgl. hierzu sowohl Thienemann SS. 271 ff. als auch Weigels Nachlaßkatalog, Catalog einer Sammlung von Original-Handzeichnungen, SS. 181-231 (1869). Nicht nachweisbar aber auch in anderen renommierten Zeichnungsbeständen.

An der feinen Bister-Einfassungslinie geschnitten und alt, möglicherweise durchaus schon zeitgenössisch, auf Linienpapier mit grün getuschter, nach innen und außen von feinen Linien in Bister gefaßter Paspelierung montiert. Die Zeichnung zusätzlich von schmalem Goldpapierstreifen gefaßt. Das Ganze wiederum alt auf mehrfach gegenkaschiertes Linienpapier montiert, dessen Rand schwarz getuscht ist. Die rückseits montierte Signatur – ganz oben links am Papierrand, ursprünglich also links direkt unterhalb der Einfassungslinie – nebst Untertext bei nur einfacher Montage unter Hinzufügung einer weiteren Schwarz- und Fortlassung der Goldfassung gleichartig paspeliert. Im Paspelierungsbereich drei von Rückseits kommende Wurmgänge, sowie eine zarte, wenig bemerkbare Spur nur vorn in Bildmitte. Eine montagebedingte gleichmäßige Bräunung beeinträchtigt weniger die Bildwirkung als daß sie ihr vielmehr eine sehr schöne authentische Patina verleiht. Kurz,

eine  zu  herausragender  Präsentation  aufbereitete ,

Ridinger’s  Wertschätzung  dokumentierende  Zeichnung ,

die  zudem  nicht  als  Radierung  allgegenwärtig  wurde .

Und  dazu  ein  für  Ridinger

jagdtechnisches  Fast-Unikat  von  zugleich  optischem  Glanz

als späte Erfüllung schließlich auch der von ihm selbst 30 Jahre zuvor im Vorwort zur Fürsten-Jagdlust erklärten Intention,

„ alle Arten und Manieren des Jagens zu weisen … “

Angebots-Nr. 29.057 / Preis auf Anfrage


“ I am curious as to the history of this (original Ridinger printing) plate (I just bought) and the others you have offered. Did you purchase them from the Ridinger estate (indirectly, indeed) or a private collector? These are truly rare one of a kind pieces ”

(Mr. L. A. F., October 28, 2003)

 

Die  Auslese  des  Tages