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„ Affen  haben  Künstler  seit  jeher  fasziniert “

( Wolfgang Stechow )

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). (Zehn Tafeln Affen oder doch ihnen verwandte Thiere.) Folge von 10 Blatt. Radierungen mit Kupferstich nach Vorlagen Dritter und eigener. Variierend signiert. 31,6-32,2 x 21,1-21,7 cm.

Johann Elias Ridinger, Ein masquirter Affe aus Guinea (Pavian)Johann Elias Ridinger, Ein Affe mit drei Klauen (Faultier)

Thienemann + Schwarz 541-550; Weigel 28 A/B; Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX, 1896 ( „Selten“, 1885 ! ); Reich auf Biehla 136; Gg. Hamminger 1667 ( „Seltene Blätter“, doch nur deren vier hieraus!, 1895! ); Helbing XXXIV, 1155; Schwerdt III, 141, f.; Gräflich Faber-Castell 58 ( nur deren 7!, davon eines bis zum Plattenrand beschnitten, 1958 ); Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, III.14-III.16 mit 2 Abb.

Ein Affe mit 3 Klauen – Wald TeufelEin masquirter Affe aus Guinea – Meerkatze mit langem Schwantz – Bartichte Meerkatze – Satÿr großer Affe – Grünlichte Meerkatze – Löwen Meerkatze – Füchsel manigen – Gemeiner Affe.

Herausgegeben ohne Titelblatt mit der „Bestimmung colorirt zu werden und sich dem großen Werke Ridinger’s anzureihen“,

gelten für die 1. Ausgabe — wie hier — generell nur schwarze Abdrucke .

Thienemanns weiteres Bemerken, die Platten seien „später verkleinert … und (auch teilweise textlich) etwas verändert den colorirten Tafeln einverleibt“ worden, nicht zutreffend und wohl lediglich oberflächlich in der gleichen Zahl von jeweils 10 Tafeln gründend. Tatsächlich sind im vom Vater nicht mehr vollendeten Kolorierten Thier-Reich bei nur geringfügig kleinerem Plattenformat die Darstellungen selbst merklich kleiner, um dem breiteren Untertextbereich Raum zu geben. Wobei mit Ausnahme der in nahezu unveränderter Stellung wiederholten Löwen Meerkatze (Th. 548 bzw. 1088) von Martin Elias als Stecher von neun der zehn Tafeln zahlreiche, aber keineswegs alle Tiere der Affenfolge in teils ähnlicher, aber doch deutlich veränderter Haltung, teils gänzlich neuer Zusammenstellung übernommen sowie zuvor nicht gezeigte Arten hinzugefügt wurden.

Gleichwohl sind auch von der 2. Ausgabe als unabhängig gebliebener Eigenfolge kolorierte Exemplare weitestgehend unbekannt geblieben und werden auch nicht von Weigel erwähnt (28, A-E). Dennoch lief ein solches als extreme Ausnahme 1972 hier durch.

Vorliegendes Exemplar mit allen von Thienemann + Schwarz beschriebenen Merkmalen der Erstausgabe, doch diesbezüglich nur teilweise korrespondierend mit Weigel. Erstdruck-Kriterien sind für letzteren die einzeilige Unterschrift in Deutsch-Französisch sowie das Fehlen „der Einfassungslinie an beiden Seiten und … der geschwungenen oben. Diese Abdrücke scheinen ursprünglich zu dem Original-Thierwerk bestimmt gewesen zu sein.“ Die zweiten Abdrücke seien dann „mit den Einfassungslinien und veränderten Unterschriften, sowie mit Nummern versehen“.

Analog zu Thienemann + Schwarz weist auch hiesigerseits nur Blatt 1 eine 3zeilige Unterschrift auf, die Blätter 2-10 die einzeilige als einem Weigel-Merkmal für die Erstdrucke. Sämtliche Blätter indes mit Einfassungslinie + Nummer als lt. Weigel Kriterien der Zweitdrucke. Da sich andere Exemplar-Beschreibungen hierzu nicht äußern – nur Schwerdt III, 141, f vermerkt für sein Exemplar aus der Sammlung des Earl of Fife die Numerierung – bedarf es auch hier somit weiterer Vergleichsuntersuchungen.

Für die zeitliche Abfolge der (kolorierten) Tafeln der späten Jahre gewährt anstehendes Exemplar der Affen neben den schon oben erörterten Variationen auch papiermäßig einen interessanten Rückschluß. Abgesehen von dem nur auf die Linien als Wasserzeichen beschränkten Blatt 3 zeigen alle übrigen die von bekannter großer Wappen-Marke begleitete WANGEN-Schriftzeile samt „FAI“ (bekannt auch „FIAT“) auf vorangehender Eigenzeile, wobei in dem „A“ ein kleines „v“ ruht. Das Papier selbst in seinem Gewicht von schwer bis sichtbar leichter in Richtung feinen Holland-Büttens variierend. Eingedenk der noch von Ridinger selbst im Vorwort zu den 1770 postum erschienenen kolorierten Hauptfarben der Pferde gemachten Anmerkung zum Papier ( „wegen der feinen Illumination auf holländischen Papier veranstaltet worden, weil es hierzu das anständigste und beste ist“ ), erweisen sich denn auch papiermäßig die hier anstehenden Affen als erscheinensmäßig an erster Stelle stehend. Denn sichtbar war Ridinger schon hier um ein möglichst feines Papier bemüht, wie es die WANGEN-Mühle offensichtlich indes nur bis zu einer gewissen Leichtigkeit fertigen konnte. Sodaß er für Thier-Reich und Hauptfarben der Pferde auf holländisches Papier von C & I HONIG auswich.

Dank Kopfgoldschnittes die einstige Zugehörigkeit zu einem montagefreien Sammelband vermuten lassend, sind Druck- und Erhaltensqualität nahezu bestens, geht das Blattformat mit 43,5 x 29 cm über das des Earl of Fife bei Schwerdt mit nur 41,5 x 28 cm hinaus. Also 3,5-4 cm für die Seiten, 3-5 für oben + 7-8 unten. Nur Blatt 1 mit zwei längeren hinterlegten Randrissen, davon der obere den weißen Plattenrand tangierend, und leichter Altersschmuddeligkeit namentlich im Unterrand. Sonst generell im äußersten Unterrand und in der rechten Unterecke leicht fingerfleckig. Die Überschrift des 4. Blattes „CEBVS“ samt, partieweise, der Seiten- und Obereinfassung im Druck etwas schwach. Kleiner Braunfleck im Zweigwerk des 6. Blattes.

Johann Elias Ridinger, Gemeiner AffeJohann Elias Ridinger, Bartichte Meerkatze

Die Folge – radiert nach wohl Jakob Jele (Süddeutschland 2. H. des 16. Jhdts.), Karl Wilhelm de Hamilton (Brüssel 1668 – Augsburg 1754), Lazarus Röting (1549-1614), Sir Hans Sloane (1660-1753), London, sowie auch eigener Zeichnung – gehört zu den seltensten des Meisters. Sie fehlte über Jahrzehnte der umfassendsten unter den derzeitigen Versammlungen, in die sie erst in den letzten Jahren nach hiesigem Teilerwerb der legendären Marjoribanks Folios Baron von Gutmann’s Eingang fand. Doch auch das nur 7blätterige Exemplar der immensen Gräflich Faber-Castell’schen Kollektion hatte bis zu deren 1958er Auflösung nicht komplettiert werden können. Doch schon auf der 1889er Versteigerung Coppenrath war sie als „selten“ qualifiziert worden. Die „Bartichte Meerkatze“ allerdings figurierte dortselbst mit gleich 67 (sic!) Exemplaren als Restauflage (Nrn. 1555/56)! Wovon aber schon 1900 bei Helbing nichts mehr zu finden war! In seinem 1554 Ridinger-Positionen umfassenden Katalog XXXIV jenes Jahres figurierte nicht ein einziges Einzelblatt und auch die komplette Folge in nur einem einzigen Exemplar! Beides in durchgängigem Gegensatz zu anderen Suiten und deren Blätter.

Angebots-Nr. 28.937 / Preis auf Anfrage

Johann Elias Ridinger, Wald Teufel (Mandrill)


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(Mevr. E. E., June 29, 2002)

 

Die  Auslese  des  Tages