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Die Hygiene
wird als Schutz vor Krankheit begriffen :

„ Außerdem sind die Hunde beständig reinlich zu halten; sie müßen daher öfters gebadet, gestriegelt oder gekämmt, ihre Hütten, Ställe, Freß= und Sauftröge gereiniget … werden “

Mandat (Friedrich August’s, Herzog zu Sachsen) wegen Einschränkung des Hundehaltens, und der wider das freye Herumlaufen der Hunde, auch sonst zu Verhüthung der von wüthenden Hunden zu besorgenden Gefahr, zu treffenden Vorkehrungen. Nebst den Beilagen „Ursachen der Wuth der Hunde und die Kennzeichen solcher Wuth“ sowie „Anweisung, wie man sich bey dem Biße toller Hunde zu verhalten habe, und dessen traurigen Folgen vorbeugen könne“. Gegeben Dresden 2. April 1796. Dresden, Chur-Fürstl. Sächs. Hof-Buchdruckerey, (1796). 2° (34,8 × 22 cm [13¾ × 8⅝ in]). Mit großer Anfangs-Vignette in Holzschnitt + Eingangs-Initiale. 16 Bll. Mit gedruckter hzgl. Unterschrift nebst „L(oco) S(igilli)“-Marke und ebensolchen Gegenzeichnungen Friedrich Adolph v. Burgsdorff’s sowie des Sekretärs Frdr. Moßdorf. Geheftet. Unbeschnitten.

Aktenvermerk „Nom. 23“ von alter Hand auf Titel. – Letzte vier Blatt mit kleiner Wurmspur im breiten weißen Oberrand, Schlußblatt unten im Rand mit zwei Braunflecken. – Namentlich der Hauptteil in schöner, großer Typographie. – Breitrandig.

Außerordentlich inhaltsreiche Verordnung

zu Bekämpfung + Heilung der Tollwut ,

mit direktem Bezug zu der vorhergehenden Verordnung vom 7. September 1782, „da die Absicht (via Schneidens des Toll-Wurms) nicht hinlänglich erreichet worden ist … haben wir Uns … bewogen gefunden … ein anderweites Mandat zu erlaßen, und darinnen,

nach den seit Erlaßung des obangeführten Mandates gemachten Erfahrungen ,

alles dasjenige, was künftig in Ansehung dieses Gegenstandes beobachtet werden soll, zusammen zu faßen“.

„ Über das Wesen des die Tollwut verursachenden Agens herrschten die verworrensten Vorstellungen … Auch der bei Fleischfressern unter der Zunge vorhandene Bindegewebsstrang, der als ‚Tollwurm‘ bezeichnet wurde, sollte für die Entstehung der Krankheit für die Entstehung der Krankheit bei diesen Tieren verantwortlich sein. In vielen Landesteilen wurde es daher den Hundehaltern durch Verordnungen zur Pflicht gemacht, den ‚Tollwurm‘ ihres Hundes entfernen zu lassen …

„ Bereits Gracius Faliscus, ein Zeitgenosse Ovids († 18 n. Chr.) , erzählte schon die Fabel von dem Wurm unter der Zunge als Ursache der Wut, die dann durch Pliniusn (23-79 n. Chr.) in seinen Naturgeschichten verbreitet worden ist – zitiert nach Froehner [in Abhandlungen aus der Geschichte der Veterinärmedizin, Heft 4, Leipzig] 1925, Seite 78 – … ”

(Günther Schlieker, Die Verehrung des hl. Hubertus [als Schutzpatron auch gegen die Tollwut], 2016, Seiten 11/I + 13 per 3/10).

Als nicht ursächlich erkannt, wurden das Wurm-Schneide-Gebot als dem Kern der 1782er Verordnung hier denn, wie auch anderwärts – so für Preußen 1797 (Kurierverbot für die erkrankten Hunde, Behandlungsvorschläge für gebissene Menschen) – zurückgenommen und die Akzente neu gewichtet.

Mandat Friedrich Augusts von Sachsen Wegen Einschränkung der Hundehaltung + Tollwut

Beginnend wiederum mit der Verminderung der überhaupt gehaltenen Zahl Hunde, „da überhaupt durch das Halten unnützer und unnöthiger Hunde die mit dem Herumlaufen derselben für das Publicum verbundene Gefahr vermehrt, und zugleich dem letztern ein beträchtlicher Theil der unentbehrlichsten Nahrungsmittel entzogen wird … Insbesondere ist notorischen Armen, welche aus der Allmosen=Casse des Orts ihren Unterhalt ganz oder zum Theil empfangen, und solchemnach ihre Hunde auf Kosten des Publicums unterhalten würden, das Halten der Hunde nicht zu gestatten, oder doch, wenn die Obrigkeit … Erlaubniß zu ertheilen, für diensam erachtet, diese auf mehr als Einen Hund in einer Familie nicht zu erstrecken“.

Frei und ohne Beißriemen laufende Hunde sollen Nachts grundsätzlich, sonst nach Bedarf, mindestens aber zweimal jährlich eingefangen werden und können gegen acht – bei Aufgriff durch den Nachtwächter 16 – Groschen ausgelöst werden, unbeschadet weiterer Strafen. Auch sollen Bauern, Kutscher, Fleischer und andere Hunde allenfalls „unter den Wagen angebunden“ in die Stadt bringen wie überhaupt in Stadt und Land Hunde nicht frei herumlaufen zu lassen sind, sondern an der Kette zu halten, „mit einem Beißriemen, oder sogenannten Maulkorbe versehen laßen“ oder am Strick zu führen sind. Wird indes ein toller Hund vermeldet, sind alle anderen solange einzusperren, bis die Gefahr vorüber ist.

Als unwirksam erkannt und daher hier nicht mehr erwähnt die seinerzeit strafbewährte Verpflichtung zum Schneiden des sogenannten Toll-Wurms. Dagegen hat nunmehr

— das ist die Einführung der vorsorgenden Quarantäne ! —

„ zu Abwendung der von wüthenden Hunden zu besorgenden höchst traurigen Folgen … jeder Eigenthümer eines Hundes … denselben auf das Genaueste zu beobachten, und bey Verspürung auch nur der entferntesten Kennzeichen – wie in Beilage I beschrieben – von einer ihn anwandelnden Tollheit sofort einzusperren … daferne aber die entstandene Vermuthung … sich bestätiget, selbigen ohne Verzug zu tödten. “

Und dann folgt auf die Quarantäne vollkommene Hygiene :

„ Ein getödteter toller Hund … so wie alles andere von einem wüthenden Hunde gebißene und getödtete Vieh, ist wenigsten zwey Ellen tief unter die Erde zu verscharren – so auch schon 1782 – und mit Kalk zu bedecken; auch ist dabey die Vorsicht zu gebrauchen, daß selbiges nicht mit bloßen Händen berührt, sondern

mit Handschuhen , oder mit Hülfe kurzer hölzerner Stangen ,

fortgeschafft und die dabey gebrauchten Instrumente oder Handschuhe mit in die Grube geworfen werden … nicht etwa in einen vorbeyfließenden Fluß oder Bach. “

Ursachen der Wuth der Hunde und die Kennzeichen solcher WuthAnweisung, wie man sich bey dem Biße toller Hunde zu verhalten habe

Von überragendem Interesse im weiteren aber die 3½seitige „umständliche, von Unserm Sanitäts=Collegio abgefaßte, Beschreibung“ der Ursachen der Tollwut, gegenüber der seinerzeitigen um neue Aspekte angereichert und im Umfang rund verdoppelt, vor allem aber die nicht zuletzt auch von einigen Ungereimtheiten befreite

6½seitige Anweisung zur Behandlung eines Gebissenen

mit allen Einzelheiten zu Reinigung der Wunde, Hygiene, Ruhe, Temperatur, Nahrung – Holunder-Blüthen-Tee – und aufmunternder Pflege, ohne damit die möglichst schnelle Hinzuziehung eines Arztes oder – wenigstens – befähigten Baders ersetzen zu wollen. Gegenüber der 1782er Verordnung indes auch ergänzend

die Anleitung zu erster Selbsthilfe

wie auch die Abbindung des betroffenen Körperteils ,

„ damit die Einsaugung des Gifts verhindert werde “.

Solchermaßen aber ein

medizin- + hygiene-geschichtlicher Beleg allerersten Ranges .

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(Mr. P. S., March 22, 2012)