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Johann Elias Ridinger, 1731 Parforce gejagte Hirsche (Nymphenburg)

» … in dem Parc von Nymphenburg gegen Stahrenberg …
nach der Natur gezeichnet «

Miterlebtes dramatisches par force
umgesetzt in atemstockende Kunst pur

Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Anno 1731. Habe dise Vorstellung (zweier par force gejagter Hirsche, von denen einer sich bäumt, der andere ins Wasser geht) in dem Parc von Nymphenburg gegen Stahrenberg (Starnberg) nach der Natur gezeichnet. Kupferdruckplatte im Gegensinn. (1745/46.) Bezeichnet: J. El. Ridinger fec: et excud., ansonsten wie vor. 35,1 × 28,1 cm (13⅞ × 11 in).

Die optisch hervorragend erhaltene originale Druckplatte zu Blatt 45 (Radierung mit Kupferstich, Thienemann + Schwarz 287; »Ein reiches Blatt«, Th.) der Vorstellung der Wundersamsten Hirsche …

im rotgoldenen Glanze ihres 274 Jahre alten Kupfers

als eine der bravourösesten Arbeiten Ridingers ,

unabgestumpft frisch herausschleudernd, was ihn, miterlebend, 15 Jahre früher, sehend und zeichnend, künstlerisch zutiefst erregt hatte. An der Stelle welcher, in dem Augenblick welchem. Als im Park von Nymphenburg zwei von den Hunden schon fest im Griff gehaltene Hirsche an ihm vorbeistürmten. Abwärts. Bildlich wie inhaltlich. Ihresgleichen suchende Rasanz, unüberbietbar im Sichaufbäumen des hinteren. Und den seinerseits gepackten Betrachter das heranziehbare, maßstabsetzende Petersburger Öl 284 in seiner Schwarz-Weiß-Abbildung fast schon als statisch erscheinen läßt. Wie anstehendenfalls nur dem puren Kupfer in seinem rotgoldenen Glanze das Überwältigtsein welches geschuldet.

Generell zudem kostbares, hier weit über Thieme-Becker (Bd. XXVIII, 1933, S. 308) hinaus nahtlos direkt bis in den Ridinger-Nachlaß selbst recherchiertes, von Thienemann im Rahmen der Kupferdruckplatten zu den Wundersamsten 1856 noch für verloren gehaltenes, weltweit unikates Sammlungsstück von Graden dazu. Denn

» Erhaltene originale Druckplatten

aus dem 18. Jahrhundert

sind eine große Seltenheit «

(Stefan Morét im Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, SS. 62 f. Siehe auch die hier erworbenen dortigen Kupferdruckplatten I.13, I.8 + I.11, Farbabbildung 6 + SW-Abb. SS. 63 f.).

Und speziell zu denen Ridingers :

» Vom hohen technischen und qualitativen Niveau der Werke Ridingers und seiner Söhne, die im Verlag vor allem als Stecher mitarbeiteten, künden die (nur noch sehr partiell) erhaltenen Druckplatten noch heute. «

Im selben Sinne schon vorher Bernadette Schöller in Der Kölner Graphikmarkt zur Zeit Wenzel Hollars innerhalb Wenzel Hollar – Die Kölner Jahre, hrsg. von Werner Schäfke, Köln 1992, S. 19:

» Die Kupferplatten, die aufgrund ihres Materialwertes wie auch der darin investierten Arbeitszeiten weit höhere Wertschätzung genossen als etwa eine allzu oft achtlos behandelte Vorzeichnung … «

Und, so 1835 Nagler im Künstler-Lexicon II, 98 f.:

» (John Boydells, 1719-1804) Kupferstichhandel war unermesslich, und er bezahlte oft ungeheure Summen an einen einzigen Künstler, z. B. für eine Platte nach Dominichino 4000 Pf. St. … «

Und so hieß es hierselbst denn auch gelegentlich des Wiederauftauchens von Teilen des sogenannten Thieme-Becker-Blocks Ridingerscher Druckplatten »Einer der sensationellsten Funde der Kunstgeschichte … Ridingers originale Druck- (sic !!!) Platten«. Daß anstehende

vom Meister eigenhändig allein gearbeitet ist

sei eigens erwähnt. So, wie denn auch entsprechend obiger Signatur dokumentiert.

Die ursprüngliche Numerierung »45« nach einer Umgruppierung für eine um 1824/25 anders zusammengestellte Neuausgabe vermutlich erst gelegentlich einer späteren neuen Gesamtausgabe wiederhergestellt. – Unterhalb des Untertextes sowie, hier gänzlich unwesentlich, im rechten und oberen Rand außerhalb der Bildeinfassung schwach schlierig.

Mittels feinen Lackauftrags vor Anlaufen geschützt, ist die Kupferdruckplatte im Rahmen ihres altersmäßigen Gebrauchs generell noch druckfähig. Angeboten und verkauft wird sie indes als Kunstwerk und Sammlungsstück, also unbeschadet ihrer schlußendlichen Druckqualität. – Kurz,

ein denkbar erfreuendes , weltweit unikates Absolutum .

Ihnen angetragen mit der Empfehlung zeitlos-eleganter rahmenfreier Hängung (Vorrichtung anbei), um Sie der jeweiligen Licht-Reflexe am schönsten teilhaftig werden zu lassen.

Angebots-Nr. 16.276 | Preis auf Anfrage

  1. Nikolai N. Nikulin, German and Austrian Painting XVth to 18th Centuries/The Hermitage Catalogue of Western European Painting XIV, 1987, nebst Abbildung.