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Johann Elias Ridinger, Kranichsteiner 3-Stangen-Hirsch

» über die Mauer von 12. Schuh hoch gesetzet und echappirt «

Martin Elias Ridinger (1731 Augsburg 1780). Dieser Hirsch mit 3. Stangen wurde den 11. Aug. 1753 von Sr. Hoch=Fürstl. Durchl. dem Regierenden Herrn Landgrafen LUDWIG VIII. zu Hessen Darmstadt, in der großen Faisanderie bey Cranichstein par force gejagt, allwo derselbe über die Mauer von 12. Schuh hoch gesetzet und echappirt, nach der Brunft aber eben selbigen Jahres („also etwa im Oktober 1753“, Weitz) an der Graentze im Hochgräfl. Erbach Schönbergischem Gebiete („südlich von Darmstadt“, W.) geschossen worden. Kupferdruckplatte im Gegensinn nach Georg Adam Eger (1727 Murrhardt 1808). (1767/68.) Bezeichnet: G. A. Eger delineav. et pinxit. / M. El. Ridinger sculps. Aug. Vindel., ansonsten wie vor. 37 × 24,9 cm (14⅝ × 9¾ in).

Literatur

Wolfgang Weitz

Bilder zur Jagd in Hessen-Darmstadt
1999, Seiten 44 f.
nebst ganzseitiger Abbildung des Kupfers.

» Besonderheiten:

Kupferstichplatte (nämlich anstehende) erhalten …

Ölbild , Vorzeichnung (jeweils nur des Kopfes) ,
Trophäe (in Kranichstein) vorhanden.
Es existiert ein Hinterglasbild. «

Mit nicht nur exakter lokaler Architektonik, wie generell nur ganz vereinzelt bei Ridinger, sondern vielmehr vor der Kulisse von Jagdschloß

KRANICHSTEIN

als einer der ersten seiner Ansichten

bei zugleich bauhistorischer Bedeutung:

» Die Anlage des Schlosses in – hier gut erkennbar – drei Flügeln ist ein frühes,

wenn nicht gar das erste Beispiel dieser Bauweise ,

die später auch bei anderen Schlössern übernommen wurde «

(Lohmann, Georg I. und die Anfänge von Jagdschloß Kranichstein, o. J., S. 70, nach Dehio, Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Bd. Hessen, 1982, S. 518).

Die optisch praktisch hervorragend erhaltene , weltweit unikate

originale Druckplatte

zum legendären Dreistangen-Hirsch als Blatt 97 (Radierung mit Kupferstich, Thienemann 339; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, VI.10 mit Abbildung auf Vorderumschlag + Seite 126) der Wundersamsten Hirsche

im rotgoldenen Glanze ihres 251 Jahre alten Kupfers .

Und kostbares, hier weit über Thieme-Becker (Bd. XXVIII, 1933, S. 308) hinaus nahtlos direkt bis in den Ridinger-Nachlaß selbst recherchiertes, von Thienemann im Rahmen der Kupferdruckplatten zu den Wundersamsten 1856 noch für verloren gehaltenes, weltweit unikates Sammlungsstück von Graden dazu. Denn

» Erhaltene originale Druckplatten
aus dem 18. Jahrhundert
sind eine große Seltenheit «

(Stefan Morét im Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, SS. 62 f. Siehe auch die hier erworbenen dortigen Kupferdruckplatten I.13, I.8 + I.11, Farbabbildung 6 + SW-Abb. SS. 63 f.).

Im selben Sinne schon vorher Bernadette Schöller in Der Kölner Graphikmarkt zur Zeit Wenzel Hollars innerhalb Wenzel Hollar – Die Kölner Jahre, hrsg. von Werner Schäfke, Köln 1992, S. 19:

» Die Kupferplatten ,

die aufgrund ihres Materialwertes wie auch der darin investierten Arbeitszeiten

eine weit höhere Wertschätzung genossen

als etwa eine allzu oft achtlos behandelte Vorzeichnung … «

Entsprechend hieß es hierselbst gelegentlich des Wiederauftauchens von Teilen des sogenannten Thieme-Becker-Blocks Ridinger’scher Druckplatten »Einer der sensationellsten Funde der Kunstgeschichte … Ridinger’s originale Druck- (sic!!!) Platten«.

Wobei nach hiesigen Erkenntnissen die Bedeutung des Ältesten, Martin Elias, als dem Stecher auch anstehender Platte für das Ridinger-Œuvre sichtbar über eine nur engagierte Mitarbeit als Stecher hinausgeht. Schon als 30jähriger wirkte er geradezu als ein spiritus rector hinter den Kulissen. Der dafür sorgte, daß Folgen nicht vorzeitig abgebrochen wurden, wie gerade auch die kolossale der 101blätterigen Wundersamsten Hirsche, der auch anstehendes Motiv zugehört. Von deren letzten 27 Arbeiten übertrug Martin Elias allein 21 auf die Platte. Ohne ihn gäbe es auch die hiesige nicht!

Und indem Wolf Stubbe (Joh. El. Ridinger, Hbg./Bln. 1966, SS. 16 f. + Taf. 34), in medias res gehend, Th. 722, Der Wilde Büffel und das Crocodil, aus den Kämpfen reißender Thiere bezüglich seiner Lichtbehandlung als einen künstlerischen Zenit des Spätwerkes feiert, erweist er zugleich, da an Hand dessen Kupfer, nicht der Zeichnung, urteilend, auch Martin Elias als dem Ätzer/Stecher jener Arbeit seine Reverenz. Ein Aspekt, der das Ridinger’sche Zusammenspiel vertiefend beleuchtet. – Die ursprüngliche Numerierung „97“ indes nach einer Umnumerierung für eine um 1824/25 anders zusammengestellte Neuausgabe erst gelegentlich einer späteren neuen Gesamtausgabe wiederhergestellt.

Der schon im Jagdtagebuch Ludwig VIII. abgebildete 10-Ender (2 x 3, 1 x 4)

vor Kranichsteiner Teich und dem Schloß-Komplex .

Bezüglich letzteren aber eine dessen frühesten Aufnahmen. Denn

„ Ansichten des Jagdschlosses sind erst aus der Mitte des 18. Jahrhunderts überliefert, alle aus der Zeit des Landgrafen Ludwig VIII., der als leidenschaftlicher Jäger fast ausschließlich in Kranichstein Hof hielt, wie es auch schon sein Vater Ernst Ludwig nach … 1715 getan hatte. Unter die Regentschaft dieser Fürsten fällt Kranichsteins … Blütezeit “

(Gisela Siebert, Kranichstein, 1969, Seite 14).

Gleichwohl über diesen generellen Dokumentationswert noch sichtbar hinausgehend als noch, so Weitz,

„ mit all den Gebäuden aus seiner unmittelbaren Umgebung ,

die spätestens am Ende des (19.) Jahrhunderts beseitigt worden sind. “

Und von keiner geringeren, in Kranichstein indes nicht überlieferten (siehe aber neben der dortigen Trophäe, VI.10c des Darmstädter Katalogs nebst Abbildung, Egers großes Bildniskopf-Öl des Hirsches, VI.10a, und der Eger zugeschriebenen zeichnerischen Kopfstudie, VI.10b m. Abb.) Vorlage als der des 1748 an den Hof gekommenen Hofjagdmalers Eger, auf den offenbar die enge Verbindung zu den Ridingers zurückging und rein altersmäßig sicher bevorzugt zu Martin Elias bestand. Denn 6 der 12 Hessen-Darmstadt gewidmeten Platten der Wundersamsten (davon 10 Ludwig VIII. persönlich) zuzüglich der später aus den Vorfallenheiten übernommenen Thienemann 356 + 385 mit ebenfalls Ludwig-Bezug wurden von Martin Elias ausgeführt, davon vier nach Eger. Darüberhinaus nach letzterem das Reiter-Portrait Ludwigs aus den Fürstlichen Personen sowie zwei weitere Vorlagen.

Wie denn Eger auch

„der eigentliche Maler der Parforcejagd in Kranichstein (war) …

Ludwig VIII. muß (ihn) sehr geschätzt haben, wünschte sich ihn als ständigen Jagdbegleiter und verlieh ihm eine Hofjagduniform, um ihn den Jägern gleichzustellen, nannte ihn auch vertraulich ‚seinen Altgesellen‘ (und verlieh ihm 1765 nach Joh. Chr. Fiedlers Tod den Titel eines zweiten Hofmalers) “

(Siebert, a. a. O., Seiten 63 + 109).

„Jagdlandgraf“ Ludwig VIII. selbst aber nebst Hessen-Darmstadt generell bilden nicht nur den mit Abstand größten Individual-Block innerhalb der Wundersamsten, sondern im gesamten graphischen Œuvre überhaupt. Und in diesem Kontext ist die anstehende Platte mit ihrer Kranichsteiner Architektonik

die dominanteste Platte des Hessen-Darmstadt-Blockes .

Mittels feinen Lackauftrags vor Anlaufen geschützt, ist die Kupferdruckplatte im Rahmen ihres altersmäßigen Gebrauchs generell noch druckfähig. Angeboten und verkauft wird sie indes als Kunstwerk und Sammlungsstück, also unbeschadet ihrer schlußendlichen Druckqualität. – Kurz,

ein thematisch ganz einzigartiges ,

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