English

Das Portrait korrupter Parteien

und einer verrotteten Gesellschaft

Hogarth, William (1697 London 1764). Die Wahl eines Parlamentsmitgliedes. Folge von 4 Blatt Kupferstichen von Thomas Cook (ca. 1744 – London 1818). Bezeichnet: Hogarth pinx(t). / T. Cook, sculp(t). / Published by Longman, Hurst, Rees(,) & Orme(,) (May 1st. 1807 – Oct. 1st. 1809). Bildgr. 14,6-15.5 x 18,8-19,7 cm.

1. Humours of an Election Entertainment. – 2. Canvassing for Votes. – 3. Polling at the Hustings. – 4. Chairing the Members.

Hogarth’s voll zeitgenössischer Anspielungen steckende berühmte Suite – zu seinen „reifsten Schöpfungen“ gehörend (Th.-B.) und hier in Cook’s kleinformatiger Wiederholung vorliegend – ist

die bekannteste graphische Schilderung einer Abgeordneten-Wahl .

Ihre Entstehung im klassischen Land des Parlamentarismus verleiht ihr besonderes Gewicht. Denn sie ist zugleich – inpiriert von Ereignissen in Oxfordshire während der 1754er Wahlen, herausgegeben 1755-58 – das Portrait nicht allein korrupter Politiker und Parteien, sondern einer verrotteten Gesellschaft an sich. War doch zu Hogarth’s Zeiten neben der auf allen Blättern dokumentierten zeitüblichen Schlemmerei und Trinkerei als Teil jeder Wahl die Bestechung,

William Hogarth, Die Wahl eines Parlamentsmitgliedes II

„ … durch Sir Robert Walpole und die Whigs zuerst systematisch ausgeübt, noch bei weitem scandalöser als später betrieben worden; so blieb es während der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und bis auf unsere Tage … Damals wurde nämlich der Besitz einer Parlamentsstelle oft genug als bloße Handelsspeculation betrachtet, indem der Gewählte … seine Stimme an die Regierung für eine Geldsumme, eine Sinekur, ein Amt oder eine Lieferung verkaufte, und alsdann von einem verfaulten Flecken sich wieder wählen lassen konnte, ein Verfahren, welches um so leichter war, da der Minister Walpole eine solche Bestechung der Parlamentsglieder – ‚jeder Mensch hat seinen Preis‘ – förmlich zum Regierungssystem erhoben hatte. Auch die vorliegenden Blätter Hogarth’s geben hievon Andeutungen “

(Lichtenberg).

Ein Schelm, wer dabei an die Unabhängikeit der Abgeordneten, den Fraktionszwang und die von der Partei vergebenen Listenplätze heute denken mag. Und an den Überdruß, den die Kaste der Berufspolitiker beim heutigen Wähler erregt, wenn Thieme-Becker resümieren:

William Hogarth, Die Wahl eines Parlamentsmitgliedes III

„ … eine köstliche Satire auf das Bestechungslaster und

die damit verbundene Demoralisierung des Volkes . “

Doch der Verwerflichkeit und käuflichen Parteilichkeit des gesamten Vorganges drückt Hogarth jenseits der Fülle der Anspielungen noch einen besonderen Stempel auf. Sind doch auch diese Blätter zugleich Karikaturen oder Parodien klassischer – und damit reiner – Werke aus Renaissance und Barock:

William Hogarth, Die Wahl eines Parlamentsmitgliedes I

So das erste Blatt bis hin zum – in dieser Version nicht mehr wiedergegebenen – Untertext „He that dippeth his hand with me in the dish, the same shall betray me“ nach Leonardo’s Abendmahl. Gefolgt von Blatt zwei mit dem von beiden Seiten bestochenen Landmann als Umkehrung der Wahl des Herkules. Die Wahl selbst wiederum greift Tizian’s Präsentation der Jungfrau auf, mit Britannia selbst in zerbrochener Kutsche, deren beide Bedienstete auf dem Kutschbock Karten spielen und sich – Sinnbild des eigentlichen Wahlgeschehens vorne – dabei gegenseitig zu betrügen suchen. Das letzte Blatt schließlich, der Triumphzug des gewählten neuen Parlamentsmitgliedes, gar auf Alexander den Großen in Le Brun’s Sieg Alexanders über Darius anspielt. Wobei der königliche Adler dort einer Gans hier weichen mußte. Die zudem mit dem, was sie fallen läßt, den Beitrag des neuen Abgeordneten zur Debatte im hohen Hause vorwegnimmt.

William Hogarth, Die Wahl eines Parlamentsmitgliedes IV

Diese Einbettung in den Kanon zeitloser Kunst zugleich und entgegen Lichtenberg’s Auffassung, die Blätter und ihre Details seien nur aus und in ihrer eigenen Zeit verständlich, der Folge

eine eigene , über die Jahrhunderte gültige Zeitlosigkeit

verleihend. Die noch unterstrichen wird von Hogarth’ oft mehrdeutigen oder je nach Zeit und Standpunkt anders auslegbaren Sarkasmen.

Angebots-Nr. 8.895 | EUR 375. | export price EUR 356. (c. US$ 366.) + Versand

– – – Dasselbe. Folge von 4 Blatt Stahlstichen. Ca. 1850. Bezeichnet. 12,9-13,5 x 15,8-16,2 cm.

Angebots-Nr. 12.169 | EUR 249. (c. US$ 256.) + Versand


“ The print arrived and the packaging was wonderful – thank you for your care with this item! The print is lovely … If you ever see any other prints of horses like this, please let me know …

“ Hello Jan and thank you for the wonderful email, I do speak German, though … My co-author is German, so if you could send the brochure I am sure that the information will be appreciated and used properly … Again, thank you for the wonderful service and communication, and please keep me in mind if other … horse prints come in ”

(Mrs. K. K. S., April 5 & 13 resp., 2016)