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„ eine vielleicht vielen befremdliche Cur=Art dem gewissen Tode des Kranken vorziehen “

Mandat (Friedrich August’s, Herzog zu Sachsen), die wider das Herumlaufen und die Wuth der Hunde vorzukehrenden Anstalten betreffend. Nebst den Beilagen „Ursachen der Wuth der Hunde, und die Kennzeichen solcher Wuth“ sowie „Anweisung wie man sich bey dem Bisse toller Hunde zu verhalten habe und dessen traurigen Folgen vorbeugen könne“. Gegeben Dresden 7. Sept. 1782. Dresden, Chur-Fürstl. Sächs. Hof-Buchdruckerey, (1782). 2° (34,8 × 21 cm [13¾ × 8¼ in]). Mit Eingangs- + Schluß-Vignette in Holzschnitt. 12 Bll. Mit gedruckter hzgl. Unterschrift nebst „L(oco) S(igilli)“-Marke und ebensolchen Gegenzeichnungen George Wilhelm v. Hopffgarten’s sowie des Sekretärs Chr. Gottlieb Kretzschmar. Geheftet. Unbeschnitten.

Aktenvermerk „Nom: 13.“ von alter Hand auf Titel. – Namentlich der Hauptteil in schöner, großer Typographie. – Breitrandig.

Außerordentlich inhaltsreiche Verordnung

zu Bekämpfung + Heilung der Tollwut ,

beginnend mit der Verminderung der überhaupt gehaltenen Zahl Hunde und „insonderheit auch die Hausbesitzere anzuweisen, daß sie denen bey ihnen wohnenden unbemittelten Leuten das Halten der Hunde, in soferne sie nicht derselben bey Ausübung ihrer Profeßion oder Hanthierung unumgänglich benöthiget sind, nicht gestatten, und, falls, dieselben die Hunde abzuschaffen sich verweigern, der Obrigkeit davon Anzeige thun sollen“. Ebenso sollen zweimal jährlich streunende Hunde eingefangen und – gleich den tollwütigen – nach vierundzwanzigstündiger Verwahrung, so sie nicht von ihren Eigentümern abgeholt wurden, totgeschlagen werden. Auch sollen Bauern, Kutscher, Fleischer und andere Hunde allenfalls „unter den Wagen angebunden“ mit in die Stadt bringen wie überhaupt in Stadt und Land Hunde nicht frei herumlaufen zu lassen sind, sondern an der Kette zu halten, mit Klöppeln zu behängen oder am Strick zu führen sind. Wird indes ein toller Hund vermeldet, sind alle anderen solange einzusperren, bis die Gefahr vorüber ist. Aber

Mandat Friedrich Augusts von Sachsen Wider Herumlaufen der Hunde + Tollwut

„ Um den Ausbruch einer Wuth bey den Hunden möglichst zu verhindern, und den traurigen Folgen, welche der Biß toller Hunde nach sich ziehet, auf nur immer thunlichste Weise vorzubeugen, soll allen Hunden, ohne Ausnahme,

der sogenannte Toll=Wurm geschnitten … werden . “

Wofür durch die Stadträte Personen zu bestellen sind, „welche, den Toll-Wurm zu schneiden, gnugsame Gechicklichkeit besitzen (und) erhalten dieselben für jeden Hund … er sey groß oder klein, in Städten Zweene Groschen, und auf dem Lande Einen Groschen“. Für die Bestätigung aber „in Städten Einen Groschen, und auf dem Lande Sechs Pfennige“. Im übrigen aber auch anordnend, daß in Apotheken, aber auch andernorts, stets ein ausreichender Vorrat „aus Mäy-Würmern zubereitete(r) Artzney“ gehalten werde.

„ Über das Wesen des die Tollwut verursachenden Agens herrschten die verworrensten Vorstellungen … Auch der bei Fleischfressern unter der Zunge vorhandene Bindegewebsstrang, der als ‚Tollwurm‘ bezeichnet wurde, sollte für die Entstehung der Krankheit für die Entstehung der Krankheit bei diesen Tieren verantwortlich sein. In vielen Landesteilen wurde es daher den Hundehaltern durch Verordnungen zur Pflicht gemacht, den ‚Tollwurm‘ ihres Hundes entfernen zu lassen …

„ Bereits Gracius Faliscus, ein Zeitgenosse Ovids († 18 n. Chr.), erzählte schon die Fabel von dem Wurm unter der Zunge als Ursache der Wut, die dann durch Pliniusn (23-79 n. Chr.) in seinen Naturgeschichten verbreitet worden ist – zitiert nach Froehner [in Abhandlungen aus der Geschichte der Veterinärmedizin, Heft 4, Leipzig] 1925, Seite 78 – … ”

(Günther Schlieker, Die Verehrung des hl. Hubertus [als Schutzpatron auch gegen die Tollwut], 2016, Seiten 11/I + 13 per 3/10).

Ursachen der Wuth der HundeAnweisung wie man sich bey dem Bisse toller Hunde zu verhalten habe

Als nicht ursächlich erkannt, wurde anstehende Wurm-Verordnung für Dresden 1796 (nunmehr auf Quarantäne + Hygiene setzend) und in Preußen 1797 (Kurierverbot für die erkrankten Hunde, Behandlungsvorschläge für gebissene Menschen) zurückgenommen.

Von ganz überragendem Interesse aber die 2seitige „umständliche Beschreibung“ der Ursachen der Tollwut, vor allem aber

die 8seitige Anweisung zur Behandlung eines Gebissenen

mit allen Einzelheiten zu Reinigung der Wunde, Hygiene, Ruhe, Nahrung – Holunder-Blüthen-Tee – und aufmunternder Pflege.

Dieser Detail-Reichtum macht anstehende Verordnung zu einer wahren Fundgrube. Zum einen hinsichtlich des sogenannten Tollwurms, dessen Entfernung später – so in einer preussischen Verordnung von 1797 – als unwirksam erkannt wurde. Ganz besonders aber im Vergleich mit der mit 16 Blatt deutlich umfangreicheren Nachfolge-Verordnung von 1796, die bei Tier + Mensch generell, besonders aber bei der „Entsorgung“ kranker Hunde wie auch der Pflege gebissener Menschen die Hygiene nunmehr in grundlegender, sichtbar über die Wundpflege hinausgehender, Weise gewichtet.

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