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Der Holzwart vom Tiroler Inn=See

— der Wild-See bei Seefeld ? —

für Helbing 1900 eines der teuersten Blätter der Folge

Und 1971 für Walter Kempowski ein Roman-Aperçu

Ridinger, Martin Elias (1731 Augsburg 1780). Im Tÿrol am Inn=See (der Wild-See bei Seefeld?) Begab sichs da ich als alldortiger Holz=wart morgens früh Spazieren gieng, daß ich einen so genanten See=Adler (Th.: Kormoran-Scharbe) mit seinen jungen antraf welchen in dem Augen blick ein Großer Raub Vogel (Th.: Seeadler) ein junges zu hohlen trachtete, und auch wircklich weck nahme. Der Holzwart mit seinem Hund rechtsseits in Baum-/Strauchpartie, die Attacke/Verteidigung ufernah über dem Wasser, am jenseitigen Ufer eine Kirche. Radierung mit Kupferstich nach vermutlich eigener Vorlage. Bezeichnet: XXXI. / M. E. Ridinger. sc: A. V., ansonsten wie vor. 24,6 × 33,3 cm (9¾ × 13⅛ in).

Martin Elias Ridinger, Im Tirol am Inn-See (Wildsee bei Seefeld?)

Thienemann + Schwarz 374; Slg. Reich auf Biehla 116 ( „Aeusserst selten“, 1894! ); Slg. Hamminger 1620 (nur innerhalb seines bis auf zwei cpl. Satzes, darunter „einige Blätter nur mit Schriftrand und aufgezogen. Dabei sehr seltene Blätter“, 1895!); Helbing XXXIV, Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger, 891 ( „Sehr selten“, 1900! ). – Fehlte 1885 der schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX ebenso wie 1889/90 bei Coppenrath.

Blatt XXXI der 1779 abgeschlossenen 46blätt. Folge Zu den besondern Ereignissen u: Vorfallenheiten bey der Jagd ( „The rarest set of Ridinger’s sporting line engravings“, Schwerdt 1928; hiesige

Tiroler Inn=See–Scenerie

von Helbing mit 50 Goldmark

und damit mit großem Abstand zum Gros der übrigen benotet ) ,

und ausschließlich von Johann Elias’ Ältestem, Martin Elias, nach überwiegend väterlicher Vorlage auf Kupfer übertragen.

Wobei nicht allein nach hiesigen Erkenntnissen Martin Elias’ Bedeutung für das Ridinger-Œuvre sichtbar über eine nur engagierte Mitarbeit als Stecher hinausgeht. Schon als 30jähriger wirkte er geradezu als ein spiritus rector hinter den Kulissen. Der dafür sorgte, daß Folgen nicht vorzeitig abgebrochen wurden oder, wie hier, postum erschienen.

Und indem Wolf Stubbe (Joh. El. Ridinger, Hbg./Bln. 1966, SS. 16 f. + Taf. 34), in medias res gehend, Th. 722, Der Wilde Büffel und das Crocodil, aus den Kämpfen reißender Thiere bezüglich seiner Lichtbehandlung als einen künstlerischen Zenit des Spätwerkes feiert, erweist er zugleich, da an Hand dessen Kupfer, nicht der Zeichnung, urteilend, eben auch Martin Elias als dem Ätzer/Stecher jener Arbeit seine Reverenz. Ein Aspekt, der das Ridinger’sche Zusammenspiel vertiefend beleuchtet.

Die zeichnerische Hand Johann Elias’ anstehenden Falles nicht durch dessen Signatur gestützt, doch, wenngleich von Thienemann als grob empfunden,

thematisch sehr schön und lokalmäßig sehr rar .

Kompilatorische Rückgriffe Martin Elias’ erscheinen bei dem einen und anderen Blatt dieser Folge denkbar.

Unserm Tiroler See aber

und Ridinger’s quellen-/titellos wortgetreu zitierter Legende hiesigen Blattes

galt Walter Kempowskis (Rostock 1929 – Rotenburg/Wümme 2007) Aufmerksamkeit innert seines 1971 erschienenen und 1975 2teilig vom ZDF verfilmten Romans Tadellöser & Wolff, „in dem der Autor Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend während der Jahre 1938 bis 1945 verarbeitet. Das Werk … bildet den vierten Teil seiner 9bändigen Deutschen Chronik“ (Wikipedia 9. 2. 2017) als einer Geschichte des Niedergangs des deutschen Bürgertums im 20. Jahrhundert an Hand der eigenen Familiengeschichte, wobei er den Titel nach einer Redensart (des Vaters) Karl Kempowski von Löser & Wolff, dem 1865 begründeten Berlin-Elbinger Zigarren- und Tabakwarenhersteller als zeitweise größtem Europas herleitet.

Lars Bardram beschreibt und illustriert das Blatt im Netz an Hand hiesigen Exemplars als Stellen-Kommentar (2017) zu Seite 348 des Romans, dessen durchschossenes Exemplar sich im Berliner Kempowski-Archiv befindet.

Dem Sammelband eines alten adeligen Bestandes entstammender schöner warmtoniger Abdruck auf festem Bütten als von Ridinger bevorzugter Qualität

mit der römischen Numerierung

(„Wenn sie fehlen, so deutet dies auf spätere Abdrücke“, Th.). – Oben + unten 2,5-5,8 cm, an den Seiten 6,6-6,7 cm breitrandig. Im linken weißen Außenrand gänzlich unwesentliche partielle schwache Randstockstippigkeit. Dort auch noch die beiden Löchlein der ursprünglichen lieferungsweisen Heftung.

Die Folge selbst „fast durchgängig so eingerichtet, dass immer zwei und zwei mit einander harmoniren und Seitenstücke bilden, wie sie denn auch paarweis verkauft worden sind“ (Th.). Hier also mit dem Angriff eines Seeadlers auf einen wilden (Sing-?)Schwan im am(m)ergau=See in Bayren.

Angebots-Nr. 15.720 | EUR 1100. | export price EUR 1045. (c. US$ 1263.) + Versand

– – – Dasselbe, doch mit seitlich 5,5, sonst 2,3-3 cm vor allem unten weniger breitrandig. – Die rückseitige leichte Bräunung bildseits nur im breiten Rand minimal durchscheinend.

Angebots-Nr. 14.652 | EUR 946. | export price EUR 899. (c. US$ 1087.) + Versand


“ … I continue to enjoy my Keele-Pedretti (Leonardo) volumes … ”

(Mr. M. W., November 20, 2011)

 

Die Auslese des Tages