English

Von konträr diskutierter Hand

Kolfspieler des Goldenen Zeitalters auf dem Eis

im den Experten teils nur vom Hörensagen bekannten Boydell-Kupfer

Aert van der Neer (Gorinchem 1604 – Amsterdam 1677) ?

(„ Eine Winterlandschaft / Vergnügen auf dem Eis auf dem gefrorenen Arm eines Flusses in den Vororten von Amsterdam. Zwischen den auf einem breiten gefrorenen Fluß festsitzenden Booten spielen einige Schlittschuhläufer ‚Kolf.‘: excellentes und charakteristisches Bild … die sich in der Ferne verlierende Wassermasse, die Belebung beider Ufer, der helle Himmel, der sein Licht auf … die Oberfläche des Eises wirft und die dunkelsten Schatten erhellt … leicht und gar skizzenhaft behandelt, doch mit der Begabung eines Meister’s, zugehörend seiner [van der Neer’s] früheren und besten Periode … Signiert mit Monogramm“ [Wilhelm von Bode im Katalog de Ridder, 1913, Pos. 62].)

Adrian van Drever (realiter? fingiert?, tätig ggf. Amsterdam um 1670/80) ?

Aert van der Neer, Winterlandschaft mit Kolfspielern

Winter

Von sich in der Ferne mit auch jeweils einer Windmühle verlierenden beidseitigen Häuserzeilen eingefaßter, sich vorn nach links und rechts teilender zugefrorener breiter Fluß mit Kolfspielern und verschiedenen Booten, davon eines mit Fischreuse nächst gesicherten Baumstämmen. Auf dem Uferstreifen vorn sitzender Mann in Gesellschaft eines stehenden Mädchens. Während linksaußen einer der Spieler heimwärts strebt, kommt im Gegenzug rechts ein Sackträger erst frisch in die Scene, begleitet von springendem Hund. Kupferstich mit Radierung von und bei John Boydell (Dorrington/Shrops. 1719 – London 1804). Bezeichnet: spiegelbildlich facsimiliert im Bild u. r. AV (ligiert) D / 1675; typographisch im Unterrand Van Drever pinx.t / J. Boydell sculp.t / Winter / Engrav’d (im Gegensinn) from an original Picture of Van Drever, in the Possession of Mr. (John) Poyner (Apotheker) at Islington. – / Published according to Act of Parliament; & Sold by J. Boydell Engraver at the Unicorn the Corner of Queen Street in Cheapside London 1753. 29 × 42,6 cm (11⅜ × 16¾ in).

Prächtiges großes Blatt mit mittigem adäquaten Wasserzeichen

(15,5 × 7,5 cm [6⅛ × 3 in], nicht bei Heawood) auf schwerem Bütten mit seitlich 6,2-7 + oben/unten 6 cm breitem Rand. Dieser dreiseits und oben unter Einbezug auch des weißen Plattenrandes schwach stockstippig/fleckig, linksseits im Außenbereich etwas stärker, wie denn auch rückseits generell etwas mehr bemerkbar. Gänzlich unberührt hiervon das Bild selbst und der Gesamteindruck kaum.

Schlußblatt einer informellen Jahreszeiten-Folge

nach Bildern verschiedener Meister der Sammlung Poyner , Islington ,

Watermark
Das Wasserzeichen
als deren Frühling und Sommer zwei Landschaften Jan van Goyens (Leiden 1586 – Den Haag 1656) dienten (Beck 600 + 560). Radiert von William Elliot (Hampton Court Palace, London, 1727 – London 1766), sind beide gegenüber den Ölen in ihrer heute bekannten Form an den Seiten etwas breiter und dadurch kompositorisch ausgewogener, was sowohl auf eine spätere Verkürzung der Öle wie eine Anpassung der Bildrelationen im Kupfer durch Elliot deuten kann. Ein Herbst-Blatt hier derzeit nicht nachweisbar und möglicherweise (aufgrund Ableben Poyners?) nicht realisiert. Ein dritter Goyen der Sammlung Poyner, eine Stadtbefestigung am Fluß darstellend, lediglich durch François Vivarès’ (Lodève 1709 – London 1780) 1756er Radierung The Dutch Fishermen für Boydell sowie etliche Kopien bekannt (Beck 790a). Von Boydell selbst radierte weitere Poyner-Provenienzen sind eine Landschaft von Nicolaes Berchem (Haarlem 1620 – Amsterdam 1683) und eine Mondscheinlandschaft von Anthonie van Borssom (get. 1631 Amsterdam 1677), in der Bezeichnung das pinxit fälschlicherweise dem späteren Miniaturmaler (!) (Barend) Van Bosman (1742-1807, sic!) zuordnend (1752 bzw. 1753). Poyner selbst hier ansonsten lediglich als Subskribent von John Oldmixons History of England (1730), als Zeuge vor dem Old Bailey (1754) sowie durch sein zu Saint Mary, Islington ausgefertigtes Testament vom 22. Oktober 1761 nachweisbar.

Die sich unten ergebende ausgemachte Seltenheit des Blattes

gestützt nicht zuletzt von dessen Fehlen im weit über 20000 Blatt umfassenden, noch zeitnahen Weigel’schen Kunstlager-Catalog der Abteilungen I-XXVIII (1838-1857).

Und geheimnisumwittert bezüglich dessen malerischer Vorlage wie folgt:

pro van der Neer

British Museum 1861,1109.82: … with facsimile signature (in reverse): „AVDN / 1675“ (hiesige Signatur eindeutig ohne N)

„ (Nach einem Gemälde von Aert van der Neer, aber in der Platte fälschlich zugeschrieben an [den schwer faßbaren, so nicht fingierten Künstler] Adrian van Drever.) “

Thieme-Becker IX (1913), 558 (Karl Lilienfeld):

„ Adrian van Drever, nach Nagler u. a. ein holländ. Maler, der … Winterbilder und andere Landschaften gemalt haben soll. Höchstwahrscheinlich aber ein fingierter Künstler, den man für die Werke und (nicht ganz korrekt, s. u.) das Monogramm des A. v. d. Neer in Anspruch nahm … Jedenfalls ist das einzige Bild des angeblichen D. … die Winterlandschaft der Belvedere-Galerie in Wien ein Werk des A. v. d. Neer (nicht bei Schulz, 2002) … Dem Monogramm dieses Bildes fehlt genau wie dem Monogramm, das Nagler (Monogr. [II] No. 1414) nach (hiesigem) Kupferstich J. Boydells reproduziert, das N van der Neers “

Aert van der Neer, Winterlandschaft mit Häusern (Mauritshuis)
Aert van der Neer, Winterlandschaft mit Häusern (Mauritshuis, ’s-Gravenhage)

Hofstede de Groot (1918) 494 (authentisch, undatiert) und weitere Koryphäen des niederländ. 17. Jhdts. wie Willem Martin und Wilhelm von Bode bis hin zum Ankauf aus der fundierten Sammlung August de Ridder in Kronberg 1924 durchs legendäre Haager Mauritshuis mit Hilfe der Vereniging Rembrandt und weiterer Stifter (Katalog 1977, Nr. 787 mit Abbildung).

Bibliothèque Nationale Paris 1930, 148 bezüglich von Le Bas’ um 1748 gestochener vergleichbarer Winteransicht von Zandvliet bei Antwerpen bzw. eines Scheveninger Fischmarktes „(nach Aert van der Neer [?]) – Hollstein 6 + 7, (nach Neer) – und

„ (… obgleich die Kompositionen als nach Adriaen van Drever bezeichnet sind, könnten sie auch nach Aert van der Neer sein). “

Bachmann, Aert van der Neer, 1982, Seite 115 + Abbildung 85, in Unkenntnis der 1675er Datierung im hiesigen 1753er Kupfer:

„ Diese kleine Tafel mit dem weiten hohen Wolkenhimmel, mit Wolkenschatten über der Eisfläche, die frühe Dämmerung erwartend, gibt die Illusion eines stillen trüben Februartages. Sie hat die Komposition mit dem vorn sich teilenden Flusse; das dritte Ufer liegt quer zur Flußrichtung und beeinträchtigt den natürlichen Verlauf des Geländes … die Lichtwahrheit überzeugt.

Aert van der Neer, Monogramm (Mauritshuis)
Aert van der Neers Monogramm im Öl (Mauritshuis, ’s-Gravenhage)

„ Auf diesem Bilde fand man unter dem Monogramm eine seltene, auf den Tag genaue Datumsangabe: 7 fe. 16.5 mit anderer Farbe, also nachträglich eingeschrieben. Von der wichtigen Zahl in der Zehnerstelle ist nur die obere Hälfte erhalten, es kann eine 3 oder eine 7 gewesen sein. Als Entstehungsdatum kommt keine der beiden Zahlen in Frage. 1655 wäre eine passende Zeitangabe, aber der Rest der Zahl hat zu keiner 5 gehört.

„ Es gibt mehrere Winterlandschaften mit der ähnlichen Komposition und Größe (25 × 36,5 cm [9⅞ × 14⅜ in]), sie sind ungefähr zur gleichen Zeit entstanden. – Was die Jahreszahl angeht, so könnte man sie für das Datum einer Wiederbegegnung nach 20 Jahren halten … “

In hiesiger Kenntnis der 1675er Datierung im Bild des Kupfers erscheint auch die Zehnerstelle des Öls durchaus als eine obere 7 lesbar. Bezüglich des vollständigen Neer-Monogramms mag zur Klärung der Frage, warum zumindest in hiesigem – siehe unten – Exemplar des Kupfers dessen N fehlt, auf das im Öl an Hand der Abbildung schwächer lesbare und damit übersehbare N aufmerksam gemacht werden.


Aert van der Neers Kompositionsschema

Am gewichtigsten indes, daß noch das Kupfer

van der Neer’s sprichwörtliches geometrisches Kompositionsschema aufweist ,

indem hiesiges Diagramm mit denen bei Bachmann, 1982, Seite 81 beigezogenen korrespondiert, herausgreifend interpretiert mit

„ Sicher hatte van der Neer ein tiefgründiges Verhältnis zur Geometrie. Das ist nicht ungewöhnlich, die holländischen Landschaften sind meist streng komponiert, d. h. ihr Aufbau wurde sorgfältig mit Rücksicht auf eine architektonische Ordnung geplant. Die van-der-Neer-Komposition der 40er Jahre ist schon als extrem zentralperspektivische Formulierung eine Sache der Geometrie. “

Und gelegentlich der den späten 60ern entstammenden authentischen Schweriner Feuersbrunst Schulz 1376, Abb. 234

„ Noch erweist sich van der Neer als Meister der Komposition … bestimmen zwei Waagerechte den geordneten Bildraum … es sind die beiden Flußufer “ (ebda. Seiten 79 + 142).

Nicht zu übergehen schlußendlich Boydell’s schon zuvor gerügte Signatur-Nonchalance betreffend das fälschlich dem späteren Miniaturmaler van Bosman (1742-1807, sic!) zugewiesene gleichformatige Pendant Moon Light aus gleichfalls 1753 nach Anthonie van Borssoms Mondscheinlandschaft der Sammlung Poyner. Siehe British Museum 1861,1109.26.

Herausgegriffen schließlich figürliche Vergleiche zu Schulz:

Für Beinführung und Beinkleider des Nachhausegehers im Kupfer linksaußen siehe Schulz 225, Farbtafel 3, linksaußen (Authentic and important, frühe/Mitte 1650er). Für die generell gesicherten letzteren auch Schulz 35 (Authentic) + 212 (Authentic, 2. H. der 1650er), Farbabbildungen 4 f.

Für das Boot mit der Fischreuse im Kupfer mittig rechts Schulz 215, Farbtafel 7, rechte Bildhälfte (Authentic, ca. 1660).

Für das sitzend/stehende-Paar auf dem Uferstreifen vorn rechts Schulz’ schon oben beigezogene 229, Farbtafel 8, ebda. vorn links + 209, Farbtafel 14, ebda. vorn mittig (Authentic and important, Certificate Bernt [1978], für Bachmann mutmaßliches Spätwerk.

Für den mittleren der drei Kolfer im Kupfer mittig links Schulz 240, Farbtafel 9, der mittig rechts allein stehende Kolfer in Braun (Authentic, 2. H. der 1650er, für Bachmann an Hand der Kleidung um 1660) + 227, Farbtafel 10, der Linksaußen der Dreiergruppe mittig links (Authentic).

Die gegenüber dem Öl und Bestform-Neer generell teils etwas steif erscheinenden Figuren des Kupfers der Nachrangigkeit Boydell’s als Stecher geschuldet.

pro Drever

Boydell, Catalogue raisonné d’un recueil d’estampes d’apres les plus beaux tableaux qui soient en Angleterre [1779], p. 47.

Nagler, Künstler-Lexicon, III (1836), 474 f. + Monogrammisten I, 1438 und II (1860), 942 + 1414:

„ … Landschafts- und Marinemaler, der schon um 1675 in Holland blühte. Diese Jahreszahl steht neben dem Zeichen des Künstlers auf einem nach ihm gestochenen Blatte und daher kann dieser Drever nicht wohl um 1660 geb. seyn, wie Winckelmann und Füssly angeben. Der erwähnte Stich (eine Winterlandschaft) ist von J. Boydell nach dem Gemälde aus der Sammlung des M. Poyner zu Islington gefertigt … In der k. k. Gallerie zu Wien sind Winterlandschaften von seiner Hand gemalt (gemeint wohl die, so Wurzbach, s. u., „sogenannte(n) ‚Schneebrueghels‘, Winterlandschaften im Charakter der Brueghel … K. Mus. [1896, N. 722] Winterlandschaft mit Schlittschuhläufern. Bez. Brveghl 16.. und … A. v. D. Ähnliche Bilder bei Gr[af] Harrach in Wien, Prag [Rudolfinum. N. 119] … u. a. O.) …

„ Man glaubt auch, dass er sich in England aufgehalten habe. J. Boydell stach nämlich … auch das von Boydell gestochene Gemälde trägt das Monogramm, und zwar mit der Jahreszahl 1675. Das Zeichen erscheint auf dem Stiche verkehrt (spiegelbildlich), so dass wir es (auch) unter D A V. geben müssen. “

Immerzeel Jr., De Levens en werken der Hollandsche en Vlaamsche kunstschilders, beeldhouwers, graveurs en bouwmeesters van het begin der 15de tot op de helft der 19de eeuw. Amsterdam 1842-43.

„ (Ein holländischer Landschafts- und Seemaler … um 1673 und sich in England aufgehalten haben muß. Andere Eigentümlichkeiten über diesen Künstler sind nicht mit Sicherheit bekannt.) “

Allgemeines Künstler Lexikon XXIX (2001), 406 (Ulrike Middendorf):

„ Außer zwei derzeit nachweisbaren Gem. mit der bei Nagler und Wurzbach überlieferten Sign. ist über diesen Maler bislang nichts Gesichertes bekannt. Eines der Werke, ein Winterbild mit bunten Figürchen, steht in der Trad. ähnlicher Bilder aus den 1630er Jahren (ehem. Gal. Müllenmeister, Solingen 1988 [und damit nicht das hiesig gestochene]). Das zweite Werk ist eine italianisierende Gebirgslandschaft mit einer Wassermühle und zwei Wäscherinnen (Aukt. Christie’s, Am. 29. 10. 1993, Los 38). Beide Bilder sind von etwas naivem Charme und lassen möglicherweise auf einen Autodidakten schließen. Auf keinen Fall ist er trotz der Ähnlichkeit der Monogramme mit Aert van der Neer zu verwechseln. Angeblich hat der engl. Stecher John Boydell ein Winterbild nach D.s Vorlage gestochen mit dessen Monogr. und der Jahreszahl 1675 (seitenverkehrt, Abb. b. Wurzbach). Zwei weitere Stiche nach D. von J. P. le Bas zeigen angeblich das Dorf Santvliet im Winter und einen Fischmarkt bei Scheveningen. “

Für Middendorf die Vorlagen von Boydell und Le Bas somit ebenso nur vom Hörensagen/lt. Literatur bekannt wie deren entsprechend seltene Kupfer selbst.

zweifelnd und als Anonymus

Wurzbach, Ndrländ. Künstler-Lexikon I (1906), 425 f. nebst hiesigem spiegelbildl. Monogramm + seitenrichtigem AV (ligiert) D: „… vielleicht nur ein erfundener Künstlername …“ und des weiteren wie schon oben. Dazu in Bd. II, Seite 223 das Neer’sche Monogramm in zwei Versionen gebend.

Schulz, Aert van der Neer, 2002, Nr. 21 nebst Abbildung 321: Copy or imitation.

Ohne Verweis auf van Drever und somit auch in Unkenntnis des hiesigen Boydell-Kupfers und damit auch der Poyner-Provenienz. Welch letztere der Frage Vorschub leistet, ob der Name im Laufe der Zeit zu Poynder mutiert sein könnte. Denn für die auszeichnend zusätzlich per Farbtafel 8 gegebene monogrammierte und 2000 in New York zu $ 277500 verhandelte Neer’sche Winterlandschaft Schulz 229 setzt die Provenienzkette mit Thomas Henry Allen Poynder auf Hartham Park/Wiltshire ein, welchen Sitz er in den 1850ern erworben hatte und der via Bruder William Henry auf dessen Neffen John Dickson Poynder (1866-1936), späterem Sir, Baronet und Lord Islington überging. Und zumindest noch Joan Alice Katherine Dickson Poynder (1923-1987) besaß denn auch noch gedachten van der Neer. Könnte nicht auch dieser schon hiesigem sammelnden Apotheker Poyner in Islington gehört haben, der solchermaßen schlußendlich ein 200jähriges Pedigree begründet hätte? Denn dessen Auge, nimmt man obige gesicherte Öle von van Borssom, Berchem und van Goyen hinzu, verstand offenbar zu differenzieren!

Interessanterweise nennen Kleinberger als Veranstalter der 1913er de Ridder-Auktion und der den Katalog begleitende große Wilhelm von Bode zu diesem Bild wohl die Pariser Provenienzen Theodor Lang und Jules Porgès, nicht aber die von Poyner. Daß selbst in Paris hiesiges diesbezügliches Boydell-Kupfer unbekannt geblieben wäre, erscheint umsomehr unwahrscheinlich, als dortselbst zeitgleich Jacques Philippe Lebas (1707 Paris 1783) zwei andere Kupfer als den einzigen weiteren nach „Drever“ verfertigte (das holländische Santvliet im Winter + einen Fischmarkt bei Scheveningen). Und, die Bezeichnung des ersteren vermischend mit anstehendem Sujet, erschien gleichfalls in Paris bei Basset (2. H. 18. Jhdt.) ein ziemlich naives, zum Öl indes wieder seitenrichtiges Guckkasten-Bild als Hyver / Vue de Santuliet Village de Hollande, ansonsten ohne Monogramm und jeglichen Künstler-Bezug.

Störte die Poyner-Provenienz etwa im Paris Kleinberger’s als des Verkäufers dessen von Boydell nach „Drever“ gekupferter Winterlandschaft rücksichtlich des – zumindest den Regel-Exemplaren des Kupfers, siehe oben und nachfolgend – dem Monogramm fehlenden „N“ ??

résumé

Dies denn die Fakten. So van der Neer favorisierend, könnte sich der nebulöse „Drever“ in der Tat als eine Fiktion bestätigen, fußend möglicherweise auf einem unkorrekten Anagramm. Zu welchem der vom Publikumsgeschmack vernachlässigte verarmte Großmeister der Mond- und Winterlandschaften vor Gläubigern Zuflucht genommen hätte. Was auch die von der Literatur als verdächtig niedrig bewertete Anzahl der Bilder erklärte. Und solchermaßen hätte Mr. Poyner das ihm gefallende Bild „im Stile“ van der Neers – Schulz: Kopie oder Imitation – als einen van Drever erworben. Was denn auch die Boydell-Signatur absegnete. Um schließlich als ein echter van der Neer entdeckt zu werden.

So, wie in Wien, zitiert bezüglich Drevers nach Thieme-Becker IX (1913), 558:

Monogramm AV D 1675 (spiegelbildlich)
Invertiertes Monogramm AV D / 1675
„ Jedenfalls ist das einzige Bild des angeblichen D., dessen Aufenthaltsort Nagler unter (Monogrammisten II) No. 1438 angibt, die Winterlandschaft der Belvedere-Galerie in Wien, ein Werk des A. van der Neer – 2002 nicht bei Schulz – , das jetzt im dortigen Hofmuseum hängt. Dem Monogramm dieses Bildes fehlt genau wie dem Monogramm, das Nagler (Monogr. No. 1414) nach einem (nämlich hiesigem) Kupferstich J. Boydells reproduziert, das N van der Neers. “

Bezüglich letzterem, es sei wiederholt, will The British Museum auf zwei seiner drei Exemplare des Boydell-Kupfers im Monogramm das fragliche N – korrekt? – gelesen haben. Demnach zwei Zustände des Kupfers existieren müßten, heilend das im Öl wegen möglicher Zartheit, wie hier wahrgenommen und an spätere Hinzufügung denken lassend, übersehene N. Bei gleichwohl ausdrücklichem Beibehalt des Drever’schen pinxit! In dessen Monogramm ein N absolut nichts zu suchen hätte!

Zweifelsfrei einzig und allein schlußendlich die Tatsache , daß das 1924 vom Mauritshuis in Einklang mit der Fachwelt als ein van der Neer der Sammlung de Ridder, erworben beim Hauslieferanten Kleinberger in Paris, angekaufte Öl das der Sammlung Poyner ist, das hiesigem 1753er Boydell-Kupfer als Vorlage diente. Eben ausweislich der unterhalb des Monogramms von dritter Hand nachträglich hinzugefügten Datierung (1675). Denn eben diese Datierung auch auf anstehendem Blatte. Sodaß es sich um ein und dasselbe Bild handelt!

Dessen Geheimnis wohl fortbestehen bleiben wird

als nicht die schlechteste Beigabe eines schönen Bildes .

Angebots-Nr. 16.241 / EUR  2300. / export price EUR  2185. (c. US$ 2641.) + Versand

Wir danken dem Mauritshuis, ’s-Gravenhage, für die großzügige Erlaubnis zur Wiedergabe der Vergleichsabbildungen des Öls van der Neers.

  1. Für Nagler 1860 mitnichten Neer, vielmehr Drever betreffend. Einer seltenen entsprechenden Monogramm-Verkürzung bei Neer fällt lt. Bachmann, s. u., S. 25 aber gerade das D zum Opfer und nicht das wesentlichere N.

„ Lieber Herr Niemeyer, Ich freue mich über Ihr selten gewordenes Qualitätsempfinden! Ein einwandfreies Exemplar des Goltzius wäre mir schon auch lieber! MfG “

(Herr M. N., 21. April 2015)