English

Die
graphische HUBERTUS Darstellung
welche

Rückgreifend zugleich auf Coninxloo’s
importante Waldlandschaft mit Jägern (Plietzsch 14)
wie offenbar bislang übersehen

Dediziert dem von Rubens gemalten
Hubertus-Gralshüter
Frederik de Marselaer

wie erst in hiesigem , wohl II. Zustand (von IV.) hinzugekommen

Bruyn, Nicolaes de (Antwerpen 1571 – Rotterdam 1656). St. Hubertus. Der südniederländische fürstliche „Wilde Jäger“ als nach Döbel Vater der Parforcejagd und entsprechend mit Horn und 6köpfiger Meute in großer Waldlandschaft in der Art des 3. Gillis van Coninxloo (Antwerpen? 1544 – Amsterdam 1607) barhäuptig vor Kronen-Hirsch mit Kreuz kniend. Auf dem Pool hinter letzterem zwei Schwäne als den weissagenden Vögeln der Mythologie, am Stamm oberhalb des Pferdes eine zischelnde Schlange als Versucherin. Dem Hirsch am nächsten in Einzelstellung und als einziger auf seinen Herrn schauend ein Hubertus-Hund. Kupferstich. (1614.) Blattgröße 69,9 × 45,8 cm (27½ × 18 in).

Provenienz

Frederic de Marselaer ?

(Antwerpen 1584 – [St. Hubert-] Elewijt 1670)

Frederik Josef Ignatius de Marselaer ?

(1656 – 1718)

Conte Giovanni Maria Mazzuchelli

(Brescia 1707 – 1765)

(Jöcher VIII [1813], 1127 ff.; Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., IX [1889], 98)

mit dessen rückseitiger 5fach-Stempelung

Ausstellung

Schöne Beute — Bilder von der Jagd

Dr.-Hanns-Simon-Stiftung Bitburg

13. Januar – 3. März 2013

Literatur

Katalogbuch zur Ausstellung

Seiten 6 (blattgroße Detail-Abbildung) , 13 f. + 147

Günther Schlieker
Die Verehrung des hl. Hubertus im Wandel der Jahrhunderte, 2016

Komplett- + 2 Detail-Abbildungen 19/25 (dieses Explr.)

Nicht unter den 172 Abbildungen der gegenüber der 1927er Erstauflage reich vermehrten zweiten von Huyghebaert’s Sint Hubertus Patroon van de Jagers in Woord en Beeld, Antwerpen ( sic! ) 1949, siehe unten.

Hollstein 114 + Wurzbach 52, jeweils ohne Zustandsmerkmale, siehe unten, doch Wurzbach generell: „Die Abdrücke vor den Adressen von Gerard Valck (1626 – nach 1694) + Peter Schenk I (1661-1715) sind die besseren, weil seine feine Grabstichelarbeit bald abgenützt war“. Vor jenen späteren denn auch die hiesige Adresse von Joannes Meyssens (Antwerpen 1612 – Brüssel 1670; Maler, Zeichner, Kupferstecher u. Verleger; „gründete eines der größten Kunstverlagsgeschäfte in Antwerpen“ [Wurzbach]) als wohl Zustand II (von IV). Für den gegenüber de Bruyn jüngeren Hollar (1607-1677) steht Meyssens für die Frühdrucke.

Das erst 1991 ( sic! ) in die Sammlung gelangte Exemplar des Rijksmuseums ohne Marselaer-Wappen + „1656“, s. u., im Bild und ohne Untertext. – Nach Bredius, Künstler-Inventare, V, Seite 1600, Nr. 9 figurierte die Kupfer-Platte per 16. 1. 1632 in einem Inv.-Verzeichnis der Rotterdamer Waisenkammer per „Van Sincte Huybrecht een plaet“. – Nicht unter den 140 de Bruyn-Blättern des British Museum!

Vgl. Plietzsch, Gillis van Coninxloo 14 in Die Frankenthaler Maler (1910/1972) nebst Tafel V; Stechow, Dutch Landscape Painting (2. Aufl., 1968), SS. 65 ff. + Abb. 122; Devisscher, Kerstiaen de Keuninck (1987), SS. 36, 89 + Abb. Z 10.

Für de Bruyn’s Kupfer generell

belegt Wurzbach Datierungen von 1592 (W. 76) bis 1650 (Bd. II, S. 217). 1601 wurde er als plaetsnyder und coopman in die Antwerpener Gilde aufgenommen. Und „Am 4. 12. 1652 wird er in einem Aktenstück altersschwach genannt“ (Th.-B.).

Nach Bredius hat der Antwerpener Stecher und Schwager Assuerus van Londerseel verschiedene der frühen Arbeiten gedruckt und herausgegeben. „Später hat de Bruyn, wie aus dem Inventar hervorgeht, den Druck (Nr. 75: Een druckpers) und Verlag seiner Platten selbst besorgt … Bei den Zeichnungen und Bildern (welch letztere hier wohl erstmals konkret in die Literatur eingeführt werden; zudem Nrn. 78 f.: Vyer tonnekens met verwe bzw. Twee saxkens met smalt/Kobalt) … ist es auffällig, dass sie beinahe alle die zum Teil nur selten vorkommenden Gegenstände behandeln, die de Bruyn auch gestochen hat, sodass die Vermutung nahe liegt, es seien seine Vorlagen gewesen“ (Bredius, a. a. O., S. 1599).

Mit Meyssens’ 1656er Verleger-Dedication für Frederik de Marselaer :

„ I(ll?). Nob(i)lissi(mum) Do FR(E)DERI(C)O de MARSELAE(R,) Equiti Aurato et Lauretano, Baroni de (Perc)k (et E)lewyt S. Huberti, Toparchæ liberi Dominii de Opdorp. Hærseaux Oycke, etc. … Man. à Consiliis B(e)lli, septimum Bruxellæ Cons(uli, ha)nc D. Huberti iconem D. C. Q. Io(a)nnes Meyssens “.

Darüber im Bild selbst unten rechts

das „MARSELARE“ – Wappen

bestehend aus dem Stamm-Wappen unter der 5zackigen Adelskrone nebst den beidseitigen aufgerichteten Parforce-Hunden, hier Wappen-Fahnen haltend: links die Marselaer’sche, rechts die der Frau, Margriete van Borainage (de Bernaige, Baronaige, geb. 1584, Eheschließung 1626, weiteres siehe unten). Gefolgt unten mittig von der Jahreszahl 1656, die hier restaurativ hs. wiederhergestellt ist. Diese Hinzufügungen gegenüber dem Exemplar in Amsterdam auf Kosten marginaler Bildfüllsel.

Oben auf Bildkante geschnitten, an den Seiten mit feinem Rändchen, das unten unterhalb der Dedicationszeile (diese mit geringem Restaurierungsausfall) etwas breiter ausfällt. Etlicher Risse und Rißchen oder dünner Stellen halber mittels Dublierung professionell restauriert, überspielt letztlich gleichwohl, die enorme Rarität des Blattes ganz außeracht lassend, vom faszinierenden Bildeindruck und dessen Einbettung in ein Gesamtkonzept sondergleichen mit der

erst hier hinzugekommenen

Marselaer-Zueignung als letztem i-Punkt .

„ Es darf angenommen werden , dass Hubertus

(Hugbertus, Hugobertus, Chuchobertus) zwischen den Jahren 655 und 665 geboren wurde … Sicher ist nur, dass er ein Schüler des hl. Lambertus, des Bischofs von … Maastricht [Bischofssitz schon seit ca. 595] und nach dessen Ermordung (698 oder 705) Nachfolger auf dem Bischofsstuhl wurde. Wenig weiß man auch über seine bischöfliche Laufbahn … eigentlich nur so viel,

dass er die Ardennen christianisierte …

und später [720] seinen Bischofssitz nach Lüttich verlegte. Hier … starb (er) am 20. Mai 727 und wurde in der (von ihm erbauten) Petruskirche in der Nähe eines Nebenaltars beigesetzt. Am 3. November 743 wurden die Gebeine … erhoben

( — siehe Farbabb. Schlieker 5/1a im ca. 1440er Werkstatt-Öl Rogier’s van der Weyden De Vos, 1999, C11 mit farb. Detail-Abb. 131, sonst auch die blattgroße Farbabb. 72 im 2009er Ausstellungs-Katalog Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden — )

und am Hauptaltar … erneut beigesetzt. Damit war nach damaliger Auffassung die Heiligsprechung … vollzogen. Der Tag der Erhebung, der 3. November, ist heute noch der Namenstag (nach Theodora Lepique, Der Volksheilige Hubertus in Kult, Legende und Brauch, Diss. Bonn 1951, SS. 10 + 12).

„ Wenn auch sonst keine sicheren Daten seiner Herkunft vorhanden sind, lohnt es sich doch, einer uns überlieferten Spur nachzugehen. ‚Am 13. Mai 706 – zitiert nach Kühn 1994 – taucht ein gewisser Chuchobertus episcopus in einer Schenkungsurkunde Pippins d. M. (II./P. von Herstal, Hausmeier von 679-714) und seiner Frau Plektrud für die Abtei Echternach in der Zeugenliste auf. Dieser Bischof Chuchobertus ist vermutlich kein Geringerer als der hl. Hubertus. Aufhorchen lässt die Stellung des Namens in der Zeugenliste, der als vierter nach den Namen des Stifterehepaares und dessen Sohnes Drogo rangiert. Ohne den interpretatorischen Bogen zu überspannen, wird man aus dieser Tatsache schließen dürfen, dass Bischof Hubertus in einem besonderen Verhältnis zu Pippin und Plektrud gestanden haben muß.‘ Bischof Hubertus wird gewiss ein Verwandter der Vorgenannten gewesen sein, woraus man den Schluss ziehen kann, dass Hubertus zum damaligen Hochadel gehörte “

(Schlieker, a. a. O., Seite 23 [Sperrungen/Zentrierung nicht im Original; Ergänzungen in [] nach Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., XIII, 1889, 751 sowie bezgl. Tongern’s als mißverständlich erwähnten Bischofssitzes Wikipedia 6. 3. 2017]).

Analog zu Schlieker’s Hochadel-Schlußfolgerung denn auch Meyers VIII [1888], 751 f.:

„ Sohn Bertrands, Herzogs von Guienne

Das alte Aquitanien im SW Frankreichs mit Bordeaux als Residenzstadt ,

kam durch Heirat an Heinrich Plantagenet, seit 1154 als Heinrich II. König von England, der es 1169 seinem Sohn Richard Löwenherz abtrat, seit 1189 als Richard I. König von England, womit er dank seiner französischen und englischen Besitzungen zum mächtigsten Herrscher Europas nach Kaiser Friedrich Barbarossa avancierte und als solcher gleichen Jahres die Führung des 3. Kreuzzuges (1189-1192) zur Rückeroberung Jerusalems von den Truppen des Sultans Saladin übernahm, dann, 1196, Aquitanien/Guienne seinem Neffen Otto IV. von Braunschweig, von 1198-1218 (unangefochten jedoch nur von 1208-1211) römisch-dt. König und von 1209-1218 Kaiser des Römischen Deutschen Reiches mit dem Staufer Friedrich II. („Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen“) seit 1215 als Gegenkaiser, abtrat. – In späteren Zeitläuften erst nur zwischenzeitlich an Frankreich zurückgefallen, dann ab spätestens 1453 endgültig (nach Meyers VII, 910 f. + Wikipedia wie vor).

„ lebte erst am Hof des fränkischen Königs Theoderich, später bei Pippin von Herstal [bei Lüttich], zog sich aber nach dem Verlust seiner Gattin von der Welt zurück und ward von Papst Sergius I. zum Bischof … ernannt … der Sage nach leidenschaftlicher Jäger, bis er, durch die Erscheinung eines Hirsches, der zwischen einem goldenen Geweih ein umstrahltes Kreuz zeigte, tief betroffen, dem Jagdvergnügen entsagte (und)

der Schutzheilige der Jäger und seine Stola im Volksglauben

das wirksamste Mittel gegen den Biß toller Hunde (wurde). “

Zu letzterem Schlieker Seite 15 und dann weiter Seite 25:

„ Nach der Legende hatte ein Engel dem beim Papst weilenden Hubertus – vor dessen Bischofsweihe – die Stola als Geschenk der Gottesmutter überbracht. Die Stola war der Gegenstand, der mit der Wunderkraft des Heiligen am meisten behaftet war. Für den Gläubigen war die Stola gleichsam ein Teil des Heiligen …

„ Am 21. September 825 wurden die Gebeine des hl. Hubertus … erneut erhoben und nach dem Kloster Andain (bald darauf in Saint-Hubert umbenannt) – gelegen in den Ardennen – gebracht … Hier soll bereits erwähnt werden, dass die Gebeine des Heiligen, die Jahrhunderte lang in einem kostbaren Schrein in Saint Hubert aufbewahrt wurden … seit dem 17. Jahrhundert nicht mehr – ungeteilt – auffindbar sind …

„ Etwa in der (recte, s. u., für die) Mitte des 9. Jahrhunderts, somit etwa 100 Jahre nach dem Tode des hl. Hubertus, berichtet ein Mönch vom Kloster Saint-Hubert von Wundern, die am Grab des Bischofs Hubertus geschehen seien … Es findet sich jedoch keines darunter, das zu einem Jagd- oder Tollwutpatronat in Beziehung stehen könnte (Lepique S. 75). “

Erst für das 10. Jahrhundert finden sich nach Schlieker zunächst „Spuren einer Hubertusverehrung in einem Kalendar der Diözese Trier“, gefolgt von dem Ende des 11. Jhdts. zugehörigen Wunderberichten eines Mönchs des Hubertus-Klosters, die im 10., vielleicht auch schon 9. Jhdt. geschehen seien, immer nach Lepique (SS. 20 + 75 f.). Zunächst tollwutbezogen, dann (S. 27) in medias res gehend:

„ ‚Denn es war von alters her üblich, unter den Vornehmen der ganzen Ardennen, die ganzen Jahreszeiten hin durch, die Erstlinge unter den Zehnten jeden Wildes dem hl. Hubertus abzulosen‘ (L. S. 48).

Die Jäger baten Hubertus um Schutz und gaben ihm ihre Gaben .

„ Er sollte sie beschützen vor den vielen Gefahren, die jede Jagdausübung mit sich bringt, zumal in damaliger Zeit das Jagen in den undurchdringlichen Wäldern auf starkes Wild – nur bewaffnet mit Pfeil, Bogen, Lanze und Speer – oftmals sehr gefährlich war.

Er war ihr Patron , ihr Schutzheiliger . “

Und an diesem generellen Patronats-Bedürfnis hat sich letztlich unbeschadet in jeglicher Hinsicht komfortablerer heutiger Umstände nichts geändert. So wurde der schweizer Sammler des hier später offerierten Wild-Stillebens von Frans Snyders Robels 84.I Opfer seiner Passion. Bei einer Drückjagd auf Sauen trafen ihn gleich zwei Kugeln. Tödlich.

Und wie es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die nachdenklich stimmen, so war es noch bis vor zwei Dezennien nicht wenigen Jägern waidmännisches Selbstverständnis, an der Wand oder in der Sammlung Hubertus um sich zu wissen. Und sei’s nur analog zu jener ebenso resoluten wie lebenserfahrenen Dame, die in Godesberger Kapellchen gern eine Kerze zu zünden pflegte. Es könne ja nichts schaden.

» Beschützer vor Tollwut, Patron der Jäger, Schützen und Reiter «,
Vater der Parforcejagd
und » bis in die heutige Zeit eine der volkstümlichsten Heiligengestalten «

Der Heilige Hubertus nach 1290 Jahren

Und zur eigentlichen Quelle des Bekehrungsmotivs Schlieker weiter Seite 33:

„ Das Hirschmotiv stammt aus der Legende des hl. Eustachius, der etwa seit dem 8. Jahrhundert in der römischen Kirche verehrt wurde. Nach dieser Legende wandte sich der heidnisch-römische Feldführer Placidus um das Jahr 110 n. Chr., z. Zt. Kaiser Trajans, nach der Begegnung mit einem Hirschen [dessen Gekreuzigten-Bild ‚ihn anredete: Placidus, warum verfolgst du mich, der ich dein Heil will?‘, so Meyers, a. a. O., V, 941] … dem Christentum zu.

Das Geweih eines Hirschen galt bereits in den Mythen des Altertums

als Symbol einer übernatürlichen Kraft .

„ Nach seiner Taufe erhielt Placidus den Namen Eustachius … Als Jagdpatron hatte er in Frankreich Bedeutung … Es können nur Vermutungen darüber angestellt werden, warum die Legende des Eustachius auf Hubertus übertragen wurde. Es kann sich einmal um eine Verwechslung handeln, da in alten Kalendarien das Namensfest des Eustachius auch schon mal Anfang des Monats November aufgeführt ist, obwohl der eigentliche Festtag des Heiligen am 20. September gefeiert wird. Aber auch der Adel in Frankreich wird wahrscheinlich die Übertragung gefördert haben, da ja Hubertus in der 1. Legendenfassung des 12. Jahrhundert (Vita III), in der er als Pfalzgraf erwähnt wird, auch adeliger Herkunft und so ihresgleichen war. Vielleicht aber war es auch der Einfluss der Mönche des Klosters Saint-Hubert, die durch das eindrucksvolle Hirschmotiv die schon bestehende Legende des hl. Hubertus so eindrucksvoll erweitern wollten. “

Sujetmäßig schließlich

die das Wunder viel treuer als Dürer verdeutlichende Scenerie

— diesbezüglich bei Dürer die jüngste Forschung auf italienische Vorbilder erkennt —

als Ausfluß eines ganz anderen Selbstverständnisses, wurzelnd eben in dessen natürlichem und damit, vor allem, auch geistigem Ambiente.

Nicolaes de Bruyn, St. Hubertus (Ausschnitt)
St. Hubertus kniet vor dem Hirsch (Ausschnitt)

Denn während selbstentlarvend bei dem „selbstbewußte(n), selbstherrliche(n)“, auf Madrider Selbstporträt gar „fast provozierend herausgeputzt(en)“ Dürer (1501; vorgenannte Zitate von Eduard Beaucamp bzw. Henning Ritter in FAZ vom 4. 12. 02 bzw. Herbst 03) der bemützte ( sic ! ) Jäger linksseits des Pferdes kniet, das somit optisch zwischen diesem und dem Hirsch steht, so bei Bruyn vor dem im linken Bildfeld angesiedelten Pferd. Und zwar, auf kleiner Lichtung, in denkbar größter Nähe zu dem Zehnender. Und während Dürer’s Ritter den Rücken analog betont durchdrückt, welches mit hochgelegener stolzer Burg kommunizierendem Selbstbewußtsein auch von glattem Gesicht (nach Winkler, S. 97, übrigens die Gesichtszüge Kaiser Maximilians!) und gesellschaftlicher Willkommensheißung der Hände untermalt wird, kniet er bei Bruyn geschehensangemessen leicht vorgebeugt, mit Gesicht und den nach unten ausgebreiteten Armen

das Wunder dieses Augenblickes miterlebbar machend .

Und ehrfurchtsvoll vor sich abgelegt die standesgemäße Kopfbedeckung. Sinnvoll auch die Hinzufügung der Schwäne, der Schlange, des Hubertus-Hundes. Die reiche Landschaft Natur pur. Entsprechend denn Wurzbach I, 217 f.:

„ … (Bruyn) ist ein vorzüglicher Zeichner, seine Köpfe sind voll Ausdruck und Wahrheit, seine Kostüme phantastisch interessant und die Fülle der Figuren überraschend. “

Letztere in der Art van Leyden’s, „dessen Formen er sich so zu eigen machte, daß man viele seiner Originalstiche für Blätter nach Zeichnungen (desselben) zu halten versucht ist“ (Wurzbach, 1906). Und Thieme-Becker V, 1911, 160:

„ die Mehrzahl (seiner Blätter) aber nach eigener Erfindung — so auch das hiesige ! — und hierin zeigt sich de Br. als ein höchst origineller Künstler (AKL XIV, 1996, 617: ingeniöser Stecher), der die Kunstsprache des Lucas van Leyden (Bredius erinnert zugleich auch an Hendrick Goltzius) noch ein Jahrhundert nach dessen Ableben mit Geschick fortsetzte … Sein sehr reichhaltiges Œuvre …

gehört zu den interessantesten seiner Zeit .

„ Mit sicherem Grabstichel hat er eine große Reihe von Darstellungen aus der biblischen Geschichte in großem Format gestochen, welche man öfters in alten Bibeln eingeklebt findet. “

Neben solch schlecht zu verwahrenden Übergrößen, auch genereller Verschleißanfälligkeit als Thesenblätter, mag letzteres denn auch mit ein Grund für die Seltenheit dieser Arbeiten sein, denen Nagler wie Wurzbach ein Manko an Hell-Dunkel vorhalten. Was zumindest von dem hier anstehenden Abzug des Hubertus mitnichten gestützt wird. Die von dem von Bruyn wiederholt nachgestochenen Gillis van Coninxloo III (Antwerpen 1544 – Amsterdam 1607) herkommende Landschaft von in die Tiefe führendem differenzierenden Hell-Dunkel, wie nach Bachmann (gelegentlich des Frühwerks van der Neer’s – „der Wald selbst, das Waldinnere“ – , Oud Holland LXXXIX, 1975, S. 214/II, Abs. 2) erst für den späten Coninxloo so typisch. Dies von ganz erheblichem Interesse, als Plietzsch hervorhebt, die Stecher nach Coninxloo mit de Bruyn an der Spitze hätten nur die „Landschaften aus seiner ersten Periode oder aus der Zeit des Überganges zur zweiten“ wiedergegeben (a. a. O., S. 27). Somit ist ganz offensichtlich schon vor hundert Jahren

de Bruyn’s Hubertus auch Plietzsch unbekannt geblieben .

Denn wenn auch als eigenständig keineswegs gedachten Nachstichen nach Coninxloo zuzuordnen, so

ruft de Bruyn gleichwohl landschaftlich wie letztlich thematisch

Coninxloo’s importantes 1598er Spätwerk Waldlandschaft mit Jägern in Vaduz

(Plietzsch 14; „… while Coninxloo [as the greatest harbinger of seventeenth-century Dutch forest painting] was painting his revolutionary forest landscapes in Amsterdam“, so Stechow noch 1968) auf ersten Blick hin in Erinnerung und zeigt de Bruyn künstlerisch auf der Höhe der Zeit. Denn diese „erstaunliche“ (Stechow), „höchst belangreiche“ (Devisscher, der gleichwohl an Stelle Coninxloo’s eher Paul Bril sieht) Coninxloo’sche Waldlandschaft galt der alten Literatur zusammen mit der 1595er Waldlandschaft Ertz 16 des älteren Jan Brueghel in Mailand als

Vorbild einer neuen , nunmehr natürlichen Waldlandschaft schlechthin .

Und noch Stechow resümierte 1968 nach verschiedenseitiger Abwägung „But even this is relegated to a minor position when compared with Coninxloo’s amazing Forest of 1598 in the Liechtenstein Gallery“ (a. a. O., S. 66).

Daß de Bruyn dabei, rückwärtsgewandt, Coninxloo’s bewußt und folgerichtig kleinfigurig und damit marginal gesetzte Jäger + Hirsche zum Thema selbst erhebt und zu höchster Weihe dazu umwidmet, sollte nicht als Ironie mißverstanden werden. Sein Anliegen war ein anderes, so er denn auch beziehungsreich die bei Coninxloo einen sumpfigen Weiher zur Linken belebenden Störche als mythologisch weniger gewichtig durch Schwäne als den Vögeln der Weissagung ersetzt und deren Pool hinter den Hirsch an den rechten Rand plaziert. Aber das Ambiente für seine Darbietung sollte schon dernier cri sein. Womit ihm in der Tat zweifellos ein großer Wurf gelang. Denn noch dreihundert Jahre später findet sich sein landschaftliches Vorbild generell beigezogen in der Verdeutlichung dessen historischen Verdiensts:

„ … stellt (Coninxloo) sich als einer der wichtigsten Vertreter der Übergangszeit in der Geschichte der niederländischen Landschaftsmalerei dar, die … von der phantastischen Richtung der Mitte des 16. Jahrh. zur schlichten naturnahen Landschaftskunst des 17. Jahrh. hinüberleitet, und ist zugleich einer der ersten, der … Anregungen von Belgien nach Holland hinüberträgt … An Stelle der phantastisch aus Felsen und Bergen aufgebauten Landschaft tritt allmählich eine zwar noch mit Vorbedacht zusammengestellte, aber doch aus der Beobachtung der heimischen Natur erwachsene viel schlichtere. (Besonders in einigen Waldbildern in Wien bei Liechtenstein.) Der kulissenartige Aufbau wird durch eine Anordnung ersetzt, die einen von vorne nach hinten gleichmäßig sich entwickelnden Prospekt gibt. Zugleich rückt der Augenpunkt, der in den Frühwerken sehr hoch angenommen ist, immer tiefer herunter. Endlich gelingt es C., in seinen letzten Bildern von 1604 der ganzen Landschaft einen einheitlichen Ton zu geben und die schematische Einteilung in einen braunen Vordergrund, einen grünen Mittelgrund u. eine blaue Ferne zu überwinden … Überhaupt scheint seine Kunst auf viele holländische Landschaftsmaler einen bedeutenden Einfluß geübt zu haben, wie denn auch van Mander berichtet, daß seit seinem Erscheinen die Darstellung der Bäume in den Bildern seiner Landsleute sich wesentlich verändert habe “

(Zoege von Manteuffel in Thieme-Becker VII [1912], 302 ff., wie als generell unverändert gültig auch noch von Ertz in AKL XX [1998], 522 ff. übernommen).

Auch unter diesem Coninxloo’schen Landschafts-Aspekt ist Bruyn’s Hubertus somit von ganz wesentlichem Belegwert und könnten ihn Nagler („keine Idee vom Helldunkel“) und Wurzbach („alles wie in gleichmäßiger Beleuchtung gehalten“) diesbezüglich mißverstanden haben. So gibt de Bruyn mittels Motivbehandlung und aktuellster heimischer Waldlandschaft seinem Hubertus gegenteilig zu Dürer denn

die Authentizität schlechthin .

Nämlich in jeglicher Hinsicht das heimische Umfeld des Heiligen !

(„Für seine ab ca. 1603 entstandenen Bll. eigener Erfindung übernimmt B. wesentl. Merkmale der fläm. Wald- und Panoramalandschaft, legt aber den Hauptakzent auf die Bilderzählung“, AKL, a. a. O.)

Gesehen aus schon besagter selteneren Untersicht ,

worauf auch Christian von Heusinger, Kustos em. des für seine Niederländer gerühmten Braunschweiger Herzog Anton Ulrich Museums, gelegentlich eines Besuchs explicit aufmerksam machte. Damit aber jenen

„ Gesamteindruck großer Wirkung “

herstellend, den Herwig Guratzsch gelegentlich der Lazarus-Bilder der erst später nachfolgenden Rembrandt und Fabritius eigens hervorhebt (siehe dessen Die Auferweckung des Lazarus in der ndl. Kunst von 1400 bis 1700, Kortrijk 1980, I, S. 159). Und damit dem einzigartigen Geschehen neben seinem

mit 70 × 46 cm (27½ × 18⅛ in ; sic! )

ohnehin nahezu konkurrenzlos angemessenen Format mittels dieses Kunstgriffes seinesgleichen suchende letzte Optik verleiht.

Dessen Neuauflage 1656 mit dickem Marselaer-Bezug

wohl kaum gelegentlich des Ablebens de Bruyn’s als vielmehr als

Morgengruß zur Geburt des Marselaer-Enkel-Stammhalters Frederik .

Denn die gesellschaftliche Stellung des Großvaters war superb :

Bürgermeister von Brüssel ,

Obmann der St. Hubertus – Bruderschaft

und

Gralshüter

der

Elewijter Hubertus – Insignien

( A. Waumans, Levensschets van den H. Hubertus. Zijne vereering te Elewijt. 1927,
als Schlieker unbekannt gebliebener Quelle ).

Frederik de Marselaer

(Antwerpen 1584 – [St. Hubert-] Elewijt 1670)

Jöcher, Gelehrten=Lexicon III [1751], 208 + VIII [1813], 789;
Biographie Nationale XIII [1894/95], Sp. 854-860;

Die Inquisition
beschlagnahmt 1631 die 80 nach Madrid gelieferten Exemplare
von Marselaer’s Philipp IV. von Spanien [sic!] gewidmeten Legatus
[mehrere Auflagen zwischen 1618 + 1668, darunter Weimar 1663]
sowie die gleichfalls bei Moretus in Antwerpen erschienene
und nach dort gelieferte spanische Ausgabe des Ortelius-Atlasses;

Peter Paul Rubens

Rubens, Frederick de Marselaer
Marselaer-Brustbild, Öl, 1635/40

[Rosenberg, 2. Aufl., 1906, Abb. S. 333]
+
1638 Titelblattentwurf für den Legatus, gestochen von Cornelis Galle d. J.
zwischen Dec. 1656 + Juni 1665 für die 1666er Moretus-Ausgabe
[Corpus Rubenianum XXI, 1977, Tl. 1, SS. 344-348, Nr. 84 + Tl. II, Abb. 286;
van de Velde, s. u., Abb. 1],
nachdem er sich schon zu Beginn der 1620er mit solchem auseinandergesetzt
und jenes van Loon’s der 1626er Ausgabe inspiriert hatte
[van de Velde Abb. 3];

Franciscus Godin

Lusus Anagrammaticus super Illustri a Centum Lustris Nomine
DE MARSELAER , Brüssel 1662;

Anthony van Dyck

Marselaer-Porträt gestochen von Adriaen Lommelin
[aktiv Antwerpen 1654-1677];

Frans Keldermans

Porträtkupfer des 80jährigen de Marselaer + Ansicht seines Mausoleums
[Thieme-Becker XX, 1927, S. 85; Abb. + Inschrift des Porträts bei Hooc, s. u., S. 31];

M. Hooc

Een Brusselse Magistraat van het Ancien Régime:
Frederic de Marselaer
in Gemeentekrediet van België XXIII, 1969, SS. 27-35,
mit Abbildungen auch der Denkmünzen + Medaillen;

C. van de Velde

Rubens, Frederic de Marselaer en Theodor van Loon
in Festbundel beij de opening van het Kolveniershof en het Rubenianum, 1981, SS. 69-82.

Ridder Dr. iur. Frederic (Fraderi, Frider) de Marselaer

Herr von Opdorp, Ratsherr, Schatzmeister und schließlich Bürgermeister von Brüssel, promoviert 1611 zu Löwen, Kavalierstour nach Italien, Verfasser des 1618 erstmals erschienenen wichtigen zweiteiligen Werkes über Gesandtschaften,

Khpykeion, sive Legationvm Insigne ,

— das den mit dessen Autor über Aufträge fürs Brüsseler Rathaus verbundenen Rubens umsomehr interessierte als seine eigenen Dienste in diplomatischen Angelegenheiten berührend —

resümierend in Marselaers Einschätzung vom Wert verhandelnder Gesandter zu Zeiten des Friedens wie des Krieges, ja, während letzterer ganz besonders. In anderweitigem Antwerpener Titelblatt gab er dieser Überzeugung 1623 durch Gegenüberstellung von Frieden + Krieg durch göttliche Prototypen Ausdruck (van de Velde, siehe unten, Abb. 6) und dieser Gedankengang ist gleichen Jahres denn auch Gegenstand einer brieflichen Erörterung gegenüber de Marselaer, der sich für eine allfällige erweiterte, auch großformatigere Neuauflage seines Legatus ein neues Titelblatt wünschte. Das dann aber, 1626, von Theodoor van Loon geliefert wurde, gleichwohl im Geiste Rubens’. Nämlich mit Merkur und kämpferischer Minerva, und zwar als aneinandervorbeischauender Kontrahenten (van de Velde Abb. 3). Als eben dies auch vermittelnd, darf der gegenüber dem 1618er Titelblatt eines Anonymus nunmehr unterbliebene Rückgriff auf de Marselaers Devise

ARTE ET MARTE

bedauert werden. Faszinierend indes die Fortentwicklung dieses 1626er Titelblattes durch nunmehr Rubens selbst fünfzehn Jahre nach dessen 1623er erster Beschäftigung hiermit. Endgültig seine üblicherweise nur marginalere Rolle als Entrée-Buchschmuck hinter sich lassend, katapultiert es zu humanitärem Ereignis: Frieden + Krieg , Mercur + Minerva , reichen sich unter Zurückdrängens ihrer konträren Attribute über der Titeltafel des Marselaer’schen Legatus die Hand. In der ländlichen Stille von Elewijt — Rubens hatte 1635 den feudalen Landsitz Steen van Elewijt erworben, womit die langjährige Verbundenheit zwischen ihm und de Marselaer zu einer auch nachbarschaftlichen geworden war — überblickte Rubens, so Carl van de Velde seinen reich illustrierten schönen Beitrag in der 1981er Rubenianum-Festschrift, siehe unten, zusammenfassend, seine eigene Karriere als Diplomat und fand zu positiverer Sicht, ließ Minerva die von Pallas Athene entlehnte kämpferische Wehrhaftigkeit beiseitelegen und zu ihrer Rolle als Göttin des Friedens zurückfinden. Soweit dieser für die zusätzliche Positionierung de Marselaers bedeutsame Rubens-Aspekt.

In seiner Hubertus-Bezogenheit findet de Marselaer, per Heirat (s. u.) Herr und erster Baron von Perk und Elewijt, Herr von Herseaux, Oycke und Loxem geworden, zentrale Erwähnung nicht zuletzt in der Bulle des Mechelner Erzbischofs Jacobus Boonen vom 15. Oktober 1650, mit der dieser

sowohl die Elewijter Hubertus-Insignien als auch die Hubertus-Bruderschaft

per 1. Mai 1651 kirchenrechtlich anerkennt. Bestand letztere schon seit sehr langer Zeit, so waren die Insignien von den Antwerpener Kapuzinern für die Schloßkapelle von Elewijt übereignet worden, nachdem frühere bei Brandschatzung der Kirche im Verlauf des Bildersturms untergegangen waren. Die reich gestaltete Bulle – Huyghebaert Abbildungen 78-80 – zeigt in breiter Oberleiste als Mittelstück den Heiligen als Porträt-Medaillon mit Bischofs-Insignien und wohl dem Hirsch-Kopf zur Rechten und beidseits jeweils zwei von Jagdgesellschaften eingefaßte Wappen für Boonen + Marselaer, wobei das der Frau de Marselaer im Gegensatz zu deren Wappenfahne hier im Stich im linken Schildfeld die Symbole ihres Mannes zitiert. Die Seitenfelder schmücken Tulpen als damals noch sehr kostbar, wobei Huyghebaert für möglich hält, sie könnten als Reverenz gegenüber Rubens gedacht sein, der mit dergleichen seinen Tulpen-Freund Justus Lipsius zu erfreuen pflegte. Auch könne für die von Falkenbeize + Jagd auf Hoch- + Niederwild heimkehrende linke Gruppe der Oberleiste – Abb. 79 – an die Gegend von Baerbeek gedacht werden, in der Rubens, wie auch Teniers, manche Landschaft gemalt habe. Hingegen scheint ihm das von Rosenberg um 1630/35 angesetzte

Rubens’sche Brustbild-Porträt Frederik de Marselaer’s

– eine für echt angebotene mutmaßliche Kopie derzeit am Markt – unbekannt geblieben zu sein.

Ebenfalls 1650 hatte Erzbischof Boonen per Plakatdruck unter Auslobung 40tägigen Ablasses bereits zur Besichtigung der „in de Capelle van het Casteel des Heeren van PARCK ende ELEWYT“ gegebenen Insignien aufgefordert und seiner Hoffnung Ausdruck verliehen, Seine Päpstliche Heiligkeit könne den befristeten Ablaß zu einem vollen ausweiten, wie denn im Folgejahr seitens Innocenz X. zum 1. Mai für die

„ sekere Reliquien van S. HVYBRECHT, binnen de Kercke van Eelewyt … toe gestaen /

ende met Aflaet vereert heeft een Broederschap van S. HVYBRECHT “

und mit 1651er Plakatdruck unter päpstlichem Wappen publik gemacht worden. Vorbehalten war dieser Elewijter Vollablaß allerdings nur den Kirchgängern „op S. HVYBRECHTS dagh t’elcken iare den 3. Novembris“.

Wie sehr der Name Marselaer selbst noch nach Erlöschen im Mannesstamm um 1720 als ein Synonym für das Wohlergehen von Kirche + Reliquien von Elewijt stand, dokumentiert ein mit 16 x 21 cm recht großes postumes Andenkenkupfer des Mechelner Antoon Opdebeeck (1709-1759) mit dem Hubertusgeschehen vor Elewijter Kirche, oberhalb derer Frederik’s Wappen schwebt. Siehe bei Huyghebaert die Abbildungen 75-77.

Werbemäßig war die Lizensierung der Elewijter Hubertus-Bruderschaft

mit der Gewährung vollen Ablasses ein großartiger Erfolg .

Von weither kommend, drängte sich die Menge erneut in Elewijt, erinnernd an große Pilgerzüge zu Anfang des 16. Jahrhunderts, als Hubertus um Schutz vor Tollwut ersucht wurde.

Wesentlich älter ist Kasteel Perk als der Marselaer-Stammsitz der Frederik-Zeit .

Einfachen Ursprungs im 12. Jhdt., schufen Baumaßnahmen des 17.-19. Jhdts. einen der prächtigsten Herrensitze des Brüsseler Umlands mit über 200 Räumen inmitten eines 90 ha weiten Parks. Via Verehelichung der Katharina de Wavre (Waver), Tochter des zwischen 1347 + 1378 florierenden Jan de Wavre und dessen Erbin von Perk + Ellewijt, mit Johann van Weede/Bernaige liefen die Besitzungen auf Frederik de Marselaer zu, indem er besagte Margriete van Borainage ehelichte

und in seiner Person Besitz + Geist als familiären Zenit vereinte .

Stammwurzel dieses Aufstiegs war die Herrschaft Opdorp, heute eingemeindet nach Buggenhout, dessen nunmehriges Doppelwappen linksseits das frühere Opdorp’sche, sprich Marselaer’sche, zeigt. Als Freiherrlichkeit hatte es Gwijde van Dampierre, Graf von Flandern, im 13. Jhdt. Willem van Grimbergen für geleistete Dienste geschenkt. Durch Heirat mit Elisabeth van Grimbergen kam es an Geeraerd van Marselaer, in dessen Familie es denn für Jahrhunderte verblieb. Adriaen van M. errichtete 1435 die dortige Kapelle, an deren Stelle dreihundert Jahre später eine Kirche errichtet wurde – mit tatkräftiger Unterstützung der Ursulinerin Maria Therese van M., Tochter oben gedachten Enkel-Stammhalters Frederik’s Jozef Ignatius, und deren Erbe Jan Willem d’Alvarado y Bracomonte, Burggraf von Lippelo und Herr von Opdorp. Dazwischen, 1641, schrieb Anton Sanderius in seiner Flandria Illustrata „Dit dorp pronkt met een fraai Kasteeel, of Palais, ’t welt de Heeren van Marselaer gebouwd hebben“ (Abbildung dortselbst).

Nicolaes de Bruyn, St. Hubertus (Ausschnitt)
Links die zischelnde Versucher-Schlange, rechts die weissagenden Schwäne (Ausschnitt)

Ob eine Provenienz-Zuschreibung anstehenden Exemplars an Frederik de Marselaer bzw. den Enkel Frederik Jozef Ignatius andenkbar ist, sei insofern nicht als unschlüssig erachtet, als sich die gesicherte Mazzuchelli-Provenienz zeitlich praktisch nahtlos an das Erlöschen der Marselaers im Mannesstamme anschließt, wofür nach aktuellen, wenngleich nicht ganz widerspruchsfreien, genealogischen Unterlagen zur Familie die Jahre um 1720 anzusetzen sind. Ob verwandtschaftliche Beziehungen zu den Mazzuchellis bestanden, ist hier unbekannt. Immerhin ergaben sich solche zur politisch gleichwohl nach Brüssel verzweigten spanischen Familie der Arrazola de Oñate durch Verehelichung zweier Frederik-Töchter, Margriete Frederika Hieronyme (1620-1695, bei Weiterversippung in die unterschiedlich lokalisierbare Familie della Faille, de La Faille) + Johanna Angelica (1623 – 18. 12. 1656).

Mazzuchelli-Möglichkeiten geben per Verheiratung ansonsten noch eine Enkelin Frederik’s sowie je ein Sohn (dessen Frau indes bereits nur 22jährig verstarb) + Tochter eben gedachten Enkels Frederik Jozef Ignatius als Urenkel.

Soweit die Fakten. Und bezüglich der Meyssens-Adresse das ebenso nüchterne wie wertbestimmende résumé, wonach

Marselaer-Dedikation + Rubens-Nähe

jegliches Feld

endgültig und weit abgeschlagen hinter sich gelassen haben .

Dabei in jeglichem Druck-Zustand unerreicht geblieben selbst Schwerdt und fehlend so vielerorts mehr bis hin zum British Museum als einem Sonst-Alles-Haber, siehe oben, und – bändesprechend – eben erst seit 1991 im Rijksmuseum als dem Nibelungen-Schatz niederländischer Kunst schlechthin. So denn auch erst hiesigerseits bekanntgemacht Günther Schlieker bei Vorbereitung seiner in Jahrzehnten gewachsenen, 2016 erschienenen monumentalen Hubertus-Dokumentation Die Verehrung des hl. Hubertus im Wandel der Jahrhunderte. Wie zuvor eben auch

unbekannt geblieben schon Huyghebaert

selbst nach seinerseits 21 weiteren Forschungsjahren

bei umfassendst erweiterter Neuauflage seines Sint Hubertus, Patroon van de Jagers in Woord en BeeldAntwerpen [ sic ! ] 1949 mit nunmehr 361 Seiten + 173 Abbildungen gegenüber nur 158 Seiten + 34 Abbildungen 1927!!),

was besagte Seltenheit umso signifikanter belegt

als er Frederic de Marselaer ausführlich dokumentiert (SS. 174-181 + Abb. 75-80) !

Zur heutigen Hubertus-Bedeutung siehe in Ergänzung zu Schlieker auch Heinz Brüll per Unterkapitel Die Bedeutung der Hubertuslegende (Lindner-Festgabe Et Multum et Multa, 1971, SS. 19 f.), E. Ueckermann, St. Hubertus – Legende und Wirklichkeit (unsere Jagd 11/96, SS. 26 f., hirschbezogen übrigens mit dem Hinweis „zumeist mit einem Geweih von acht Enden“, bei Bruyn, Dürer, Reinhart sind es zehn, bei Cort ist’s ein Ungerader Zehnender) sowie Peter Bußmann + Georg Haasis in Die Pirsch 23/96, SS. 108-111.

Hubertus — „Beschützer vor Tollwut , Patron der Jäger , Schützen und Reiter .“

Wie kostbar denn auch Conte Giovanni Maria Mazzuchelli hiesiger St. Hubertus war, belegt seine besagte rückseitige 5fach-( sic ! ) Stempelung „Con. Gio. Mazzuchelli“ unter der Grafenkrone. Mit 21 Titeln bei Jöcher vertreten, zählt er „zu jener Brescianer Patricierfamilie, deren Name auf dem Gebiete der italienischen Litteratur durch mehrere Mitglieder bestens vertreten ist“ (ADB XXI, 150 gelegentlich des späteren Alois Graf von M.).

De Bruyn’s Hubertus – erstmals präsent hier denn mit dem ganzen Anspruch seines Marselaer-Bezugs, seiner überragenden generellen Seltenheit, auch mit den Spuren seiner Jahrhunderte, gewiß, doch

gesamthaft als ein wundervolles Blatt .

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(Mr. M. R., June 9 & July 1, 2016 resp.)