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Freiherrlicher Brunnen-Spezialist

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Marketing-Experte vor 305 Jahren

FREUND AUGUST DES STARKEN

Kyaw – Des welt-berühmten Königsteiner Brunnens Anrede aus seiner Tieffe an Diejenigen So ihn von oben her besehen. 24 Zeilen. Ca. zwischen 1715 und 1733. Kl.-2°. 1 Blatt.

Breit eingefaßtes, höchst launisches Gedicht (Einblattdruck?), die Geschichte des Brunnens erzählend und das Lob der Bekömmlichkeit seines Wassers singend:

„ … bin ich nunmehr wohlschmeckend, frisch und rein / Auch besser vor den Durst, als Alicanten Wein … / Labt Euch vergnügt an mir, ihr meine werthen Gäste / Und Fürcht Euch oben nicht, denn ich steh unten feste. “

Die Datierung dieser

ganz einzigartig frühen Werbebotschaft

ergibt sich durch Erwähnung des Kurfürsten August des Starken und des für die Entwicklung des Brunnens besonders eingetretenen Friedrich Wilhelm von Kyaw (auch Kyau), der als kursächsischer Generalmajor 1715 Kommandant des Königsteins geworden war und, 1723 zum Generalleutnant befördert, auf diesem 1733 verstarb. Gleichen Jahres wie sein ihm befreundeter Kurfürst, der bei Erscheinen des Druckes noch lebte, denn

„ Den Becher, der allhier, als ein Gedächtniß, stehet / Hat Chur-Fürst August selbst mit seiner Hand gedrehet / Drum giest auf Wohlseyn des, der mich noch schützet ein … “

Die Urheberschaft des urwüchsigen Kyau’s dürfte sich aus der Nennung des ihm zugetanen August ebenso ergeben wie aus seiner eigenen engen Bindung zum Brunnen, „wo er vieles noch jetzt Bestehende schuf“ (Poten in der ADB), die sich auch aus dem Druck selbst ergibt:

Kyaw - Des welt-berühmten Königsteiner Brunnens Anrede aus seiner Tiefe

„ Der Freyherr Kyau hat mein Brunnen-Hauß vollführt / Daß mich nun weder Eyß, noch Schnee, noch Regen rührt. / Was man durch viertzig Jahr auf meinen Grund gewendet / Das hat mein General in einem Jahr geendet / Dadurch bin ich nunmehr wohlschmeckend … “

Bekannt und berühmt „wegen seiner tollen Streiche“ (Hayn-Gotendorf III, 647), seiner „ausgedehnte(n) Gastfreunschaft, seine(r) nie versiegende(n) Laune und seine(r) (zuweilen derben) Späße“, ist das Geheimnis des Pseudonyms seines besten Biographen – Gregander, auch Cregander, vielleicht gar der gleichnamige Kyau-Vetter, der den 76. Geburtstag besang? – ungelüftet geblieben, ebenso das der H.-G. fehlenden 1735er Biographie des auch Weller fehlenden Pseudonymen Sincerus Jocosus, indes der fingierte Druckort „Cölln“, H.-G. noch unbekannt, an Wittekind in Eisenach gegeben werden konnte. Der Auflagen von „Merkwürdiges Leben und Thaten des Weltberühmten Kgl. Poln. und Churf. Sächs. General-Lieutenants und Commandanten der Vestung Königstein … Aus zuverlässigen Nachrichten und Urkunden“ zwischen zunächst 1735 und 1772 sind etliche, doch selbst hundert Jahre später noch schützte sich ein Herausgeber auch seinerseits durch Anonymität (Kyaus lustige Streiche und tolle Schwänke, hrsg. v. E. v. O...n, 1840).

Von nicht störenden Faltkniffen abgesehen, gleichmäßig ganz leicht gebräunt bei nur vereinzelten zusätzlichen, unwesentlichen Stock- und Altersflecken, ansonsten schön + breitrandig, in satter Typographie, mit großem Wasserzeichen.

Für die sächsische Lokal- wie deutsche Kulturgeschichte

ebenso wie für den Freund eines bekömmlichen Wassers

höchst reizvoller Sammlungs-i-Punkt .

Angebots-Nr. 14.420 | EUR 199. (c. US$ 241.) + Versand


„ bereits heute ist der Stahlstich der Harfe spielende Dame wohlbehalten bei mir angekommen und übertrifft meine Erwartungen weit. Als Berufsharfenistin werde ich sicher viel Freude an dem Bild haben. Mit ganz herzlichem Dank und freundlichen Grüßen “

(Frau C. K., 6. August 2016)