English

Fehlend  im  graphischen  Œuvre !

Die  Jagd  mit  dem  Lockruf

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). (Den Hirsch mit dem Hohlen Hafen zu pürschen.) Rechts tritt der Zehnender, dem vermeintlichen Rivalen Bescheid rufend, zwischen zwei Steinen hervor. Links hinter einem Baum und auf Steinen kniend und abgestützt der Jäger im Anschlag. Sein Gehilfe im Unterholz am Fuße des Baumes und damit in Bildmitte in den Hohlen Hafen rufend, den Hirsch dabei gleichfalls im Blick behaltend. Reiche Waldstaffage, vorne rechts Tümpel mit Schilf. Lavierte Bister-Feder-Zeichnung. Ca. 1758. 214 x 357 mm.

Ausstellung

Schöne Beute — Bilder von der Jagd

Dr.-Hanns-Simon-Stiftung Bitburg

13. Januar – 3. März 2013

Literatur

Katalogbuch zur Ausstellung

Seiten 40/41 (farbige doppelblattgroße Detail-Abbildung) + 148/I

Johann Elias Ridinger, Den Hirsch mit dem Hohlen Hafen zu pürschen

Nicht  im  Stich  ausgeführte  Zeichnung ,

thematisch  die  Fürstenjagdlust  ergänzend ,

wenngleich in den reinen Bildmaßen in der Höhe um etwa 5, in der Breite rund 4 cm hinter deren Querformaten zurückbleibend.

Unbeschadet der thematischen Nähe zur Fürstenlust erst rund 30 Jahre nach dieser geschaffen, befand sich die Zeichnung offensichtlich nicht im mit ca. 1849 Blättern außerordentlich umfangreichen zeichnerischen Nachlaß, den 1830 J. A. G. Weigel in Leipzig übernahm und erweiterte. Vgl. hierzu sowohl Thienemann SS. 271 ff. als auch Weigels Nachlaßkatalog, Catalog einer Sammlung von Original-Handzeichnungen, SS. 181-231 (1869). Nicht nachweisbar aber auch in anderen renommierten Zeichnungsbeständen.

Anstehende voll durchgeführte Arbeit scheint somit noch von Ridinger selbst oder doch bald nach ihm abgegeben worden zu sein. Dies nicht zuletzt – siehe unten – gestützt von einer bemerkenswerten Aufmachung, wie sie sich auch auf einem hier mit hereingekommenen Rehblatten-Pendant findet.

Ridinger, Den Hirsch mit dem Hohlen Hafen zu pürschen (Detail)
Detail: Der eine Jäger ruft in den Hohlen Hafen, der andere legt an

Denkbar im übrigen ihre Bestimmung zu einer nicht weiterverfolgten Serie der Jagd mittels Locke analog zu den Fangarten von 1750. So blieb denn ein hochformatiger Hohler Hafen in bayerischer Privatsammlung gleichfalls ein nur zeichnerisches Unikat.

Solche Suiten unterschiedlichen Umfanges im zeichnerischen Œuvre Ridingers durchaus nicht unbekannt und meist durch gleiche Datierungen, teils gar fortlaufende Numerierung, generell aber durch jeweils ähnliches Format und gleiche äußere Gestaltung belegbar.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die auch in Kupfer umgesetzte Kleinfolge Th. 269-271 + 282 innerhalb der Wundersamsten Hirsche. Ihrer Größe und Figurenanordnung, auch mehrfacher paspelierender Einfassung und Rundung des Oberrandes nach, bilden sie eine von dem dortigen Bildschema abweichende Gruppe für sich, wie bereits von Thienemann moniert und in den Neuausgaben seit Engelbrecht auch entsprechend vollzogen.

Hinsichtlich schließlich der von Ridinger in seinem Vorwort zur Fürsten-Jagdlust erklärten Intention, „ alle  Arten und Manieren des Jagens zu weisen … auch die Spur oder Fährt, von einem jeglichen Wild … mithin diesem Wercke eine rechte Vollkommenheit zu geben trachten“ ist jene jagdtechnisch so hochimportante 36blättrige Folge diesbezüglich letztlich ein Torso geblieben. Denn erst im Verlauf von Jahrzehnten löste er per teils gänzlich anders gestalteter Folgen sein Versprechen ein: Gründliche Beschreibung der wilden Thiere (mit den kleinen Spuren, 1733), Abbildung der Jagtbaren Thiere (mit den großen Spuren, 1740), den Jägern und Falconiers sowie den Fangarten (1750). Letztere bereits – und erst recht Parforcejagd und Die von Hunden behæzten Thiere – in diesem Zusammenhang nur noch bedingt zu nennen, da deren Thematik, wenngleich nicht erschöpfend, bereits in der Fürstenlust dargestellt wird.

Gänzlich übergangen hingegen blieb

die  so  überaus  reizvolle  Jagd  mit  dem  Lockruf ,

die  nun  mit  anstehendem  Hirschruf  +  besagtem  Rehblatten

per  zeichnerischem  Werk

und  für  einen  offensichtlich  größer  gedachten  Rahmen  belegt  ist .

An der feinen Bister-Einfassungslinie geschnitten und alt, möglicherweise durchaus schon zeitgenössisch, auf Linienpapier mit grün getuschter, nach innen und außen von feinen Linien in Bister gefaßter Paspelierung montiert. Die Zeichnung zusätzlich von schmalem Goldpapierstreifen gefaßt. Das Ganze wiederum alt auf mehrfach gegenkaschiertes Linienpapier montiert, dessen Rand schwarz getuscht ist. Ob eine Signatur samt Untertext ursprünglich vorhanden war oder ob solche zwecks optischer Angleichung beim Reheblatten gerade deswegen abgeschnitten und rückseits montiert wurde, weil anstehender Hirschruf ohne Text geblieben war, muß offenbleiben. Ridinger handhabte dergleichen im zeichnerischen Œuvre völlig variierend. Eine montagebedingte gewisse Bräunung namentlich im Waldbereich links beeinträchtigt weniger die Bildwirkung als daß sie ihr vielmehr eine sehr schöne authentische Patina verleiht. Kurz,

eine  zu  herausragender  Präsentation  aufbereitete ,

Ridinger’s  Wertschätzung  dokumentierende  Zeichnung ,

die  zudem  nicht  als  Radierung  allgegenwärtig  wurde .

Und  dazu  ein  für  Ridinger

jagdtechnisches  Fast-Unikat  von  zugleich  optischem  Glanz .

Angebots-Nr. 29.056 / Preis auf Anfrage


“ The print arrived and the packaging was wonderful – thank you for your care with this item! The print is lovely … If you ever see any other prints of horses like this, please let me know … ”

“ Hello Jan and thank you for the wonderful email, I do speak German, though … My co-author is German, so if you could send the brochure I am sure that the information will be appreciated and used properly … Again, thank you for the wonderful service and communication, and please keep me in mind if other … horse prints come in ”

(Mrs. K. K. S., April 5 & 13 resp., 2016)

 

Die  Auslese  des  Tages