English

Schon seit 150 Jahren
qualifiziert als „Sehr + Aeusserst selten“

Ridinger’s Folge der Fontainen

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die Fontainen. Folge von 4 Blatt in Radierung mit Kupferstich. Bezeichnet: Ioh. Elias Ridinger excud. Aug. Vind., ansonsten wie nachfolgend. 35,3 × 28,7 (13⅞ × 11¼ in; 1) bzw. Blattgröße 35,2-35,4 × 28,2-28,3 cm (13⅞-14 × 11⅛ in; 3).

Provenienz

Alexander Graf von Faber-Castell

dessen Ridinger-Versteigerung 1958
mit deren Lot-Nr. 61
auf den Untersatzkartons

Radulf Graf zu Castell-Rüdenhausen

(1922-2004)

Th. + Schwarz 878-881; Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX, 1953 („Einige etwas beschädigt und fleckig. Aeusserst seltene Blätter“, 1885); Slg. Reich auf Biehla („Aeusserst seltene Blätter, sehr schöne Abdrücke mit viel Rand“, 1894); Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900), 1482-1484 als Th. 878 („mit Rand. Letzterer nicht tadelfrei. Sehr selten.“), Th. 879 („ohne Rand. Sehr selten.“) + Th. 881 („mit vollem Rand, letzterer nicht tadelfrei. Aeusserst selten.“).

Nicht bei Weigel, Kunstlager-Catalog I-XXVIII (1838/57), Slg. Coppenrath (1889 f.), Slg. Gg. Hamminger als dem geradezu Marktleerfeger seiner Zeit (1895), Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

„ Die vier Blatt, welche unter obigem Titel ausgegeben, aber jetzt sehr selten geworden sind, möchte ich mythologische Pyramiden nennen. Sie stammen aus früherer (siehe aber unten) Zeit … “

(Thienemann, in puncto des Ridinger’schen nur „excudit“ zugleich der hiesigerseits abschließend widerlegten verbreiteten Annahme anhängend „Wir wissen daher nicht einmal gewiss, ob und welchen Antheil unser Meister daran hat“).

Denn spätestens nach hiesiger Aufdeckung der von Ridinger offensichtlich verworfenen autonomen Arbeit der domartig aufschießenden Hippokrene – hier in 16 Exemplaren aufgelegt gelegentlich des 300. Geburtstages – als der Roß- oder Musen-Quelle am Parnaß auf der Rückseite der originalen Druckplatte zum Abendblatt der um 1746 anzusetzenden Vier Jahreszeiten der Hirsche hat die Folge der Fontainen als eigenhändig gesichert zu gelten. Denn obgleich gänzlich unbezeichnet geblieben, ist ihre Authentizität unübersehbar. Ausgehend von ihrer Nähe zu dem Ridinger so vielfältig inspirierenden Watteau und über die Selbstidentifikation in der Muse der Malerei direkt hinführend zum Eigen-Exlibris.

Und zeitlich zwangsläufig mit vor ca. 1746 ansetzbar als zu dem Zeitpunkt mit der freien Plattenseite anderweitig verwendet, s. o. Was mit Thienemanns „aus früherer Zeit“ für die Fontainen-Folge korrenpondieren könnte. Denkbar ebensogut, daß der Meister das Thema fallen ließ und erst später in anstehender Fontainen-Suite wieder aufgriff. Wofür deren hiesiges leicht getöntes feines (3) bzw. geringfügig schwereres, gleichwohl einheitlich fein strukturiertes Bütten spräche, wie namentlich für die Spätzeit mit ihren holländischen Spitzen-Qualitäten für die kolorierten Werke belegt. Wobei hiesiges großes figürliches Wasserzeichen

Herz mit eingebetteter Initiale „W“

(ca. 60 x 48 mm) besondere Aufmerksamkeit verdient, wie bislang übersehen worden. Denn während Briquet – Les Filigranes … Marques du Papier … 1282 jusqu’en 1600 II (1923), SS. 259 ff. – , die Langläufigkeit und Vielfalt der Marke eigens betonend, für den Zeitraum von 1326-1603 160 Herzmarken dokumentiert, fehlen solche gänzlich bei Heawood (1950/87) als hauptsächlich 17./18. Jhdt. abdeckend und solchermaßen explicit für die Basler Mühlen auch bei Tschudin (1958).

Hingegen übermittelte ein polnischer Kollege für zwei Einzelblätter der Folge mit FZW bzw. FVA zwei hier nicht nachweisbare typographische Marken, die als wohl zeitgenössisch an FAI oder FAvI (das v innerhalb des A) als Gegenmarken zu WANGEN als einem der von Ridinger favorisierten Papiere erinnern. Und auch daran, daß für die Entschlüsselung der hiesigen wie der dortigen Monogramme Erkenntnisse hier noch fehlen.

Fontaine de Persèe et d’Andromede.

Johann Elias Ridinger, Springbrunnen von Perseus + Andromeda

Springbrunnen des Persei und der Andromeda.

„ Auf der Spitze eines kegelförmigen Felsen sitzt Minerva, Lanze und Schild in den Händen, und sieht auf den unter ihr schwebenden Perseus herab, welcher das gezückte Schwert in der Rechten, das Medusenhaupt in der Linken, im Begriff ist, dem sich um den Felsen windenden Drachen den Garaus zu machen. Dieser ist schon mit unzähligen Wunden, aus denen Blut spritzt, überdeckt, aber der eigentliche Blutstrom, die Fontaine, kommt aus seinem Rachen. Neben Perseus die angefesselte Andromeda, welche nun bald erlöst sein wird. “

Dreiseits mit 3-4, unten 13 mm breitem Rändchen um den vollen Plattenrand. In diesem vier hinterlegte Kleineinrisse. Kleine leichte Gelbspur zwischen Andromedas rechtem Arm und linkem Bein.

Fontaine d’Hercule victorieux.

Johann Elias Ridinger, Springbrunnen des trimphirenden Herculis

Springbrunnen des triumphirenden Herculis.

„ Oben auf dem Felsenkegel ein mit Lorbeer umkränzter Genius, also die Siegesgöttin, in der Hand den Lorbeerkranz, um das Haupt des unter ihr von seinen Heldenthaten ruhenden Herkules damit zu schmücken. Daneben eine weibliche, ziemlich indecent (sprich barbusig) dasitzende Figur, die Strahlenkrone, womit man siegreiche Feldherrn schmückte, auf dem Kopfe und in der aufgehobenen Rechten eine für den Herkules. Dieser stützt sich mit der Linken auf seine Keule, mit dem Fusse auf den Hintern des erschlagenen Feindes, der nebst mehreren getödteten wilden und zahmen Thieren unter ihm zerstreut liegt. Aus dem Felsen strömen überall Quellen hervor, die eigentlich zum Ganzen nicht gehören. “

Innerhalb der Plattenkante geschnitten, doch dreiseits mit fein(st)em Rändchen um die Bildeinfassung, unten mit 1 cm unterhalb der zweiten Textzeile. – Rückseits links mit drei punktuellen Spuren früherer Montage auf blauem Papier, zwei kleinen dünnen Papierstellen, von denen eine hinterlegt ist sowie gleichfalls beigelegtem Kleineinriß.

Fontain d’Atlas et d’Hercule.

Johann Elias Ridinger, Springbrunnen des Atlas und Herculis

Springbrunnen des Atlas und Herculis.

„ Auf einem Fels sitzt Herkules mit der Löwenhaut, auf der andern Seite kniet Atlas mit der Strahlenkrone; sie halten die Himmelskugel, aus welcher ganz gewaltige Wassermassen herabfliessen. “

Innerhalb der Plattenkante geschnitten, doch dreiseits mit meist nur feinstem Rändchen um die Bildeinfassung, hier und da auch bis unmittelbar an diese heranreichend, unten mit 3-10 mm unterhalb der zweiten Textzeile. – Rückseits links mit zwei punktuellen Spuren früherer Montage auf blauem Papier und bildseits eine winzige Papierabschabung an der Bildeinfassung.

Fontaine de la Victoire d’Apollon sur le Serpent Python.

Johann Elias Ridinger, Brunnen von dem Sig des Apollo über die Pythonische Schlange

Brunnen von dem Sig des Apollo über die Pythonische Schlange.

„ In der Mitte Apollo, als Hauptfigur, die Rechte in die Seite gestemmt, in der Linken den Bogen ohne Sehne, womit er den Drachen Python erlegt hat, auf dessen Flügel er steht, und dem aus den Wunden Fontainen entströmen. Darüber Victoria mit Palmenzweig und Kranz für den Sieger, daneben Cupido in kläglicher Figur. Unten noch ein Flussgott, aus dessen Urne viel Wasser strömt, denn es sollen ja nun einmal Fontainen da sein. “

Innerhalb der Plattenkante geschnitten, doch dreiseits mit fein(st)em Rändchen um die Bildeinfassung, unten mit 6-10 mm unterhalb der zweiten Textzeile. – Rückseits links mit drei punktuellen Spuren früherer Montage auf blauem Papier.

Die bildlich wie inhaltlich schöne Folge

in herrlichen Drucken

der Grafen von Faber-Castell bzw. Castell-Rüdenhausen .

Und nicht zuletzt ein weiteres Thema, das Ridinger als in großer künstlerischer Tradition stehend zeigt.

Mit deren drei berühmten Beispielen aus 1593 bis 1602 in Augsburg selbst, darunter der auf eine Vorzeichnung Hans von Aachen’s zurückgehende Herkules-Brunnen des großen Adriaen de Vries.

Angebots-Nr. 14.873 | EUR 2000. | export price EUR 1900. (c. US$ 2297.) + Versand


„ das Paket kam heute morgen gut behalten hier an. Haben Sie vielen Dank. Das Blatt gefällt mir ausgesprochen gut … “

(Herr A. L., 11. März 2011)

 

Die Auslese des Tages