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Johann Elias Ridinger, Franz von Paula

Die nun gänzlich unbeschriebene

3. Version vom

Stifter der „Paulaner“,

die zur Ridinger-Zeit ihren Zenit erlebten

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Der Hl. Franz von Paula, Gründer des den „grauen“ Franziskanern nahestehenden Mönchsordens der Minimen, in Deutschland vom Volksmund Pauliner oder Paulaner genannt, als Halbfigur in brauner Ordenstracht nach links. Vertrauensvoll aufblickend, drückt die Rechte ein Blatt mit der Aufschrift CHARITAS gegen die Brust, indes die Linke den Knotenstock als Symbol des wandernden Bettlers hält. Schabkunstblatt. Bezeichnet: Ioh. El. Ridinger excud. Aug. V…(ind.). 63,2 x 45,2 cm.

Vgl. Thienemann-Stillfried (1876) 1416 ( „Ein sehr schönes Blatt“ ) bzw. Gräflich Faber-Castell (1958) 140 (hier verfügbar) als jeweils erstbeschriebener Version mit der Schrift

„S. FRANC. DE PAVLA / FVND. ORD. MINIMOR. / Ordinavit in me Charitatem.
Cant. 2. Cap.
“.

innerhalb des Muschelschildes der Holzboiserie und der Blattaufschrift „CHARI=TAS“ als Zweizeiler; 51,6 x 42,3 cm + Schwarz (1910) „1416 ?“ als zweitbeschriebener Version vor der Schrift, zudem einzeiligem CHARITAS und „excud.“ statt nur „exc.“ bei Th.-St. 1416 und wegen seines größeren Formates von 73 x 55,7 cm zudem vermerkend „Mit Rücksicht auf die von St. divergierenden Massangaben … kaum identisch mit 1416“.

Folgend denn die hier nicht anderweitig nachweisbare als nun drittbeschriebene Version , ihrerseits vor der Muschelinschrift und gleich der zweiten bei Baron Gutmann (Schwarz) mit einzeil. CHARITAS + „excud.“ wie wohl auch dessen … „Vind.“, von dem hier nach Restaurierung nur ein zudem verformtes „V“ übriggeblieben ist, siehe unten.

Als mit der Schrift ist die Stillfried-Version als letzte anzusprechen, wofür zusätzlich ihr kleinstes Format als für den allgemeinen Gebrauch bestimmt spricht. Analog hierzu wäre die Gutmann/Schwarz-Version als die größte die erste und hiesiges Mittelformat die zweite.

Als Ganzes also nicht bei Thienemann (1856) , Weigel, Kunstlager-Catalog I-XXVIII (1838/57) , Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885; die dortige Pos. 2029 recte Th.-St. 1415) , Slg. Coppenrath (1889 f.) , Reich auf Biehla (1894) , Gg. Hamminger (1895) , Helbing XXXIV (Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger; 1900) , Schwarz (1910; s. o.) , Rosenthal, Ridinger-Liste 126 (1940).

Mit WANGEN-Wz. (Mitte) wie für zeitgenössische Abdrucke stehend und großer Krone unten. – Mit umlaufend 1,5 cm breitem weißen Rand, wie bei den namentlich großformatigen alten Schabblättern durchaus erwähnenswert. – Gesamthaft nur schwach altersspurig, doch neben verschiedenen kleineren Randläsuren zwei größere Ausrisse an den beiden Unterecken außerhalb der Bilddarstellung, rechts zwar unter Fortnahme des die Signatur abschließenden „Vind.“, doch sämtlichs von berufener Hand bis hin zu nahezu unbemerkbarer Schraffur-Nachzeichnung und gänzlich geglätteter Mittelfalte restauriert. Der Druck selbst sehr schön.

Der den Franziskanerorden an Strenge noch überbietende Orden der Minimen (Mindeste Brüder, Minimi fratres Eremitae) wurde 1435 von Franciscus de Paula (Paola, Kalabrien, 1416 – Plessis lès Tours 1507, sein Tag ist der 2. April) gegründet und 1474 von Sixtus IV. als Kongregation bestätigt.

„ Die Verleihung aller Privilegien der Bettelorden … sowie die Kanonisation seines Stifters (1519) trugen viel zu seiner Verbreitung bei. In der Mitte des 18. Jahrh. zählte (der Orden) über 450 Klöster mit 25,000 Religiosen in 31 Provinzen “

(Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl., XI, 660/1).

Die Seltenheit anstehenden sehr schönen Motivs – geschaffen sicherlich in Kenntnis des von Anton Joseph von Prenner (Wallerstein 1683 – wohl Wien 1761) 1728/32 gestochenen Öls José de Ribera’s (um 1590 – Neapel 1652) in der Wiener Belvedere-Galerie; vgl. auch das mutmaßliche Ribera-Bild in Petersburg Kagané (1997) 99 nebst Abbildungen – im übrigen vorprogrammiert als die sich technisch bedingt extrem schnell abnutzende Schabplatte nach Urteil des Praktikers Sandrart (1675) nur 50-60 gute Abdrucke ermöglicht.

Entsprechend denn auch schon 1856 Thienemann, Seiten VIII + 270 :

„ Die Schwarzkunstblätter sind im Handel fast gar nicht mehr

… zu bekommen … sämmtliche von und nach Joh. El. Ridinger gefertigte (sind) so selten, dass sie fast nur in einigen öffentlichen, grossartigen Kupferstichcabineten zu finden sind. Ich habe die meisten der beschriebenen nur in dem berühmten Dresdner Cabinet angetroffen … . “

Hiesiges denn auch dort nicht, da eben erst zwanzig Jahre später von Graf Stillfried aufgespürt und erstmals beschrieben. Und mögen die hier dokumentierten nunmehr drei Versionen auch für drei unterschiedliche Abnehmerkreise gedacht sein, so stehen sie zugleich für Sandrart’s denkbar kleinstmögliche Auflagenhöhen, für den Zwang aufwendiger und damit kostspieliger neuer Plattenfertigung, verlangt der Markt nach mehr, wie für die dem Tagesverschleiß ausgesetzten und damit deren Seltenheit potenzierenden Heiligen- und Thesenblättern die Regel. Und last, but not least für die lustvolle Motivierung des auf Vollständigkeit bedachten und dieser schweißhunderregt nachsetzenden Sammlers.

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„ herzlichen Dank für Ihre Expertise zu dem (Hogarth-)Kupferstich. Er ist wohlbehalten angekommen. Besten Dank für die schnelle Zusendung. Gruss aus … “

(Herr F. B., 1. März 2013)

 

Die Auslese des Tages