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DIE ANBETUNG DER HIRTEN

Hier

mit dem spektakulären Ausblick auf die Karfreitags-Erfüllung !

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die Anbetung der Hirten (Lucas 2, 1-20). Vorne rechts auf einer Strohkiste das von Maria am Arm gehaltene Jesuskind, hinter ihr der Verkündungsengel Gabriel und, zur Mitte, Joseph. Links vorne die Gruppe der drei Hirten, einer ein Schaf haltend. Über den Irdischen in und oberhalb der Wolken zahlreiche Engelchen, vorwegnehmend Dornenkrone, Nägel, Lanze und Kreuz

als spektakulären Ausblick auf die Karfreitags-Erfüllung

mit sich führend, doch vom größeren Erzengel mit Blick auf die Krippenszenerie noch zurückgehalten. Im Mittelgrund links wiederholte, heranziehende Hirtengruppe. Rechts Andeutung des Stalles. Schabkunstblatt von sicher Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784) nach wohl Joh. Gg. Bergmüller (Ulm 1688 – Augsburg 1762). Bezeichnet: Joh. Elias Ridinger excud. A.V. 63,2 x 44,5 cm.

Schwarz (1910) 1486 (aber nicht 1903 mit der Slg. Horn erworben, siehe unten); Wend (1975), Ergänzungen zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik, 1,1, 147 unter Bezug auf Schwarz.

Nicht bei Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57; mehr als 1000 R.-Bll. des rad./gest. Werkes) , Thienemann (und damit auch nicht im Dresdner Kabinett; 1856) + Graf Stillfried (1876) , Schlesische R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885; „ von grösster Reichhaltigkeit … [viele Seltenheiten: “]), darunter per 2036 eine literaturunbekannte Hirten-Anbetung) , Coppenrath (1889/90) , Reich auf Biehla (1894; „Von allen [R.-Slgn.], welche seit langer Zeit [verhandelt wurden], kann sich keine in Bezug auf Vollständigkeit und Qualität auch nur annähernd mit der vorliegenden … messen … besonders die Seltenheiten und unbeschriebenen Blätter, welche in reicher Anzahl vertreten sind“; 1266 Blatt zuzgl. 470 Doubl. + 20 Zeichn.) , Marktleerfeger Gg. Hamminger (1895) , Helbing (1554 Nrn. umfassender Kat. XXXIV, Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900) , Horn (1903; „Die von Thienemann und Stillfried beschriebenen Kupferstiche und Schabkunstblätter … waren in dieser Sammlung mit geringen Ausnahmen fast vollzählig vertreten. Daneben zählte die Sammlung eine Reihe bisher unbeschriebener Blätter: ausser 4 resp. 6 Kupferstichen eine grosse Anzahl von Schabkunstblättern“) , Rosenthal (444 Nrn. umfassende Liste 126, Joh. El. Ridinger, 1940), Gräflich Faber-Castell (1958), Kunstsammlungen Augsburg (1996).

Grandiose

Johann Elias Ridinger, Die Anbetung der Hirten

vielschichtige Komposition

als sich nahtlos einpassendes Pendant zu Ridinger’s konkret für Bergmüller gesicherte Verkündigung Mariæ Schwarz 1516 („Joh. Georg Bergmiler pinxit“) und eine sicherlich einheitlich Ridinger-Bergmüller’sche Geschehenskette bildend mit im weiteren Verlauf einer Anbetung der Könige (1406) und der Flucht nach Ägypten (1482). Alle praktisch gleichen Formates und sich als eigens gearbeitete

wandtüchtige Bildkompositionen präsentierend ,

also ohne im Unterrand vorgesehene sogenannte Thesenleiste – im 18. Jhdt. „meist als Blanco-Streifen mit integrierter Mittelkartusche“ (Teuscher in Die Künstlerfamilie Rugendas 1666-1858, S. 295) – für individuelle Beschriftung gelegentlich besonderer Anlässe, wie bei den Heiligen-Blättern als Kennzeichen ihrer Bestimmung als Gebrauchskunst die Regel.

Bergmüller (Türkheim 1688 – Augsburg 1762), dem Ridinger-Sammler bekannt vor allem durch sein von Johann Jacob Haid geschabtes Ridinger-Porträt mit Diana Th. XX, 2, geschätzter Portraitmaler, schuf daneben – als bischöflicher Kabinettsmaler – Historienbilder und Fresken vor allem geistlichen Inhaltes, von denen er einige auch selber stach: Neben je einer Folge Jahreszeiten bzw. Tugenden sowie zwei kunsttheoretischen Werken waren Nagler sowohl eine vierblätterige Folge als auch fünf weitere Einzelblätter zum Leben Jesu bekannt. Unter den Fresken präzisieren Thieme-Becker (1909) vier Deckenbilder zum Leben Mariä in der Pollheimschen Kapelle des Augsburger Doms sowie einen 17teiligen Zyklus der Leidensgeschichte in der Kreuzkirche.

„ Bergmüller schlägt als Freskant die Brücke vom Romanismus des 17. Jh. zum Klassizismus des späten 18. Jh. Durch ihn

wurde Augsburg zu einem der führenden Kunstzentren

im süddeutschen Raum … bis Anfang der 20er Jahre vor allem als Tafelmaler (Hochaltarbilder) … tätig … In seinem reifen Werk agieren voluminöse plastische Gestalten … “

(Allgemeines Künstler-Lexikon IX [1994], 417).

Die letztlich erst durch Ritter von Gutmann’s (Schwarz) Sammeltätigkeit bekanntgewordene über 120blätterige Schabkunst-Gruppe der religiösen Inhalte eröffnet damit

den weitgehendst unbekannten Ridinger des Glaubens

(seit 1757 Assessor des Ehegerichts Augsburger Confession), den als wesentlichen Werkaspekt zu erschließen vor diesem wohl als erster Th. Reich auf Biehla unternommen hatte, dessen Sammlung innerhalb der Schabkunst diesbezüglich immerhin bereits 31 und ausnahmslos damals schon als

„sehr selten“ + „äußerst selten“

qualifizierte umfaßte.

Welche Seltenheit schon technisch bedingt ist als die sich extrem schnell abnutzende Schabplatte nach Urteil des Praktikers Sandrart (1675) nur 50-60 gute Abdrucke ermöglicht. „(H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab.“ Entsprechend denn auch Thienemann (1856; SS. VIII + 270):

„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr

… zu bekommen … sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … “.

Fehlend aber selbst dort denn schon damals das hiesige! Vorliegend nun hier in zudem

größter Vollkommenheit,

wie eben selbst anspruchsvollsten Sammlern vielfach so unerreichbar. Potenziert von einer Qualifikation als

Nahezu-Unikat !

Unten im Rand noch Plattenschmutz. An den beiden Oberecken auf Plattenkante geschnitten, ansonsten mit bis zu 2 mm breitem feinen Rändchen.

Mit den für frühe hervorragende Ridinger-Abdrucke bekannten Wasserzeichen WANGEN + Krone mit Anhänger FAvI (ligiert) und an den vier Ecken auf schweren Bütten-Untersatzbogen mit zweizeiligem typogr. Wz. montiert. Abgesehen von ganz minimaler Bereibung oberhalb Josephs in den Wolken sowie einem nur im Gegenlicht erkennbaren stecknadelspitzenwinzigen Löchlein von nahezu unberührter, bestverwahrter Frische und solchermaßen nicht allein ein Ridinger, wie ihn kaum jemand kennt, sondern auch und vor allem

ein Ridinger , an dem vorüberzugehen Sie arm bleiben ließe .

Angebots-Nr. 15.260 | Preis auf Anfrage


„ Vielen Dank, und sollten Sie wieder einmal einen ‚(William) Blake‘ in Ihrem Sortiment haben, waere ich fuer eine kurze e-mail dankbar “

(Mr. U. S., 23. Januar 2002)

 

Die Auslese des Tages