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Ein Schwein und ein Hühnchen

Ein 17jähriger mischt die Kunstszene auf

Newton, Richard (um 1777 – London 1798). Which Way Shall I Turn Me. Hochwürden in arger Bedrängnis: Zur Rechten das gewohnte dampfende Spanferkel nebst Bouteille, zur Linken aber, einladend auf dem Sofa hingestreckt, eine jugendliche Schöne voller Reize. Kupferstich im Original-Kolorit, teilweise in Punktiermanier, bei William Holland in London. Bezeichnet: Richard Newton del / London, Pub. July 1. 1794 by Willm. Holland, No. 50, Oxford Street., ansonsten wie vor bzw. unten. 24,8 x 31,2 cm.

Richard Newton, Which Way Shall I Turn Me?

Mit Untertext: „In Holland’s Exhibition Rooms, may be seen the largest Collections of Humorous Prints in Europe. – Admittance 1. Shill.“. – Auf Newtons Aquarellansicht ebenjener Ausstellung figurierte denn auch hiesiges,

die doppelte Fleischeslust des Klerus

als beliebtem Ziel der unpolitischen Satire

in der Rolle von

Macheath zwischen Polly + Lucy parodierende

Blatt, dessen Titel dem dritten Akt von John Gays Beggars Opera entnommen ist, als seine vermutlich jüngste Publikation. Lucy war die Tochter von „Tiger Brown“. – Eine ansonsten unbezeichnete anonyme seitenverkehrte gleichgroße Kopie dieser noch ein drastisches „A Pig and A Pullet or …“ voranstellend.

„ Holland war einer der Graphikverleger, die in wenig mehr als einem Jahrzehnt erfolgreich die für sich allein herausgegebene Satire, in transparenten Aquarellfarben handkoloriert

– wie denn auch anstehend –

als eines der wichtigsten Produkte des Londoner Graphikhandels etabliert hatten. Er hatte das Glück, in Newton einen guten Zeichner und flotten Arbeiter zu finden, der fähig war, eine Idee oder grobe Skizze von Holland oder einem seiner Freunde in eine amüsante und verkäufliche Graphik zu übertragen. Newton seinerseits hatte das Glück, mit Holland zusammengekommen zu sein, einem Mann von literarischen Interessen, der viele Ideen für Graphiken lieferte und der ihn in einem Alter gefördert hatte, in dem die meisten Jugendlichen unbekannte Lehrlinge waren. Newton bevölkerte sein Bild von (Hollands 1794er) Ausstellungsraum mit einer lebhaften Gruppe von Leuten … einige erfreuen sich an den humoristischen Graphiken; diese umfassen solche Themen wie … die Völlerei der Geistlichkeit … In den Worten von Dorothy George, die kurz vor dem Zweiten Weltkrieg die damals im British Museum befindlichen Graphiken Newtons katalogisierte, hatte er ‚zwei Manieren, eine grotesk und kühn, die andere realistisch, konventionell und recht bezaubernd‘. Newton war ein Meister der Posse, beherrschend den überzeichneten Ausdruck und die herrliche Bewegung, mit einem außergewöhnlich kräftigen und schöpferischen Stil … Newtons Graphiken spielten eine wichtige Rolle in der Entwicklung dieses Genre … In drei Jahren hatte Newton sich in London einen Namen gemacht. Seine Satiren, wenngleich nicht die subtilsten unter den herausgebrachten, waren wohl die lustigsten und empörendsten … Das 200. Todesjahr dieses bemerkenswerten jungen Mannes ist eine angemessene Gelegenheit zu sehen, was er erreichte, es vor den Hintergrund seiner Zeit zu setzen und einige der Fragen, die sein Werdegang aufwirft, zu untersuchen: beispielsweise, was er anderen Künstlern verdankte und wie er es schaffte, in so früher Jugend als eigenständiges Talent hervorzutreten “

(David S. Alexander, Richard Newton and English Caricature in the 1790s, 1998, S. 7 ff.).

1791 veröffentlichte Holland (1757-1815) die ersten signierten Arbeiten des gerade 14jährigen, dessen Œuvre bei seinem frühen Tod nur sieben Jahre später knapp 300 eigenständige Satire-Blätter sowie über 80 Buchillustrationen umfaßte, darunter zu Laurence Sternes Sentimental Journey (1795) sowie der 1799 von Holland postum herausgebrachten Ausgabe von Fieldings Tom Jones. Während Hollands Inhaftierung in Newgate 1793/4 wegen politischer Angriffe auf Krone und Regierung unter William Pitts ‚Reign of Terror‘ – u. a. Aufhebung des Habeas Corpus Act sowie Verbot von Thomas Paines Rights of Man – führte Newton die Geschäfte in gewissem Umfang weiter. – Rückseits einzelne Farbflecke sowie Kantenklebung von früherer Rahmung.

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„ vielen Dank für die Information und die Zusendung der Broschüre … Ich sammele seit Jahren Galeriewerke … Mir ist die Seltenheit des ‚Cabinet du roi‘ und auch die ensprechende Qualtät des angebotenen (fantastischen) Bandes bewußt … “

(Herr M. S., 23. Mai 2015)