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Johann Elias Ridinger, Stumpfohrichtes Hauptschwein

Das „stumpf=ohrichte Hauptschwein“
und sein Packer

Zweifellos eines der optisch liebenswertesten Kupfer des Meisters

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Dises stumpf=ohrichte Haupt=Schwein mit gestuzter Ruthe welchem auf der Lincken seite der große Fang abgebrochen und auf der rechten das gewerff xweis gewachsen Haben Ihro Hoch=Fürstl: Durchl: der regierende Hr. Landgraff Ludewig (VIII.) zu Hessen Darmstatt chon vor 12. Jahren mit hoher Hand selbst die Ohren gestuzt und in dem 1749ten. Jahr den 18. Januar. im Bessunger Forst (Roßdorf, südlich von Darmstadt) angeschossen und den 30ten. dito im Allerheiligen Forst (Langen/Hessen, nördlich von D.) gar erlegt. Kupferdruckplatte im Gegensinn. Bezeichnet: J. E. Ridinger del. sculps. et excud. A. V. 1753., ansonsten wie vor. 34,9 × 25,2 cm (13¾ × 9⅞ in).

Ausstellung

Schöne Beute — Bilder von der Jagd

Dr.-Hanns-Simon-Stiftung Bitburg

13. Januar – 3. März 2013

Literatur

Katalogbuch zur Ausstellung

Seiten 8 + 149/I

Die optisch hervorragend erhaltene

originale Druckplatte

zu Blatt 58 (Radierung mit Kupferstich, Thienemann + Schwarz 300; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, VI.4 mit Abb.; Siebert-Weitz, Ridinger, 1999, SS. 30 f. mit Abb.) der Folge der Wundersamsten Hirsche und anderer Thiere

im rotgoldenen Glanze ihres 266 Jahre alten Kupfers .

Kostbares, hier weit über Thieme-Becker (Bd. XXVIII, 1933, S. 308) hinaus nahtlos direkt bis in den Ridinger-Nachlaß selbst recherchiertes, von Thienemann im Rahmen der Kupferdruckplatten zu den Wundersamsten 1856 noch für verloren gehaltenes, weltweit unikates Sammlungsstück von Graden dazu. Denn

» Erhaltene originale Druckplatten
aus dem 18. Jahrhundert
sind eine große Seltenheit «

(Stefan Morét im Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, SS. 62 f. Siehe auch die hier erworbenen dortigen Kupferdruckplatten I.13, I.8 + I.11, Farbabbildung 6 + SW-Abb. SS. 63 f.).

Im selben Sinne schon vorher Bernadette Schöller in Der Kölner Graphikmarkt zur Zeit Wenzel Hollars innerhalb Wenzel Hollar – Die Kölner Jahre, hrsg. von Werner Schäfke, Köln 1992, S. 19:

» Die Kupferplatten ,

die aufgrund ihres Materialwertes wie auch der darin investierten Arbeitszeiten

eine weit höhere Wertschätzung genossen

als etwa eine allzu oft achtlos behandelte Vorzeichnung … «

Entsprechend hieß es hierselbst gelegentlich des Wiederauftauchens von Teilen des sogenannten Thieme-Becker-Blocks Ridinger’scher Druckplatten »Einer der sensationellsten Funde der Kunstgeschichte … Ridinger’s originale Druck- (sic!!!) Platten«. Daß anstehende

vom Meister eigenhändig allein gearbeitet ist

sei eigens erwähnt. So, wie denn auch entsprechend obiger Signatur dokumentiert. – Die ursprüngliche Numerierung „58“ indes nach einer Umnumerierung für eine um 1824/25 anders zusammengestellte Neuausgabe erst gelegentlich einer späteren neuen Gesamtausgabe wiederhergestellt.

Oberhalb des im Jagdbuch Ludwigs VIII. abgebildeten toten Keilers sitzt der bewachende Packer (deutlich sichtbar die gekürzten Ohren als typisch), „ein tüchtiger Bulldogg“ (Th.), traurig ob des Endes dieses so braven borstigen Gesellen. Diese Idylle erreicht denn auch das Heulen des verletzten seitlichen Rüden nicht. Man sieht den Störer kaum.

“ Der (Packer) trägt einen etwas rätselhaften Maulkorb. Die verwachsenen Zähne des Schweines, die gekürzten Ohren und der Stummelschwanz sind deutlich zu sehen “

(S.-Weitz SS. 28 + 30).

“ Im Gegensatz zu den meisten anderen von Ridinger publizierten Jagderfolgen Ludwigs VIII. hat sich zu diesem Blatt der Serie in der Kranichsteiner Sammlung kein weiteres Zeugnis erhalten “

(Morét).

Heranziehbar indes die Federzeichnung „Ein todtes wildes Schwein, worauf die Büchse liegt, daneben auf der Erderhöhung ein sitzender, an einem der Baumstämme angelegter Jagdhund, der es bewacht“ als Pos. 99 von Johann Elias Ridinger’s Kunstnachlass in Handzeichnungen innerhalb des 1869er Weigel’schen Zeichnungskataloges. Hier indes ohne Büchse und frei sitzendem Rüden. Rechts vom Bassen aus dem Unterholz heraus Laut gebender Saufinder.

Mittels feinen Lackauftrags vor Anlaufen geschützt, ist die Kupferdruckplatte im Rahmen ihres altersmäßigen Gebrauchs generell noch druckfähig. Angeboten und verkauft wird sie indes als Kunstwerk und Sammlungsstück, also unbeschadet ihrer schlußendlichen Druckqualität. – Kurz,

ein denkbar erfreuendes , weltweit unikates Absolutum .

Ihnen angetragen mit der Empfehlung zeitlos-eleganter rahmenfreier Hängung (Vorrichtung anbei), um Sie der jeweiligen Licht-Reflexe am schönsten teilhaftig werden zu lassen.

Angebots-Nr. 15.009 / Preis auf Anfrage