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Rugendas’sche  Reiter-Skizze

Georg Philipp Rugendas I, Drei Reiter

unerhört  fühlbarer  Bewegungs-Rasanz

aus  „ der

berühmten  Leipziger  Handzeichnungs-Sammlung

Heinrich  Campes “

Rugendas d. Ä., Georg Philipp (1666 Augsburg 1742). Drei Reiter. Zwei galoppierend, der linke im Schritt. Federzeichnung in Schwarz über Bleistift. Unten rechts kursiv mit schwarzer Feder bezeichnet: G. P. R. 1703. 121 x 173 mm.

Provenienz

Heinrich Wilhelm Campe , Leipzig ,

dessen Erbteilung 1863 ,
mit dessen ovalem Blindstempel HWC unten links (Lugt 1391)

Pauline Brockhaus, Leipzig,
oder
Luise Vieweg , Braunschweig , als geb. Campe

Nagler, Monogramm., III, 279: „Die Cursiven findet man auf Zeichnungen“. – Auf leichtem Zeichenkarton, eingehängt auf großen braunen Sammlungskarton (43,4 x 32,5 cm) mit weißer Einfassungslinie + breitem Prägerand mit Inschrift „Sammlung Campe“, unten „Georg Philipp Rugendas / Augsburg 27. XI 1666 – 19. V. 1742 / Schüler von I. Fischer (recte Fisches) / Berühmter Schlachtenmaler.“, alles in etwas ausgeblaßtem Weiß. – Überwiegend im weißen Feld schwach stockstippig, gänzlich überspielt von der Bildrasanz.

Aus  dem  für  Augsburg  so  entscheidenden  kriegerischen  Jahr  1703

innerhalb des Spanischen Erbfolgekrieges mit namentlich seiner Belagerung + Besetzung durch die franz.-bayer. Truppen (15. 12. 1703 – 16. 8. 1704). „Im Laufe dieser Belagerung bewies Rugendas den Muth und die Unerschrockenheit des Kriegers; den Gefahren trotzend wagte er es in der Nähe zu sehen, was er bisher nur aus seiner Phantasie schöpfte“ (Nagler 1845 im Künstler-Lexicon). Entsprechend vorwärtsstürmend der Gestus der beiden Galopper, dessen Linker zudem mit Gewehr.

Diese sich unerhört mitteilende Bewegungs-Rasanz der beiden letzteren zusätzlich gesteigert von dem vergleichsweise ruhigen Linksaußen als Gegenpol. Gänzlich unprätentiös daherkommend, offenbart diese von Campe seiner Sammlung für würdig erachtete Skizze schlagartig „den großen Zeichner Rugendas“, der sich

„ seines  Könnens  auf  dem  Gebiet  der  Pferdezeichnung

unendlich  sicher  gewesen  sein  (muß) “,

so Gode Krämer im 1998er Augsburger Rugendas-Katalog angesichts einer Fülle von Detail-Studien, bei denen „niemals Pferde unter den Reitern sind“ (SS. 27 ff.).

Und Anke Ch. Held in ihrem den Ölen + ausgewählten Zeichnungen geltenden 1996er Œuvre-Katalog:

„ Schwierig  darzustellende  Bewegungen , etwa (wie hier) von Reitern im Sturmangriff werden mit photographischer Genauigkeit erfaßt“ (Seite 121).

Qualifizierungen, uneingeschränkt bestätigend, was hundert Jahre früher Wilhelm Schmidt resümieren ließ

„ ohne Zweifel ein Talent ersten Ranges, um nicht zu sagen, ein Genie. Zweifellos, unter bessere Verhältnisse gesetzt, etwa in den Niederlanden um 1650 lebend, ein Künstler … der seine

sämmtlichen  Pferde-  und  Schlachtenconcurrenten  überflügelt  hätte “

(ADB XXIX [1889], Seite 600).

Wie schon Meusel 1803 in seiner „Lebensgeschichte des Bataillenmalers Georg Philipp Rugendas“ konstatierte, dessen Kupferstiche seien „ein wahres Lexikon für den Pferdezeichner“ (nach Held, S. 126).

Und fürs unmittelbare 18. Jahrhundert mag das drastische résumé des Malerkollegen Ferdinand Kobell aus 1771 stehen, mit dem er das Augsburger Künstlertum der Vorgeneration beispielgebend differenzierte:

„ nur  schade , daß  in  einem  solchen  Orth

ein  Ridinger – und  Rugendas  gelebet  haben “

(Décultot et al. [Hrsg.], Joh. Gg. Wille, Briefwechsel, Tübingen 1999, S. 486).

Hiesige Ausführung in schwarzer Feder über Stift vom Standard der früheren Zeit: „Grundsätzlich liegt unter der exakten Zeichnung in Feder mit schwarzer, später auch brauner Tusche eine ebenso exakte, doch leicht neben der Federausführung liegende Kreidevorzeichnung …“ (Krämer, a. a. O., S. 32/II).

Georg Philipp Rugendas I, Drei Reiter (Slg. Campe)
Sammlung Campe

Dieser Zeichnung schließlich mit generationenübergreifender Campe’scher Provenienz zu begegnen, ist ein i-Punkt für sich. Denn den aus Deensen an der Weser gebürtigen Kaufmann und Bayerischen Generalkonsul Heinrich Wilhelm Campe (1770-1862) garniert ein familiärer Flor verlegerischer, buchhändlerischer und pädagogischer Importanz. Verzweigt in Hamburg, Braunschweig und Nürnberg, zensurkampferprobte Verleger von Heine und junger deutscher Literatur, Teilnehmer an Theodor Körners Beerdigung. Und mittels zweier seiner drei Töchter schrieb er seinerseits Verlagsgeschichte vom Feinsten. Sie wurden Madame Brockhaus + Madame Vieweg.

Und während die Gemälde der Sammlung im Mai 1863 in Dresden versteigert wurden – eine Erstkollektion von 470 Ölen + 1300 Zeichnungen hatte 1827 einen finanziellen Engpaß beheben müssen – wurden die Zeichnungen unter die Töchter aufgeteilt. Wobei der Bestand der mit dem Mediziner Prof. Hasse verehelichten dritten Tochter Sophie dank intensiv fortlebender Sammeltätigkeit den längsten Atem hatte und erst 1930 mit der Sammlung Ehlers und per Zufall Resten des Vieweg’schen Anteils zur Auflösung gelangte. Darunter fünf Arbeiten des älteren Georg Philipp Rugendas, doch nicht die hiesige. Entstanden aus kriegerischem Erleben, überstand sie zahlreiche weitere Attacken gleicher Couleur und

passiert  mit  ihren  300  Jahren  nun  hier  und  heute  ein  weiteres  Mal  den  Markt

bei zwischenzeitlichem Verweilen in der alten „berühmten Leipziger Handzeichnungs-Sammlung Heinrich Campes“.

Angebots-Nr. 15.180 / Preis auf Anfrage


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(Mevr. E. E., June 29, 2002)