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Literaturunbekannte Variante

von Schwarz 1507 als zudem

Probedruck vor aller Schrift

– Das Exemplar Gräflich Faber-Castell –

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die hl. Maria Magdalena in der Buße in der Wüste. Kniestück sitzend nach rechts an einem blumenbewachsenen Felsen, den nach links und oben gewandten Kopf von der Linken gestützt, während die Rechte auf einem Kelch ruht, der zusammen mit Totenkopf und diesen mitumschließender Kette auf einer Platte steht. Linksseits schöner Ausblick in Wolkenferne. Darüber, vom oberen Rand der Bildfüllung schweifartig hereinbrechender Lichtstrahl. Unten für Eintragungen individueller Natur bestimmte breite Schrifttafel mit Mittelkartusche, beide leergeblieben wie bei den erhaltenen Exemplaren die Regel, aber auch ohne den in letzterer meist plazierten Heiligen-Namen. Schabkunstblatt. 51,6 x 42,4 cm.

Johann Elias Ridinger, Maria Magdalena

Provenienz

Gräflich Faber-Castell

deren Ridinger-Versteigerung 1958
mit deren Lot-Nr. 168
auf dem Untersatzkarton

Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen

(1922-2004)

Vergleiche Schwarz 1507 (51,2 x 38,6 cm; bezeichnet Ioh. Elias Ridinger exc.: Aug. Vind., mit links oben in den Wolken zwei schwebenden Engelsköpfen) als verkleinerte Wiederholung von Schwarz 1506 (66,5 x 48,8 cm; bezeichnet wie vor, doch statt des „exc.“ „invent. et delin.“ und ohne die Engelsköpfe); Wend, Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, I.1 (1975), 192 (Schw. 1507); Faber-Castell 115 (unachtsam als Schwarz 1506!).

Nicht bei Thienemann (1856) , Stillfried (1876) , Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57) , Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Reich auf Biehla (1894) , Gg. Hamminger (1895) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Unbeschriebene Variante

zu Schwarz 1507 + 1506

in Probedruck vor aller Schrift

mit dem weit aussagekräftigeren Lichtstrahl statt unverbindlicher Allerweltsputten, der zudem nicht, wie letztere, in den Wolken angesiedelt ist, vielmehr aus dem gänzlichen, konturenlosen breitflächigen Schwarz oberhalb derselben hereinbricht. Als 3,8 cm breiter als Schwarz 1507 und damit außerhalb der Toleriergrenze unterschiedlichen Arbeitens der Papiere liegend, ist von einer selbständigen Version und nicht nur von abweichenden Zuständen ein und derselben Platte auszugehen. Schon Schwarz beurteilte eine solche Maßdifferenz entsprechend, indem er eine Identität seiner lesenden Magdalena Nr. 1508 mit der ihm nicht vorliegenden inhaltsgleichen von Th.-Stillfried 1421 wegen differierender Breite (38,4 : 42 cm, also ähnlich hier) in Frage stellte.

Die blühende junge Frau

– nach den Evangelien eine der ersten bzw. (Joh. 20,1)

die erste Zeugin(nen) der Auferstehung –

in Kontrast zu Totenschädel

und Kette in bildlicher Tradition von El Greco und Jusepe de Ribera und unvergleichlich reizvoller als namentlich das durch Stahlstich weitverbreitete Sujet der in idyllischer Landschaft lesenden Magdalena Correggio’s, doch auch exaltierter anderweitiger früherer Darstellungen. Daß Ridinger den Totenschädel auch in Verbindung mit dem Buch-Attribut einsetzte (besagte Schwarz 1508, Stillfried 1421) – wie übrigens auch sein italienischer Zeitgenosse Batoni, 1708-1787, aber auch bereits El Greco, 1541-1614 – ergibt sich angesichts seiner das Œuvre vielfältig abgestuft durchziehenden Vanitates von selbst. Aber auch bildästhetisch ist seine anstehende Magdalena mit ihrem elegant drapierten Busen eine Klasse für sich.

Herrlicher Druck adäquater Erhaltung

mit WANGEN-Wz. wie für zeitgenössische Abdrucke stehend bei umlaufend 5-10 mm Rand. Drei unterschiedlich lange professionell geglättete Querfalten bildseits ebensowenig wahrnehmbar wie eine kleine Restauriermaßnahme in Brusthöhe. Rostfleckchen in der Himmelspartie, drei stecknadelkopfkleine Löchlein rechts im weißen Papier- (2) bzw. Bildrand.

„ Die Schwarzkunstblätter – resümiert Thienemann –

sind im Handel fast gar nicht mehr … zu bekommen

… sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … “

(Seiten VIII + 270; Fehlanzeige für anstehendes Magdalenen-Motiv jedweder Form denn selbst dort!).

An welcher Situation auch etwaige Neuauflagen wenig zu ändern vermochten, da die sich technisch bedingt extrem schnell abnutzende Schabplatte nach Urteil des Praktikers Sandrart (1675) nur 50-60 gute Abdrucke ermöglicht.

Angebots-Nr. 14.868 | EUR 1380. | export price EUR 1311. (c. US$ 1585.) + Versand


„ Das Jahr 2014 geht zu Ende. Das gibt Veranlassung Ihnen sehr herzlich zu danken für viele jagdhistorische Informationen mit kunsthistorischem Charakter. Besonders dankbar bin ich für die Beschaffung des Bildes … “

(Herr W. W., 18. Dezember 2014)

 

Die Auslese des Tages