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Hippologischer Glanz des Morgenlandes

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Türkischer Pferdsaufbuz. Folge von 4 Blatt reichst aufgezäumter Edelster nebst ihrem Führer in malerischem Palast-Außenbereich in Radierung von Martin Elias Ridinger (1731 Augsburg 1780). (1752.) Bezeichnet: I(-IV). / J. El. Ridinger pix. et del. / aqz / Martin Elias Ridinger filio meo æris incis. sowie nachfolgende Blattitel. 27,3-28 × 34,6-35 cm (10¾-11 × 13⅝-13¾ in).

Thienemann + Schwarz 594-597. – Die in sich komplette Folge, doch ohne — gleichwohl abschriftlich beiliegend — deren titelartiges Textblatt mit Ridinger’s Gedenken der sachdienlichen Mitteilungen des Barons von Gudenus aus Konstantinopel nebst Wiedergabe dessen Briefes an einen Freund aus 1741 mit der Erklärung anstehender vier von Ridinger als Einführung oder Beigabe zur 32blätt. Folge der Nationenpferde (Th. 562-593) gedachten Scenerien. 1752 lagen von jener bereits 16 Blatt vor, das Erscheinen der weiteren zog sich bis etwa 1760 hin. Von den gesamthaft dann 36 Blatt nur vier von Johann Elias selbst ins Kupfer übertragen, 22 von Martin Elias, wie auch hier, und 9 vom Stiefsohn Seuter.

Johann Elias Ridinger, Türkisch Kaiserliches Hand Pferd

Türckisch Keyserliches Hand Pferd. / Cheval de main de Grand Seigneur.

„ Ein solches mit Schmuck überladenes Pferd … Der Kopf mit Federbusch von etwa vier Straussfedern, eine Auszeichnung, welche nur die Leibpferde des Sultan an sich haben dürfen … Es wird von einem Janitscharen … in den zweiten Hof des Serail geführt “ (Th.).

„ Dergleichen waren dreyßig Stücke, jedes von zwey Reitknechten gehalten, in den zweyten Hof des Serrai neben einander zur Parade aufgestellet, als der Römisch=Kayserliche Groß=Bothschafter des Herrn Grafens von Ulfeld Excellenz, nach geschlossenem Belgrader Frieden, im Jahr 1740. zu der solennen Ankunfts=Audienz bey dem Türkischen Kayser eingeführet wurden .“

Als ein bei Ridinger nicht ungewöhnliches, hier gleichwohl nicht offen zu Tage liegendes Vanitas-Symbol bemerkenswert das am Boden liegende wuchtige Kapitell der Rechtsaußen-Säule von den gesamthaft vier des Vordergrundes, deren Kapitelle aber ohnehin außerhalb des Bildes bleiben.

Zur thematisch naheliegenden umgestürzten Steinvase beim Krüppelblatt Th. 356 heißt es diesbezüglich bei Wolfgang Weitz, Aus der Jagdgeschichte des Vogelsberges, 2006, SS. 18 ff.

„ Auch sie hat keinen Fuß, auf dem sie stehen kann. Soll mit ihr auf die Zerbrechlichkeit alles Irdischen hingewiesen werden? Zu einer solchen Frage gibt es Veranlassung, weil die Ridingers eine Fülle von Bildern zum christlichen Glauben geschaffen haben. “

Und in eben diesem Sinne dürfte denn auch das abgebrochene Kapitell als Botschaft gegenüber dem Reichtum der Pferde und ihres Ambiente gelesen werden. Und da auf dem ersten Blatte erscheinend, gilt sie der Folge als Ganzes.

Johann Elias Ridinger, Divani von der rechten Seite

Divani von der rechten Seite anzusehen. / Divani du coté droit.

„ So wird das Pferd genannt, welches der Grossvezier und andere Veziere in ihrer Staatskleidung zu reiten pflegen. Daumdicke silberne Ketten gehen von der Halfter zum Sattel herab und verursachen ein eigenes Geklimper … “

Johann Elias Ridinger, Divani von der linken Seite

Divani von der lincken seite. / Divani du coté gauche.

„ Dies ist ein ganz anderes Pferd und ganz anders geschmückt, als das vorige … “

Im berichtigten Zustand. Der eingezogene frühere hatte das Tier fälschlich nochmals rechtsseits gezeigt, „weil man es vor dem Stiche umzuzeichnen vergessen“ (Th.).

Für die Vorzeichnung in Bister + Tusche siehe Ridinger-Appendix 317 des 1869er Katalogs der von J. A. G. Weigel nachgelassenen Zeichnungs-Sammlung. Diese wohl identisch mit der in den 1970ern in deutschem Kunsthandel figurierenden. Eine „vorzügliche“ Studie in gleichfalls Bister + Tusche, 220 x 262 mm, seinerzeit bei Georg Hamminger (Pos. 1895 dessen 1895er Katalogs).

Johann Elias Ridinger, Hand Pferd eines Pascha

Hand Pferd eines Pascha. / Cheval de main d’un Pacha.

„ Ebenfalls von der linken Seite dargestellt … Es zeichnet sich durch lange Decke , mit Edelsteinen, Silberdressen und dergleichen reich geziert (eine solche aber schon auf Blatt I), und durch Pantherfelle darüber, vor den anderen aus … “

Die ganz durchgeführte Vorzeichnung auf blauem Papier in den 1970ern in deutschem, dann schweizerischem Kunsthandel.

Die prächtige Folge

in ganz einheitlich leuchtender Druckqualität und schöner Breitrandigkeit

von 2-2,7 cm oben + unten und 4-4,7 (II-IV) an den Seiten bzw., Blatt I, nur 2,5 cm rechts, aber 6 cm links. – Mit typograph. Wzz., wohl jeweils Haupt- bzw. Nebenmarke der von Ridinger favorisierten Wangener Papiermühle. – Blatt III mit ca. 3,5-5 cm großem braunen Abklatsch eines Pflanzenblattes im weißen Unterrand unter Berührung von noch drei Buchstaben des Untertextes sowie praktisch nur im Gegenlicht bemerkbarer Bräunung im weißen Feld zwischen dessen Zweisprachigkeit. Sonst von makelloser Frische wie in solchem Gesamtzustand denkbar selten.

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Die Auslese des Tages