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RIDINGER

in der Frühzeit der PHOTOGRAPHIE

bei Wiedergabe

eines Nahezu-Unikats

als Ergänzung zu den Wundersamsten

Ridinger – Laifle, J(ohann). Ridinger-Album. Eine Sammlung der schönsten und seltensten Hirsch- und Rehbock-Abnormitäten nach den Originalstichen photographirt. Mit Vorwort von Franz Ritter von Kobell (1803 München 1882). Lief. I (von 5). Regensburg, Alfred Coppenrath, 1865. Gr.-4°. 4-Blatt-Folder Titel, Vorwort + Inhalt des Gesamtwerks. Mit

9 (statt 10) auf Karton gewalzten Albumin-Abzügen

in ihrem Facettenreichtum herrlichen Hell-Dunkels

(16,4-17,2 x 12,9-13,3 cm), jeweils mit Nummer, Verlag + „Photographirt von J. Laifle“ auf dem Untersatz-Karton. OHlwd.-Mappe mit einseits verkürzter Schlaufe.

Von superber Seltenheit ,

fehlte das Album in jeglicher Form bereits 1889/90 auf Coppenraths eigener Versteigerung mit ihren reichen Ridinger-Beständen! Und unbeschadet der Inhaltsauflistung über das auf fünf Lieferungen zu je 10 Tafeln konzipierte – und so auch tatsächlich erschienene – Gesamtwerk und entsprechender Aussage zur zukünftigen Tafel 50 findet sich in den Vorgängern der Deutschen Nationalbibliographie bis hin zum „Gesamtverzeichnis des dtsprach. Schrifttums 1700-1910 (GV)“, Bd. 117, nur die hier anstehende 1. Lieferung. Doch selbst schon für diese Fehlanzeige in allen hier archivierten großen Ridinger-Sammlungen + -Offerten! Dort ebenso fehlend zwei an gleicher Stelle geführte Konkurrenz-Publikationen. Nämlich „Abbildung einiger jagdbarer und reissender Thiere“ in 84 (GV, wohl recte: 24) Photos in hoch-4°, Augsburg 1867 (Bln., Sandrog & Co.) + „Jagd-Album. Hirsch-Abnormitäten, interessante Hatzen und seltene Jagdthiere photographiert von B. Kliemeck (Serie 1, 64 Bll.) + C. Schauer Nachf.“ (Serie 2) in 18 Lieferungen zu à 4 (1-17 = 68) bzw. 2 (18) (GV: 16 Liefer., davon erschienen 1-12 à 4 Bll.) Photos in 4°, Bln., Lichtwerck, 1873/75.

Hiesige Photographien nach Blättern der Wundersamsten Hirsche, nämlich

Th. 248 (Brandenburg-Ansbach) – 244 (Württemberg) – 243 (Tübingen) – 250 (Tübingen) – 277 (Steiermark) – 260 (Augsburg/Allgäu) – 256 (Tübingen) – 249 (Wttbg./Serbien/Tübingen/Kirchheim).

Dazu auftrumpfend

mit kostbarer Ergänzung zu den Wundersamsten

indem es

Th. 1299 dokumentiert

(nachtragsweise Seite 289), von Thienemann kommentiert mit den Worten

„ … nach diesen trefflichen Zeichnungen ist ein Kupferstich von unserem Meister gefertigt worden, welcher sich nur in wenigen Exemplaren erhalten zu haben scheint … (Das Blatt) scheint von Ridinger zu der Folge der hundert Blätter bestimmt gewesen zu sein“.

Was hier ganz einfach erscheint, ist tatsächlich ziemlich komplex. So erweist sich

dieser „46“-Ender von Coburg-Saalfeld

nach bestwollender hiesiger Zählung zunächst einmal allenfalls als ein ungrader 40er mit 20 : 10 Enden, wie von Thienemann, Coppenrath, Schwarz, Sälzle und Schwerdt, dessen Exemplar der Wundersamsten das Blatt zwischengebunden war, übersehen.

Einleitend zu 1299 rückverweist Thienemann dann auf seine Pos. 166, den Hirsch von Blatt 4 der Abbildung der Jagtbaren Thiere mit den großen Spuren, und zwei Vorzeichnungen zu diesem, nämlich „einmal der Umriss in Rothstein, das andere Mal in Tusche schön ausgeführt“. Letztere Zeichnung könnte Tafel VII bei Sälzle (Zeichnungscorpus zu den Jagtbaren Thieren) sein. Diese entspricht jedoch dem Kupfer 1299 und hat geweihmäßig wie landschaftlich nichts mit Blatt 4 der „Jagtbaren“ zu tun (spiegelbildlich und mit abgeändertem Gatter Tafel X bei Sälzle), ist aber nicht für die Plattenübertragung gedacht gewesen, da im Stichsinn und auch frei von Übertragungsmerkmalen. Daß die Erläuterungen zu beiden Tafeln bei Sälzle untereinander vertauscht sind, erschwert die Entwirrung zusätzlich.

Das nur in Umriß gegebene Trittsiegel von Th. 1299 mit der Inschrift „Die Ferte von dem Hirsch“ läßt darauf schließen, daß Ridinger das Blatt ursprünglich für die Folge der „Jagtbaren“ gedacht hatte, es dann aber mittels Untertext à la Wundersamsten, ergänzt gar um je 8 Zeilen Ausmessungen des Hirschen, für diese umwidmete, in die es schlußendlich aber gleichfalls keine Aufnahme fand.

Lt. Coppenrath befinden sich die Druckplatte zu 1299, Decke + Geweih des Hirschen sowie ein Öl, diesen, von einem Hunde verfolgt, in voller Flucht darstellend, in Coburg; ein Probedruck vor der Schrift, die von Ridinger dann hs. eingesetzt ist, seinerzeit in der freiherrlich von Dalberg’schen Slg. auf Datschitz in Mähren.

Laifle’s Photographie von Th. 1299

– Tafel 2 –

Johann Elias Ridinger, Hirsch von Coburg-Saalfeld

solchermaßen von hohem Belegwert

(zusätzlich separat hier verfügbar). – Es fehlt Tafel 5, Th. 247, der 66-Ender in Moritzburg.

Vorprogrammierte Väter oben belegter Seltenheit namentlich für das Ganze, aber eben auch schon für anstehende 1. Lieferung sind die Aufwendigkeit des Verfahrens + damit Kostspieligkeit der Edition. Ein Impressumvergleich des schon hiesiger 1. Lieferung beigegebenen Textvorspanns mit dem des früher hier durchgelaufenen Kompletten läßt annehmen, daß dem Verleger Coppenrath schon nach der 1. Lieferung offensichtlich der Atem zu kurz geworden war, sodaß er sich der Hilfe eines Partners in Gestalt des Hauses Manz versichern mußte. Lautet die Verlagsangabe auf hiesigem Titel nur „Regensburg. / Alfred Coppenrath. / 1865“, so auf dem zum früher hier gleichfalls durchgelaufenen Komplett-Exemplar „Regensburg, 1865. / Alfred Coppenrath. / München. / Hermann Manz.“. Übereinstimmend hingegen das Impressum am Schluß mit „Druck von G. J. Manz in Regensburg.“. Unabhängig hiervon variiert auch der Satzspiegel beider Titel. Im Falle hiesiger 1. Lfg. mißt dieser in der Höhe 25,5 cm, beim Komplett-Explr. aber 26,2 cm. Beim Tafelformat hingegen stehen Werte von, hier, 33,5 x 25,8 cm gegenüber nur 31,3 x 24,4 cm.

Aber trotz dieser wirtschaftlichen Verstärkung zeigt das Fehlen der Lieferungen 2-5 in den Bibliographien, daß das Unternehmen nur auf kleinster Flamme weiterbetrieben werden konnte.

Aber selbst noch in den 90er Jahren des Jahrhunderts als der Spätzeit dieser reproduktionstechnisch revolutionären und nun schon noch weiter vorangetriebenen Neuerung bedingten qualitätvolle photographische Galeriewerke, wie etwa die Braun’schen, einen Preis, der die Kunsthistoriker beklagen ließ, sie drohten „zu einem Privileg auszuarten“, indem sie Gelehrte und weniger bemittelte Kunstfreunde regelrecht mit „einer Art von Zwangssteuer“ belegten im Gegensatz zu „Privatkreisen, die in der angenehmen Lage sind, ihren ästhetischen Bedürfnissen nicht ganz unerhebliche Opfer zu bringen“ (zitiert nach FAZ vom 22. 8. 2001). Doch kein Geringerer als der große Bode in Berlin hatte sich „nach einer langen Versuchsphase, während derer er die Höchstleistungen beider Techniken (der von ihm zunächst favorisierten Nachstiche durch Künstler und eben der Photographie) prüfte, deutlich für die Photographie entschieden“.

Im Gegensatz zu mit Stärke überzogenen und damit eine stumpfe Bildwirkung bedingenden Photopapieren benutzte Coppenrath bereits mit Albumin (Eiweiß) überzogene Papiere „von hohem Glanz“,

„ weil es die feinsten Details wiedergibt “

(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., Bd. XIII, Seite 17 als „wie jetzt – 1889, also zwanzig Jahre später! – bevorzugt“).

Aussagemäßig hochkarätig

die Auflistung aller gedachter 50 Blätter durch Verweise auf deren, vereinzelt, körperliche Vorlagen, Öle (sic!) + Platten, sowie, vielfach, Vorzeichnungen + Probedrucke, etwaige Irrtümer. Und

Exorbitant die Nachricht ,

daß zu Th. 245 von Ende der 30er Jahre als „ein äusserst interessanter Versuch Ridingers“ ein Ein-Platten-Farbendruck sowie ein solch weiterer technischer Versuch existieren. Diesbezüglich bekannt war bislang allein die auf ca. 1725 angesetzte unikate Hirschhatz Schwerdt III, 132 (Abb.), die von der Literatur, soweit dieser denn bekannt, als der vermutlich erste deutsche Farbendruck überhaupt angesehen wird.

Hier denn das wohl

früheste

Johann Laifle, Ridinger-Album

Ridinger’sche Photographicum .

Beispielsweise erschien das erste mit auch nur lediglich 14 Photographien neben zudem herkömmlichen zahlreichen Holzstichen illustrierte Rheinbuch erst 1868 bei Murray in London.

Reizvoll schließlich auch Kobells Beteiligung. Hatte dieser doch bereits 1839/40 mit der Galvanographie „eine Methode (entdeckt) ‚in Tuschmanier gemalte Bilder oder Zeichnungen auf galvanischem Wege so in Kupfer vertieft zu copiren, daß sie durch druckbare Platten vervielfältigt werden können‘ … (die) eine bedeutendere Zukunft gehabt (hätte), wenn nicht sehr bald darauf die Photographie … in Aufnahme gekommen wäre“ (ADB). Auch mineralogisch publizierend, machten ihn im übrigen seine Jagdveröffentlichungen, allen voran sein Wildanger, bekannt.

Rückenbezug leicht altersspurig. – Die partiell leicht – nur Titel- und weiße Schlußseite stärker – stockfleckige Gesamttitelei formatmäßig mit 30,8 x 24,7 cm gegenüber den Tafeln (33,4 x 26 cm) leicht verkürzt. – Inhalt mit alter Bleistiftabhakung.

Angebots-Nr. 28.813 | EUR 998. | export price EUR 948. (c. US$ 1146.) + Versand

Siehe auch das derzeit hier verfügbare Komplett-Exemplar mit 50 Albumin-Abzügen

in der adäquat glanzvollen Ausstattung der Roten Serie


“ … and I wish to thank you for packing it so carefully … ”

(Mr. P. M., August 28, 2003)

 

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