English

Stand Modell

für den „Blauen Reiter“ Franz Marc

Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Baum Marder. Von einem Aste auf die mit einem Vogel herankommende Mutter schauender junger. Radierung mit Kupferstich. (1740.) Bezeichnet: J. E. R. fec. / N. 86., Titel wie vor. 18,5 x 14,6 cm.

Thienemann + Schwarz 476; Niemeyer, Ridinger Erlebnisse 1698-2020, 2021, p. 56. – Blatt 86 (in späterer Ausgabe 83) der instruktiven Suite Entwurf einiger Thiere ( „Diese Tafeln sind sehr gesucht und oft copirt“, Th. 1856). – Herrlicher, breitrandiger Abdruck der 1. Ausgabe und

Johann Elias Ridinger, Baummarder

thematisch hier erstmals in Kontext gestellt

zu Franz Marc’s malerischem „Spielende Wiesel“

von 1911, Hoberg-Jansen 144 nebst Abbildung.

Als von Ridinger inspiriert bekannt bislang nur Marc’s Holzschnitt „Reitschule nach Ridinger“ von 1913 (Lankheit 839) als Ausschnitt-Interpretation der Hintergrundfigur des aufsitzenden Reiters des dritten Blattes, Th. 608, der 1722er Reitschule, seitens der Literatur kommentiert mit

„ Aufschlussreich ,

dass Marc bei seiner sehr vertrauten Kenntnis der Kunstgeschichte

sich gerade diesen Meistern der Pferdedarstellung (Delacroix und Ridinger)

des 19. beziehungsweise 18. Jahrhunderts als Vorbildern zuwendet “

(Christian von Holst, Franz Marc – Pferde, 2003, SS. 166 ff. innert ‚… der Hufschlag meiner Pferde‘).

Doch bereits sein Öl der „Spielende(n) Wiesel“ von 1911, dem die gleichnamige Lithographie aus 1909/10 voranging, verrät die Kenntnis gleich mehrerer Ridinger-Kupfer aus durchaus verschiedenen Folgen. Marc zeigt zwei Wiesel, von denen das aufgebaumte eine, über einen Ast gebeugt, zu dem in aufgerichteter Pose auf der Erde sitzenden herunterschaut. Dabei das Baumwerk von einer Exzentrik, deren er sich in dieser vordergründigen Dichte im malerischen Œuvre nur noch auf den beiden „Akte(n) unter Bäumen“, H.-J. 143, gleichen Jahres bedient. Für die thematische Initialzündung steht Ridinger’s „Die Wiesel“, Th. 479, als Blatt 89 hiesiger Folge. Auch hier deren spielende zwei, doch beide auf der Erde und in einem in keiner Weise heranziehbaren Umfeld. Letzteres splittete Marc auf.

Und holte sich die Pose der beiden Tiere

aus anstehendem Blatte der beiden Baum-Marder

(zusätzlich hier verfügbar das Pendant mit den beiden Stein-Mardern Th. 475 sowie die originalen Druckplatten zu beiden). Deren junger über einem Ast gleich niedriger Höhe wie bei Marc hängt und auf die auf den Hinterpratzen am Baumstamm stehende Mutter schaut. Dieselbe Situation zeigt „Spilende Eichörnlein“ als Blatt 88 (Th. 478), nur mit dem Unterschied eines weiteren aufgebaumten, doch am Spiel unbeteiligten Tieres. Den auch für Ridinger eher selteneren bizarren Baumwuchs – und als solchen bezeichnet ihn auch ausdrücklich Sälzle in seiner 1980er Edition der Vorzeichnungen nachstehender Folge – aber übernahm er von Blatt 19 der Jagtbaren Thiere, der „Spuhr eines Marders / Spuhr von der Wiesel“ (Th. 181), bei gleicher Pose des aufgebaumten Marders mit dem indes neutral gezeigten Wiesel auf der Erde.

So konzipierte Marc seine „Spielende(n) Wiesel“ also ebenso an Hand mehrerer Ridinger-Vorlagen, wie letzterer seinerseits seine Watteau’sche „Ergözung der Schäfer“, Th.-Stillfried 1397, aus vier Vorbildern des Franzosen komponierte. Daß Marc schließlich auch der typischere Ridinger’sche Baumschlag nicht fremd war, zeigt die rechte Baumgruppe seines malerischen Waldinneren „Die Würm bei Pipping“ aus 1902/03, H.-J. 15 nebst Abbildung. Aber auch die Par force Szenerie auf dem Aquarell „Schloss Ried“ von 1914 – Holst, Abb. 11, S. 29 – steht für ein weiteres Beispiel der Beschäftigung Marc’s mit Ridinger,

die in dieser Pluralität bislang übersehen worden ist .

Angebots-Nr. 7.332 | EUR 248. (c. US$ 254.) + Versand

Blätter dieser Folge in großer Auswahl hier verfügbar


» tausend Dank … ich rufe ›Chapeau!‹ – Sie haben … ein beachtliches Werk (Beethoven – Die Seyfried Papiere) geschaffen und (zumindest für mich) vollkommen unbekanntes Material in bester wissenschaftlicher Tradition der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Ich las zunächst nur den rückwärtigen Text und blätterte das Innenleben kurz durch, freue mich aber schon darauf, spät, wenn alles schläft, Haus und Straßen still sind, mich in meinen Ledersessel zu setzen und bei einem Cognac in Ihr Buch einzutauchen. Ich bin sehr gespannt, denn ich weiß kaum etwas über Beethoven und sein Schaffen, das über Allgemeines wie ›Götterfunken‹ oder die spätere Taubheit hinausgeht …

» Ihr Beethoven-Buch ist schon lange durchgelesen – am Stück! Das Vorwort mit den Kunst-Zitaten und das Nachwort … wunderbar! … Für mich hat sich beim Lesen eine völlig neue Welt eröffnet und ein bisher, ich gestehe, nicht vorhandenes Interesse an dem großen Meister wurde geweckt. Amüsanterweise hatte ich genau einen Tag vor Eintreffen des Buches im Kulturradio einen Beitrag über Beethoven gehört, daß er den Ruf zu Jerome Bonaparte nach Kassel ausschlug, weil … Nach der Lektüre der Seyfried-Papiere habe ich ersteinmal Wikipedia zu biographischen Informationen bemüht … Musikalisch würde ich auch gerne tiefer in sein Schaffen eindringen. Hätten Sie, abgesehen von der 9., eine Hörempfehlung für mich? «

(Herr P. D., 11. August + 15. September 2019)

Die Auslese des Tages