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Johann Elias Ridinger, Kämpffende Brunfft Hirsche (Neuburg/Donau)

Zur Brunftzeit in Bayern vor 299 Jahren

Seltene Ridinger-Szene
auf 275 Jahre alter Kupferdruckplatte des Meisters

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Kämpffende Brunfft Hirsche Nach der Natur in der Grün Au bey Neuburg (an der Donau) Anno 1722. gezeichnet. Kupferdruckplatte im Gegensinn. (1743/4.) Bezeichnet: J. El. Ridinger sculps. et exc. A. V., ansonsten wie vor. 34 × 25,8 cm (13⅜ × 10⅛ in).

Die jagdlich wie optisch ganz außerordentliche, auch hervorragend erhaltene + weltweit unikate

originale Druckplatte

zu Blatt 29 (Radierung mit Kupferstich, Thienemann + Schwarz 271; Veit, s. u., Abb. 3 + 6, letztere für die Menzlersche Tondruck-Lithographie; vgl. auch die Kopie bei Moser per Lindner Abb. Sp. 515) der Folge der Wundersamsten Hirsche und anderer Thiere

im rotgoldenen Glanze

ihres

275 Jahre alten Kupfers .

Und kostbares, hier weit über Thieme-Becker (Bd. XXVIII, 1933, S. 308) hinaus nahtlos direkt bis in den Ridinger-Nachlaß selbst recherchiertes, von Thienemann im Rahmen der Kupferdruckplatten zu den Wundersamsten 1856 noch für verloren gehaltenes Sammlungsstück von Graden dazu. Denn

» Erhaltene originale Druckplatten aus dem 18. Jahrhundert

sind eine große Seltenheit«

(Stefan Morét im Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, SS. 62 f. Siehe auch die dortigen Kupferdruckplatten I.13, I.8 + I.11, Farbabbildung 6 + SW-Abb. SS. 63 f.).

Und speziell zu denen Ridingers:

» Vom hohen technischen und qualitativen Niveau der Werke Ridingers und seiner Söhne, die im Verlag vor allem als Stecher mitarbeiteten, künden die (nur noch sehr partiell) erhaltenen Druckplatten noch heute. «

Im selben Sinne schon vorher Bernadette Schöller in Der Kölner Graphikmarkt zur Zeit Wenzel Hollars innerhalb Wenzel Hollar – Die Kölner Jahre, hrsg. von Werner Schäfke, Köln 1992, S. 19:

» Die Kupferplatten ,

die aufgrund ihres Materialwertes wie auch der darin investierten Arbeitszeiten

eine weit höhere Wertschätzung genossen

als etwa eine allzu oft achtlos behandelte Vorzeichnung … «

Wie denn auch anderwärts: »Der Nürnberger Verleger Frauenholz war so angetan von diesem Blatt, daß er die Platte für eine beträchtliche Summe von Reinhart (1761-1847) erwarb« (Teeuwisse III [2007], 29).

Und ganz konkret Cornelis Koeman in Atlantes Neerlandici II (1969), SS. 138 + 345:

» (Eines der dramatischsten Ereignisse in der frühen Geschichte der kommerziellen Kartographie in Amsterdam war der Verkauf von Jodocus Hondius Jr.’s Kupfer-Platten an Willem Jansz. Blaeu 1629, dem Jahr seines Todes. Wenigstens 34 Platten, von denen Jodocus II zu eigenem Nutzen Einzelkarten gedruckt hatte, wechselten in die Hände seines großen Konkurrenten. Unmittelbar darauf veranlaßten sein Bruder Henricus und (dessen Schwager) Joannes Janssonius das Stechen identischer Platten). «

Wobei das mitgeteilte Procedere dieses Auftrags einmal mehr

die ganze Werthaltigkeit von Kupferdruckplatten

dokumentiert. Denn lt. überliefertem Notarvertrag war die reine Stecherarbeit mit 100 Carolus Gulden pro Platte zu vergüten und hatten die Auftraggeber die Kosten für das Kupfer selbst und dessen Politur zusätzlich zu tragen.

Analog zu obigem diffizilen großformatigen Kartenstich in Amsterdam um 1630 macht Michael Bauer (Christoph Weigel, 1654-1725, Kupferstecher und Kunsthändler in Augsburg und Nürnberg, in Archiv für Geschichte des Buchwesens XXIII (1982), Sp. 740/I + 742, II f.) für die süddeutschen Hochburgen Nürnberg + Augsburg der späteren Zeit für »einfachste« Stecherarbeit folgende Rechnung auf:

» Beim Kauf bzw. Verkauf oder bei der Aufteilung einer Kunsthandlung … ging es vor allem um (deren) Druckplatten. Sie stellten den

bei weitem kostenintensivsten Teil im Herstellungsprozeß eines Kupferstiches

dar … Aus der Rechnung eines Augsburger Kupferstechers an den Rat der Stadt über gelieferte Platten einfachster (Fettsatz nicht im Orig.) Stecherarbeit kann das Verhältnis von Stecherarbeit und Druckkosten weiter aufgeschlüsselt werden. Der Kupferstecher Leonhard Michael Steinberger berechnet im Juli 1755 für zwei in Kupferstich ausgeführte Platten je fünf Gulden und für 150 (250?) davon hergestellte Drucke … Für einen Abzug ergibt sich also ein Preis von 0,24 Kreutzern oder, anders gesagt, 250 Drucke würden einen Gulden (wobei Gulden und Taler gleichgesetzt werden können) kosten … Dieses Beispiel zeigt, daß die

Hauptinvestition in die Herstellung der Druckplatte

eingebracht werden mußte, wogegen der Druck selbst nur sehr geringe Kosten verursachte. Das Hauptkapital einer Kunsthandlung bestand also im Besitz der aktuellen, druckfähigen Kupferplatten. «

Entsprechend hieß es hierselbst gelegentlich des Wiederauftauchens von Teilen des sogenannten Thieme-Becker-Blocks Ridingerscher Druckplatten »Einer der sensationellsten Funde der Kunstgeschichte … Ridingers originale Druck- (sic!!!) Platten«. Daß anstehende

vom Meister eigenhändig allein gearbeitet ist

sei eigens erwähnt. So, wie denn auch entsprechend obiger Signatur dokumentiert. – Die ursprüngliche Numerierung »29« indes nach ihrer Entfernung für eine um 1824/25 anders zusammengestellte Neuausgabe erst gelegentlich einer späteren neuen Gesamtausgabe wiederhergestellt.

Johann Elias Ridinger, Kämpfende Brunfthirsche (Ausschnitt)

Vgl. des weiteren Veit, Joh. El. Ridinger und die Grünau bei Neuburg im Neuburger Kollektaneenblatt CXLV, 1997, SS. 131-143. Ist nach diesem die Lokaltreue auch nicht als absolute Größe zu werten – anstehenden Falles indes

» (entspricht) die dargestellte Waldstruktur

auch noch der heutigen kultivierten Auenlandschaft .

Landwirtschaftliche Koppeln inmitten eines fast naturbelassenen Auenlaubwaldes mit knorrigen Eichen sind glaubhaft und auch derzeit noch nachvollziehbar. Lediglich die leichte Hügeligkeit dürfte der künstlerischen Freiheit des Zeichners zuzurechnen sein « – ,

so ist das Umfeld doch auch marginal insofern besonders reizvoll, als

zwischen der Wirkungsstätte Augsburg und Regensburg gelegen .

Und letzteres bildet den wichtigen Meilenstein für die Werkentwicklung des Meisters. Hier nämlich arbeitete er auf Einladung während dreier Jahre, zumindest noch/schon 1719, für den sich auf dem Reichstag aufhaltenden Kurfürstlich brandenburgischen Comitial-Gesandten Wolf Frhr. (so ADB; Kilian/Thienemann = Graf) von Metternich.

Th. stellt die Arbeit in Kontext zu den Motiven der unter Positionen 269 + 270 beschriebenen anderen beiden Brunftblätter der Folge, die 1736 und gleichfalls »Nach der Natur« in Starnberg und Schleißheim gezeichnet wurden, und führt im Vorspann zu Nr. 269 hierzu aus:

» Diese und die beiden folgenden Tafeln (zuzüglich 282, wie dort auch vermerkt) haben andere Grösse und Gestalt, auch weit kleinere Figuren, daher sie gar nicht zu dieser Sammlung (der Wundersamsten Hirsche) zu gehören scheinen. Bei der neuen Ausgabe 1(8)25 sind die Nummern abgeschliffen und sie (zusammen mit 282) als besondere kleine Suite unter dem Titel ‘Brunfthirsche’ verkauft worden … oben gerundet mit breiter Einfassung. «

Dies denn das aspektreiche Umfeld der Neuburger Brunft-Hirsche des 24jährigen Ridinger, vor Ort beobachtet und gezeichnet zur Zeit als er noch nicht in Kupfer arbeitete — dies erst zwischen 1724 + 1728, zunächst noch für Dritte, ab 1728 dann selbstverlegerisch — ohne indes diese Zeichnung zwecks anderweitiger Veröffentlichung aus der Hand zu geben, wie mit anderen gehandhabt. Bekannt für seinen langen Atem, griff er erst 21/22 Jahre später auf sie zurück, um sie seiner ab 1735 über Jahrzehnte erarbeiteten 101blätterigen Mammutfolge der Wundersamsten Hirsche einzuverleiben. Fragen Sie auch nach der nach Abschluß 1768 postum als eines Denkmals der Söhne für den Vater hinzugefügten Titelblatt-Kupferplatte im schriftveränderten Zweitzustand von 1824/25.

Mittels feinen Lackauftrags vor Anlaufen geschützt ,

ist die Kupferdruckplatte im Rahmen ihres altersmäßigen Gebrauchs generell noch druckfähig. Angeboten und verkauft wird sie indes als Kunstwerk und Sammlungsstück, also unbeschadet ihrer schlußendlichen Druckqualität. – Kurz,

ein denkbar erfreuendes , weltweit unikates Absolutum .

Ihnen angetragen mit der Empfehlung zeitlos-eleganter rahmenfreier Hängung (Vorrichtung anbei), um Sie der jeweiligen Licht-Reflexe am schönsten teilhaftig werden zu lassen.

Und was sagten private Ridinger-Platten-Erwerber generell ?

» … haben Sie mich überrascht «,

so ein Vorsitzender Richter i. R. und zwei dieser Zimelien erstehend,
von denen er auch Abzüge machen ließ
(siehe Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, I.10 + I.12).

» Ich möchte mich bei Ihnen bedanken,
die Platten sind schöner , als ich erwartet hatte,
ich übernehme beide , gar keine Frage «,

so ein Unternehmer, der zwischenzeitlich drei weitere erwarb.

Und die Kunstsammlungen Augsburg präsentierten 2001 den erworbenen 12er Satz zur Paradies-Folge (innerhalb der Ausstellung »KUNSTREICH« als den bedeutenden Erwerbungen des letzten Jahrzehnts
(Katalog KUNSTREICH Nr. 102, SS. 198-201).

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