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Die  vier  Jahreszeiten

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Die vier Jahreszeiten. Große sitzende Dreiviertelfiguren vor Landschaftsstaffage (1-3) bzw. daheim. Folge von 4 Blatt. Schabkunstblätter. Bezeichnet: Ioh. Elias Ridinger excud(it). A. V., ansonsten wie nachfolgend. 53,9-55,1 x 42,6-43,5 cm.

Johann Elias Ridinger, Frühling (Die Vier Jahreszeiten)Johann Elias Ridinger, Sommer (Die Vier Jahreszeiten)Johann Elias Ridinger, Herbst (Die Vier Jahreszeiten)Johann Elias Ridinger, Winter (Die Vier Jahreszeiten)

Thienemann + Schwarz 1193-1196; R.-Liste Rosenthal (1940) 396-399; Gräflich Faber-Castell (1958) 82. – Siehe auch unten.

Nicht  bei  Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57; mehr als 1000 R.-Bll. des rad./gest. Werkes) , Slg. Coppenrath (1889/90) , R.-Slg. bei Wawra (1890; neben 234 Zeichnungen 600 Graphiken) , Reich auf Biehla (1894; „Von allen [R.-Slgn.], welche seit langer Zeit [verhandelt wurden], kann sich keine in Bezug auf Vollständigkeit und Qualität auch nur annähernd mit der vorliegenden … messen … besonders die Seltenheiten und unbeschriebenen Blätter, welche in reicher Anzahl vertreten sind“; 1266 Blatt zuzgl. 470 Doubl. + 20 Zeichn.).

Leicht verkleinerte und etwas zurückhaltender componierte Wiederholung der dritten (von fünf) Jahreszeitenfolge Th. 1181/84 – „Die Ideen aus den Werken (Hyacinthe) Rigaud’s (1659-1743) und anderer französischer Bildnismaler entnommen“ (Th.), inhaltlich-generell indes in Nachfolge von Antike und Mittelalter, wonach die Naturwahrnehmung mittels der Elemente + Jahreszeiten im „Profanierungsprozeß der Kunst des 16. Jahrhunderts … eine wichtige Rolle“ spielte (Robels, Frans Snyders, 1989, S. 25) – unter Verzicht auch auf die Unterverse. Das Fehlen letzterer könnte zur Verwechslung mit „Th. 1181-1184 vor den Versen … Aeusserst [bzw.] Sehr selten“ geführt haben. So bei 1885er Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX, 1985 , Slg. Georg Hamminger 1849/52 (1895) + R.-Katalog Helbing XXXIV, 1501/04 („Prächtige Schabkunstblätter. Aeusserst selten.“;1900) .

Hiesige Th. 1193/96 also souverän im breiten, mittels Rolleiste vom Bild abgesetzten Unterrand in großer Typographie nur mit den Titeln.

Ver.  /  Frühling.

Junge Frau nach links an einer Ballustrade, auf den Betrachter blickend. Die Rechte hält eine Centifolie, die Linke einen Blumenkorb in ihrem Schoße.

Aestas.  /  Sommer.

Junge Dame nach rechts in aufgekremptem, mit Ähren und Cyaneen verziertem Strohhut, mit der Rechten auf ein in dieser Fassung imaginäres Getreidefeld weisend, indes die Linke auf einem Mauerwerk ruht.

Avtvmnvs.  /  Herbst.

Stattliche Dame nach rechts, den aus dem Bild blickenden Kopf wehmütignachdenklich gesenkt haltend. In der Rechten die Weinhippe, hält die auf Mauerwerk – hinter diesem Weinstock mit Traube – ruhende Linke eine Rebe mit Traube.

Hyems.  /  Winter.

Am Kamin im Lehnstuhl sitzender Herr nach rechts in Mantel mit Pelzbesatz + Pelzmütze, gleichwohl in durchaus noch guter Verfassung und keineswegs im Sinne Th.’s 1184 („Ein Greis“) und dortigem Verse („Durch warme Wasser will der Alte sich erhitzen“; also analog dem „Greis“ auf Watteau’s „Koketten“ in Petersburg, von dem Pierre Rosenberg im 1984/85er Ausstellungskatalog schreibt „… vermag aber trotz seines Stockes uns nicht von seinem hohen Alter zu überzeugen“). In jeder Hand eine Schale haltend, blickt er seitlich aus dem Bild heraus. Auf dem Tisch Teekanne und je eine Schale mit Backwerk und Zucker (Th.).

Alt per Eckmontage auf schweres Bütten aufgelegt, welches an zwei/drei Außenrändern angebräunt ist. – Das Winterblatt dreiseits mit feinem Rändchen, sonst teilweise solchem oder auf Plattenkante geschnitten.

Das  druck-  und  erhaltensmäßig  herrliche  Exemplar

einer gepflegten Sammlung von in allen Partien nuanciert leuchtendem Hell-Dunkel. Und solchermaßen von ganz außerordentlicher Seltenheit nicht allein am Markt, sondern generell. Bezifferte doch schon 1675 der Praktiker von Sandrart „saubere Abdrucke“ der samtenen Schabkunst auf nur etwa „50 oder 60“ (!). „(H)ernach aber schleift (das Bild) sich bald ab, weil es nicht tief ins Kupfer gehet“. Entsprechend denn 1856 Thienemann :

„ Die  Schwarzkunstblätter  sind  im  Handel  fast  gar  nicht  mehr …
zu  bekommen … und  (deren)  bei  Weitem  größten  Theil …
(habe  ich)  allein  (im  Kupferstichcabinet  Dresden)  gefunden. “

Neben Thienemann’s vermutlichem Dresdner Exemplar sind hier für anstehende Folge neben dem Gutmann’schen (Schwarz, 1910) gesichert nachweisbar eines bei Rosenthal (1940) und das Gräflich Faber-Castell’sche (1958). Die Vorfassung 1181/84 fehlte letzteren beiden, doch hatten sie – gegebenenfalls – Helbing und die obigen beiden anderen. – Somit hier + heute

die  trouvailleske  Gelegenheit

zur  Inbesitznahme  einer  prachtvollen , wandschmeichelnden  Suite .

Angebots-Nr. 28.413 / Preis auf Anfrage


“ … I was digging and I found you. I needed to tell you that your collection for whatever reason has brought tears to my eyes. Thank you … I’m not a collector, or I haven’t known myself to be … I was going to sell this (sheet), but I just may have discovered that I’m to keep this for whatever reason. Have you made a collector out of me … For all your devotion, hardwork … I thank you ”

(Mrs. D. H., June 17, 2002)

 

Die  Auslese  des  Tages