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Die Hirsche des Starnberger Sees

„ Ein Schlüsselbild
(Ridinger’s) … natur-phil(osophischer). Grundhaltung “

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Der Abend der Hirsche. Radierung mit Kupferstich. Ca. 1746. Bezeichnet: J. E. Ridinger fecit zusätzlich nachfolgenden Tages-Mottos oberhalb des Bildovals, dessen Ecken ausschraffiert sind. 34,7 x 28,4 cm.

Thienemann + Schwarz 240. – Blatt 3 der Vier Tageszeiten der Hirsche als der vielleicht schönsten Naturfolge der alten Graphik in altem, wie „jetzt nur selten vorkommend“ (Weigel bereits 1847!), Abdruck auf von Ridinger favorisiertem Wangen-Papier. – Erhebliche Rißbildungen und kleinere Fehlstellen ausschließlich innerhalb des breiten weißen Randes (3 cm an den Seiten, 7,3-7,5 cm oben + unten) durch Hinterlegung rechtsseits und vereinzelt auch oben und anschließender ganzflächiger Japan-Dublierung neutralisiert und vom Passepartout verdeckt.

Johann Elias Ridinger, Der Abend der Hirsche

„ Ast(e)rifero procedit Vesper olympo “

Am sternbesäten Olymp schreitet der Abend fort.

„ Die Hauptfigur, ein rüstiger Zwölfer (eines der beiden Logi der ridinger handlung niemeyer), hat neben sich eine liegende Hirschkuh und hinter sich einen Spiesser (vielleicht der Herr Sohn). Alle drei munter und lebhaft, denn es sind Nachtthiere. “

Unter Fortlassens der stehenden zweiten Hirschkuh ist es spiegelbildlich die majestätische rechte Vordergrund-Gruppe aus Th. 293

„ Anno 1736. im Walde bey Stahrenberg nach der Natur gezeichnet “,

dessen Kupferübertragung – „J. El. Ridinger ad viv. del. et fec.“ – 1746/48, wohl aber kaum vor 1747, erfolgte. Diese Szenerie zeigt an einem als Seebucht anzunehmenden Gewässer besagte Vierergruppe auf einem Felsblock oberhalb des Wassers und zugleich am Fuße eines ins Bild hineinragenden Felsens und zum andern am jenseitigen Waldsaum einen anderen Kapitalen mit 7köpfigem Serail.

Die augenscheinlich zugehörige Tusche-Vorzeichnung der Sammlung Coppenrath – Abt. II (1889), Nr. 1918, „Zu Th. 293“ – „Hirschrudel am Ufer“ mit der Unterschrift

„ Nach der Natur bey Starenberg am See gezeichnet “

könnte sich gleichwohl als identisch mit jener wortgleich bezeichneten bei Weigel, 1869, Nr. 130 und damit als zu Th. 241 gehörig erweisen, siehe anschließende Szenerie.

Unter den Detailveränderungen eines hier durchgelaufenen Öls der Gesamtkomposition Th. 293 erweist sich die Gewässersituation unterhalb der rechten Vordergruppe bemerkenswert als im Gegensatz zum Kupfer eindeutig einen Abfluß (den der Würm?) inszenierend.

„ Ein Schlüsselbild (Ridinger’s) … natur-phil(osophischer). Grundhaltung ist das Abendblatt … dargestellt sind drei Hirsche, die in den Anblick des abendlichen Sternenhimmels versunken sind, was als Beweis für R.s Überzeugung zu werten ist, dass die Natur eine Offenbarung der Weisheit, Allmacht und Güte Gottes sei … Spickernagel (2016) untersucht R.s Werke im Kontext der aus dem Protestantismus entstehenden Physikotheologie sowie R.s Bildmittel für die Visualisierung von Bewegung “

so brandfrisch Ulla Heise in Allgemeines Künstler-Lexikon (2017), Bd. 98, SS. 472 f. Aktiven Auftakt dieser Versunkenheit bilden Spießer + Zwölfer des Morgenblattes der Folge. Und landschaftsbezogen mit sichtbar über das 18. Jahrhundert hinaus zurückreichenden Wurzeln. Denn

„ der im 17. Jahrhundert gängigen Auffassung zufolge war die Natur ein Ausdruck der göttlichen Schöpfung: ein schönes Landschaftsbild war eine Hommage an Gottes Größe und Allmacht. Vor diesem nationalen und religiösen Hintergrund entwickelte sich die Darstellung der alltäglichen niederländischen Landschaft … “

(Stefaan Hautekeete im von ihm 2007 hrsg. Ausstellungs-Katalog Holland in Linien – Ndl. Meisterzeichnungen des Goldenen Zeitalters aus den Kgl.-Belg. Kunstmuseen Brüssel, S. 7/I).

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„ Das Jahr 2014 geht zu Ende. Das gibt Veranlassung Ihnen sehr herzlich zu danken für viele jagdhistorische Informationen mit kunsthistorischem Charakter. Besonders dankbar bin ich für die Beschaffung des Bildes … “

(Herr W. W., 18. Dezember 2014)

 

Die Auslese des Tages