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Johann Elias Ridinger, Dieser Hirsch von 46 Enden ist am 31. Augusti 1736 anderthalb Stunden von der Fürstl. Residenz Coburg geschossen worden

Der  Coburger  „46“–Ender

Da  weitete  sich  die  Linse

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Dieser Hirsch von 46. Enden, und der bey 550. ℔ gewogen, ist am 31. Augusti 1736. von des Herrn Herzog Franz Josiæ zu S. Coburg-Saalfeld Hoch-Fürstl. Durchl. anderthalb Stunden von der Fürstl. Residenz Coburg in denen so genannten Moggen-brun(n)er Feld büschen in einem Kessel Jagen geschossen worden. Inmitten des hohen Textfeldes seine Spur in Umriß, beschriftet mit „Die Ferte von dem Hirsch.“ Aufgewalzte Photographie von Johann Laifle (aktiv nachweisbar 1865 – um 1900). (1865.) Bezeichnet: Johan(n) Elias Ridinger delineavit et Sculpsit Aug. Vind., ansonsten wie vor und unten, sowie auf dem Montagekarton: 2. / Photographirt von J. Laifle. / Verlag von A. Coppenrath in Regensburg. Photogröße 16,5 x 13,2 cm, Kartonformat 32,8 x 25,4 cm.

Blatt 2 der 50blätt. Laifle-Folge. – Für die Radierung siehe Thienemann (Nachtrag) + Schwarz 1299; Weigel, Kunstlager-Catalog, XXVIII (1856, Seite 107), 127 („Sehr selten“); Coppenrath (1889) 1604 bzw. (wohl 1890 wiederholend) 2024 als „ Ausserordentlich bzw. Aeusserst seltenes Blatt “; Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 1900) 1511 f. („Sehr selten“), einmal bis zum Plattenrand beschnitten, zum andern bis zum Bildrand und mit leichten Randschäden; Schwerdt III (1928), 138 f. als Zwischenbindung im Exemplar der Wundersamsten.

Fehlend 1958 in der opulenten Ridinger-Sammlung Gräflich Faber-Castell, konnte ein Abzug dieses Ridinger-Rarissimums hierselbst innert 50 Jahren erstmals mit dem Exemplar Graf Radulf’s zu Castell-Rüdenhausen (1922-2004) vorgelegt und in rheinische Privatsammlung abgegeben werden, wo es sich zum zuvor hier durchgelaufenen wundervollen von Behr’schen Exemplar der 101blätt. Wundersamsten Hirsche versammelte.

Das Blatt selbst erst nachtragsweise (S. 289) von Thienemann eingeführt und wie folgt recherchiert und kommentiert :

„ Unter den Originalzeichnungen befinden sich zwei Hirsche, s. Mappe II, S. 274, einmal der Umriss in Rothstein, das andere Mal in Tusche schön ausgeführt, etwa in der Grösse, wie die Thiere mit grossen Spuren … in dem untern, sonst leeren Raume die grosse Spur des Hirsches im Umrisse. Genau nach diesen trefflichen Zeichnungen ist ein Kupferstich von unserem Meister gefertigt worden,

welcher  sich  nur  in  wenigen  Exemplaren  erhalten  zu  haben  scheint

… (Das Blatt) scheint von Ridinger zu der Folge der hundert Blätter bestimmt gewesen zu sein. “

Was nach diesen Anmerkungen ganz einfach erscheint, ist tatsächlich ziemlich komplex. So erweist sich

der  „46“-Ender

bei bestwollender hiesiger Zählung zunächst einmal allenfalls als ein falscher 40er mit 20 : 10 Enden, wie von Thienemann, Coppenrath, Schwarz, Sälzle und Schwerdt übersehen.

Einleitend rückverweist Thienemann sodann auf seine Pos. 166, den Hirsch von Blatt 4 der Abbildung der Jagtbaren Thiere mit den großen Spuren, und dessen besagten beiden Vorzeichnungen, wobei die in Tusche Tafel VII bei Sälzle (Zeichnungscorpus zu den Jagtbaren Thieren) sein könnte. Diese entspricht jedoch anstehendem Kupfer 1299 und hat geweihmäßig wie landschaftlich nichts mit Blatt 4 der Jagtbaren zu tun (spiegelbildlich und mit abgeändertem Gatter Tafel X bei Sälzle), ist aber nicht für die Plattenübertragung gedacht gewesen, da im Stichsinn und auch frei von Übertragungsmerkmalen. Daß die Erläuterungen zu beiden Tafeln bei Sälzle untereinander vertauscht sind, erschwert die Entwirrung zusätzlich.

Das nur in Umriß gegebene Trittsiegel anstehenden Motivs 1299 läßt darauf schließen, daß Ridinger das Blatt ursprünglich für die Folge der Jagtbaren gedacht hatte, es dann aber mittels Untertext à la Wundersamsten, ergänzt gar um die je 8 Zeilen Ausmessungen, für diese umwidmete, in die es schlußendlich aber gleichfalls keine Aufnahme fand.

Lt. Coppenrath befinden sich die Kupfer-Druck-Platte zu 1299, Decke + Geweih des Hirschen sowie ein Öl, diesen, von einem Hunde verfolgt, in voller Flucht darstellend, in Coburg; ein Probedruck vor der Schrift, die von Ridinger dann hs. eingesetzt ist, seinerzeit in der Dalberg’schen Sammlung auf Datschitz in Mähren.

Hier denn wiedergegeben innert der in fünf Lieferungen erschienenen Laifle-Folge Ridinger-Album. Eine Sammlung der schönsten und seltensten Hirsch- und Rehbock-Abnormitäten nach den Originalstichen photographirt – hier komplett aufliegend in Vitrinen-Exemplar – , ist es eine begehrenswertere Sammlungsbereicherung als auf ersten Blick erscheinen mögend. Tritt neben das ein schmerzendes Desiderat dokumentierende Motiv selbst doch Laifle’s genereller Album-Anspruch auf ein

Photographicum  der  ersten  Generation ,

von dem die bibliographische Literatur einzig die 1. Lieferung kennt. – Auf eiweißüberzogenem Papier, sprich,

Albumin-Abzug  „ von  hohem  Glanz … (der)  die  feinsten  Details  wiedergibt “

(Meyers Konvers.-Lex., 4. Aufl., XIII [1889], Seite 17, doch erst für ein Vierteljahrhundert später als Standard vermerkend). Dies im Gegensatz zu den mit Stärke überzogenen und damit eine stumpfe Bildwirkung bedingenden zuvor üblichen Papieren, die somit dem Anspruch des großen Ridinger-Sammlers Coppenrath nicht gerecht werden konnten. Und Danuta Thiel-Melerski 2006:

„ Die  ersten  Fotografien  auf  Albuminpapier  waren  so  dünn ,

dass  man  sie  auf  Pappe  aufkleben  mußte .“

Wie denn auch hier und vermutlich sowohl der frühesten Laifle-Werkgruppe zugehörig als auch

das  früheste  Ridinger’sche  Photographicum

überhaupt darstellend. Kurz ,

die  jugendliche  Photographie  begeistert  sich  für  Ridinger

und beschert damit eine Sammlungsbereicherung reizvollster Art . Bis hin zum Platz an der Wand !

Seitens zweier Konkurrenten zwischen 1867 und 1873/75 erfolgte Ankündigungen deutlich umfangreicherer Folgen scheinen gleichwohl nur mit 24 bzw. 48 Blatt realisiert worden und stehen somit nicht nur zeitlich hinter Coppenrath’s Pionier-Edition zurück. Solchermaßen denn Laifle + Coppenrath Ridinger nicht nur als erste ihre photographische Reverenz erwiesen, vielmehr dies auch noch in praktisch zeitlichem Rahmen als

Inkunabeln  der  Photographie !

Laifle’s Spätzeit hier zudem dokumentiert mit einer 1899er „Porträt-Postkarte System Laifle.“, wobei individuelle Porträt-Aufnahmen Laifle’schen Landschafts-Postkarten appliziert wurden. Medaillen errang Laifle 1873 auf der Wiener Weltausstellung + 1876 in München.

Angebots-Nr. 15.678 / EUR  168. (c. US$ 203.) + Versand


„ Ich wollte mich sehr bedanken, das Dokument ist tadellos und sicher gestern angekommen. Ich wollte Ihnen auch fragen wie es möglich wäre andere ähnliche antiquarische … Dokumente zu finden. Ich freue mich auf Ihre Antwort “

(Mr. L. M., October 13, 2010)

 

Die  Auslese  des  Tages