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Atlas Russicus

der Meilenstein vor 275 Jahren

hier

IN SATTEM KOLORIT

von der ganzen Qualität seines Alters

wie nur höchst selten

und

extravagantem

Russisch-Leder-Einband

De L’Isle – Atlas Rvssicus … Vastissimvm Imperivm Rvssicvm cum adiacentibvs Regionibvs. Hrsg. unter Leitung von Leonhard Euler und Gottfried Heinsius v. d. Kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu Petersburg. Petersbg., Selbstvlg., 1745. Gr.-2°. 16 SS. Mit

mehrfach gefalteter Generalkarte

Atlas Russicus, Generalkarte

+

19 doppelblattgroßen Detail-Karten

(ca. 49-50 x 56 bzw. 56,5 x 98 cm) nach Joseph Nicolas De L’Isle (1688 Paris 1768) und anderen,

alles in Kupferstich mit zeitgenössischem Flächenkolorit .

 

Atlas Russicus / Juftenledereinband

Bordeauxroter Juften-Leder-Band

mit vier von Fileten eingefaßten Zier-Bünden, überlaufenden Deckel-Fileten, Titel-Prägung L’Empire de Russie auf dem Vorder- und großem Doppelanker des zeitgenössischen Petersburger Wappens (1730-1856) als Mittelstück auf dem Rückdeckel, dem unteren Teilstück dessen Flußanker als Eckzwickel beider Deckel, alles 23,5karätig goldgeprägt, schwarzem Rückenschildchen, von Prägungen in Gold begleiteten braunen Spiegeln + Vorsatz, darunter auf dem Rückspiegel großes ligiertes RS-Monogramm als Markenzeichen der hiesigen Red Series als Mittelstück sowie geprägten red series bzw. niemeyer fine arts auf Innendeckel-Unterkante + JayAitchDesign auf Rückdeckel-Unterkante. Verblaßter marmor. Farbschnitt. In gleichartigem Halb-Juften-Schuber (53 x 33 x 3 cm), dessen efalinpapierne schwarze Deckelbezüge den

Atlas Russicus

Petersburger Doppel-Anker in Goldprägung wiederholen .

„ Juften (russ., fälschlich Juchten) , lohgares Leder , welches früher ausschließlich in Rußland dargestellt wurde und sich durch Stärke , Geschmeidigkeit , einen eigentümlichen Geruch , durch die Eigenschaft ,

von den Insekten nicht angegriffen zu werden

und dem Wasser einen großen Widerstand zu bieten

auszeichnet. Man stellt es aus guten Häuten von jungem Rindvieh dar. Den Geruch verdankt das J. dem Birkenteeröl (mit dem es auf der Narbenseite eingerieben wird) … Das beste J. kommt aus der Gegend von Nowgorod und aus Südrußland, aber auch außerhalb Rußlands wird die Ware in vortrefflicher Qualität hergestellt … “ (Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., IX [1889], Seite 302).

Literatur

Bagrow-Castner II, SS. 177-253; Phillips 4060 (irrtümlich oder original nicht zugehörig mit zusätzlichen 4 Bll. Vorspann, im übrigen mit zusätzlichen Kriegskarten); Goldenberg + Postnikov, Development of Mapping Methods in Russia in the 18th century, in IMAGO MUNDI XXXVII, 63-80; Nitsche-Stender 141; Lex. d. Kart. 688; Teleki, Atlas zur Geschichte der Kartographie der japanischen Inseln Taf. 17, 1 (Karte 19 des Atlasses); Niemeyer, Rußlands Aufbruch in die Moderne – Peter der Große und die Entwicklung der russischen Kartographie, Bonn 1991, 5 + Abbildungen.

Ausstellung

Schätze aus dem Kreml – Peter der Große in Westeuropa. Bremen, Übersee-Museum, 1991 (18 Wochen einschließlich Verlängerung). – Katalog-Nr. 158 (unkoloriertes Exemplar).

ERSTER DRUCK DER ERSTEN AUSGABE

Atlas Russicus, Bibliographie + Titel

erarbeitet und verlegt in Petersburg

seitens der 1725 von Peter gegründeten

Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften

Titel + Textteil – Beschreibung der Karten hinsichtlich Begrenzung, Entstehung, Genauigkeit und Durchführung der Vermessung; Transkription des russ. Alphabets; teils ausführliche russ. Worterläuterungen; gestochene Zeichenerklärung mit reicher Aufschlüsselung bis hin zu Salinen und Thermen – in latein.-franz. Paralleltext (russisch- + deutschsprachige Version noch gleichen Jahres mit geringerem Textvorspann = Phillips 4059 bzw. 3109 mit jeweils irrtümlichem Hinweis für Karte 19 „showing the extreme point of Alaska and the Aleutian islands“, recte vielmehr Kamtschatka + Kurilen).

Textteil mit den Honig-Wzz. HONIG / IV + bekrontes großes Lilienwappen mit ligiertem Anhänger WR. – 1 Karte innerhalb des unteren Kartenrandes geschnitten, doch ohne Verletzung des Kartenbildes selbst, 5 Karten auf bzw. unter Verlust der oberen bzw. unteren Einfassungslinie geschnitten, je eine Karte unter Anschnitt bzw. Verlust des Meilenzeigers und der Numerierung innerhalb des weißen Plattenrandes geschnitten. Ansonsten lediglich vereinzelte kleine, hinterlegte Randeinrisse und zwei nicht störende Ausrisse.

Das satte Kolorit

Atlas Russicus, Murmansk Atlas Russicus, Archangelsk/St. Petersburg Atlas Russicus, Estland/Livland Atlas Russicus, Moskau Atlas Russicus, Smolensk Atlas Russicus, Mesenskaja Atlas Russicus, Kleine Tartarei Atlas Russicus, Iaranski Atlas Russicus, Kazan Atlas Russicus, Wolga Atlas Russicus, Kuban/Astrachan Atlas Russicus, Sibirien Atlas Russicus, Ufa/Ural Atlas Russicus, Petschora/Ob/Jenessej Atlas Russicus, Tobolsk/Irtisch Atlas Russicus, Lena/Jakutien Atlas Russicus, Irkutsk/Baikalsee Atlas Russicus, Kamtschatka Atlas Russicus, Kurilen

von der ganzen Qualität seines Alters ,

wobei die Kartuschen, wie vielfach bei altkolorierten Atlanten bis hin zum legendären Atlas des Großen Kurfürsten, in Schwarz-Weiß belassen wurden. Vorkommende Exemplare meist nur schwarz-weiß, allenfalls grenzkoloriert. Unkoloriert gewesen denn auch nur das Exemplar der spektakulären 1991er Ausstellung, siehe oben.

Als erster originärer vollständiger Rußland-Atlas

Atlas Russicus - Premier Atlas Russien complet

der entscheidende Meilenstein

auf dem Weg ins moderne Rußland :

„ Russian mapping, sponsored by Peter the Great – der beispielsweise 1719 während einer Entdeckungsfahrt an die Küste Kamtschatkas zwei Offiziere seiner Flotte aussandte,

um die von Leibniz gestellte Frage

hinsichtlich eines Zusammenhängens Asiens und Amerikas

zu beantworten – and his associates, is known to have followed the way of intensive scientific development in connection with the state reforms and an active foreign policy in the 18th century. The fulfillment of new economic, administrative, cultural, military and political tasks, conditioned by the development of productive forces, required comprehensive studies of the country as well as the compilation and use of new complete and accurate maps. The creation of the All-Russian market necessitated the compiling of general maps and atlases while an expansion of economic relations between different regions generated a need for more detailed maps of particular areas. From the point of view of the history of cartography, we can find in this period a rich field for studying the process of transition from the national traditional methods of large-scale mapping (drawings) to surveys and map constructions on a scientific base.

This process required the creative reworking
of the West-European cartographic methods
by Russian cartographers as well as application
of the national mapping traditions
to the conditions of a vast area of the country “

(Goldenberg-Postnikov).

Diesem Ziel galten die unter höchster Protektion stehenden Arbeiten der geographischen Abteilung innerhalb der von Peter dem Großen begründeten Akademie der Wissenschaften, der auch als einer der Autoren der 1721er berühmten „Punkty“ – „The first official instructions on land survey and map-making“ – vermutet wird, der sich gelegentlich seines ersten Holland-Aufenthaltes selbst im Kupferstich unterweisen ließ („… lernte unter der Leitung der 17jährigen Marie de Wilde [Tochter des ihm nahestehenden Kaufmanns und Sammlers Jacobus de W. in A’dam] die Radiernadel handhaben … Was er eigentlich mit einer solchen Tätigkeit erreichen wollte, war genau wie beim Schiffbau: das Handwerk, das in Rußland gebraucht werden konnte, gründlich lernen und kennen … Stechen und Radieren steht in engen Zusammenhang mit dem Drucken von Karten …“, Gerson, Ausbreitung und Nachwirkung der holländischen Malerei …, S. 516) und dessen „Verdienste um die Verbreitung geographischer Kenntnisse“ K. E. von Baers Untersuchungen galten (Petersburg 1872, siehe aber auch K. Waliszewski, Peter the Great, NY 1897, S. 435). Denn, so der Nordeuropahistoriker Michael Engelbrecht gelegendlich des 275. Todestages von Vitus Bering:

„ Peter der Große … wollte … sein Reich genau kennen. Und dazu gehört auch, dass man die Grenzen kennt “

(Regina Kusch, Kolumbus des Zaren und Entdecker Sibieriens, Deutschlandfunk, 19. Dez. 2016).

Gefragt war eine völlig neue Kartenaufnahme

unter Berücksichtigung astronomisch bestimmter Fixpunkte. An der Spitze der ins Land geholten westlichen Astronomen und Geographen stand J. N. Delisle, der von 1725-47 in Rußland arbeitete und aus dessen an der Akademie begründeter astronomischer Schule mehrere russische Astronomen von Ruf hervorgingen, indes seine Arbeiten für den 1745er Atlas – dem der weniger entscheidende Kirilovs von 1734 vorangegangen war – unter Reibungsverlusten litten. Dadurch bedingte mangelnde Aktualität und ungenügende Akkuratesse waren denn für ihn auch der Grund, weshalb er seinen Namen mit dem des Atlasses nicht gern verbunden sah. Wie zeitgenössisch auch schon M. V. Lomonossov gerügt hatte:

„ Having looked at the archieves and the published Atlas it is easy to understand how much more accurate and complete it could have been “

(Coll. works, Moskau 1955, IX, 258).

Als Adjunkt beigegeben war Delisle der als ao Prof. der Astronomie und Mitglied der Akademie 1736 nach Petersburg berufene Gottfried Heinsius (Naumburg/S. 1709 – Leipzig 1769), der noch im Jahr des Erscheinens bereits einem Rufe nach Leipzig folgte. Siehe ADB XI, 656.

Die den europäischen Teil betreffenden Detail-Karten 1-13 (1 : 1.527.000) gegenüber den 6 asiatischen (1 : 3,360 Mill.) – östlich der Flüsse Irtysch/Ob, doch noch bis zum Petschora-Delta – maßstablich sichtbar größer konzipiert und zudem mit meist reich figürlich-instruktiven Titelkartuschen geschmückt. Die asiatischen hingegen nur mit einem Titelstreifen versehen. Ob dies nur der wirtschaftlichen Bedeutung und dem seinerzeitigen Bekanntheitsgrad zuzurechnen oder Ausdruck des von Delisle als unangebracht gerügten Verlangens nach hastigerer Fertigstellung der Arbeiten ist, möge hiesigerseits dahingestellt bleiben. Deutscherseits

von besonderem historischen Interesse

Atlas Russicus, Wolga-Don-Kanal

die Leibniz’sche Version

des Wolga-Don-Kanals ,

wie 1697 im Gespräch mit dem russischen Botschafter Golovin skizziert.

Ihrerseits auf einem 1568 von Sultan Selim II. begonnenen Unternehmen fußend, verbindet sie entsprechend dem bislang zu bewältigenden Landweg die beiden Nebenflüsse Ilovlya + Kamyschenka. Ein neuerlicher Anlauf Peters des Großen scheiterte indes abermals und die bereits begonnenen Arbeiten mußten wieder abgebrochen werden. Gedruckt erscheint diese Version wohl erstmals auf einer Spezialkarte in Cornelis Crys’ Don-Atlas von 1703/04. Ebenso ist sie auf Kirilov’s Generalkarte von 1734. Im Atlas Russicus fehlt sie zwar auf der Generalkarte, nicht jedoch auf der Wolga-Teilkarte 10, die – wie hier auch die Generalkarte – zugleich die weiter südlich gelegene, erstmals auf der großformatigen Ms.-Reisekarte Rußlands von ca. 1683 erscheinende und auf verschiedenen Karten jener Jahre wiederholte Verbindung Zarizyn (Wolgograd) – Katschalinsk verzeichnet. Letztere dem Verlauf des erst 1952 fertiggestellten Kanals schon recht nahe kommend. Siehe hierzu auch Leo Bagrow, The Volga Don Canal, in I. M. X, 97 f.

Weiterhin von außerordentlicher Importanz für die Entwicklung der Kartographie ist die

wohl erstmalige Darstellung der Kurilen

Atlas Russicus, Kurilen

als Inselkette

in geschlossener bezeichneter Folge

zwischen Nordjapan – dessen Nordzipfel am unteren Kartenrand – und Kamtschatka ausgespannt. Die umstrittenen Inseln im Süden der Kette dabei korrekt etwas abgesetzt und näher zu Japan hin gelegen. Somit ohne die noch bei Kirilov und Haas, aber auch auf anderen, teils wesentlich späteren Karten zu findenden, praktisch die gesamte Südhälfte der Inselkette ausmachenden obskuren Staaten Island, Terre de la Compagnie und Terre de Jean de Gama, die zudem namentlich auf den früheren Karten lagemäßig eher an einen zu weit südlich geratenen, indes auch noch weitgehend unbekannten Alëutenbogen denken ließen. Im übrigen „waren z. B. noch nicht alle Ergebnisse der ‚Großen Nordlandexpedition‘ (1733-1742/3) in ihm ausgewertet“ (Bagrow-Skelton, Meister der Kartographie [1963], Seite 251).

Für den rein kartographischen Rang des Atlasses

gilt Goldenberg-Postnikovs Résumé :

„ Atlases, maps and large scale plans become the principal basis for the development of topographic maps. They remain as remarkable monuments of the history of Russian cartography created by the toilers of field cartography … From the point of view of studying the maps of Russia of the 18th century as historico-geographical sources, the cartographic materials of general land survey are undoubtedly the most abundant and valuable sources in spite of their relative imperfections. “

Und speziell von hiesigem Atlas hatten

„ … Delisles Zeitgenossen … eine sehr hohe Meinung … und

der berühmte deutsche Gelehrte Euler

stellte ihn seinem Vaterlande als Beispiel vor Augen ,

da es von Deutschland

damals noch keinen so vollständigen Atlas gab “

(Bagrow an gleicher Stelle).

Atlas Russicus, Mesenskaja

Der erfaßte Raum entsprechend der Grenzen zur Zeit Elisabeth Petrownas, Peters Tochter (1709-62, Zarin seit 1741). Im Osten bis zur Bering-Straße, mit den Kurilen und Nord-Japan, im SO das später von Alexander II. (Zar seit 1855) erworbene Amur-Gebiet als Ganzes bis hin zum heutigen Wladiwostok. Ansonsten südlich bis in die Quellgebiete von Kerulen, Selenga + Irtysch – Kaspische Südküste – Arax-Fluß , dann etwa auf der Linie Trabzon – Konstanza durch das Schwarze Meer , westlich bis Kiew – Memel – Helsinki mit Teilen Finnlands – norwegischem Grenzgebiet . Im Norden bis ca. 85° nördlicher Breite .

Alles in allem

das Dokument eines Aufbruchs

in die Moderne

als

zeitgenössisch koloriertes Exemplar .

L'Empire de Russie (Atlas Russicus, Frontcover)

In Russisch-Leder .

Wie für niemeyer’s allein angemessen .

Doch einer Kunst für sich. Angefangen vom skorpionhartnäckigen Begehren gegenüber Lieferanten, dieses und kein anderes Leder haben zu wollen, gegenüber Spezialisten, das Leder für den sich sträubenden Buchbinder ein wenig passabler zu machen, und eben gegenüber letzterem selbst. Denn Juften ist eben Juften, siehe oben.

Fühlen Sie also dieses Leder ! Erleben Sie dessen sich vom üblichen Einbandleder einzigartig abhebenden Duft ebenso wie dessen Stärke , auch wenn von dieser eben Abstriche vorzunehmen waren , wobei sich eine willkommene feine Marmorierung ergab :

юфть / Juften ! !

Bordeauxrotes Juften ! Leder einer anderen Weite. Eines anderen Anspruchs. Seien Sie stolz !

Angebots-Nr. 16.278 | Preis auf Anfrage

Die Rote Serie - eine creation von lüder h. niemeyer Die Rote Serie - eine creation von lüder h. niemeyer