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Der „ erste Papst rein deutschen Geblüts “

Gregor V. – Porth – Maria. Carl Porth als Papst GREGOR V. in Julius Leopold Klein’s 1860er Trauerspiel am Kgl. Schauspielhaus, Berlin. Mit Tonplatte gedr. lasiert kolor. Lithographie nach einer Photographie von R. Marowsky bei Louis Veit, Bln. (1859/60.) Bezeichnet. 23 x 14,8 cm. – Blatt 34 der Lipperheide-Suite Ucd 19 auf leichtem Karton.

„ Eine der befähigtsten Bühnenerscheinungen, begabt mit geistigem Feuer, frischem Talent und sehr ansprechendem Aeussern, hat Carl Porth seit mehreren Jahren einen Theil des Faches jugendlicher Liebhaber auf der Berliner Hofbühne ausgefüllt … Wenn das Feuer in den Darstellungen des jungen Künstlers gerühmt (wird), so muß man diese Anerkennung auch seiner sinnigen Selbstbeherrschung angedeihen lassen … Dahin darf vorzugsweise seine Auffassung und Durchführung des jugendlichen Papstes Gregor V. in Klein’s poetisch gedachtem … Drama: ‚Maria‘ gezählt werden. “

Bruno von Kärnthen (ca. 970 – Rom 999), Urenkel Ottos des Großen und Hofgeistlicher bei seinem Vetter, Otto III., und von diesem 996 während dessen ersten Italienzugs zum Nachfolger Johanns XV. bestimmt,

bestieg als Gregor V.

Carl Porth als Papst Gregor V.

als erster Deutscher den apostolischen Stuhl ,

um umgehend wiederum Otto zum Kaiser zu erheben. Indes mußte er bald darauf vor einem von dem solchermaßen entmachteten römischen Aristokraten Crescentius geführten Aufstand nach Norditalien fliehen und kehrte erst Weihnachten 997 nach dessen Niederschlagung durch Otto nach Rom zurück:

„ Ungehindert konnte nun G. in Rom sein hohes Amt ausüben … und voll jugendlichen Feuers, manchmal selbst mit zu großen Ungestüm, ging er daran, die Schäden der Kirche zu heilen und ihre und des Papstthums Autorität … wieder herzustellen und zu erweitern … Seine Thätigkeit ist eine weit umfassend, von universalen Tendenzen getragene … Wenn auch die Zeit des Pontificates nur kurz war, so nimmt doch dieser erste Papst rein deutschen Geblüts in der Reihe der römischen Bischöfe eine hervorragende Stellung ein; er hat dem Aufschwunge, welchen das Papstthum im folgenden Jahrhunderte gewann, kräftig vorgearbeitet “

(Theodor Lindner, Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. IX, SS. 626 f.).

Julius Leopold Klein (Miskolcz 1810 – Berlin 1876), bekannt vor allem durch seine unvollendet gebliebene 13bändige „Geschichte des Dramas“, wandte sich bald nach Abschluß des Medizinstudiums als dramatischer Dichter und Kritiker der Literatur zu. Seine Dramen – darunter neben Maria noch u. a. Maria von Medici + Richelieu – vermochten indes nicht, die Bühne dauerhaft zu erobern:

„ Gleichwohl sind sie voll Geist und Energie der Charakteristik und durch ihren bedeutenden Inhalt weit über das Gewöhnliche hinausragend … Im Allgemeinen hat die Kritik ohne Zweifel zu kühl über diese jedenfalls höchst geistvollen Dramen hinweggesehen und es dürfte leicht geschehen, daß ihnen eine Auferstehung … beschieden wäre “

(v. Liliencron, a. a. O., XVI, SS. 96 f.).

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(Herr P. D., 27. Januar 2019)