Die Rote Serie - eine creation von lüder h. niemeyer lüder h. niemeyer kunsthandel seit 1959 Die Rote Serie - eine creation von lüder h. niemeyer - kunsthandel seit 1959
English

„ Immer nur nach dem Nützlichen zu fragen ,

ziemt sich gar nicht

Le Brun / Triumphe Alexanders / Der Sieges-Vogel

für großzügige und freie Menschen “

(Aristoteles , Lehrer Alexander’s)

Hier denn

Die Triumphe Alexander’s

als

„ ein wundervoller Rausch , ein Traum ,

in dem das homerische Zeitalter

noch einmal heraufbeschworen wurde “

(Oswald Spengler zum Alexanderzug)

Rauschhaft schön dann noch einmal ,

2000 Jahre später ,

Charles Le Brun

1619 Paris 1690

Charles Le Brun, Die Triumphe Alexander’s des Großen

Die Triumphe (oder Die Schlachten oder Die Historien) Alexander’s des Großen

Folge der von 15 (nicht 16!) Platten gedruckten, zusammengesetzten und auf Falze gehefteten 5 (3 gefalt.) Blatt (69,6-72 x 90,4-159,3 cm) in Radierung mit Kupferstich von Girard Audran (4) + Gerard Edelinck. Paris 1672/78 (Audran) + ca. 1671. Imperial-Folio (78 x 54,5 cm). Exemplarspezifische 2 Bll. Text + Inhalt in Schwarz-Prägung, 1 w. Bl.

Bordeauxroter Rindleder Designer-Einband über Holzdeckel

mit 4 von Fileten eingefaßten Zierbünden, überlaufenden Deckel-Fileten und

jeweils 4 großen Bourbonen-Lilien in den Zwickeln ,

2teil. Künstler- + Titelprägung auf dem Vorder- und

großem ligierten R(oi)S(oleil)-Monogramm

als zugleich auch Markenzeichen der hiesigen Red Series als Mittelstück auf dem Rückdeckel, schwarzen Rückenschildchen, braunen Innen-Spiegeln + Vorsatz, davon die Spiegel + vorderer Vorsatz

mit von Bourbonen-Lilie

Charles Le Brun, Die Triumphe Alexanders, Spiegel + Vorsatz

begleiteten Text-Passagen bzw. Titel ,

red series bzw. niemeyer fine arts auf Innendeckel-Unterkante sowie JayAitchDesign auf Rückdeckel-Unterkante, alles 23,5karätig goldgeprägt in Englisch.

Literatur

Michel Gareau

in Zusammenarbeit mit Lydia Beauvais
Chargée de mission (LE BRUN project), cabinet des dessins de Louvre

Charles Le Brun. First Painter to King Louis XIV

New York, Abrams, 1992

(soweit nicht anders vermerkt, entstammen Zitate dieser Quelle)

Donald Posner

Charles LeBrun’s Triumphs of Alexander

The Art Bulletin XLI (1959), no. 3, 237 ff.

Wilhelm Weigand (Hrsg.)

Der Hof Ludwigs XIV.

Nach den Denkwürdigkeiten des Herzogs von Saint-Simon
3. Auflage. Leipzig, Insel-Verlag, 1925

E. Décultot, M. Espagne + M. Werner (Hrsg.)

Johann Georg Wille (1715-1808). Briefwechsel

Tübingen, Niemeyer, 1999

Jan Hendrik Niemeyer

Ridinger Erlebnisse 1698-1920 in Daten und Annotationen

Norderstedt, BoD, 2021, SS. 10 f., 20, 22, 25, 277, 284, 286

AKL V (1992), Audran

„Das Œuvre von A. umfaßt kaum mehr als 200 Stiche, eigentl. wenig,
wenn nicht eine Reihe außergewöhnlicher Formate wären .
Es gibt, ungeachtet der Bemühungen von Robert-Dumesnil, 1865 (für hier dessen 57-60) ,
Meyer, 1878, Audin/Vial, 1918, und R.-A. Weigert, 1939,
noch immer keinen ernsthaften Œuvrekatalog von A.“

Thieme-Becker (1908 ff.)

XXII (Le Brun) , II (Audran) + X (Edelinck)

J. A. G. Weigel

Ährenlese auf dem Felde der Kunst
Abt. II (1841)

938 (Audran)

» Vier Blätter aus der Geschichte Alexanders …
Sämmtlich mit — wie hier — dem Namen des Druckers Goyton . «

+

955 (Edelinck)

» Mit — wie hier — dem Namen des Druckers Goyton . «

R. Weigel’s Kunstkatalog

Abt. I (1838), 557

„ Die berühmten Schlachten Alexander des Grossen …
In 5 (zusammengefügten) Blättern im grössten qu. Imp. fol.
Erste Abdrücke mit – wie hier – der Adresse des Königl. Drucker Goyton . “

Nagler (1835 ff.)

I (Audran)

„ Sie bestehen aus 13 großen Platten und sind in ersten Abdrücken
– wie hier – mit der Adresse von Goydon “

„ … hat G. Audran meisterhaft gestochen
und dabei selbst nicht wenig zum Ruhme Le Brun’s beigetragen ,
denn Audran verbesserte oft die Unrichtigkeiten der Zeichnung des Originals “ (II)

II (Le Brun)

„ Auf den Gipfel des Ruhmes erhoben ihn aber seine Alexander-Schlachten “

IV (Edelinck)

„ in zwei Platten und im ersten Drucke
– wie hier – mit Goyton’s Namen “

„ … hat Edelink hierin seine ganze Kunst erschöpft “ (II)

Meyers Konversations-Lexikon

4. Auflage, 1888/90

Die autorisierte grandiose Kupfer-Ausgabe

im Auftrage Ludwigs XIV. von

Le Brun’s gigantischem Gemälde-Zyklus auf Leinwänden zwischen 2,98-4,7 x 4,53-12,65 m

aus den Jahren 1661-1668 als einer jener Verewigungen Ludwigs XIV., für die dessen 1. Minister Colbert „keine Ausgabe zu groß war, wenn der Ruhm, la gloire, des Königs in Frage kam“. Hier denn der Sonnenkönig in gedachter Gestalt „Alexanders des Großen als Schlachtenmeister“. Dessen persönliche Ausstrahlung die Künstler allerdings in der Tat zu beflügeln vermochte. So meinte 1665 vor Ort der die Porträt-Büste schaffende große Bernini – „Besonders als Porträtist ist (dieser) um der außerordentlichen Fähigkeit willen, das Individuelle der Person wiederzugeben, der bewundertste Meister seiner Zeit gewesen“ (Thieme-Becker) – „der König habe einen Alexanderkopf“. Mit dem Ergebnis, daß „Die großartige Büste des jungen Königs … das selbstbewußte Wesen des Herrschers in unvergleichlicher Weise wieder(gibt): es ist etwas Jupiterhaftes, das aus den heitern Zügen des Monarchen spricht“ (jeweils Weigand, SS. 59, 152, 43). Und so war denn auch anstehenden Falles

„ schlußendlicher Konsens

Charles Le Brun, Die Triumphe Alexanders, Rück-Spiegel

daß niemand anders als Le Brun

Die Schlachten hätte kreieren können “.

Jene Höhepunkte des Handelns eines Mannes also, dessen Name allein schon Programm ist. „Alexandros … der ‚Männerbeschützende‘, griech. Mannesname“. Hier denn „der Große“ (356-323 v. Chr.),

„ der größte Eroberer aller Zeiten, Sohn des Königs Philipp und der Olympias … Sein erster Erzieher war Leonidas … dann von seinem 13. Jahr ab der berühmte Philosoph Aristoteles. Diesem gebührt der Ruhm, in dem leidenschaftlichen Knaben den Gedanken der Größe, jene Hoheit und Strenge des Denkens geweckt zu haben, die seine Leidenschaften adelte und seiner Kraft Maß und Bewußtsein gab. A. bewies seinem Lehrer stets die innigste Verehrung; er sagte oft, seinem Vater danke er nur sein Leben, seinem Lehrer, daß er würdig lebe … A. wurde schon bei Lebzeiten durch die bildende Kunst verherrlicht wie kein Held des Alterthums vor ihm “

(Meyers, a. a. O., I, 316 ff.).

Wie es schon die Vorstellung Le Brun’s war ,

daß niemand anders als Audran

(und Edelinck) die absolute Wiedergabe in Kupfer würden meistern können .

Hier denn vorliegend auf schwerem Papier in deren

ersten Abdrücken

mit dem Namen des königlichen Druckers Goyton

auf allen fünf Blättern und die Audran’s mit Ausnahme des 1678er Schlußblattes

mit noch „Pintre“ statt „Peintre“ .

Und das alles in entsprechend

einheitlich wundervoller , noch immer schwärzender Druckqualität

leuchtenden Hell-Dunkels

bei gleichzeitig praktisch größter Frische ,

gänzlicher Unversehrtheit

und umlaufendem Rand von 2,2-4 cm für oben + unten bzw. 3-11 cm für die Seiten ,

wie exakt im einzelnen jeweils unten vermerkt. Die Seitenränder der drei Großformate also am großzügigsten , nämlich mit 6 bzw. 9-11 cm geradezu spektakulär.

Jean Goyton (1629 – Paris 1714) war im übrigen lt. British Museum seit den 1670ern Verleger und Drucker in Paris und

„ (Vielleicht der erste , dem es erlaubt war ,

seinen Namen unter die von ihm gedruckten Platten zu setzen .

Engagiert zum Druck der Platten des ‚Cabinet du Roi‘ , welche nicht in der Königlichen Druckerei lagerten, sondern in der Königlichen Bibliothek, hatte Goyton seine Presse dorthin zu verbringen und sie in dem Raum zu drucken, der dem Lager des für die Bindung der Bände bestimmten Leders benachbart war [siehe André Jammes, The Library, XX, 1965, p.10].

Einige ( !! ) von ihnen tragen seinen Namen in gepunkteten Buchstaben .) “

Die sich seinem Namen unmittelbar oder doch nahe anschließende merkwürdige Reihe unterschiedlich etlicher Punkte entschlüsselte Ebert, Allgemeines Bibliographisches Lexikon (1821), 3232, überdies als Druckauflagen-Kennung, 100 pro Punkt, wie in den graphischen Künsten gänzlich ungewöhnlich, wozu immer wieder die ebenso alte wie nur vage beantwortbare Frage nach deren Auflagenhöhe diskutiert wird. Hier läge deren Anzahl zwischen 700 und 900. Je 700 für Granicos + Arbela, je 800 für Babylon + Poros, 900 für das Zelt des Dareios.

Mit Wasserzeichen J. Cusson (Auvergne, Thiers?), nachweisbar ab Mitte des 17. Jhdts. („Nicolson, Cusson, Vimal, etc. … made sheets in very large sizes“, Carlo James, 1997), in Verbindung mit seiner kleinen Blüte nächst Heawood 3295 (Paris, 17. Jh.?, wobei sich das Fragezeichen bereits aus den beigezogenen Beaulieu-Blättern erledigt, deren Herkunft ab 1643 datiert. Siehe auch den heranziehbaren Cusson-Anhänger mit Herz statt Blüte auf van de Velde-Zeichnungen in London + Rotterdam (jeweils Wz. 61 bei Robinson) für teils gesicherte 1673er Ereignisse (so London Nrn. 412/13). Ansonsten mit Lilien-Verbindung Heawood 3291/94 mit Datierungen aus 18. Jhdt.

Über die in zwei Fällen unten eigens notierten, die Bildwirkung gleichwohl in keiner Weise beeinträchtigenden Flecken hinaus nur ganz vereinzelte kleine Unsauberkeiten 345jährigen Alters, die pingelig dingfest zu machen geradezu ungehörig erscheint angesichts eines wirklich traumhaft schönen Gesamtzustandes.

Die Falz-Bindung für plano-komfortables Ausbreiten folgt der historischen Abfolge. In Klammer jeweils der Le Brun’sche Entstehungszeitraum der Gemälde nach Posner, nicht Gareau, und deren Formate sowie Verweis auf deren von splendiden Farbabbildungen begleiteten Apartbeschreibungen bei letzterem.

Girard Audran

Lyon 1640 – Paris 1703

Die Überquerung des Granikos

Mai 334 v. Chr.

1672 – 4 Blatt auf 3 Platten im Bildsinn –  71,5-71,7 x 138,9 cm
Auflagenkennung: 700 Abzüge
Ränder: Oben + unten 2,5-3,5 cm, Seiten 6 cm

(1662/65 – 4,70 x 12,09 m – G. SS. 208-213)

Bezeichnet
„ Gir. Audran sculps. 1672. “
(links im unteren Bildrand) + im Schriftfeld
„ ....... Graué par Gir. Audran sur le tableau de Mr. le Brun
premier Pintre (sic, noch unberichtigt statt Peintre) du Roy GoyTon (punktiert) /
Ce tableau est dans le Cabinet de sa Mate. il a 16 pieds de hault sur 30 pieds de long.

LA VERTV SVRMONTE TOVT OBSTACLE .
Alexandre ayant passé le Granique, attaque les Perses a forces inegales, /
et met en fuitte leur innombrable multitude

VIRTVS OMNI OBICE MAIOR
Alexander superato Granico, Persas imparibus copijs aggreditur, /
eorumque innumerabilem exercitum fundit

Æri incisus per Ger. Audran ex tabula Car. le Brun Reg. Pictor. Primarij ....... /
asseruatâ in Pinacothecâ Regiâ 16 pedes alta et 30 pedes lata. Goyton (punktiert) “

Die erste Großschlacht des Alexanderzuges

„Granikos, antiker Name eines Flusses der Landschaft Troas in Nordwest=Kleinasien
An demselben erfocht … Alexander d. Gr. seinen ersten Sieg über die Perser
… unweit Priapos (jetzt Karaboa) … Noch im Flusse selbst begann das mörderische Reitergefecht “
(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., VII, 616 + I, 317).

Wobei Alexander dem Kriegsrat des Thucydides folgte:
„ Siegen wird der Angreifer. “
Erwartet wurde er vom Heer des neuen + letzten Perserkönigs Dareios III. unter dessen rhodischem
General Memnon, der ihm später im Jahr in Halicarnassos noch einmal erbitterten Widerstand leisten
sollte. Hier denn entgeht Alexander auf seinem von Jugend auf gerittenen Bukephalos
dank noch rechtzeitigen Dreinschlagens seitens Cleitus’ des Schwarzen (ca. 375-328), des
Bruders seiner Kinderfrau Lanike, nur knapp dem tödlichen Schwertschlag des persischen
Satrapen Spithridates von Lydien und Ionia als zusammen mit Rhósaces, den der König sogleich
mit dem Degen erlegen wird, einer der „beyden tapfersten feindlichen Feldherren“.
„Weiter rechts trägt ein behelmter griechischer Krieger einen der silbernen Schilde
der speziellen Leibgarde Alexander’s, den ARGYRASPIDES,
die unter dem Namen des Schildes bekannt waren.“
Zur Linken bläst einer bereits die Siegestrompete .
Auf daß die Leinwand die ganze Geschichte erzähle.
„ Auch ist es wert, im Gedächtnis zu behalten, daß es Le Brun’s spezielles Ziel war,
durch Schilderung eines triumphierenden Alexander
Ludwig XIV. in der Rolle des Siegers zu porträtieren. “

Die Entscheidungs-Schlacht von Arbela

1. Oktober 331 v. Chr.

1674 – Druck von 4 Platten im Bildsinn – 71,3-72 x 159,2 cm
Auflagenkennung: 700 Abzüge
Ränder: Oben + unten 2,3-2,5 cm, links 9 cm, rechts 11 cm

(Ca. 1666/68 – 4,70 x 12,65 m – G. SS. 214-219)

Bezeichnet
„ Gir. Audran sculps. 1674. “
(links im unteren Bildrand) + im Schriftfeld
„ ....... Graué par Gir. Audran sur le tableau de Mr. le Brun
premier Pintre (sic, noch unberichtigt statt Peintre) du Roy. /
....... ce tableau est dans le Cabinet de sa Mate. il a 16 piedz de hault sur 39. pi. 5. pou. de long.

LA VERTV EST DIGNE DE LEMPIRE DV MONDE .
Goyton (punktiert) /
Alexandre apres plusieurs Victoires deffit Darius dans la bataille qu’il donna pres d’Arbelle
et ce dernier combat / ayant acheué de renuerser le throsne des Perses tout l’Orient fut soumis
a la puissance des Macedoniens

DIGNA ORBIS IMPERIO VIRTVS .
Post multas Victorias virtute sua partas vltimo ad Arbelam prælio Darium fugat Alexander eaque /
clade funditus euerso Persarum solio totus Oriens in potestatem Macedonici cessit imperij

Æri incisus per Ger. Audran ex tabula Car. le Brun Reg. Pictor. Primarij /
asseruatâ in Pinacothecâ Regiâ 16 pedes alta et 39 p. et 5. poll. lata. GoyTon (punktiert) ....... “

Unten im Plattenrand rechts außen in Drucklettern wiederholt: GOYTON

Links im weißen Platten-/Papierrand oben und – etwas mehr – unten einige hellbraune Flecken, deren zwei auch im äußersten unteren Bildrand.

Die erste der beiden entscheidenden Schlachten zur Eroberung Asiens ,

hier den persischen , 5 Jahre später am Hydaspes – siehe unten – den indischen Feldzug betreffend .

„ Erst bei Gaugamela, unweit von Arbela, traf (Alexander) im Herbst 331 auf den Feind. Dort kam es 1. Okt. zur Entscheidungsschlacht. Schon war Parmenions Flügel durchbrochen, die Perser standen im makedonischen Lager, da errang A., mit der Phalanx das feindliche Zentrum durchbrechend, den Sieg. In Arbela, bis wohin A. mit der Reiterei den Feind rastlos verfolgte, fielen den Siegern der königliche Schatz, alles Feldgerät und zum zweitenmal (nach Issos, siehe unten per Edelinck) des Königs Waffen in die Hände. Dareios selbst entkam mit 8000 Mann nach Ekbatana, während Ariobarzanes mit 25.000 sich nach Persis warf; die übrigen Satrapen zerstreuten sich oder gingen zu A. über. Dem Perserreich war der Todesstoß gegeben . Babylon ergab sich … (siehe Folgeblatt) “

(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., I, 318).

Über dem Kopfe Alexander’s der Siegesadler , Zeus’ Vogel

(siehe eingangs), letzteren Sohn zu sein Alexander sich schließlich ausgab, wie gleich andere durchaus „vom Volkstum in einem ganz bestimmten Sinn als solche(r) empfunden“ (Spengler).

Alexander’s Einzug in Babylon

Herbst 331 v. Chr.

1675 – Druck von 2 Platten im Gegensinn – 71,2 x 92,7 cm
Auflagenkennung: 800 Abzüge
Ränder: Oben + unten 2,3-3,5 cm, links 5 cm, rechts 3 cm

(1662/65 – 4,50 x 7,07 m – G. SS. 202-207)

Bezeichnet
„ Gir. Audran sculps. / 1675. “
(links im unteren Bildrand) + im Schriftfeld
„ ........ AINSY PAR LA VERTV SELEVENT LES HEROS .
Entréé Triomphante d’Alexandre dans Babilone au milieu des concerts de /
musique et des acclamations du Peuple. GoyTon (punktiert)

Graué par Ger. Audran sur le tableau de Mr. le Brun
premier Pintre (sic, noch unberichtigt statt Peintre)
du Roy /
Ce tableau est dans le Cabinet de sa M. il la 16 piedz de hault sur 21. pi 5 pou. de long.

SIC VIRTVS EVEHIT ARDENS .
Alexander Babilonem sibi deditam triumphali curru sublimis inter GoyTon (punktiert) /
Ciuium acclamationes, et Concentus ingreditur
........ (an der rechten unteren Bildecke)

Æri incisus per Ger. Audran ex tabula Car. le Brun Reg. Pictor. Primarij
asseruatâ in Pinacothecâ Regiâ 16 pedes alta et 21 p. et 5 poll lata. “

Die partiell hellen Braunflecken der rückseitigen rechten Blatthälfte bildseits nur hier und da stippenhaft durchscheinend.

Nach kampfloser Übergabe der prächtigen , der gewaltigen Stadt .
Alexander’s triumphaler Einzug in Babylon ,
dem „Thor Gottes … auf beiden Seiten des Euphrat … viermal (größer) als London (1888)
und ward von einer 200 Ellen hohen und 50 Ellen dicken Mauer
mit 250 Thürmen und 100 ehernen Thoren umschlossen“ (Meyer, a. a. O., II, 204).

Stehend in silberplattiertem zweirädrigen Triumphwagen. Seitenansicht mit einem der zugehörigen zwei
reich geschmückten Zug-Elefanten aus der Dareios-Beute bei Arbela (siehe Vorblatt).
Vorn Schatzträger und Event aller Art. Zurückgesetzt Babylons berühmte hängende Gärten.

„ Darstellend den Krönungs-Augenblick der Persien-Campagne ,

als der Welt-Eroberer die Huldigung der alten Stadt empfing ,

manifestiert das Gemälde
die zwangsläufige Erhöhung tugendhaften Königtums, die triumphale Apotheose “
(Posner, a. a. O., 237 ff., Curtius resümierend).

Nagler (II) macht vorsorglich darauf aufmerksam, daß sich Le Brun für dieses wie für Edelinck’s Blatt,
s. u., einer Drittvorlage bedient haben könnte, nämlich

„ Es existirt ein Achat , der die zwei schönsten Darstellungen enthält , nämlich das Zelt des Darius und Alexanders Einzug in Babylon. Diese Darstellungen hat (Le Brun) fast ohne alle Veränderungen beibehalten. Der Achat wurde 1749 zuerst durch einen gelungenen Kupferstich von S. Kleiner bekannt. Der Kupferstich führt die Aufschrift: Achates orientales ruber, insculptas referens icones praecip. Alexandri M. ducum et rerum gestarum. Diesen Stein erklärten Mariette (Kunsthändler-, Verleger- + Stecherfamilie in Paris, 17./18. Jhdt.) und Andere für antik. Einige aber zweifeln an der Antiquität desselben. Der jetzige Besitzer ist uns unbekannt. “

Am Hydaspes — Alexander und Poros

Mai 326 v. Chr.

1678 – Druck von 4 Platten im Bildsinn – 71-71,3 x 159,3 cm
Auflagenkennung: 800 Abzüge
Ränder: Oben + unten 2,2-4 cm, Seiten 10-11 cm

(Ca. 1666/68 – 4,70 x 12,64 m – G. SS. 220-225)

Bezeichnet
„ Ger. Audran sculp. 1678. “
(rechts im unteren Bildrand) + im Schriftfeld
Goyton (gepunktet, spiegelbildlich) /
„ Graué par Gir. Audran sur le tableau de Mr. le Brun premier Peintre du Roy. /
ce tableau est dans le Cabinet de sa Mte il a 16 piedz de hault sur 39. pi. 5. pou. de long.

LA VERTV PLAIST QVOY QVE VAINCVE
Alexandre n’est pas seulement touché de compassion en voyant la grandeur d’ame du Roy Porus qu’il a
vaincu, et / fait son prisonnier, mais il luy donne des marques honorables de son estime en le receuant au
nombre de ses amis, / et en luy donnant en suitte vn plus grand Royaume que celuy qu’il auoit perdu

SIC VIRTVS ET VICTA PLACET
Pori Regis victi, captique magnanimitatem non misericordia modo, sed honore prosequitur /
Alexander, Illumque in amicorum numerum recipit, mox donat ampliore regno /
Goyton (rechts außen spiegelbildlich gepunktet) ........ (am rechten Rand)

Æri incisus per Ger. Audran ex tabula Car. le Brun Reg. Pictor. Primarij /
asseruatâ in Pinacothecâ Regiâ 16 pedes alta et 39 p. et 5. poll. lata. “

Die letzte vorwärtsgerichtete Großschlacht ,

nach Arbela – siehe oben – die zweite der der Eroberung Asiens gewidmeten beiden ,
als nach Posner
„ die vermutlich erste Darstellung des Poros-Themas in der Kunstgeschichte “

wie denn seinerseits Ridinger mit seiner nicht im Stich veröffentlichten 1723er zeichnerischen Momentaufnahme vom welthistorischen Herbst 326 am Hyphasis in Indien vermutlich

die kunstgeschichtlich erste Darstellung

der welthistorischen Umkehrentscheidung

geliefert hat. Hier denn nun

Alexander zu dem geschlagenen tapferen greisen Poros :

„ Wie wünschest Du behandelt zu werden ? “

„ Wie ein König .“

„ Bewegt von der Würde dieser Worte, machte er von diesem Moment an einen Freund aus seinem Feind.
Solche Generosität zu gewähren konnte er sich leisten, seitdem er
‚Herr der Welt war , gerade so wie es das Orakel von Zeus-Ammon vorhergesagt hatte‘ …
Im Hintergrund ganz rechts eine goldene Statue des (Herakles). Le Brun hat uns mit Bedacht daran
erinnert, daß das Treffen im indischen Camp stattfand, denn es ist bekannt, daß östliche Völker
eine Gewohnheit hatten, (Herakles)-Bilder als Zeichen des Sieges auf das Schlachtfeld zu bringen.
Ausgedehnt zurückgesetzt indische Zelte . “ – („Die Sagen von einem indischen Herakles,
d. h. von einem H., der bis nach Indien vorgedrungen sei, tragen das Gepräge des später dorthin gedrungenen griechischen Mythus“, Meyers, a. a. O., VIII, 397/II.)

„ Dreißig Tage verweilte A. noch am Hydaspes unter Opfern und Spielen , gründete auch zwei Städte , Bukephala (für sein in der Schlacht gebliebenes Leibroß) … und Nikäa … Unaufgehalten erreichte das Heer (nach Tsouras im Juli) die Ufer des Hyphasis “

(Meyers, a. a. O., I, 319).

Nicht ohne Grund erschienen Nagler, wie oben zitiert, die beiden zivilen Szenerien, der Besuch im Zelt des Dareios + der Einzug in Babylon, als die schönsten Bilder des Zyklus. Dennoch stehe ich nicht an, in hiesiger den Schlußakkord (siehe diesbezüglich noch unten) bildenden Arbeit den durchaus auch bildlichen Höhepunkt des Ganzen zu sehen. Die Schilderung der Zuwendung des Siegers, hinter Alexander wieder Hephaestion, gegenüber dem verwundet auf einer Bahre vor ihm liegenden Gegner – ein von rechts kommender Wagen wird diesen gleich aufnehmen – atmet, von auch im Kupfer beobachteter herrlicher Beleuchtung unterstützt, Größe eigenen Stils. Widergespiegelt von der dreiviertel des Bildes mitbestimmenden zurückgesetzten Landschaft mit ihrem in wundervolles Licht getauchten Horizont. Poros’ Land wird größer sein als zuvor. Seine verstreut liegenden Elefanten sind nicht vergebens gefallen.

„ Audran malte gleichsam mit der Nadel und dem Grabstichel ,

und diese Instrumente erhielten in seiner Hand eine solche Leichtigkeit ,

die nur mit dem Pinsel zu erreichen ist .

Seine Stiche haben einen Reiz , und eine Ueberlegung , die man in andern Werken nicht finden kann … Modelle des besten Styls , reiche Vorbilder für jeden historischen Stecher .“

So Nagler 1835 in Vorwegnahme von Thieme-Becker 1908: „Gérard ist das berühmteste Glied dieser Kupferstecher-Familie ,

vielleicht einer der größten aller Stecher ,

die Gemälde reproduziert haben. – Vor seiner Abreise nach Rom

– vergleichbar 100 Jahre zuvor Cornelis Cort: „Alle genannten frühen Arbeiten … lassen kaum den großartigen Künstler ahnen, der kurz darauf in Italien seine für eine ganze Generation von Stechern vorbildlichen Werke schuf … Die plötzliche Wandlung ins Großartige … “, Thieme-Becker VII (1912), 475 ff. –

1666 sind wenige Werke Gérards erwähnenswert … die(se) Arbeit(en sind) breit, aber noch weit entfernt von der

malerischen und grandiosen Wirkung der ‚Batailles d’Alexandre‘ …

Man kann sich kaum schönere Kupferstiche vorstellen … “

Und 1992 im AKL

„ Es sind unbestritten A.s Hauptwerke. Die Exaktheit der Zeichnung , der Reichtum der Töne , erzielt durch eine neue , subtile Mischtechnik von Radierung und Stich sowie die außerordentliche Größe der Arbeiten , machen sie zu

Monumenten der Geschichte der Druckgraphik .

Sie brachten ihm berechtigten Ruhm und mehr als 12000 livres ein. “

+

Gerard Edelinck

Antwerpen 1640 – Paris 1707

Die Familie des Dareios vor Alexander

November 333 v. Chr.

Ca. 1671 – Druck von 2 Platten im Gegensinn – 69,6 x 90,4 cm
Auflagenkennung: 900 Abzüge
Ränder: Oben + unten 3,7-4 cm, links 7 cm, rechts 3,5 cm

(1661/62 – 2,98 x 4,53 m – G. SS. 196-201)

Bezeichnet
„ C. le Brun Pinxit / G. Edelinck sculpsit
Il est d’vn Roy de ce vaincre soy mesme
Alexandre, ayant vaincu Darius prez la ville d’Isse entre dans vne tente ou estoient la Mere la femme et /
les filles de Darius, ou il donne vn exemple singulier de retenüe et de clemence GoyTon (punktiert)

Graué par le Sr. Edelinck d’apres le tableau qu’en a faict Mr. le Brun premier peintre du Roy.
et que sa Ma. prenoit plaisir de luy voir peindre a fontainebleau en lannée 1661

Sui victoria indicat Regem
Alexander, Dario ad Issum victo tabernaculum Reginarum ingreditur, vbi singulare /
clementiæ ac continentiæ præbet exemplum /
GoyTon (punktiert) ......... /

Æri incidit Gerardus Edelinck adtabulam Caroli le Brun Regij Pictoris primarij,
quem, illam pingentem Rex videre delectabatur apud fontem bellaquæum anno. 1661. ”

Am Morgen nach der Schlacht 333 bei Issos
Alexander , der Familie des geflohenen Perserkönigs Dareios seine Aufwartung machend

„ Berühmtes Hauptblatt “

(Wurzbach 1906)

„ … hat Edelink hierin seine ganze Kunst erschöpft “

(Nagler 1837)

„ Dieses Gemälde , erstes in der Alexander-Serie ,

war das berühmteste während Le Brun’s Lebzeit …

es war die Kraft dieses Bildes ,
daß Le Brun zum Ersten Maler Ludwigs XIV. berufen wurde .“

Wiedergegeben ist der gemeinsame Besuch Alexander’s und seines Vertrauten Hephaestion,
den die Damen mit dem König verwechseln,
am Morgen nach der legendär-berühmten Schlacht Drei/Drei/Drei ….
Es ist das heutige Erzün.
Der zu dieser Zeit noch jugendlich unbekümmerte König nahm das Versehen im übrigen
gelassen souverän mit den Worten „denn dieser Mann ist auch Alexander“ (Quintus Curtius).

Mit des Siegers Alexander von letzterem nach alten Erzählungen überliefertem Auftreten gegenüber den Damen, mit seinem ihnen erwiesenen Respekt, seinem ritterlich selbstbeherrschten und damit königlichen Verhalten gegenüber der tugendhaften Schönheit der beiden Töchter, entsprach Le Brun so ganz den Erwartungen seines galanten Hofes.

„ Im Grand Siècle wurde die Geschichte in neuem Licht gesehen und die bildhaften Akzente, die LeBrun seinem Bild gab, waren einzigartig in der Geschichte dieses Auftritts … Die dramatische Betonung des Bildes liegt solchermaßen ganz auf Alexander’s Pose gegenüber den schönen und reinen Frauen, auf seiner Geste galanter Freundlichkeitt … Durch Illustrierung dieses ‚ehrenhaften und fürstlichen Handelns‘, wie Plutarch es nennt, machte LeBrun sein Bild zu einer Lektion in formgerechter Ritterlichkeit, in der Ethik von Königtum.

Alexander’s exemplarisches Verhalten bei dieser Gelegenheit scheint den 17. Jahrhundert-Franzosen so beeindruckt zu haben, daß Félibien, der das Bild ausführlich in einem 1663 publizierten Essay besprach, des Mazedonier’s Handeln ‚une des plus Glorieuse qu’Alexandre ait jamais Faites‘ nennen konnte. Es war glorios, weil es nur möglich war durch ‚se Surmontant Soy-Même … , le Vainqueur de toutes les Nations‘ “

(Posner, a. a. O., 240 f., bezüglich Félibien’s anmerkend, daß dieser Essay Les reines de Perse aux pieds d’Alexandre vor Ablauf des Jahrhunderts bezeichnenderweise noch drei weitere Male erschien, dann, in englisch-frz. Fassung, 1703 in London). – Dies denn auch der Tenor des Untertextes des Blattes.

Und das war diesem Besuch vorausgegangen :

„ Inzwischen hatte der Perserkönig 5-600,000 Mann, darunter 100,000 wohlbewaffnete asiatische Fußsoldaten und 30,000 griechische Söldner aufgeboten. A. zog am Meeresstrand entlang über Mallos und Issos nach der Stadt Myriandros; Dareios aber, statt A. in der weiten, der Reiterei günstigen Ebene von Sochoi zu erwarten, ging ihm durch die armanischen Gebirgspässe entgegen, durch die man Alexanders Anmarsch erwartete, und gelangte so, ohne auf die Makedonier zu stoßen, in deren Rücken in die enge Ebene von Issos. Sofort kehrte A. um und traf einige Meilen südöstlich von Issos, in dem engen, unebenen Thal des Flusses Pinaros, die halbe Million Asiaten in einen kleinen Raum zusammengepreßt. Den Vorteil des Augenblicks erkennend, griff A. sofort an: er selbst warf sich auf das Zentrum der persischen Schlachtordnung, wo der (hier erstmals mit Alexander zusammentreffende) Großkönig stand, und nach einem hitzigen Handgemenge … ergriff dieser die Flucht, in welche allmählich auch das übrige Heer mit fortgerissen wurde (November 333) … Das ganze persische Lager mit ungeheuern Schätzen ward Alexanders Beute; selbst Dareios’ Mutter Sisygambis, seine Gemahlin Stateira und seine Kinder wurden gefangen “

(Meyers, a. a. O., I, 317).

Zweifellos das berühmteste Lehrbeispiel

falscher + richtiger Strategie .

Das und sehr viel Fundamentales mehr vermag die Beschäftigung mit Historie, Kunst + Kultur der Alten zu vermitteln. Pfahlwurzler sind Flachköpfen auf Dauer überlegen. Und geistig beweglicher, und damit gesund-langlebiger, sind sie ohnehin. Auf Le Brun bezogen, schrieb denn auch Wille schon 1756 an einen Sammler „Die Wohlthaten dieses Königes

brachten seinen Geist in Bewegung , in Glück ;

Er erhub sich, so zu sagen, über sich selbst“ (a. a. O., S. 152).

Bezeichnend denn auch, daß Alexander der Große sich seit jeher besonderer Zuwendung erfolgreicher Wirtschaftsführer erfreut und namentlich angelsächsische Autoren Le Brun’s eigentlich unter Les Batailles d’Alexandre firmierende Botschaft längst auf den Punkt gebracht haben und von

„ The Triumphs of Alexander “

sprechen. Denn, so Donald Posner,

„ In der Literatur sind die Gemälde unterschiedlich geführt als Historie, Triumphe, oder häufiger Schlachten Alexander’s. Indes wird im Verlauf dieses Artikels klar werden, daß Triumphe deren Inhalt am treffendsten ausdrücken. “

Und, so Jeremy Block 2004/05, schon Napoleon habe sich gewünscht, per Marsch gegen Indien explicit diese zu wiederholen.

Konzipiert hatte Le Brun zunächst nur drei Bilder: die Granikos-Querung als dominantes Mittelstück, flankiert von den kleineren des Zelt-Besuches und des Babylon-Einzugs. Daß ihn das Thema dann tatsächlich

„ acht Jahre oder mehr beschäftigen würde, hatten weder LeBrun noch Ludwig XIV. erwartet … Aber die für die Generation LeBrun’s so wichtigen Interessen hinsichtlich historischer Vollständigkeit und Sorgfalt führten wahrscheinlich zu der Entscheidung, die Schilderung des persischen Feldzuges durch Hinzufügung zweier weiterer Bilder auszuweiten. Als am Ende ausgeführt illustrierte indessen nur eines der beiden, die Schlacht von Arbela, die persische Geschichte. Das andere, Poros’ Niederlage, repräsentiert den Höhpunkt der späteren Campagne in Indien … Die(se) zwei Schlußbilder praktisch identischen Formats, aber größer als die anderen, erscheinen als eine separate oder zweite Abteilung der Serie, widerspiegelnd ihr Entstehen als spätere Hinzufügung. “

So Posner, SS. 239 bzw. 243 f., zugleich anmerkend, daß anstelle des Poros-Themas eigentlich und auch als sinnvoller der Tod des Dareios als Abschluß vorgesehen war, wozu auch eine Zeichnung im Louvre existiert, die interessanterweise nicht nur von Poros-Format ist, sondern vor allem auch figürliche Übereinstimmungen bis hin zum von hinten gesehenen berittenen Alexander aufweist. Der Reiz des neuen Objektes habe aber letztlich darin gelegen, von der Kunst bisher unbeachtet geblieben zu sein. So wie fünfzig Jahre später der 25jährige Ridinger mit unpubliziert gebliebener großformatiger Zeichnung der Umkehrentscheidung am Hyphasis im Herbst gleichen Jahres zu ihrem künstlerischen Debüt verhelfen sollte, nachdem er zum Le Brun’schen Alexanderzug schon die so importanten Stationen der Belagerung und Einnahme von Halicarnassos (334) und der Ersten Tigris-Querung (331) nachgetragen hatte.

Aber auch ein äußerer Umstand erklärt Le Brun’s Hinwendung zum Poros-Thema. Denn just zu der Zeit der Inangriffnahme der beiden Schlußbilder erschien im Dezember 1665 Racine’s zweites Stück: Alexandre le Grand. Dessen Schlußszene eben mit dem berühmten Wortwechsel zwischen Alexander + Poros endet und

„ als ein brillantes Stück monarchischer Propaganda, angefüllt mit höfischem Sentiment, bei Hofe sofort erfolgreich ist. Für LeBrun die offensichtliche Gelegenheit, das ut pictura poesis Konzept zu demonstrieren, zu konkurrieren mit, oder zumindest zu komplimentieren Racine’s Wortbild mit seiner Bild-Dichtung, und dies im Rahmwerk einer 5teiligen Folge, welche sich sogar dem Umfang eines 5-Akt-Dramas annähern konnte …

Der wohlverdiente und unleugbare Triumph unbegrenzten Strebens durch angeborene , königliche Tugend –

dies ist das Thema von LeBrun’s

Die Triumphe Alexander’s “

(Posner, a. a. O., 243 f.).

„ (Und so) hatten (Alexander’s) großartigen Eroberungen die Folge, daß Vorderasien der griechischen Kultur erschlossen wurde und sich mit der griechischen Welt verschmolz, und daß aus dieser Verschmelzung

die Kulturperiode des Hellenismus hervorging “

so Meyers, a. a. O., 319/II. Oder in Heiner Borggrefes Formulierung im von ihm mitherausgegebenen Braker/Antwerpener Ausstellungskatalog Hans Vredeman de Vries und die Renaissance im Norden (München 2002, Kat.-Nr. 146, Seite 306)

„ So wie Alexander der Große seine Überwindung der Perser und Inder damit begründet hatte, daß die Zivilisation die Barbarei überwinden müsse …“

Letzteres nicht einer gehörigen Portion Ironie entbehrt. Denn der im Herbst 326 am Hyphasis von den eigenen Truppen erzwungene und von Alexander letztlich akzeptierte Abbruch des indischen Feldzuges ist vor allem auch als geistige Kapitulation zu verstehen und damit als ein unerhört zivilisatorischer Moment schlechthin zu würdigen. Dessen psychologische Größe sechzig Jahre später den gerade 25jährigen Ridinger zu einer als seiner eigenen Zeit weit vorausgreifend unveröffentlicht gebliebenen Zeichnung inspirierte, mit der er das bisherige Historienbild von der Darstellung heldenhafter Taten zur Reflexion über dieselben zwei Generationen vor Jacques Louis David fortentwickelte. Das indes war aber eben noch nicht die Sicht der Zeit Le Brun’s. Und so hat dieser

„ also die (Triumphe) Alexander’s , und diese haben ihn verewigt “

(Nagler II). Doch deren und dessen tatsächliche Unsterblichkeit begründeten erst die die graphische Folge bildenden vier Arbeiten Audran’s in Gemeinschaft mit der Edelinck’s dank ihres Vermögens, den Ruhm breiter nach- und miterlebbar zu machen. Verschiedentlich aufgelegt, waren sie doch schon hundert Jahre später selbst in Paris rar geworden, obgleich sich im Le Brun’schen Nachlaß selbst noch ein guter Bestand für Dedikationszwecke befunden haben soll. Und so heißt es in 1762er Brief Wille’s aus Paris an den Ältesten (Johann Martin, 1738-1790) der Schweizer Großsammler Usteri denn auch unter anderem:

„ Die großen Schlachten des Alexanders , nach Le Brun , von G. Audran gestochen ,

sind immer theur ;

wann die Abdrücke … herrlich sind .“

Und sieben Monate später, am 24. Juli 1763 : „Jezzo aber habe ich das vergnügen Ihnen zu melden

daß ich endlich so glücklich gewesen bin

die großen Schlachten des Alexanders … aufgetrieben habe .

Diese folge bestehet in 15 stücken (war also nicht zusammengesetzt).

die abdrücke sind von den besten ,

nehmlich von dem berühmten Kupferdrucker Goyton

dessen nahmen so drauf gepickt stehet: Goyton

und so muß man sie haben wann sie gut seyn sollen “

(a. a. O. SS. 283 + 302 f.).

Und eben so liegen sie denn hier vor .

Aber, wohlgemerkt, zusammengesetzt! Denn Wille’s wohl nur händlerischer Verfügbarkeit geschuldetem Weiteren gegenüber Usteri, man solle sie unzusammengesetzt besitzen, ist als dem auf Grandeur gerichteten Geist des Ganzen zuwider nicht zu folgen. In solchem Zustand verharrt der Betrachter auf der Talsohle eines Werkes im Werden, irritiert obendrein von teils schlangenförmigen, der innerbildlichen Gestaltung bis hin zu einem rausragenden Fuß folgenden Abschlüssen. Verdeutlichend einmal mehr die allein schon technische Beanspruchung einer Übertragung ins Kupfer. „… welche Zeit hat es nicht gekostet, die Zeichnungen in Kupfer zu bringen! … Man betrachte nur: Alle Zeichnungen sind durch den Spiegel in Kupfer gegraben. Sie wissen, was dieses allein zu bedeuten hat“, so der Praktiker Wille per anderer Arbeiten und Gelegenheit (a. a. O. S. 152).

Der Seltenheit + Großartigkeit der Audran-Folge unter Einschluß des Edelinck-Blattes gedachte zeitgleich zu Wille auch schon der künstlerisch vielseitige Diplomat, Bruder des Dichters und seit 1763 bzw. 1764 schließlich Dresdner Kunstpapst Christian Ludwig Hagedorn in seinen 1762er Betrachtungen über die Mahlerey (S. 597) mit den Worten „Meisterstücke des Grabstichels“, die sich „in jeglichen Abdrücken äußerst selten“ gemacht haben. Wie denn eben erst die hiesigen nach 250 weiteren Jahren!

Im übrigen nicht zu verwechseln mit der kleinformatigen Wiederholung des Benoit I Audran (1661-1721), Neffe + Schüler des großen Girard, von J. Guibert in Thieme-Becker bei aller Anerkenntnis assimilierenden Sichannäherns verrissen mit den Worten: „… genügt es, die großen Kupferstiche Gérards nach Lebruns ‚les Batailles d’Alexandre‘ mit denselben von Benoit ausgeführten zu vergleichen. Das große, etwas theatralische aber sehr dekorative Gemälde Lebruns, so großzügig und malerisch von Gérard wiedergegeben, ist in der Benoitschen Wiedergabe ganz kleinlich und süßlich.“ – Die von Guibert per Benoit’s Bruder Jean als gleichfalls Schüler des Onkels vermerkte „mit Erfolg“ ausgeführte kleinere Wiederholung der Folge dürfte ein und dieselbe betreffen. Auch weitere Epigonen kopierten Girards Meisterwerke.

Und das denn der spiritus rector , Charles Le Brun

Grand Peintre du Grand Siècle

Erster Maler König Ludwigs XIV.

der ihn im Dezember 1662 mit den hier im vorderen Innen-Spiegel in Gold geprägten Worten nobilitierte :

„ Wir wünschen Sieur Le Brun, unserem Ersten Maler, ein Zeichen der Wertschätzung zu gewähren, die wir für ihn und für die Exzellenz seiner Werke empfinden, letztere, es ist weltumfassend bekannt, jene der berühmten Maler der letzten Jahrhunderte überstrahlen. “

Er war auf breitest gefächertem Felde der Kunst in der Tat der Papst des großen Jahrhunderts seines Landes und dessen in eine „weltgeschichtliche Machtrolle“ (Weigand) hineingewachsenen Sonnenkönigs, letzterer ihm bis zum Schluß in auch persönlicher Anteilnahme verbunden blieb. Schon dessen Vater hatte den gerade erst 19jährigen per öffentlicher Proklamation zum Maler Seiner Majestät König Ludwig XIII. erhoben. Und der von dem Jüngling als Vorbild bewunderte große Poussin äußerte gelegentlich dreier dessen ihm anonym gezeigter Arbeiten vorausahnend „So sie ein junger Mann gemacht hat, wird er eines Tages seinen Platz unter den großen Malern einnehmen“. Nicolas Poussin, dessen Stil und Technik er dann gelegentlich dreijährigen gemeinsamen Italien-Aufenthaltes studierte, war für ihn die einzige als künstlerisch übergeordnet akzeptierte Instanz. Beides schließlich Größen auf eigenem Feld. Jener überzeugter Italiener, heroischer Landschafter, dieser Pariser Nabel, die künstlerische Institution schlechthin. Bei enormem Fleiß und großer Sorgfalt in der Recherche. Bereit und kompetent, in seiner Person Ansprüche zu erfüllen, denen zu genügen es sonst mehrerer bedurft hätte. Will heißen: groß in Denken + Tun. Versehen mit der Anziehungskraft eines Magneten.

So drängte es den kölnstämmigen Banquier Everhard Jabach II, seit 1638 in Paris ansässig und noch 1691 einer der dortigen „fort banquiers“, vor allem aber väterlicherseits vor- und seinerseits auf Generationen weiterbelastender unersättlicher Sammler-Nimrod, der 1650 in London auf der Versteigerung des vom hingerichteten Karl I. hinterlassenen Kunstbesitzes ganze Königshäuser aus dem Felde schlug, sich ein für alle Mal aller Werke Le Brun’s zu versichern. Die da waren, und die da noch kommen sollten. Und bot diesem für das pure Erwerbsrecht allein 20 Pistolen (Goldmünze im Werte von lt. Meyer 1889 15.50 Mk.) pro Tag bei absoluter Schaffensfreiheit. Doch Le Brun lehnte ab. „Das Schicksal hielt noch ganz Anderes in petto für den großen Meister“. Immerhin malte er, neben van Dyck, das Familienbild des Dränglers, freilich nicht ohne in einem Spiegel sein eigenes Portrait prominent hinzuzufügen. „Ein Kunstwerk ersten Ranges aber ist das viel bewunderte große Familiengemälde von Ch. Lebrun’s Hand“ (ADB XIII, 522), dessen die großen Reisenden bis hin zu Goethe gedachten und auf 1836er Versteigerung ans Kgl. Museum Berlin ging und 1945 zerstört wurde. Die zweite Version war schon 1791/94 nach England gelangt und wurde schließlich 2014 vom New Yorker Metropolitan Museum of Art erworben.

Mehr Glück hatte dagegen – fürs erste – der nicht weniger extravagante Finanzminister Nicolas Fouquet (1615-1680). Er träumte von einer neuen Residenz in Vaux bei Melun. Und er träumte groß. Zu groß auch für nur einen Ersten Maler. Gefragt war Kompetenz schlechthin für ein Gesamtkunstwerk. Eine Oberaufsicht von den Kunstwerken über die Gärten bis hin zu den Festivitäten. Und da gabs nur einen. Le Brun war „der perfekte Künstler, all diese gloriosen und triumphalen Werke zu creieren“. Bei aufgewogener Leistung in Gold. Neben luxuriöser Behausung für ihn und Mme. Le Brun, 12,000 Pfd. Pension zusätzlich zu regulärer Bezahlung jedes einzelnen geschaffenen Kunstwerkes. „Fouquet erteilte ihm die Aufgabe der Dekoration von Château Vaux-Le-Vicomte.“ Die Eröffnungsgala zu Ehren Ludwigs XIV. am 17. August 1661 war königlich. Orchestriert von Le Brun. Abschließend mit einem „verwirrend schönen Feuerwerk mit in den nächtlichen Himmel verwobenen L’s für Ludwig“. Das war zu viel für diesen. Zu königlich, ja, derzeit selbst noch zu kostspielig für diesen, der erst mit Mazarin’s Tod am 9. März des Jahres selbst zu herrschen begonnen hatte. Nur Königinmutter Anna, Infantin von Österreich, verhinderte die Verhaftung Fouquet’s noch gleichen Abends. Denn „es sei unkorrekt für einen Gast, den Gastgeber in seinem eigenen Hause zu arrestieren“. Ludwig holte es einige Wochen später unter dem Vorwurf seitens Colbert’s behaupteter Veruntreuungen und verräterischer Absichten nach. Der übermütige Bauherr starb 19 Jahre später in seiner Zelle in Pignerol. – Im Gegensatz zu Gareau wie auch Weigand (dieser übrigens mit 1686 als Fouquet’s Todesjahr) sieht Meyer VI (1889), 469 den Anlaß weniger prosaisch, vielmehr habe der Besuch den Verdächtigten in Sicherheit wiegen sollen. Auf jeden Fall verteidigte sich jener „mit außerordentlicher Geschicklichkeit und verstand es, sich als ‚Beute des Herrn Colbert‘ hinzustellen“ (Weigand 56).

„ Ironischerweise war es in Vaux, daß Ludwig XIV. erstmals Le Brun’s unglaubliches Genie gewahr wurde. Unmittelbar nach (Posner: vielleicht auch schon vorher?) Fouquet’s Verhaftung nahm der König Le Brun exclusiv in seine eigenen Dienste. Le Brun hatte bereits die Grundlage für den Stil gelegt, der zur Inspiration für den künftigen Palast des Sonnenkönigs in Versailles werden würde, den Stil, den wir heute als den Ludwigs XIV. kennen … Es war das große Jahrhundert der Kunst. “

Repräsentiert von Molière, der für Vaux’s Gala ein Stück beigesteuert hatte, Racine, Lafontaine, der Le Brun’s Vaux-Orchestrierung verewigte, Corneille und – eben Le Brun. Letzterer seit 1661 in der Funktion des Ersten Malers, seit 1664 auch offiziell und zwischendurch schon nobilitiert, siehe oben.

„ L.s Bedeutung erschöpft sich nicht in seiner Leistung als genialer Dekorateur und ‚grand peintre du grand siècle‘, sondern beruht auf der sämtl. Gebiete des Kunstgewerbes beherrschenden und maßgebend bestimmenden universellen Persönlichkeit, der die Kunst jener Epoche ihre großartige Einheitlichkeit verleiht u. L. geradezu zum Schöpfer des Stiles Louis XIV stempelt “

(Thieme-Becker).

„ Zwischen 1662 und 1668 stieg Le Brun zum Gipfel seines Ruhms auf … Es war während dieser Periode, daß er (auf kgl. Anregung 1661 in Fontainebleau) eine Werkfolge der Geschichte Alexanders des Großen widmete, und er versäumte nicht die Gelegenheit, eine nachdrücklichere Beziehung zwischen der Großartigkeit Alexanders und der des großen Königs herzustellen … ‚In keinem Werke Le Brun’s ist mehr Weite und mehr Ausdruckskraft‘. In den Kämpfen sehen wir den reinsten Ausdruck von Le Brun’s eigenem Stil “

(so 1992 noch einmal Michel Gareau, wie auch fürs folgende).

„ Sire ,

Sie sind wahrhaft glücklich ,

imstande zu sein , Ihren Pinsel zu führen ,

um solch einen schönen Ausdruck himmlischer Herrlichkeit zu schaffen .“

So der Prior Jean-Jacques Olier de Verneuil (1608-1657; Begründer der Kongregation der Sulpizianer nebst heute noch bestehendem Priesterseminar, legte 1649 den Grundstein der Église Saint-Sulpice), den Fortgang seines Auftrags bewundernd. Geprägt wiedergegeben hier im Vorspann. Er könnte ebenso

die Herrlichkeit

Charles Le Brun, Die Triumphe Alexanders, Inhalt

der Triumphe Alexander’s

gemeint haben.

Übertragen ins globale Wirtschaftsgeschehen unserer Tage mit ihren ins Maßlose ausgreifenden Eroberungen erweisen sie sich noch 2300 Jahre später als von geradezu jugendlichem Ansporn zu dem, was das Jahrhundert Louis XIV ausmachte: triomphe et gloire.

Beides als Einheit empfunden und als Selbstverständnis gelebt. Draußen + daheim. „Denn es liegt auf der Hand, daß

die Dekoration eines Hauses von profunder Wirkung ist

auf jene , die darin leben ;

es beeinflußt ihr Fühlen

und ihr Verhältnis zu andern und zu sich selbst .

Kurz , es ist eine Frage der Geisteshaltung

und Le Brun war in der Lage, sich in den Geist der großen Persönlichkeiten seines Jahrhunderts hineinzuversetzen.“ Und „hatte ein Maler seiner Zeit ein großer Künstler zu sein, so er wünschte, ein sehr guter Dekorateur zu sein“, so erfüllte Le Brun, wie an obigem Beispiel Vaux illustriert, diese Erwartung in letzter Einzigartigkeit. Denn er fühlte und dachte groß. Wie denn auch sein Lebensstil groß war. Dank Einnahmen

„ die ihn zum vermutlich reichsten Maler im Europa des 17. Jahrhunderts machten. Er besaß luxoriöse Residenzen in Paris und Versailles. Er lebte auf seinem eigenen Landsitz in Montmorency (wo fürstliche Besucher ihn mit ihrer privaten Visite beehrten). ‚Sie waren überrascht – so ein Bericht im Mercure Galant vom Juni 1679, ein Jahr nach Abschluß der gekupferten Triumph-Folge – so viele Wasserwege, Fontänen, Wasserfälle, Grotten und als Höchstes von allem den großen Kanal frontseits der Fassade seines Hauses nächst der Gärten zu sehen‘. Und weiterberichtend ‚von einem glücklichen Familienleben und einer perfekten Ehe‘. “

Die Orchestrierung des eigenen Lebens als Selbstverständnis .

Konnte also ein anderer als Le Brun die Schlachten, richtiger, die Triumphe Alexander’s feiern? Ein anderer als der von Le Brun ausdrücklich gewünschte und nur dank Colbert’s Nachhilfe 1670 (erste Batailles-Zahlung im August) nach Paris zurückgeholte zunächst noch junge, dann bald so große Audran, ja, auch als Edelinck, diese Meisterwerke adäquat ins Kupfer übertragen? Wir schließen uns an und meinen, nein. Und gewährten

dieser Folge in diesem Exemplar letzter Schönheit

solchermaßen denn eine ihm allein angemessene Designer-Bindung im Rahmen der hiesigen roten serie , der red series , stehend für meist unikate Exemplare , teils prädestiniert geradezu pour meublement .

Wie eben das jetzige .

Charles Le Brun, Die Triumphe Alexanders, Rückdeckel

Und so muß man es haben

Und es mag in der Tat so sein, daß nicht nur wir an Hand des hiesigen reichen Katalog-Materials bis auf 1912 zurückgehen müssen, um im von Seydlitz/Främbs’schen Bestand einem zwar unzusammengesetzten und ungebundenen, gleichwohl vergleichbaren Exemplar zu begegnen, qualifiziert als

„ Prachtvolle erste Abdrücke der berühmten dekorativen Folge

mit Pintre statt Peintre. Von bester Erhaltung mit Rand “

(Boerner CIX, 35, dabei das Edelinck-Blatt irrig als von drei Platten).

Solchermaßen denn das traumhaft heutige als ein Jahrhundert-Exemplar . In seiner künstlerischen wie konservatorischen Vollkommenheit , in seiner Beispielhaftigkeit für

„ d(ie) glanzvolle Kulturepoche Ludwigs XIV. “

(Leporini) , vorbildlich in „eine(r) neuen Ära des Monumentalismus“ (FAZ 16. 11. 2007) für

„ Das Erleben von Schönheit, das mit der Aktivität in einer gut abgegrenzten Hirnregion, dem Orbitallappen, zusammenfällt … Ich war schon immer der Auffassung, dass eine der ältesten Funktionen der Kunst tatsächlich die Erweiterung einer der Hauptfunktionen des Gehirns darstellt, nämlich des Wissenserwerbs. Platon, Kant und Schopenhauer – viele haben so gedacht und sich in ihren Schriften ausgiebig dazu geäußert “

(Semir Zeki, Inhaber des am University College London neugeschaffenen ersten Lehrstuhls für Neuroästhetik, in Splendours and Miseries of the Brain, 2008, zitiert nach FAZ vom 2. 7. 2008 per „Verändert Schönheit unser Gehirn? … Wenn wir uns mit Farben und Formen beschäftigen und nach Idealen suchen, arbeitet das Gehirn meisterlich“).

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