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Zeitgenössisch komponierte Händel

Dryden’s berühmte Oden an die Heilige Cäcilie :

1736 das Alexanderfest oder Die Macht der Töne

und zum Namensfest 1739 die Cäcilien-Ode

als Hommage für die

Patronin  der  Musik

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). S. Cæcilia. Dreiviertelfigur der dem Betrachter zugewandten Hl. Cäcilia in reichem Gewand und turbanartigem Kopfschmuck, hier mit der Harfe als seltenerem Attribut, verziert mit Märtyrerin-Palmwedel + Engelskopf. Neben ihr ein die Noten lesender nahezu unbekleideter sympatischer junger Engel. Schabkunstblatt. Bezeichnet: Ioh. El. Ridinger excud. A. V., ansonsten, in der oberen Kavität der großen Muschel-Kartusche im Unterrand, wie vor. 51,2 x 38,8 cm.

Johann Elias Ridinger, St. Cäcilie mit der Harfe

Stillfried (1876) 1420. – Nicht bei Thienemann (1856) und mit Ausnahme von Gräflich Faber-Castell (1958) hier auch anderwärts nicht nachweisbar. – Schwarz (Slg. Baron von Gutmann, 1910) unbekannt gebliebene Format-Variante, der im Zweifel ob des von Stillfried im 3. Th.-Nachtrag genannten – und anstehendenfalls nunmehr bestätigten – Formates unter gleicher, doch mit Fragezeichen versehener Position sein 61,5 x 49,5 cm messendes Exemplar verzeichnet. – Alt per Eckmontage auf besonders breitrandiges schweres Bütten aufgelegt, welches an zwei Außenrändern angebräunt ist. – Unten mit durchgängig feinem Papierrändchen, an den Seiten ein solches stellenweise unterbrochen, oben auf Plattenkante geschnitten.

Das reiche Blatt in seltenerer Komposition

im druck- und erhaltensmäßig herrlichen Exemplar

einer qualitätvollen Sammlung von in allen Partien nuanciert leuchtendem Hell-Dunkel. Und solchermaßen von ganz außerordentlicher Seltenheit nicht allein am Markt, wie oben belegt, sondern auch generell. Bezifferte doch schon 1675 der Praktiker von Sandrart „saubere Abdrucke“ der samtenen Schabkunst auf nur etwa „50 oder 60“ (!). „(H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet“. Entsprechend denn 1856 Thienemann :

„ Die  Schwarzkunstblätter  sind  im  Handel  fast  gar  nicht  mehr …

zu  bekommen … und  (deren)  bei  Weitem  größten  Theil …

(habe  ich)  allein  (im  Kupferstichcabinet  Dresden)  gefunden. “

Nicht  einmal  dort

denn  aber  auch  das  hier  vorliegende ,

das  erst  20  Jahre  später  Graf  Stillfried  bekannt

und  von  ihm  beschrieben  wurde !

Insbesondere im 17. und 18. Jahrhundert als „Feiertag der Musik“ mit Gottesdiensten und eigens komponierten Konzerten begangen, gilt der 22. November dem kirchlichen Gedächtnis dieser edlen Römerin des 3. Jahrhunderts. So vertonte denn auch Georg Friedrich Händel für die Feierlichkeiten 1739 John Drydens (1631-1700) als ein Meisterwerk englischer Dichtung geltenden 1687er Song for St. Cecilia’s Day. Und verband die Uraufführung dieser Cäcilien-Ode im Londoner Lincoln’s Inn Fields Theatre überdies mit einer Neuaufführung seines knapp vier Jahre älteren Oratoriums Alexander’s Feast als Vertonung von Drydens wiederum zum Cäcilientag 1697 veröffentlichtem Alexander’s Feast – or the Power of Musick –; an Ode wrote in Honour of St. Cecilia aus bereits 1692.

Dramatisierend die von Plutarch überlieferte Episode auf dem Fest nach der Eroberung von Persepolis 330 v. Chr., als Timotheus Alexander den Großen durch Gesang und Musik bewegt, die Stadt aus Rache an den besiegten Persern niederbrennen zu lassen. Kulminierend aber schließlich in der Lobpreisung Cäcilies: zwar vermochte der vorchristliche Sänger, einen Sterblichen in den Himmel zu erheben, doch einen Engel hinabzuziehen blieb der die bisherigen musikalischen Grenzen ausdehnenden Cäcilie vorbehalten:

Enlarg’d the former narrow bounds,
And added length to solemn sounds,
With Nature’s mother-wit, and arts unknown before.
Let old Timotheus yield the prize,
Or both divide the crown;
He rais’d a mortal to the skies,
She drew an angel down.

Von der Legende zur Erfinderin der Orgel gemacht, ist sie indes ganzjährig und über die Konfessionen hinaus die Patronin der Musik, insonderheit der Kirchenmusik. Und noch 1942 verehrte Benjamin Britten sie mit der Hymn to St. Cecilia erneut. Hier denn

MIT  DEM  SELTENEREN  ATTRIBUT  DER  HARFE

als zugleich jenem bis dato unüblichen Instrument, das Händel in Alexander’s Feast einführte. Wie die Laute in der Ode.

Die Heilige Cäcilie im übrigen aber zu jener „exklusive(n) Gesellschaft himmlischer Intervenienten – oder protestantisch gesprochen: himmlischer Vorbilder –“ gehörend, die ganz aktuell, wenngleich „seit längerem schon … Historiker(innen) wieder (für sich) entdeckt … (und) wissenschaftlich reanimiert“ haben (Peter Burschel in Rezension von Brad Stephan Gregory’s Salvation at Stake — Christian Martyrdom in Early Modern Europe in der FAZ vom 2. 8. 2000).

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Die  Auslese  des  Tages