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Ridinger–Par Force Jagd-Kupfer

als  Ölmalerei

von  oder  um  Georg  Adam  Eger

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767) + Georg Adam Eger (? 1727 Murrhardt 1808). Zwei Radierungen der Ridinger’schen Par Force Jagd des Hirschen in ihrem reinen Bildformat in Abdrucken auf grundiertem Zinkblech, ausgeführt als Ölmalerei in den Farben Hessen-Darmstadts von oder um Eger, möglicherweise teilweise unter Verwendung von Temperafarben. Wohl 1764/68. 26,2 x 47,2 cm. In Grün-Glanzgold-Rahmen.

Ausstellung

Schöne Beute — Bilder von der Jagd

Dr.-Hanns-Simon-Stiftung Bitburg

13. Januar – 3. März 2013

Literatur

Katalogbuch zur Ausstellung

Seiten 90-93 (doppelblattgroße Farbabbildungen) + 149

Kölsch, Gg. Adam Eger

Jagdmaler am Hessen-Darmstädter Hof,

Katalog der Werke im Museum Jagdschloss Kranichstein, 2010

Thieme-Becker, Eger, X (1914), 369; Siebert, Kranichstein, Jagdschloß der Landgrafen von Hessen-Darmstadt, 1969; Hofmann, Führer durch das Darmstädter Jagdmuseum Schloß Kranichstein, 1981; Michel, Vorfahren und Verwandte des Tiermalers und Kupferstechers Joh. Elias Ridinger in Blätter des Bayer. Landesvereins für Familienkunde, Bd. XV, 1987, 396-414.

Johann Elias Ridinger, Die Relais werden von dem Commandeur der Jagt ausgesetzt Johann Elias Ridinger, Die Relais werden von dem Commandeur der Jagt ausgesetzt

Die Relais werden von dem Commandeur der Jagt ausgesetzt

Thienemann 53. – Blatt 5 der Folge, zugleich Titelblatt ihres zweiten Teils. – „Um bei der Menge Menschen und Thiere … Ordnung zu erhalten, wurden von den vornehmsten Führern der Jagd genau die Plätze angewiesen, wo die Relaispferde, die verschiedenen Hundekoppeln, sammt ihren berittenen Führern, anhalten sollten. Unser Blatt ist mit solchen theils anhaltenden, theils in Abtheilungen weiter … vorwärts ziehenden Trupps angefüllt. Die Anordner sind ganz vorn geschäftig.“

Angebots-Nr. 28.968 / Preis auf Anfrage

Johann Elias Ridinger, Der Hirsch stellt sich im Wasser, die Hunde werden gestopfet u(nd) ihme der Fang gegeben Johann Elias Ridinger, Der Hirsch stellt sich im Wasser, die Hunde werden gestopfet u(nd) ihme der Fang gegeben

Der Hirsch stellt sich im Wasser, die Hunde werden gestopfft u(nd) ihme der Fang gegeben

Thienemann 61. – Blatt 13 der Folge, zugleich Titelblatt ihres vierten und letzten Teils. – „Die ganze Gesellschaft hat sich um das Wasser versammelt.“

Angebots-Nr. 28.969 / Preis auf Anfrage

Hier  beispiellose  Unikate  aus  der  Gruppe  der  „ Blechmalerei “

am  Darmstädter  Hofe

als  eigenständige  Malereien  schönster  Bildwirkung

und  rücksichtlich  des  Kaumvorkommens  eigenen  Ridinger-Öls

einzigartig  reizvolle  Ridinger-Topstücke ,

deren Uniformen „in den Farben der Landgrafen, späteren Großherzöge von Hessen-Darmstadt angelegt (sind). Vor allem von Georg Adam Eger … gibt es eine ganze Reihe von Jagdgemälden die fast bis auf Details mit Ihren Farben übereinstimmen“ (DJM).

1748 als gerade 21jähriger für die Oberaufsicht der Bemalung der legendären sogenannten Kaiserliche(n) Vorstellungsuhr an den Darmstädter Hof verpflichtet, gehörte er 1750 neben den Gebrüdern Knaus als den Mechanikern zum Vierertroß, der das Prunkstück gelegentlich des 5jährigen Kaiser-Jubiläums Franz I. und des 10jähr. dessen Gemahlin Maria Theresia als Königin von Ungarn in Wien überreichte.

Doch unbeschadet der ihm von Ludwig entgegengebrachten Wertschätzung – siehe unten – und mutmaßlicher Ernennung zum Kammerhusaren 1756, avancierte er erst 1765 zu einem der Hofmaler. Doch nur zu deren zweitem, indes gleichen Tages die Stellung des durch den Tod Johann Christian Fiedlers 1765 vakant gewordenen Ersten Hofmalers anderweitig besetzt wurde. Doch auch ohne Titel qualifiziert ihn Gisela Siebert, Graf Hardenbergs Wertung von 1918 bestätigend, als „Begabtester Hofjagdmaler. Darstellungen (namentlich) der Parforcejagd und der Dianaburg“. Und weiter

„ Der eigentliche Maler der Parforcejagd in Kranichstein wird erst Adam Georg EgerLudwig VIII. (1691 Darmstadt 1768, regierend ab 1738, „der größte Nimrod seiner Zeit“, Hofmann) muß Eger sehr geschätzt haben, wünschte sich ihn als ständigen Jagdbegleiter und verlieh ihm eine Hofjagduniform, um ihn den Jägern gleichzustellen, nannte ihn auch vertraulich ‚seinen Altgesellen‘. Egers Bilder wurden von einem anderen hessen-darmstädtischen Jagdmaler, Nikolaus Michael Spengler, in der seltenen Manier der Hinterglasmalerei häufig kopiert, sicher auf Wunsch des Landgrafen. “

Von letzterem dann wohl auch das „Hinterglasbild von einer Jagd mit Beizvögeln (als) eine(r) Kopie nach Ridinger“.

Die Verbindung Ridinger-Eger scheint auf einen Aufenthalt des letzteren in Augsburg vor 1748 zurückzugehen, von wo er durch Vermittlung des Darmstädter Hofmechanikers und Uhrmachers Ludwig Knaus direkt nach Darmstadt gegangen sein dürfte. Letzterer hielt sich 1748 in Augsburg auf, „um dort die Fertigung des Kastens (obiger) Vorstellungsuhr aus Silber und Schildpatt zu überwachen“. Siehe hierzu Kölsch SS. 11/II + 26/II nebst Fußnoten 4 + 78. An der späteren engen Verbindung der Ridingers zum Darmstädter Hof könnte, ja dürfte, aber auch Joseph Prinz zu Hessen-Darmstadt als von 1740-1768 Fürstbischof zu Augsburg mitgewirkt haben.

Nach Eger’schen Vorlagen fertigte Martin Elias (Thieme-Becker irrtümlich „Joh. El.“) sieben (Kölsch 25/I irrig 5) Kupferarbeiten, nämlich Th. 318/319 (als einzige von diesen mit auch väterlichem Bezug, „direxit et excud. Aug. Vind.“), 339, 340, 352, 373 + 1378. Womit es auf Darmstadt bezogen indes noch längst nicht sein Bewenden hatte. Sind doch unter Einschluß von fünf Blättern der vorgenannten Gruppe mindestens 13 Arbeiten – Th. 292, 297, 299, 300, 305, 318, 319, 332, 339, 340, 342, 356, 1378 und damit die meisten der namentlich zuordbaren – Ludwig VIII. und seiner Regierungszeit gewidmet, davon sechs gänzlich allein von Johann Elias und eine gemeinsam mit Martin gefertigte.

In Erinnerung gerufen sei in diesem Zusammenhang schließlich Brieger’s gleichwohl noch nicht ausdiskutierter und eher wohl unzutreffender Hinweis, wonach Ridinger

„ ständig auf der Reise von einem Hofhalt zum anderen, von einem Jagdschloß zum anderen in Deutschland (gewesen sei), um den jeweiligen Jagdherrn im Triumphe über einen Vierzehnender ein bißchen in der Aufmachung historisch denkwürdiger Ereignisse zu verherrlichen “

(Das Genrebild, 1922, Seite 165).

Die Erörterung dieses engen Kontaktes ist sowohl für die künstlerische als auch zeitliche Einordnung anstehender Blechmalereien wichtig. Denn da mikroskopische Untersuchungen an Hand des Bildes Th. 61 im Landesmuseum Bonn und in den Städtischen Kunstsammlungen Augsburg – wiederholter Dank hierfür Frau Kalus und Herrn Beier – einwandfrei ergeben haben, daß die Bemalung nicht auf montierten Papierabzügen, wofür Zinkblech laut dankenswerter Auskunft der Papierrestauratorin des Bonner Kunstmuseums, Frau Büttner, schon rein technisch nicht geeignet wäre, erfolgte, die Platten aber in allen Einzelheiten den vollen Bildteil der Stiche aufweisen, handelt es sich also, wie als durchaus möglich bekannt, um unmittelbare Abdrucke von den Originalplatten auf die Grundierung des Zinkblechs. Dies aber setzt zwangsläufig die Mitwirkung der Ridingers voraus, wie durch oben gedachten engen Konnex denn auch gegeben.

Den Hintergrund einer solchen, aus dem alltäglichen Rahmen fallenden Behandlung liefern die entsprechenden Gewohnheiten Ludwigs VIII. Dessen Erfindungsreichtum aber war sprichwörtlich. Er

„ erfand immer wieder neue Einrichtungen und Geräte für die Jagd … Er besaß Wildtransportwagen und fahrbare Jagdhäuser, die man beheizen konnte. Außerdem Wagen mit Drehsitzen, um nach allen Seiten schießen zu können. Daneben auch Fahrzeuge, auf denen man auf einem lederbezogenen Mittelteil rittlings saß und die am rückwärtigen Ende ein Hundeabteil hatten “ (Hofmann, a. a. O., Seite 8).

Und dem von Zacharias Sonntag fast lebensgroß porträtierten Leibhund Cesar beispielsweise war sein Name in Messingbuchstaben auf die gemalte prächtige Halsung zu setzen. Gedacht sei in diesem Zusammenhang aber auch jenes kleinen Hockers im Kranichsteiner Jagdsalon mit seinen vier ledergebundenen Bänden, „deren Titel ‘Voyage des Pays bas’ lautet. Diese ‘Reise durch die Niederlande’ entpuppt sich beim Öffnen allerdings als ein Zimmerklosett“. Auch hatten die dortigen Schlafzimmer „– man höre und staune – schon im Jahre 1568 jede(s) sein eigenes Klosett, was für jene Zeit kaum vorstellbar war“ (Hofmann SS. 11 + 13).

Diesen geradezu hofspezifisch einfallsreichen Rahmen füllt denn nicht zuletzt auch die Blechmalerei unter Ludwig VIII. aus. Deren Aufgabe war verschiedenfältig. Zunächst galt es, Merkwürdigkeiten der Jagd selbst in Bild und erläuterndem Text festzuhalten, also analog den Ridinger-Kupfern der Wundersamsten Hirsche, Th. 242 ff., oder der Besondern Ereignisse und Vorfallenheiten bey der Jagd, Th. 343 ff., wobei für möglich zu halten ist, daß dieser Darstellungsweise eine gegenseitige Befruchtung zu Grunde liegt. Denn beide Ridinger-Folgen korrespondieren zeitlich mit den Darmstädter Gepflogenheiten. Wobei letztere auch das jagdliche Umfeld wie Jagdhäuser und dergleichen als merkenswerte Erinnerungen in die Malerei einbezogen. Für Darmstadt ist hierfür nicht nur überhaupt, sondern auch ein sehr frühes Vorbild belegt. Nämlich jenes im dortigen Schloßmuseum erhaltene Jagdskizzenbuch, das solche Vorkommnisse, zunächst in losen Bogen, seit 1742 in Vers und Bild festhielt und das 1751 gebunden wurde :

„ In diesem Buch findet sich eine große Anzahl von meist außergewöhnlichen, in Versen (diese vom Forstmeister Johann Christoph Rautenbusch) gefaßten und mit Bildern versehenen Jagdgeschehnissen, wobei Datum und Ortsangabe nicht fehlen … Die farbigen Illustrationen lieferten die landgräflichen Jagdmaler, vorrangig sicher Eger … Sie scheinen häufig auch Vorlage gewesen zu sein für gemalte Blechtafeln, die man am entsprechenden Ort in Wald oder Feld anzubringen gedachte. Viele dieser köstlichen Tafeln sind im Museum gesammelt, nachdem man sie zu Beginn (des 20.) Jahrhunderts wieder aus den Wäldern geholt hat, um sie zu erhalten “

(Siebert, a. a. O., SS. 90 ff. und, bezüglich Gleichem für Baulichkeiten, 82).

Und ebenso Hofmann SS. 8 f.:

„ Das war nur möglich, weil zu (Ludwigs) Jagdgefolge eine große Anzahl von Malern gehörte, welche alle Ereignisse im Bilde festhalten mußten, die sich bei der Pirsch oder bei den Parforcejagden ereigneten … Dabei fallen uns, ebenso wie bei den kleinen Hirschporträts, solche auf, die auf Blech gemalt sind. Bei ihnen allen handelt es sich um Stücke, die im Walde an den Stellen an Pfählen befestigt waren, wo der dargestellte Hirsch erlegt wurde, wo sich früher ein Jagdhaus befand oder wo ein bemerkenswertes Ereignis der Nachwelt überliefert zu werden verdiente. “

Damit  indes  nicht  genug , denn , so  Hofmann  an  gleicher  Stelle  bzw.  S. 13 ,

„ Vielen … Verwandten und seinen hochgestellten Freunden, wie auch dem Kaiser in Wien, übersandte er Kopien der schon erwähnten (blechernen) Hirschporträts (so wie wir heute Fotografien verschicken), um mitzuteilen, welches Jagdglück ihm Diana bescherte. “

Und

„ immer ist es ein Beweis, wie weit die hessen-darmstädtische Jagd ihre Botschaft in die Lande verbreitete und ihre Künstler zu hohen Leistungen anspornte, waren doch um 1750 (neben den Porträtisten-Hofmalern) allein 4 Hofjagdmaler fest angestellt. “

Ridinger, Blechmalerei Parforcejagd (Rückseite)
Die Zink-Rückseite

Diesem Umfeld entsprechen die hiesigen, gleichfalls auf Zinkblech vorgenommenen Übermalungen aus der Ridinger’schen Parforcejagd, die ursprünglich sicher als ganze Folge aller 16 Stationen vorgenommen worden sind und in jeder Hinsicht ganz einzigartig mit Ludwigs Vorlieben korrespondieren.

Leuchtend  in  den  Lokalfarben , dunkel  in  den  Waldpassagen ,

silbrig  kühl  in  der  Himmelsbehandlung

von Th. 53, ist die Palette sichtbar mitbestimmt von der graphischen Vorlage, letztere etwa das Darmstädter Posthorn der Satteldecken nicht vorsieht. Daß die Schleife am Dreispitz hier in Blau statt Rot gehalten ist, findet seine Entsprechung in verschiedenen Farb-Abweichungen der Eger-Zuschreibung von Pos. 1 des Werkverzeichnisses, also nicht erst im Rahmen der ausgeschiedenen Werke und Kopien (48 ff.). Die unsignierten Arbeiten Egers und seiner Gehilfen zudem, so Wolfgang Weitz, Mitstifter der Stiftung Hessischer Jägerhof, weitgehend nicht voneinander zu trennen. Den zeitlichen Rahmen zieht Gode Krämer, Kustos emeritus für Gemälde der Augsburger Kunstsammlungen, als für die verschiedenfältigen Aspekte sicherlich zu spät von Ende 18. bis frühes 19. Jahrhundert. Denn als

Kernstück  derselben

dürfte  der  zwischen  Eger  und  den  Ridingers  gepflogene  Konnex

anzusehen sein, wobei von den letzteren sowohl Johann Elias selbst als teilweise mit den auf Ludwig bezogenen Arbeiten – hier Plattendatierungen von bereits 1753, Th. 299 + 300 – als auch der 1780 gestorbene Martin Elias als Stecher der Eger’schen Vorlagen in Frage kommen. Sie betreffen die von den Söhnen (Johann Jacobs Ableben 1784 wäre ridingerseits eine vorbehaltlos zu unterstellende äußerste Zeitmarke, doch siehe auch unten) postum abgeschlossenen/herausgegebenen Folgen der Wundersamsten Hirsche (1768) und der Besondern Ereignisse und Vorfallenheiten (1779), darunter mit Th. 373 einem Hohenlohischen 1775er, sowie die Sonderstellung Th. 1378, beide per Eger/Martin Elias. Da auch die 1779er Folge neben Eger zeichnerisch ganz oder doch überwiegend auf dem 1767 verstorbenen Johann Elias fußt, betrifft die eigentliche Zusammenarbeit die Jahre vor 1768, Th. 1378 inclusive. Dem Komplex der Fürstlichen Personen zu Pferde zugehörend, zeigt letzteres den Mitte October 1768 verstorbenen Ludwig VIII. Mit dessen Ableben aber fand Egers Tätigkeit in Darmstadt ihr jähes Ende.

„ Über Egers Leben in den nachfolgenden vier Jahrzehnten sind bislang kaum schriftliche Quellen bekannt geworden. Die erhaltenen und größtenteils auffallend qualitätvollen, wenngleich ebenfalls nahezu unerforschten Gemälde aus dieser Zeit gestatten jedoch, sein Wirken für die Fürsten zu Hohenlohe (Anmerkung: so denn auch Th. 352 als einem 1763er Ereignis), in Murrhardt sowie in der Reichsstadt Schwäbisch Hall zu unterstellen. Das 1783 entstandene Porträt von Friedrich Christoph Dötschmann (WVZ 96) nennt mit der Aufschrift ‚G. A. Eger / Hofmaler / Murrhardt‘ offenbar das alte Amt als Darmstädter Hofmaler sowie den damaligen Wohnort. Da sich die spärlichen Quellen zu Egers Familie ebenfalls ausschließlich in Murrhardter Kirchenbüchern finden, wird der Maler überwiegend dort gelebt haben. Vielleicht hatte Egers alte Verbundenheit mit seiner Heimatstadt ihn bereits 1768 veranlasst, unmittelbar von Darmstadt an die Murr zu ziehen … (Und) Ein offizielles Amt als (Hohenlohischer) Hofmaler scheint Eger jedoch nicht ausgeübt zu haben “

(Kölsch, a. a. O., Seite 14, zugleich Gisela Siebert’s diesbezügliche Ausführungen vertiefend; deren Seite 73 genanntes 1776er Datum für das Ereignis an der Eschollmühle – gemalt von Eger um 1767, Kölsch 15, und nach diesem gestochen von Heinrich Philipp Bosler, K. 16 [„Nach 1767“] + Weitz, Bosler. Büchsenmacher und Kupferstecher in Darmstadt, 2001, Seite 13 [spätestens vor 26. Januar 1769] – übrigens ein Zahlenverdreher für, eben, 1767).

Sprechen obige Aspekte – Blechmalereien  unter  Ludwig VIII.  bei namentlicher Beseitigung des „unter der Herrschaft seines Vaters eingerissenen Jagdunfug(s)“ (Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl.) durch den Nachfolger Ludwig IX. + malerische  Qualität  bei  hessen-darmstädtischen  Farben – plausibel überzeugend für eine Entstehung anstehender Arbeiten seitens Egers oder dessen Umfeldes noch unter Ludwig VIII. oder, allenfalls, vor Mai 1784 als dem Tod des letzten der drei männlichen Ridinger bei rücksichtlich der Farben explicitem Ausschluß Hohenlohischer Auftraggeber, so mögen doch auch zwei anderweitige Gedankengänge als zudem zeitkonform zu Gode Krämer verfolgt werden.

So erinnert zum einen Wolfgang Weitz insbesondere an die unter dem Enkel-Nachfolger Ludwig X. (ab 1790, als Großherzog Ludwig I. ab 1806) während des ersten Jahrzehnts mit Verve betriebene konservierende Zuwendung gegenüber jagdlichen Kulturgütern. Aber eben konservierend, nicht neuschaffend. Gleichwohl schlösse dieser Zeitabschnitt Eger ebenso noch mit ein wie ridingerseits die Erben. Und, so Kölsch 37/II, habe Ludwig X. schon als Erbprinz die Par Force Jagd wieder aufleben lassen.

Von den Ridinger-Erben aber interessiert zum andern Johann Jacob Ridinger’s aus Langenburg im Hohenlohischen gebürtige zweite Frau Sophia Juliana Rosina geb. Ammerbacher, die als Witwe 1785 Johann Friedrich Wilhelm , Handelsmann und Kunstverleger in Augsburg ehelichte, dem verwandtschaftliche Beziehungen zur dortigen Familie Wilhelm als per Einheirat von spätestens 1758 bis 1827 Alleininhaber der Martin Engelbrecht’schen Kunsthandlung und damit seit spätestens 1821 auch des Ridinger-Verlages, aus dessen Fundus die 1824/25er umfassenden Neuauflagen des Ridinger-Œuvre unter Einschluß auch der Par Force Jagd-Folge veranstaltet wurden, unterstellt werden sollte, möglicherweise als Bruder Paul Martin Wilhelms als seit 1787 Engelbrecht’scher Alleininhaber, dessen jüngerer Bruder Gottlieb Tobias beispielsweise Autor des reichst illustrierten 28bändigen Verlagswerkes der Unterhaltungen aus der Naturgeschichte war. Zu den verschiedenen Erbteilungen in der Verlagsgeschichte siehe Schott, Martin Engelbrecht und seine Nachfolger, 1924, SS. 11 ff. Gedachter Johann Frdr. Wilhelm findet hierin keine Erwähnung, doch gedenkt Schott S. 30, Fußnote 2, pauschal „der verschiedenen in Augsburg ansässig gewesenen und meist mit einer reichen Kinderschar gesegneten Familien Wilhelm“.

Die Ridinger-Witwe Sophia Juliana Rosina (1748-1827) könnte zu gedachter Zeit neben Rosina Barbara Ridinger (1776-1846) als Johann Jacobs Tochter aus 1. Ehe – Martin Elias war unverheiratet und die Ehe seiner Schwester Regina (1732-1774) kinderlos geblieben, fünf weitere Geschwister verstarben in frühestem Kindesalter – Ridinger-Miterbin gewesen sein. Und zum einen die alte Verbindung zum nun im Hohenlohischen tätigen Eger fortgeführt oder reaktiviert und zum andern die Par Force Jagd-Platten beigesteuert haben.

Gegenüber  obiger  plausibel  eingebetteter  hessen-darmstädtischer  Genesis

erscheinen  diese  Gedankengänge  gleichwohl  als  eher  hypothetischer  Natur .

Denn von unspektakulären Neuabzügen abgesehen, sind eben auch seitens der Ridinger-Erben keine einschlägigen Aktivitäten bekannt geworden. Und der 1824er, die dortige Herzberg’sche Kunsthandlung als Mitherausgeber einbeziehende Engelbrecht/Wilhelm’sche Subskriptionsprospekt zum obigen Neuauflagen-Programm 16 Jahre nach Eger’s Tode offeriert zusätzlich lediglich kolorierte Versionen der Papierabzüge, zu denen es indes nicht einmal gekommen zu sein scheint. Die nächsten umfassenden sogenannten Leipziger, später Berliner, Neuauflagen auf zudem zeittypisch ungeeignetem Papier datieren dann erst von fortlaufend ab ca. 1850. Deren diesbezügliche Verlagsankündigungen ergeben indes über die Jahrzehnte hinweg keinerlei Anhaltspunkte für Anderes als auch hier nur die herkömmlichen Abzüge. Das von Kölsch (Abb. 15, „wohl Mitte 19. Jh.“) zitierte Kranichsteiner Blech-Öl nach Eger mit dem Darmstädter Schlappohr-Hirsch erscheint solchermaßen als für sich allein stehend.

Und so dürften denn hiesige Blechmalereien in ihrer Symbiose von „reifer Stecherkunst“ (Wolf Stubbe, einstiger Direktor des Hamburger Kupferstich-Kabinetts in seinem 1966er Johann Elias Ridinger zur Par Force Jagd-Folge) und der farblichen Delikatesse eines Eger tatsächlich dem Umfeld jenes „Jagdunfugs“ entstammen, dessen Reste Ludwig X. wieder in ihre Rechte einzusetzen bemüht war. Wie denn generell

„ (die) späteren Nachfolger (Ludwig VIII.) … diese Dinge im 19. Jahrhundert mit der ihrer Zeit verpflichteten Neigung zum Sammeln erhalten (haben). Auf diese Weise ist eine Fülle jagdgeschichtlicher Nachrichten auf uns gekommen, nicht allgemeiner Natur, sondern

von  den  Herren  selbst  in  Auftrag  gegeben ,

deren  Zeit , Sitten  und  Gebräuche  sie  schildern … “

Sie sind

„ Spiegel einer barocken Lebensfreude, zu deren Schaustellung das gejagte Tier nur Anlaß ist … Dies ist die Folie, vor der man die zahlreichen Darstellungen der Parforcejagd in Kranichstein sehen muß. Auch die Tatsache, daß man sie so häufig festgehalten hat, daß man dazu eigens Hofjagdmaler hielt, ist Teil dieser höfischen Repräsentation “

(Siebert, a. a. O., SS. 33 + 56 f.).

Dieses Geistes denn auch hiesige Tafeln. Als zugleich

exquisiteste  Ridingeriana ,

wie sich denn Ridinger überhaupt – gleichsam als einer weiteren Fährte zur Entstehungsgeschichte der gegenwärtigen – am Darmstädter Hof generell größter Wertschätzung erfreute. So Hofmann SS. 12 f. bezüglich Kranichsteins:

„ Dieser Gang … hat eine ganz besondere Bestimmung in den letzten Jahren erhalten. Alle Jäger, die sich mit der Tradition ihres Metiers befassen, streben danach, Kupferstiche … Joh. Elias Ridingers … zu erwerben. Verschiedene Serien hat er geschaffen, die heute einen großen Wert darstellen. Die bedeutsamste ist die der ‘Wundersamsten Hirsche’. Sie zeigt etwa 90 der ‘Geweihten’, die von großen Herren in ihren Landen erlegt wurden. Hier in Kranichstein blieben allein 12 solcher Trophäen erhalten … Dazu kommen nun die Kupferstiche von Ridinger. Hier ist es also gelungen, was anderswo kaum möglich erscheint, den Hirsch so eindringlich zu personifizieren, daß er uns als Hausgenosse erscheinen muß … Ein Ridinger-Zimmer zeigt verschiedene Kupferstiche, die mit den schon erwähnten (vorgenannten) nichts gemein haben. “

Die Folge der Par Force Jagd selbst als eines in jeder Hinsicht differenzierenden Werkes der Spätzeit qualifiziert Rolf Biedermann (Katalog Augsburg 1967, 3. Seite der Einleitung) mit den Worten

„ Im Verlaufe (seiner) Stechertätigkeit veränderte Ridinger seine Gestaltungsprinzipien mit fortschreitender Reife im Sinne einer stärker vereinheitlichten Bildwirkung. Das läßt sich an zwei thematisch gleichartigen Beispielen aufzeigen: vermittelt die 1729 entstandene Folge ‘Der Fürsten Jagd-Lust’ in den Landschaftsausschnitten einen vergleichsweise zerrissenen Gesamtaspekt, der ohne Differenzierung der Vorder-, Mittel- und Hintergrundswerte eine durchgehende Absetzung dunklerer von hellen Partien aufweist, so überwiegt in der etwa 30 Jahre später zu datierenden Folge ‘Die Par Force Jagd Eines Hirschen’ die durch einheitliche Lichtwirkung und stärkere Angleichung der Tonwerte erzielte Geschlossenheit des Bildraumes. Hinzu tritt eine tiefenräumliche Durchgestaltung der Landschaften und eine engere Verklammerung der Figurenkompositionen. “

Datierte Vorzeichnungen von 1746-1753 nachweisbar, von den Kupfern zwei mit 1756 datiert. Dies dann also die Zeit welche. Und wer immer die Idee einer malerischen Version dieser Folge oder den Wunsch nach einer solchen gehabt haben mag, das zeitliche Zusammentreffen harmoniert unübersehbar. Und „Der eigentliche Maler der Parforcejagd in Kranichstein“ (Siebert) war nun einmal Eger,

inspiriert  nicht  zuletzt  von  Ridinger .

Denn „Für manche Parforcejagden Egers sind etwa Druckgraphiken Johann Elias Ridingers als Anregung zu vermuten“ (Kölsch Seite 21/I). Und apropos berechtigter Annahme, hiesige zwei Blechmalereien dürften Teil eines ursprünglich completten Satzes von 16 sein, sei nochmals Gerhard Kölsch mit dem statement zitiert

„ Wohl nach der Ernennung zum zweiten Hofmaler 1765 entstanden drei, sicher als kleiner Zyklus aufgefasste Parforcejagden mit Ludwig VIII. “

(Seite 13/II; Sperrung nicht im Original).

Alles  spricht  somit  für  obige  Plausibilität  der  Zuweisung  anstehender  Malereien .

Deren Zustand rundum schön. Die gewisse Körnigkeit nach Ansicht der befaßten Restauratoren entweder Oxydationsspuren der Platten oder von deren Aufrauhung zwecks besserer Haftung herrührend, die Malerei indes nicht gefährdend. Auch der Firnis sei gesund. Kurzum ,

Tafeln  zum  Zugreifen .

Tafeln , die  den  nahezu  öllosen  Ridinger-Markt

aufs  prächtigste  konterkarieren.

Denn bereits der erst 50jährige hatte „nimmermehr geglaubet das (er) den pensel noch einmahl ergreiffen würde“, wie er mit Brief vom 29. Juni 1748 gegenüber Wille in Paris äußerte (Décultot, Espagne + Werner [Hrsg.], Joh. Gg. Wille, Briefwechsel, 1999, Seite 76), zugleich beklagend, daß er sich gleichwohl einem entsprechenden neuerlichen Petersburger Wunsche Katharina’s der Großen nach vier weiteren Ölen nicht gut entziehen könne. Für die derzeit dortigen siehe Nikulin, The Hermitage Catalogue of Western European Painting XIV (1987), 284-287.

Gegenwärtig hier verfügbare
weitere Einzelblätter aus der Par Force Jagd :


„ danke für ihre sendung (Hogarth’s Superstition in Heath-Abdruck), die mich in bestem zustand erreicht hat. große freude, gefällt mir sehr gut … mit freundlichen sammlergrüßen “

(Herr W. K., 7. August 2015)

 

Die  Auslese  des  Tages