English

Augsburger Säuglingsernährung

Vordergründig harmlos-reizvolles Genre – unterlegt von Vanitas-Symbolik

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Der vernachlässigte Haushalt. Der über dem Essen am schrägstehenden Tisch eingeschlafene Junge zur Linken, dessen Brei die Katze schleckt, die das Baby versorgende Amme zur Rechten. In Schräglage auch die Kaffeekanne auf dem Bord. Foliant, Blockflöte + Würfel als zusätzliche Vanitates. Schabkunstblatt von Johann Jacob Ridinger (1736 Augsburg 1784). Bezeichnet: Ioh. Iacob Ridinger sculps. / Ioh. El. Ridinger excud. Aug. Vind., ansonsten wie nachfolgend. 40 x 45,3 cm.

Johann Elias Ridinger, Der vernachlässigte Haushalt

Schwarz 1473 + Tafel II, XXXII; Mörgeli + Wunderlich, Über dem Grabe geboren – Kindsnöte in Medizin und Kunst (zur gleichnamigen Ausstellung im Medizinhistorischen Museum der Universität Zürich), 2002, innert Säuglingsernährung, S. 196 nebst Abb. – Nicht bei Thienemann (1856) + Stillfried (1876) und mit Ausnahme von Baron Gutmann (Schwarz, 1910) + Gräflich Faber-Castell (1958) hier auch anderwärts nicht nachweisbar.

Alt per Eckmontage auf besonders breitrandiges schweres Bütten aufgelegt, welches an zwei Außenrändern angebräunt ist. – Rechts mit durchgehend, unten teilweise mit feinem Rändchen, ansonsten meist auf Plattenkante geschnitten. – Mit dt.-latein. Vierzeiler:

Der große Junge schläft. Die Am(m)e puzt das Kind.
Die Kaze frist vom Brey, da sie unnachtsam sind.
Sieht man nicht im(m)erdar besorgt auf seine Sachen;
So wird ein andrer sich dieß bald zu Nuze machen.

Das druck- und erhaltensmäßig herrliche Exemplar

einer gepflegten Sammlung von in allen Partien nuanciert leuchtendem Hell-Dunkel. Und solchermaßen von ganz außerordentlicher Seltenheit nicht allein am Markt, sondern generell. Bezifferte doch schon 1675 der Praktiker von Sandrart „saubere Abdrucke“ der samtenen Schabkunst auf nur etwa „50 oder 60“ (!). „(H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet“. Entsprechend denn 1856 Thienemann :

„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr …
zu bekommen … und (deren) bei Weitem größten Theil …
(habe ich) allein (im Kupferstichkabinet) Dresden gefunden. “

Nicht einmal dort denn aber das hier vorliegende, das anschließend auch Graf Stillfried noch unbekannt blieb ! Hier nun erstmals über seinen nur vordergründigen „Haushalt“-Aspekt vorgestellt als

eine weitere jener hintergründigen Arbeiten ,

die den „verharmlosten Ridinger“ (Niemeyer) als einen Meister auch der Vanitates zeigt.

Angebots-Nr. 28.409 | EUR 1994. | export price EUR 1894. (c. US$ 2290.) + Versand


“ Thank you so much for The Fashion Etchings by Hollar. I am very nicely surprised and very very impressed … The presentation is very professional and everything look very good … and if you have some more interesting etchings by Hollar … please let me know ”

(Mrs. P. P., July 8, 2004)

 

Die Auslese des Tages